Friedrich Radszuweit

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Heinrich Friedrich Radszuweit (* 15. April 1876 in Klein-Stobingen, Kreis Insterburg[1]; † 3. April 1932 in Berlin[2]) war ein deutscher Homosexuellen-Aktivist, Unternehmer, Verleger und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelblatt der Blätter für Menschenrecht vom September 1926, gehalten von Rainer Hoffschildt
Ausgabe der deutschen Zeitschrift Die Freundin, 1928

Friedrich Radszuweit arbeitete zunächst in Berlin als Hausdiener und eröffnete 1901 in Berlin ein Einzelhandelsgeschäft für Damenkonfektion; im gleichen Jahr heiratete er die Verkäuferin Johanne Bertha Schneidau (1862–1929)[1]. Er übernahm 1923 den Vorsitz des 1920 als Deutscher Freundschaftsverband gegründeten und 1923 umbenannten Bund für Menschenrecht E.V. (BfM). Der Verein setzte sich für die Rechte homosexueller Menschen ein und forderte die Abschaffung des § 175. Radszuweit gründete einen Verlag, der von 1923 bis 1933 die monatlich erscheinende Zeitschrift Blätter für Menschenrecht für Mitglieder des BfM und die wöchentlich erscheinende Zeitschrift Das Freundschaftsblatt herausgab. Sein Verlag publizierte weitere Zeitschriften für homosexuelle Männer und Frauen wie Die Insel, Magazin der Einsamen (1926–1931), für Transvestiten Das 3. Geschlecht (fünf Hefte: 1930–1932) und als erste lesbische Zeitschrift Die Freundin, Wochenschrift für ideale Frauenfreundschaft.

Des Weiteren veröffentlichte der Radszuweit-Verlag Bücher mit homosexuellen Inhalten und Aktfotografien sowie die ersten Schallplatten mit Liedern, die homosexuelle Inhalte hatten (beispielsweise von Bruno Balz und Erwin Neuber Bubi laß uns Freunde sein).

Radszuweit schrieb mehrere erfolgreiche Romane wie Männer zu verkaufen, Ledige Frauen, Die Symphonie des Eros und Paul Tritzkis Lebensweg. 1927 verteilte er einen Aufruf zur Reform des § 175 an die Reichstagsmitglieder.[3]

1932 starb Radszuweit in seiner Wohnung in Berlin-Wilhelmshagen[2] an Tuberkulose. Sein Alleinerbe war Martin Butzkow, den er 1929, vier Wochen nach dem Tod seiner Ehefrau, adoptiert hatte.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Männer zu verkaufen. Lipsia-Verlag, Leipzig 1932.
  • Die Symphonie des Eros. , Kaiser Friedrich-Str. 1, Berlin-Pankow 1925.
  • Paul Tritzkis Lebensweg. Orplid-Verlag, Berlin-Pankow 1924.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd-Ulrich Hergemöller, Mann für Mann. S. 568 f.
  • Stefan Micheler: Selbstbilder und Fremdbilder der „Anderen“. Männer begehrende Männer in der Weimarer Republik und der NS-Zeit. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 2005, Kapitel III, S. 82–116.
  • Stefan Micheler: Zeitschriften, Verbände und Lokale gleichgeschlechtlich begehrender Menschen in der Weimarer Republik. 1. August 2008, auf: www.stefanmicheler.de/wissenschaft/stm_zvlggbm.pdf.
  • Jens Dobler: Nachwort. In: Friedrich Radszuweit: Männer zu verkaufen. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2012, S. 159–178.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Heiratsregister StA Berlin VIII Nr. 1233/1901
  2. a b Sterberegister StA Berlin-Rahnsdorf Nr. 10/1932
  3. Friedrich Radszuweit: Irrlehren über die Homosexualität. § 175 muss abgeschafft werden ! Denkschrift an den Deutschen Reichstag zur Beseitigung einer Kulturschande. Herausgegeben von Bund für Menschenrechte, Berlin 1927, 14 Seiten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Radszuweit im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek