Josef Schleifstein

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Josef „Jupp“ Schleifstein (* 15. März 1915 in Łódź/Polen; † 24. Juli 1992 in Bad Homburg vor der Höhe) war ein deutscher Philosoph, kommunistischer Politiker und marxistischer Theoretiker.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Schleifstein wurde als zweiter Sohn des Lehrers Hermann Schleifstein und seiner Frau Miriam während eines Besuchs der Mutter in Łódź/Polen geboren. Aufgrund des Verlaufs des Ersten Weltkriegs konnte die Mutter erst Ende 1918 zu dem in Leipzig arbeitenden Vater zurückkehren. Ab 1925 besuchte Schleifstein das Realgymnasium und fiel bald durch musikalisches Talent auf. 1931 starb der Vater. Im selben Jahr trat Josef Schleifstein in den KJVD ein, arbeitete in Agitprop-Gruppen mit und wurde 1932 auch Mitglied der KPD. 1933 begann er ein Musikstudium an der Musikhochschule Leipzig.

Politische Tätigkeit[Bearbeiten]

Ab März 1933 arbeitete Schleifstein in der Illegalität für seine Partei und leistete Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Im November 1933 wurde er verhaftet und im Juni 1934 wegen Hochverrats zu 20 Monaten Zuchthaus verurteilt, die er in Waldheim absaß.

Emigration[Bearbeiten]

Nach seiner Entlassung Ende 1935 wurde er als Staatenloser nach Polen abgeschoben; von hier emigrierte er in die Tschechoslowakei und betätigte sich dort illegal für das ZK der KPD. Josef Schleifstein bildete sich in Zirkeln der Emigranten vor allem in Themen der Philosophie und Geschichte weiter, trat der Freien Deutschen Jugend bei und freundete sich mit dem Musiker Gideon Klein an.

Vier Tage vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März 1939 floh Schleifstein nach London, wo er in der Folge in der kommunistischen Exil-Jugendarbeit aktiv und stellvertretender Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend wurde. Später arbeitete er als Prüfer für Flugzeugmotoren. In seiner Freizeit studierte er die Theorien des Marxismus-Leninismus.

Ab 1941 arbeitete Josef Schleifstein vorwiegend in der Bildungsarbeit der Exil-KPD und lernte hierbei u.a. Kurt Hager und Jürgen Kuczynski kennen. 1942 heiratete er Trude Löwenstein und wurde im folgenden Jahr Vater einer Tochter. Seine jüdisch-polnische Mutter, der Bruder und alle direkten Verwandten wurden in den Konzentrationslagern des Hitlerregimes ermordet.

Heimkehr[Bearbeiten]

Im Oktober 1946 kehrte Schleifstein nach Deutschland zurück, wo er zuerst in Köln wohnhaft wurde und als stellvertretender Chefredakteur der „Volksstimme“ arbeitete, der Bezirkszeitung der KPD. 1948 wurde er Mitglied des Parteivorstands der KPD und leitete deren Presse- und Schulungsabteilung. 1949 wurde er als Sekretär des Parteivorstands in der BRD Mitglied der inneren Führungsgruppe, aus der er 1951 nach parteiinternen Auseinandersetzungen wieder abgelöst wurde.

Arbeit in der DDR[Bearbeiten]

Schleifstein begann Mitte 1951 als Lehrer an der regionalen Parteischule der SED in Ballenstedt seinen Lebensabschnitt in der DDR, den er Ende 1951 als Dozent an der Philosophischen Fakultät der Karl-Marx-Universität Leipzig (KMU) fortsetzt. 1956 promovierte er über die Arbeit Franz Mehrings [1] und wurde 1958 habilitiert. Seit 1957 war er Prorektor der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät. Seine Dissertation rehabilitierte Franz Mehring, der wie der Spartakusbund von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Leo Jogiches, von Stalin als opportunistisch 1928 verdammt worden war.

