Free German League of Culture in Great Britain

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Free German League of Culture in Great Britain (FGLC), auch Freier Deutscher Kulturbund in England, Freier Deutscher Kulturbund in Großbritannien (FDKB) oder Freier Deutscher Kulturbund – Großbritannien war eine Organisation deutscher Emigranten im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland, die von 1939 bis 1945 bestand. Sie kann als ein Vorläufer des Kulturbundes der DDR gelten.

Geschichte und Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde sie im März 1939 auf Initiative deutscher Kommunisten, darunter Johann Fladung, Jürgen Kuczynski, Marguerite Kuczynski und Hans Schellenberger.[1][2] Sein erster Präsident war der Schriftsteller Hans Flesch-Brunningen. 1942 oder 1943 wurde er von Fladung abgelöst.[3]

Die Gründungsversammlung fand im Haus der Quäker in London statt. Schon im ersten Jahr wuchs die Organisation auf über tausend Mitglieder und gründete eine Schriftsteller-, eine Maler- und eine Kabarettgruppe „24 schwarze Schafe“. Auf den Veranstaltungen sprachen u. a. Alfred Kerr, Oskar Kokoschka, J. B. Priestley, Ludwig Renn, Henry Wickham Steed, Berthold Viertel und Stefan Zweig.[4]

Ab Januar 1940 hatte der Freie Deutscher Kulturbund ein Clubhaus in der Upper Park Road 36 im Londoner Stadtteil Hampstead. Das Haus war dem Kulturbund von der anglikanischen Kirche zur Verfügung gestellt worden und verfügte neben Veranstaltungsräumen, einer Bücherei, einem Café und einem Restaurant auch über ein kleines Theater.[5]

Von 1940 bis 1945 erschien die Zeitschrift Freie deutsche Kultur als Mitteilungsblatt des Kulturbundes, von November 1941 bis zur Einstellung redigiert von Max Zimmering.

Im Sommer 1942 eröffnete der Freie Deutscher Kulturbund in London die Ausstellung „Allies inside Germany“, die danach als Wanderausstellung unter dem Titel „We accuse – Ten years of Hitler Fascism“ an vielen Orten in Britannien gezeigt wurde:

„Sie informierte über die Lage in Deutschland, über Verfolgung, Unterdrückung und den Widerstand in allen seinen Facetten, vom bürgerlichen und religiös motivierten Widerstand bis hin zu den Untergrundaktivitäten von Sozialdemokraten und Kommunisten. Diese Ausstellung gehörte neben einem bisher kaum beachteten Aufruf des FDKB zur Wiedergutmachung des Unrechts an den europäischen Juden zu den bemerkenswertesten Aktivitäten der im Freien Deutschen Kulturbund in Großbritannien organisierten deutschen Emigranten.[6]

1943 kam es zu einer gegen die kommunistische Dominanz des FDKB gerichtete Abspaltung, die fortan unter dem Namen Club 1943 firmierte und auch nach dem Endes des Zeiten Weltkriegs (später mit dem Namenszusatz Anglo-German Cultural Forum) arbeitete. Anlass für diese Abspaltung war eine von Alfred Meusel in einer FDKB-Sitzung eingebrachte Resolution, mit der Winston Churchill aufgefordert werden sollte, umgehend eine „zweiten Front“ zu eröffnen, um die von den Deutschen angegriffene Sowjetunion zu entlasten. Dies wurde von einigen Mitgliedern des FKBD als unzulässige Einmischung in die britische Kriegspolitik angesehen, was als ersten Alfred H. Unger bewog, den FDKB zu verlassen. Unger schlossen sich schnell andere Emigranten an:

„According to Unger, the playwright Hans José Rehfisch, who had also resigned from the FGLC, came to see him on 1 January 1943. When they considered forming a breakaway association, they simply named it after the dawning New Year. The founding members of Club 1943 included some of the cream of the refugee community’s intellectual and artistic talent: alongside Rehfisch, its first chairman, and Unger, these included writers like the latter’s brother Wilhelm and Hans Flesch, the painter Fred Uhlman, the journalist and literary scholar Grete Fischer, the theatre critic Monty Jacobs, the lawyer Hermann Friedmann, the theatre owner Arthur Hellmer, the literary historian of the exiled writers Wilhelm Sternfeld and the theatre producer, author and philosopher Karl Wollf (so spelt). Those admitted to the Club early on included the poet Erich Fried, the Goethe biographer Richard Friedenthal, the journalist Hans Jäger and – after a spat characteristic of the Club - the novelist Gabriele Tergit.[7]

Trotz dieser internen Auseinandersetzungen und dem Verlust prominenter Mitstreiter spielte der FKBD weiterhin eine wichtige Rolle unter den deutschsprachigen Emigranten in Großbritannien. In den Jahren 1943/1944 war er Initiator und wichtiger Unterstützer von Aktionen zu Gunsten deutscher Emigrantenkinder und deren Vorbereitung auf eine Rückkehr nach Deutschland nach dem Ende des Krieges und konnte mit ihnen an die Erfolge mit der vorangegangenen Ausstellung „Allies inside Germany“ anknüpfen.

