Landkreis Insterburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kreishaus, Albrechtstr. 17 in Insterburg

Der ostpreußische Landkreis Insterburg im Regierungsbezirk Gumbinnen bestand von 1818 bis 1945. Nach der Erhebung der Stadt Insterburg zum Stadtkreis umfasste er nur noch die Landgemeinden im Umkreis der Stadt. Er umfasste am 1. Januar 1945 drei Gutsbezirke (Forsten) und 174 kleinere Gemeinden. Nur Aulenbach und Norkitten hatten mehr als 1000 Einwohner. Zwei Drittel der Erwerbstätigen waren in der Landwirtschaft beschäftigt. Benachbart waren (im Norden beginnend und im Uhrzeigersinn umlaufend) der Landkreis Elchniederung, der Landkreis Tilsit-Ragnit, der Kreis Pillkallen, der Kreis Gumbinnen und der Landkreis Angerapp im Bezirk Gumbinnen sowie der Kreis Gerdauen, der Kreis Wehlau und der Kreis Labiau im Regierungsbezirk Königsberg.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königreich Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den preußischen Verwaltungsreformen nach dem Wiener Kongress entstand zum 1. September 1818 der Kreis Insterburg im Regierungsbezirk Gumbinnen in der preußischen Provinz Ostpreußen. Dieser umfasste die Kirchspiele:

Das Landratsamt war in Insterburg.

Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der bisherigen Provinzen Ostpreußen und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit dem Sitz in Königsberg i. Pr.

Norddeutscher Bund und Deutsches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Nach der Teilung der Provinz Preußen in die neuen Provinzen Ostpreußen und Westpreußen wurde der Kreis Insterburg am 1. April 1878 Bestandteil Ostpreußens.

Am 1. April 1902 wurde die bisher kreisangehörige Stadtgemeinde Insterburg in einen Stadtkreis umgewandelt. Der Kreis Insterburg erhielt danach die Bezeichnung Landkreis.

Zum 1. Mai 1925 wurden Teile des Gutsbezirks Althof-Insterburg aus dem Landkreis Insterburg in den Stadtkreis Insterburg eingegliedert.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Insterburg entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbstständigen Gutsbezirke bis auf vier aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Zum gleichen Zeitpunkt wurde der Gutsbezirk Sziedlauken aus dem Kreis Tilsit-Ragnit in den Landkreis Insterburg eingegliedert.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt. Nach Kriegsende kam das Kreisgebiet unter sowjetische Verwaltung. Heute gehört das ehemalige Kreisgebiet zur russischen Oblast Kaliningrad.

Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis Insterburg gliederte sich zunächst in die Stadtgemeinde Insterburg, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständigem Wegfall – in selbstständige Gutsbezirke.

Mit Einführung des Preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle Gemeinden.

Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 die im Deutschen Reich gültige Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst.

Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegelmarke (1850–1923)
1818–1841: Johann Ludwig Burchard (1773–1841)
1842–1844: Ludwig Wilhelm zu Dohna-Lauck
1845–1851: Heinrich von Schirmeister
1852–1871: Gustav Dodillet
1872–1879: Konrad von Massow
1879–1887: Arthur Germershausen
1887–1890: Robert Davidson
1890–1903: Hugo Brasch
1903–1909: Adolf Magnus
1909–1918: Adolph Overweg
1918–1920: Heinrich Schumann
1920–1928: Viktor Grimpe
1928–1930: Albert Voegt
1930–1935: Ernst Lührmann
1935–1945: Karl von der Groeben

Amtsbezirke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1874 und 1945 war der Landkreis Insterburg in eine Stadt (= Insterburg (russisch: Tschernjachowsk)) und zahlreiche Amtsbezirke untergliedert[1]:

Name (bis 1939) Name (1938–1946)
Alischken Walddorf
Almenhausen Puschdorf
Althof Althof-Insterburg
Auluwönen Aulenbach (Ostpr.)
Berschkallen Birken (Ostpr.)
Blockinnen / Schwirbeln Güldenau
Budwethen Schönwaldau
Carlswalde Karlswalde
Didlacken Dittlacken
Eichwald Eichwald
Friedrichsgabe Friedenau
Georgenburg Georgenburg
Groß Bubainen Waldhausen (ab 1930)
Groß Eschenbruch Groß Eschenbruch
Groß Franzdorf Franzdorf
Groß Jägersdorf Groß Jägersdorf
Grünheide Grünheide
Jänischken Jänichen
Jodlauken Schwalbental
Juckeln Buchhof (ab 1927)
Kaukern Bärensprung
Keppurlauken Birkenhof
Kranichbruch Kranichbruch
Kraupischkehmen Erdmannsruh
Kummetschen/Karalene Luisenberg
Lasdehnen Neuwalde
Lindenbusch/Papuschienen Grauden
Lugowen Großlugau
Neunischken Neunassau
Norkitten Norkitten
Obehlischken Schulzenhof
Padrojen Horstenau
Pelleningken Strigengrund
Pieragienen Angerlinde
Saalau,
bis 1892 auch: Laßeningken,
bis 1939 auch: Gnottau
Saalau,
Laschnicken,
Gnottau
Seßlacken Seßlacken
Szieleitschen/Geswethen Landwehr (Ostpr.)
Waldhausen Waldhausen

Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1938 fanden im Kreis Insterburg umfangreiche Änderungen von Ortsnamen statt. Das waren, da meist „nicht deutsch genug“, lautliche Angleichungen, Übersetzungen oder freie Erfindungen. Von 202 Gemeinden wurden 98 am 3. Juni 1938 (amtlich bestätigt am 16. Juli 1938) umbenannt[2]:

  • Neunischken: Neunassau
  • Obehlischken: Schulzenhof
  • Padrojen: Drojental
  • Paducken: Padau
  • Pakalehnen: Schweizersdorf
  • Papuschienen: Grauden
  • Paskirsnen: Kirsnen
  • Patimbern: Birkenhorst
  • Pelleningken: Strigengrund
  • Perkunischken: Perkunsfelde
  • Peterkehmen: Peterstal
  • Pillupönen: Kuttenhöh
  • Pleinlauken: Rosenthal
  • Powehlischken: Hoffnungsbrück
  • Pusberschkallen: Unterbirken (Ostpr.)
  • Rudlauken: Ossafurt
  • Saugwethen: Saugehnen
  • Sauskeppen: Sausen
  • Schacken: Schackenau
  • Schameitkehmen (Szameitkehmen): Walkenau
  • Schemlauken: Roßberg
  • Scheppetschen: Oberschleifen
  • Schernupchen: Kirschland
  • Schierandschen: Schierheide
  • Schillgallen: Heideck
  • Schmackerlauken: Schmackerau
  • Schwirbeln: Güldenau
  • Siemonischken: Siegmanten
  • Skardupönen, Ksp. Aulowönen: Klingen (Ostpr.)
  • Skerdienen: Scherden
  • Skungirren: Scheuersdorf, Scheunenort
  • Snappen: Schnappen
  • Stagutschen: Dallwitz
  • Sterkeninken: Starkenicken
  • Stirgallen: Keilergrund
  • Strigehnen: Finkengrund
  • Szacken/Schacken: Schackenau
  • Tammowischken: Tammau
  • Tarpupp: Angermoor
  • Tarputschen: Tarpen
  • Thieslauken: Tiesfelde
  • Trakinnen: Tannenschlucht
  • Trakis: Farndorf
  • Triaken, Ksp. Berschkallen: Tricken
  • Triaken, Ksp. Jodlauken: Schwerfelde
  • Trumplauken: Trumplau
  • Uderballen: Otterwangen
  • Uszballen/Uschballen: Dittau
  • Wanniglauken: Falkenreut
  • Wascheninken: Grünacker
  • Wasserlauken: Wasserlacken
  • Willschicken: Wilkental
  • Wirtkallen: Wirtberg

Kleinere Orte, Ortsteile:

Lehrerseminar Karalene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karalene hieß das Lehrerseminar, das aus dem Gut Augstkummetschen hervorgegangen ist. Es lag knapp zwölf Kilometer nordöstlich von Insterburg. Königin Luise hatte bei ihrem Aufenthalt in Ostpreußen die Notwendigkeit der Bildung der preußisch-litauischen Bevölkerung erkannt und die Ausbildung litauischsprachiger Volksschullehrer in einem besonderen Seminar angeregt. 1811 kaufte der preußische Staat das Wohngebäude des Gutes Wolfshagen sowie zwölf Morgen Park und 14 Morgen Acker und errichtete eine Erziehungsanstalt, aus der das Lehrerseminar erwuchs. Sein Name Karalene (lit. karaliene: Königin) erinnerte an Luise. Karalene hatte 1815 sechzig Bewohner, die in einem Haushalt („Feuerstelle“) lebten. Nachdem Direktor Preuß 1857 in den Ruhestand gegangen war, folgte ihm 1859 der Seminarlehrer Karl Benjamin Zacharias[3]. Die für das Lehrerseminar gegründete evangelische Gemeinde hielt ihre Gottesdienste in der Aula des Seminars ab. 1860 empfing sie sakrale Geräte aus dem Königlichen Waisenhaus in Königsberg. Die Seminarleiter fungierten als Pfarrer. Eigene Kirchenbücher führte Karalene von 1860 bis 1919. Das Lehrerseminar bestand 1871 aus drei Wohngebäuden, in denen 136 Einwohner in acht Haushalten lebten, davon 107 männlich. Alle Einwohner waren preußische Staatsbürger und evangelisch. Mit der Auflösung der Lehrerbildungsanstalt erlosch 1924 auch die Kirche. Die Stadt Insterburg nutzte die Gebäude als Kindererholungs- und Altersheim. 1939 wurden Karalene und Nausseden unter dem Namen Luisenberg zusammengefasst.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staates. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 30–31, Ziffer 8.
  • Kurt und Charlotte Henning: Der Landkreis Insterburg Ostpreußen, ein Ortsnamen-Lexikon. Grasdorf-Laatzen 1981

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Insterburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rolf Jehke, Städte und Amtsbezirke
  2. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. insterburg.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  3. Angehöriger des Corps Masovia