Ab 1960 kehrte er in den Parteivorstand der 1956 in der BRD verbotenen KPD zurück. Er lebte zu dieser Zeit in Berlin und wurde Sekretär des Parteivorstandes für Bildung, Theorie und Propaganda und Kandidat des Politbüros. Gleichzeitig war er von 1958 bis 1963 für den Kulturbund Abgeordneter der Volkskammer. 1963 war er Mitbegründer der Marxistischen Blätter, herausgegeben in Frankfurt am Main. Ab 1967 arbeitete er an einem neuen Programm der KPD.

Aktiv in Westdeutschland[Bearbeiten]

Im Mai 1968 kehrte Schleifstein in die BRD zurück und lebte zuerst in Köln, später in Bad Homburg vor der Höhe. Er wirkte mit bei der Neukonstituierung der DKP 1968. Im selben Jahr wurde er Mitglied des Parteivorstands sowie Mitbegründer und bis 1981 Leiter des Instituts für Marxistische Studien und Forschung (IMSF) in Frankfurt am Main, dem er bis 1990 verbunden blieb. Zusammen u. a. mit Robert Steigerwald und Willi Gerns erarbeitete er die theoretische Basis für die Politik der DKP in den 1970er und 1980er Jahren.

1988 versuchte Schleifstein, in der politischen Auseinandersetzung innerhalb der DKP über die politische „Erneuerung“ der Partei zu vermitteln, musste aber 1989 als Vorsitzender der zuständigen Kommission das Scheitern der Einigungsbemühungen feststellen.

1990, nach 22 Jahren ununterbrochener Mitgliedschaft, schied Schleifstein auf eigenen Wunsch aus dem Parteivorstand der DKP aus. 1991 wurde er Mitherausgeber von Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, nachdem er Anfang dieses Jahres der PDS beigetreten war.

Lebensende[Bearbeiten]

Im Herbst 1991 erlitt Schleifstein einen Schlaganfall, der ihn teilweise lähmte. Er musste bis Mai 1992 in der Klinik verbleiben und starb am 24. Juli 1992 in Bad Homburg vor der Höhe. Josef Schleifstein ist auf dem Jüdischen Friedhof in Köln-Bocklemünd beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten]

Im Oktober 1959 wurde Schleifstein mit dem "Vaterländischen Verdienstorden" der DDR ausgezeichnet. 1976 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der KMU Leipzig, 1978 wurde er Ehrendoktor der Universität Wrocław. Im Jahr 1985 wurde ihm der Karl-Marx-Orden der DDR verliehen.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Marx und Engels im Kampf gegen den Opportunismus, 1953
  • Die Septemberstreiks 1969. Darstellung - Analyse - Dokumentation der Streiks der Stahlindustrie, im Bergbau, in der metallverarbeitenden Industrie und in anderen Wirtschaftsbereichen. Frankfurt/Main 1969 (Beiträge des IMSF 1)
  • An der Praxis orientierte marxistische Forschung. In: 10 Jahre IMSF Marxistische Forschung für die Arbeiterbewegung. Druck Busse GmbH, Frankfurt am Main 1978, S. 9-12

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Steigerwald: Schleifstein, Josef. In: Philosophenlexikon. Von einem Autorenkollektiv hrsg. von Erhard Lange und Dietrich Alexander. Dietz Verlag, Berlin 1982, S. 832-833
  • Reale Geschichte als Lehrmeister. Josef Schleifstein 1915-1992. Frankfurt am Main: Institut für Marxistische Studien und Forschungen, 1993. ISBN 3-88807-097-X
  • Frank Deppe (Hrsg.): Marxismus und Arbeiterbewegung. Josef Schleifstein zum 65. Geburtstag. Frankfurt am Main: Verlag Marxistische Blätter, 1980. ISBN 3-88012-605-4
  • Nachruf von Wolfgang Fritz Haug: PDF
  • Heidi Roth, Der 17. Juni 1953 in Sachsen, Sonderausgabe für die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, S. 473

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz Mehring. Sein marxistisches Schaffen. 1879 – 1918. Rütten & Loening, Berlin 1959 (Schriftenreihe des Instituts für Geschichte an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Hrsg. Ernst Engelberg. Band 5)

Weblinks[Bearbeiten]