Die Theydon Bois School[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Theydon Bois School[8] wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, vermutlich 1943, auf Initiative des Freien Deutschen Kulturbundes gegründet und von Hans Schellenberger[9] geleitet.

Die Theydon Bois School war an einem Aufbau Deutschlands und Österreichs nach dem Ende des Kriegs orientiert. Eingebunden in die politische Exilbewegung und Exilarbeit sollte sie der Vorbereitung der jungen deutschen und österreichischen Flüchtlinge auf die Zeit nach deren Rückkehr in die Heimat dienen. In einem Flugblatt von 1943 heißt es dazu:

„These children who want to return to Germany after the war need a certain amount of instruction in German language, writing, literature, history and geography if they want to be able to play their part in the building up a new and better Germany and we count on you that you will help us to build up this school. Every contribution is one step nearer to achieving our aim which is to prepare these children to play their full part in a free and democratic post-war world.[10]

In dem gleichen Flugblatt[11] wurde der Finanzbedarf für das erste Jahr der Schule auf 2000 englische Pfund beziffert. Außer über Spenden wurde dieses Geld vor allem über Ausstellungen akquiriert, die der Freie Deutscher Kulturbund mit Kinderzeichnungen bestückte.

The War as Seen by Children[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „Refugee Childrens’ Evacuation Fund“ hatte 1941 unter dem Titel Children’s Art from all Countries eine Ausstellung zusammengestellt, die Kinderzeichnungen aus zwölf Nationen enthielt. Sie fand im Klubhaus des FDKB in Hampstead statt und wurde dort unter reger öffentlicher Anteilnahme von Julian Huxley, dem späteren ersten Generaldirektor der UNESCO, eröffnet.[12] Der Erfolg gab den Anstoß dafür, eine noch größere Ausstellung zu organisieren. Dazu wurden Emigrantenkinder aufgefordert, zu malen und zu basteln und die Ergebnisse ihrer Arbeiten auch zum Verkauf zur Verfügung zu stellen.[13] Die Resonanz war groß, und auch die schon erwähnten baskischen Emigrantenkinder beteiligten sich.

Gestützt auf diesen Fundus an Arbeiten wurde am 4. Januar 1943 die deutlich größere Ausstellung The War as Seen by Children in den Londoner „Cooling Galleries“ (New Bond Street) eröffnet. Hauptredner bei deren Eröffnung war Oskar Kokoschka.[14] Er und John Reed halfen auch mit, aus dem gesamten Material weitere Ausstellungen zu konzipieren. Drei reisten durch Britannien, eine wurde per Flugzeug in die USA gebracht – immer Verbunden mit der Bitte um Spenden für die deutschen Emigrantenkinder. Fladung spricht von 62 Ausstellungsorten und etwa vier Millionen Besuchern.[15]

Aus der Ausstellung ging das kleine Buch „The War as Seen by Children“ hervor, das 1944 mit einer Auswahl der Kinderzeichnungen und zusammen mit der Rede von Oskar Kokoschka zur Ausstellungseröffnung erschien, herausgegeben wiederum vom „Refugee children's Evacuation Fund“.

Diese Aktionen waren sehr erfolgreich.[16] Durch sie konnten sowohl Emigrantenkinder in Heimen unterstützt, als auch der finanzielle Grundstock für den Aufbau der Theydon Bois School geschaffen werden.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Auswahl der von den Kindern für die Ausstellungen und das Buch geschaffenen Werke kam mit Unterstützung der britischen Militärbehörden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland und konnten in Nordrhein-Westfalen ausgestellt werden.[17] Der Freie Deutscher Kulturbund selber, dem immer wieder eine große Nähe zur Kommunistischen Partei attestiert wurde, löste sich im Frühjahr 1946 auf:

