Rainer Hoffschildt

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Rainer Hoffschildt 2007

Rainer Hoffschildt (* 9. Juni 1948 in Güstrow) ist ein schwuler Aktivist, Geschichtsforscher und Autor, der die Verfolgung Homosexueller in der Zeit des Nationalsozialismus besonders thematisiert.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stolperstein für Kurt Rampoldt, Strielstraße 2 in Hannover-Mitte (Rainer Hoffschildt steuerte Biographisches bei)
Rainer Hoffschildt (ganz rechts) während einer Mitgliederversammlung des VEHN e.V.

Nach seiner Kindheit in Hoppenrade/Lüdershagen in der sowjetischen Besatzungszone und seiner Flucht aus der DDR wohnte er zunächst in Lübeck.

In Flensburg legte er 1969 sein Abitur am Alten Gymnasium ab[1] und studierte später an der Justus-Liebig-Universität Gießen Wirtschaftswissenschaften. In Hannover arbeitete er bis zu seiner Pensionierung.

Seit 1978 beteiligt er sich an der Aktionsgruppe Homosexualität Hannover (HSH), die noch heute in veränderter Zusammensetzung und Zielsetzung besteht.

1991 berief ihn der niedersächsische Innenminister in den Niedersächsischen Härtefonds für Hilfen an Verfolgte des NS-Regimes in besonderen Notlagen.

Hoffschildt wurde 1992 durch sein Buch Olivia bekannt, in welchem er die Geschichte von Homosexuellen in Hannover dokumentiert. Er ist Initiator des „Vereins zur Erforschung der Geschichte der Homosexuellen in Niedersachsen“ (VEHN, s. Weblinks) und betreut das Schwullesbische Archiv Hannover (SARCH), das das Schicksal tausender verfolgter homosexueller Männer in der NS-Zeit dokumentiert. Diese Dokumente haben in mehreren Städten zu Setzungen von Stolpersteinen für Schwule beigetragen.

Aus dem SARCH entwickelte Rainer Hoffschildt die Zentrale Erfassung Homosexuellendiskriminierung nach Fallgruppen und verschiedenen Regionen und Ländern, aus der die ZEH-Dokumente erstellt wurden (siehe Publikationen).

Seit 2005 ist Rainer Hoffschildt Mitglied im Beirat der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten.

Zur Verlegung von Stolpersteinen insbesondere von Opfern der Homosexuellenverfolgung durch die Nationalsozialisten steuert Hoffschildt regelmäßig biographische Daten bei, etwa für die Ortsgruppe Hannover der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK).[2]

2012 wurde Rainer Hoffschildt vom LSVD Niedersachsen-Bremen „für besonderes Engagement im lesbischwulen Bereich“ mit dem LSVD-Preis geehrt.[3]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statistiken der Verfolgung nach § 175 in der BRD; Nachkriegszeit bis 1994;
Rainer Hoffschildt, Dezember 2016

Ausstellungen (unvollständig)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: Zur Geschichte der Homosexuellen im Mittelweserraum: Emanzipation und Verfolgung homosexueller Männer vom 19. Jahrhundert bis zur NS-Zeit, Rathaus Nienburg, im Rahmen der Veranstaltungen zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, veranstaltet vom Arbeitskreis Gedenken (Stadt Nienburg, Evangelischer Kirchenkreis, Heinrich-Albert-Oppermann-Gesellschaft, Runder Tisch gegen Rassismus und rechte Gewalt, Kulturwerk Nienburg, Verein gegen Vergessen - für Demokratie, Albert Reichwein Verein und Niedersächsische Ostgesellschaft)
  • 2009: und sie bewegt sich doch ... Die Geschichte der Schwulenbewegung in Hannover von einst bis jetzt, Veranstaltung in der Reihe "Mittendrin und Miteinander" in Verbindung mit der Ausstellung im Historischen Museum Hannover
  • 1992: Oliva. Die bisher geheime Geschichte des Tabus Homosexualität und der Verfolgung der homosexuellen in Hannover, Ausstellung vom 11. Mai bis 6. Juni 1992 in der Volkshochschule Hannover, Theodor-Lessing-Platz 1 sowie Rahmenprogramm in der Nieschlagstraße 26 und im Pavillon, veranstaltet durch den Verein zur Geschichte der Homosexuellen in Niedersachsen e.V., gefördert durch das Niedersächsische Sozialministerium, das Niedersächsische Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie die Volkshochschule Hannover[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Neugebauer (Fotos), Katharina Sieckmann (Text): Rainer Hoffschildt (geboren 1948), in: Zwischenzeit. Lebenserinnerungen an der Leine, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Historischen Museum Hannover vom 26. April bis 28. Juli 2013, hrsg. von Julia Berlit-Jackstien und Karljosef Kreter in der Reihe Schriften zur Erinnerungskultur Hannover, Band 5, im Auftrag der Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Bildung und Qualifizierung, Projekt Erinnerungskultur, Hannover: Verlag Hahnsche Buchhandlung Hannover, 2013, ISBN 978-3-7752-6204-0, S. 92–95

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reifezeugnis, datiert 20. Mai 1969, noch mit dem alten Stempel „Altes Gymnasium Flensburg, Staatl. Gymnasium für Jungen“
  2. Vergleiche etwa Rainer Hoffschildt: Namensprojekt / Stolpersteine / Stolperstein für Kurt Rampoldt [ohne Datum, 2007?], zuletzt abgerufen am 8. Oktober 2013.
  3. Vergleiche dieses Foto mit Rainer Hoffschildt und der Urkunde.
  4. Daten laut Plakat der Ausstellung in der Sammlung Rainer Hoffschildt