Friedrich Buchholz (Schriftsteller)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Paul Ferdinand Friedrich Buchholz (* 5. Februar 1768 in Alt Ruppin; † 24. Februar 1843 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller. Er vertrat bürgerliche, frühliberale und saint-simonistische Positionen und gilt als Wegbereiter soziologischen und positivistischen Denkens in Deutschland.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchholz studierte von 1785 bis 1787 an der Universität Halle Theologie und neuere Sprachen. Danach unterrichtete er zwölf Jahre lang an der Ritterakademie Brandenburg. Ab 1800 lebte er als Schriftsteller in Berlin und entfaltete eine überaus umfangreiche Produktion von Büchern und Aufsätzen besonders zu sozialphilosophischen, historischen und politischen Themen. Schon nach wenigen Jahren galt er als einer der einflussreichsten politischen Publizisten in Deutschland. Politisch vertrat er frühliberale bürgerliche Positionen und bekämpfte besonders den Adel und seine Privilegien.

Gegen seine Schrift Untersuchungen über den Geburtsadel polemisierte der damalige Gymnasialprofessor Ernst Gottfried Fischer (1754–1831), der in den 1780er-Jahren als Hauslehrer Wilhelm und Alexander von Humboldt und von 1810 bis 1816 den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm in Mathematik und Naturwissenschaften unterrichtete.[1]

Seit 1810 unterstützte Buchholz publizistisch die Hardenbergsche Reformpolitik. 1815 gründete Buchholz eine eigene Zeitschrift, die er zunächst unter dem Titel „Journal für Deutschland, historisch-politischen Inhalts“ herausgab und redigierte. Von 1820 bis 1835 setzte er sie fort unter dem Titel „Neue Monatsschrift für Deutschland, historisch-politischen Inhalts“.

Buchholz erweist sich in seinen sozialtheoretischen Schriften als einer der ersten Vertreter soziologischen Denkens in Deutschland. Außerdem hat er den Positivismus Auguste Comtes sowie die Lehren Henri de Saint-Simons und der Saint-Simonisten großenteils übernommen und in Deutschland bekannt gemacht, indem er 40 Abhandlungen von Comte, Saint-Simon und seinen Schülern ins Deutsche übersetzte und in seiner Zeitschrift veröffentlichte.

In seinen Schriften vertrat Buchholz antijüdische Ressentiments, wobei seine diesbezügliche Polemik häufig ökonomisch motiviert war. Dementsprechend wandte sich Buchholz auch gegen die Judenemanzipation.[2][3]

Das Werk von Buchholz wird bis heute rezipiert.[4]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien

(alle Titel erscheinen hier in der zeitgenössischen, originalen Schreibweise)

  • Darstellung eines neuen Gravitazionsgesetzes für die moralische Welt. Unger, Berlin 1802.
  • Der neue Leviathan. Cotta, Tübingen 1805. Neudruck mit Vorwort von Rütger Schäfer: Scientia, Aalen 1970, ISBN 3-511-00679-1.
  • Rom und London oder über die Beschaffenheit der nächsten Universal-Monarchie. Cotta, Tübingen 1807.
  • Untersuchungen über den Geburtsadel und die Möglichkeit seiner Fortdauer im neunzehnten Jahrhundert. Berlin, Leipzig 1807.
  • Gallerie Preussischer Charaktere. Germanien 1808 (Digitalisat). Neudruck: Zweitausendeins, Frankfurt 1979.
  • Gemählde des gesellschaftlichen Zustandes im Königreiche Preussen, bis zum 14ten Oktober des Jahres 1806. 2 Bände. Berlin, Leipzig 1808.
  • Idee einer arithmetischen Staatskunst mit Anwendung auf das Königreich Preußen in seiner gegenwärtigen Lage. Duncker und Humblot, Berlin 1809.
  • Hermes oder über die Natur der Gesellschaft – mit Blicken in die Zukunft. Cotta, Tübingen 1810. Neudruck: Hrsg. Jörn Garber. Scriptor, Kronberg/Taunus 1975, ISBN 3-589-15040-8.
  • Geschichte der Europäischen Staaten seit dem Frieden von Wien. (Auch unter dem Titel Historisches Taschenbuch). 22 Bände. Berlin 1814–1837.
  • Philosophische Untersuchungen über die Römer. 3 Bände. Enslin, Berlin 1819.
  • Geschichte Napoleon Bonaparte’s. 3 Bände. Enslin, Berlin 1827–1829.