„Seine Bedeutung wird im Nachhinein von ehemaligen Mitgliedern sehr unterschiedlich bewertet. Einige Künstler, die in die sowjetische Besatzungszone bzw. die DDR remigrierten, maßen ihrem Engagement für den FDKB eine politische Bedeutung zu, indem sie sich dort auf ihre künftige Teilhabe am Aufbau der DDR vorbereiten konnten. Für die Mitglieder hingegen, die nicht an eine Rückkehr nach Deutschland dachten, hatte der Kulturbund eher einen gesellschaftlichen und kulturellen Zweck erfüllt, indem er „die sozialen und geselligen Interessen der Flüchtlinge“ wahrnahm, wie es in der Satzung formuliert war.[18]

Für diejenigen Künstler, die in die sowjetische Besatzungszone bzw. die DDR remigrierten waren, dürfte es somit naheliegend gewesen sein, im Freien Deutschen Kulturbund den legitimen Vorgänger des Kulturbundes der DDR zu sehen. Auch in der Bundesrepublik gab es Versuche, an die Tradition des Freien Deutschen Kulturbundes anzuknüpfen. Sie sind eng verbunden mit dem früheren Gründungsmitglied Johann Fladung und dem von ihm initiierten Demokratischen Kulturbund Deutschlands und damit auch Teil der bundesrepublikanischen Kommunistenverfolgungen in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charmian Brinson and Richard Dove: Politics by Other Means: The Free German League of Culture in London 1939-1946, Verlag Vallentine Mitchell, 2010, ISBN 978-0853038627.
  • Hildegard Feidel-Mertz: Integration and Formation of Identity: Exile Schools in Great Britain. SHOFAR, Volume 23, No. 1, 2004 (elektronische Publikation über JSTOR)
  • Hildegard Feidel-Mertz: Pädagogik im Exil nach 1933. Erziehung zum Überleben. dipa-Verlag, Frankfurt am Main, 1990, ISBN 3-7638-0520-6
  • Hans Fladung: Erfahrungen. Vom Kaiserreich zur Bundesrepublik. Herausgegeben und eingeleitet von Prof. Dr. Josef Schleifstein, Röderberg-Verlag, Frankfurt am Main, 1986, ISBN 3-87682-808-2
  • A. Grenville and A. Reiter (Hrsg.): I didn’t want to float; I wanted to belong to something: Refugee Organizations in Britain 1933-1945. The yearbook of the Research Centre for German and Austrian Exile Studies. Rodopi, Amsterdam, 2008, ISBN 978-90-420-2567-7
  • Peter Seibert: ‚The War as Seen by Children‘? Kinderzeichnungen und Exil. In: Günter Helmes, Ariane Martin, Birgit Nübel, Georg-Michael Schulz (Hrsg.): Literatur und Leben: Anthropologische Aspekte in der Kultur der Moderne. Festschrift für Helmut Scheuer zum 60. Geburtstag. Gunter Narr Verlag, Tübungen, 2002, ISBN 3-8233-5883-9, S. 387–398

