Friedrich Lucae (Geistlicher)

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Friedrich Lucae (latinisiert aus:) Friedrich Lichtstern (* 1644; † 1708 in Rotenburg) war ein deutscher reformierter Pfarrer und schlesischer Chronist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Lucae entstammte einer Familie reformierten Glaubensbekenntnisses. Sein Vater Johann Lucae war Professor am fürstlichen Gymnasium in Brieg. Ebendort besuchte Friedrich Lucae die Schule, bevor er sich zum Theologiestudium 1662 an der Universität Heidelberg immatrikulierte. Es folgten 1664 und 1665 Besuche der Universität Nimwegen, der Universität Utrecht, der Universität Leiden und schließlich 1667 der Brandenburgischen Universität Frankfurt. Im Jahre 1668 fand er Anstellung als zweiter Hofprediger in Brieg, wurde aber kurze Zeit später zum ersten Hofprediger in Liegnitz berufen.

Nach dem Tod des Herzogs Georg Wilhelm I., mit dem das Geschlecht der Schlesischen Piasten 1675 erlosch, fielen die Herzogtümer Liegnitz, Brieg und Wohlau durch Heimfall an die Krone Böhmen, die seit 1526 die Habsburger innehatten. Sie verfolgten eine strenge Rekatholisierung in den Herzogtümern. Nachdem die Liegnitzer Schlosskirche geschlossen wurde, emigrierte Friedrich Lucae. 1676 wurde er in Kassel durch die Landgräfin von Hessen als Oberpfarrer in der dortigen Neustadt aufgenommen. Im Jahre 1685 avancierte er zum zweiten Hofprediger. Nur wenige Jahre später berief ihn der Fürst von Nassau-Siegen als Kirchenrat und Inspektor des Schulwesens nach Siegen. 1694 kehrte er nach Hessen zurück und wurde Metropolitan in Spangenberg, wechselte aber bereits um 1696 nach Rotenburg, um wieder als Oberpfarrer tätig zu werden. Dort war er gleichzeitig und bis zu seinem Tod Dechant des Elisabethstiftes und Metropolitan der Diözese.

Zu seinen Nachfahren zählen Samuel Christian, Friedrich und Gustav Lucae.[1]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geistlichen Weltschlüssel. Frankfurt a. M. 1679.
  • Schlesische Fürsten-Krone oder eigentliche wahrhaffte Beschreibung Ober- und Nieder-Schlesiens etc. Frankfurt a. M. 1685.
  • Schlesiens curieuse Denckwürdigkeiten oder vollkommene Chronica von Ober- und Nieder-Schlesien. 2 Bände, Knoch, Frankfurt a. M. 1689 (E-Kopie).
  • Das edle Kleinod an der hessischen Landeskrone. 1701 (Neuausgabe, bearbeitet von Hans-Günter Kittelmann. Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde, Kassel 1996. ISBN 3-925333-29-0).
  • Oraniens Triumph- und Ehrenfahne. 1702.
  • Des Heil. Römischen Reichs Uhralter Graffen-Saal. Knoch, Frankfurt a. M. 1702.
  • Des Heiligen Römischen Reichs Uhralter Fürstensaal. Knoch, Frankfurt a. M. 1705.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Lucae: Der Chronist Friedrich Lucä. Ein Zeit- und Sittenbild aus der zweiten Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts, Brönner, Frankfurt am Main 1854.
  • Colmar GrünhagenLucae, Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 19, Duncker & Humblot, Leipzig 1884, S. 336 f.
  • Manfred P. Fleischer: Friedrich Lucae (1644–1708). In: Josef Joachim Menzel (Hrsg.): Schlesische Lebensbilder Bd. 7. Schlesier des 15. bis 20. Jahrhunderts. Sigmaringen [u. a.] 2001, S. 66–71.
  • Kalina Mróz-Jabłecka: Das Bild der literarischen Provinz Schlesiens am Beispiel von "Schlesiens curieuse Denckwürdigkeiten oder vollkommene Chronica von Ober- und Nieder-Schlesien" von Friedrich Lucae. In: Marek Adamski (Hrsg.): Schlesien als literarische Provinz. Literatur zwischen Regionalismus und Universalismus (= Beiträge des Städtischen Museums Gerhart-Hauptmann-Haus in Jelenia Góra; 2). Leipzig 2008, S. 31–41.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. W. Bickerich: Friedrich Lucäs Reise nach Lissa um 1672. In: Historische Monatsblätter für die Provinz Posen, Jahrgang 8 (1907), S. 130.