Übersetzungen

  • Übersetzung von Madame de Staël: Über Deutschland. J. J. Mäcken’sche Buchhandlung, Reutlingen 1815 (Digitalisat).
  • 40 aus dem Französischen übersetzte Abhandlungen. In: Neue Monatsschrift für Deutschland, historisch-politischen Inhalts. Band 14 (1824) bis Band 48 (1835). Neudruck in: Saint-Simonistische Texte. Herausgegeben und eingeleitet von Rütger Schäfer. 2 Bände. Scientia, Aalen 1975, ISBN 3-511-06920-3.
  • Übersetzung von Vittorio Alfieri: Der Fürst und die Wissenschaften. In Verbindung mit der Deutschen Schillergesellschaft hrsg. von Enrica Yvonne Dilk und Helmuth Mojem. Mit einem Nachwort von Arnaldo Di Benedetto. Wallstein, Göttingen 2011, ISBN 978-3-8353-0862-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor MutherBuchholz, Paul Ferdinand Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 480.
  • Kurt Bahrs: Friedrich Buchholz – Ein preußischer Publizist. 1768–1843. (Historische Studien, Heft LVII). Berlin 1907, Nachdruck: Vaduz 1965.
  • Hans Gerth: Friedrich Buchholz – Auch ein Anfang der Soziologie. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Band 110, 1954, S. 665–692.
  • Wilmont HaackeBuchholz, Paul Ferdinand Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 701 f. (Digitalisat).
  • Rütger Schäfer: Friedrich Buchholz – ein vergessener Vorläufer der Soziologie. Eine historische und bibliographische Untersuchung über den ersten Vertreter des Positivismus und des Saint-Simonismus in Deutschland. (Göppinger Akademische Beiträge, Nr. 59). 2 Bände. Kümmerle, Göppingen 1972, ISBN 3-87452-159-1.
  • Jörn Garber: Politische Revolution und industrielle Evolution: Reformstrategien des preußischen Saint-Simonismus (Friedrich Buchholz). In: Otto Büsch, Monika Neugebauer-Wölk (Hrsg.): Preußen und die revolutionäre Herausforderung seit 1789. de Gruyter, Berlin, New York 1991, ISBN 3-11-012684-2, S. 301–330.
  • Jörn Garber: Von der naturalistischen Menschheitsgeschichte (Georg Forster) zum gesellschaftswissenschaftlichen Positivismus (Friedrich Buchholz). In: Jörn Garber, Tanja van Hoorn (Hrsg.): Natur – Mensch – Kultur. Georg Forster im Wissenschaftsfeld seiner Zeit. Wehrhahn, Hannover 2006, ISBN 978-3-86525-017-9, S. 53–78.
  • Iwan-Michelangelo D’Aprile: „Wo der Pöbel vernünftelt…“ Die Fehde zwischen Buchholz und Gentz. In: Zeitschrift für Ideengeschichte. Heft III/4, 2009, S. 33–46.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Apologie des Adels. Gegen den Verfasser der sogenannten Untersuchungen über den Geburtsadel von Hans Albert Freiherrn von S***. Amelang, Berlin 1807 (Web-Ressource); das Exemplar der Bibliothek Varnhagen in der Staatsbibliothek zu Berlin, Signatur Bibl. Varnhagen 553, wurde von Karl August Varnhagen von Ense auf dem Titelblatt mit der Verfasserangabe versehen.
  2. Iwan-Michelangelo D'Aprile: Die Erfindung der Zeitgeschichte. Geschichtsschreibung und Journalismus zwischen Aufklärung und Vormärz. Akademie Verlag, Berlin 2013, S. 192 ff.
  3. Wolfgang Benz (Hg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Band 3: Begriffe, Theorien, Ideologien. de Gruyter, Berlin 2010, S. 96
  4. Iwan-Michelangelo D’Aprile: „Wo der Pöbel vernünftelt…“ Die Fehde zwischen Buchholz und Gentz. In: Zeitschrift für Ideengeschichte. Heft III/4, 2009, S. 33–46.