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Kuczynski: Memoiren. Köln 1983, S. 300f.
  2. Biografische Daten über Hans Schellenberger sind nur schwer zu finden. Im Bestand Pädagogisch-Politische Emigration (PPE) in den Exilsammlungen der Deutschen Nationalbibliothek befindet sich in den Unterlagen zum German Educational Reconstruction Committee ein Ausbürgerungsantrag der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) vom 26. Februar 1938. Daraus geht hervor, dass Johannes Gottfried Schellenberger am 3. April 1907 in Dresden geboren wurde und von Beruf Lehrer war. Die Gestapo wirft ihm in ihrem Antrag vor:
    a) Ende März 1933 die Verhaftung nach einer Hausdurchsuchung, bei der kommunistische Schriften gefunden worden seien, außerdem ein Dolch und eine Pistole. Verurteilt zu sieben Monaten Haft durch ein Sondergericht in Freiburg. Nach der Verbüßung der Strafe Schutzhaft bis 20. Dezember 1935 im Schutzhaftlager Sachsenburg.
    b) Sofort nach seiner Entlassung habe er die Leitung der illegalen Roten Wehr im Vogtland übernommen.
    c) Am 19. März 1936 sei er in die Tschechoslowakei geflohen, weil er seine Verhaftung befürchtet habe. Er habe sich im Emigrantenlager Strasnice bei Prag (heute: Strašnice im Verwaltungsbezirk Prag) aufgehalten und sei in der Lagerleitung tätig geworden.
    Die Deutsche Gesandtschaft in Prag teilte dem Auswärtigen Amt in Berlin am 18. März 1938 mit, dass gegen die Ausbürgerung keine Bedenken bestünden.
  3. Eine ausführlichere Darstellung der Arbeit der FGLC in englischer Sprache ist abrufbar unter: The Free German League of Culture
  4. Bericht von Hans Flesch-Brunningen im Mitteilungsblatt des Kulturbundes vom Dezember 1939, zitiert ebenda, S. 301.
  5. Ein Bild des Klubhauses ist auf der Webseite Free German League of Culture - Bildende Künstler im englischen Exil zu sehen.
  6. German League of Culture - Bildende Künstler im englischen Exil
  7. Club 1943. Zur weiteren Geschichte des Clubs 1943 siehe auch: Jens Brüning: Karawanserei des alten Europas. Die Geschichte des Clubs 1943. In: A. Grenville and A. Reiter (Hrsg.): I didn’t want to float, S. 67–88
  8. Theydon Bois ist ein Dorf im District Epping Forest in der Grafschaft Essex, wenige Kilometer nordwestlich von London. In Theydon Bois befand sich nach dem Endes des Spanischen Bürgerkriegs eine Kolonie für baskische Kinder, die ähnlich den Kindertransporten , 1937 aus Spanien nach England gebracht worden waren (Basque Children of '37 Association UK). Ob die Theydon Bois School an diese Tradition anknüpfte, ist nicht bekannt. Unter den Schulen im Exil ist sie die bis heute am wenigsten erforschte. Zu ihrer Existenz finden sich nur wenige Hinweise und kaum Dokumente.
  9. Charmian Brinson and Richard Dove (Politics by Other Means, S. 14) bezeichnen ihn als früheren Lehrer. Mehr über ihn ist nicht in Erfahrung zu bringen.
  10. Zitiert nach: Hildegard Feidel-Mertz: Pädagogik im Exil nach 1933. S. 149
  11. Als Ansprechpartner für Spenden wurde dort „The Refugee Childrens’ Evacuation Fund“ benannt, der die gleiche Adresse wie der FDKB hatte. Sekretär des „Funds“ war Hans Siebert (1910-1979), der nach 1947 die Schulabteilung des Zentralkomitees der SED leitete und später – nach einer vorübergehenden Suspendierung – eine Professur für Pädagogik an der Technischen Hochschule Dresden begleitete. Hierzu: Klaus-Peter Horn: Erziehungswissenschaft in Deutschland im 20. Jahrhundert: Zur Entwicklung der sozialen und fachlichen Struktur der Disziplin von der Erstinstitutionalisierung bis zur Expansion. Klinkhardt, Bad Heilbrunn/Obb, 2003, ISBN 978-3-7815-1271-9, S.346-347
  12. Hans Fladung: Erfahrungen. S. 271
  13. Aus den Verkaufserlösen sollten Hilfsaktionen unterstützt werden.
  14. Peter Seibert: ‚The War as Seen by Children‘?, S. 392. Das Fragezeichen leitet sich bei Seibert von dessen Fragestellung ab, inwieweit Kinderbilder „Kinderkunst“ sind und was Kokoschka bei seinem Engagement für die beiden Londoner Ausstellungen zu deren „Nobilitierung“ beigetragen hat. In Oskar Kokoschkas Buch Mein Leben (Verlag F. Bruckmann, München, 1971, ISBN 3-7654-1377-1) spielen dies Ausstellungen und die ihnen nachfolgende Publikation keine Rolle.
  15. Hans Fladung: Erfahrungen. S. 271–272. Was auffällt, ist, dass in der detailreichen Studie von Charmian Brinson and Richard Dove, Politics by Other Means, die oben erwähnte Ausstellung „The Allies inside Germany“ breiten Raum einnimmt (S. 123–125), dort aber weder von der Theydon Bois School noch von den Ausstellungen mit den Kinderzeichnungen oder dem Buch „The War as Seen by Children“ die Rede ist. Da die beiden Autoren Fladungs Buch kannten (es wird in ihrer Bibliografie auf S. 237 angeführt), rückt das einmal mehr den ungenügenden Forschungsstand um die Theydon Bois School ins Blickfeld.
  16. So zumindest beschrieben von Hans Fladung: Erfahrungen. S. 271–272. Konkretes über diese Aktionen ist nicht auffindbar.
  17. Hans Fladung: Erfahrungen. S. 273. Den genauen Zeitpunkt lässt Fladung offen, verweist aber darauf, dass er, wie schon bei der Ausstellungseröffnung in London, die Eröffnungsrede gehalten habe.
  18. Der Freie Deutsche Kulturbund in Großbritannien auf Künste im Exil