Fritz Michel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Denkmal für Fritz Michel in Koblenz

Fritz Michel (* 17. September 1877 in Niederlahnstein; † 30. Oktober 1966 in Koblenz) war ein deutscher Arzt, Politiker, Historiker und Kunsthistoriker.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz Michel wurde am 17. September 1877 als ältester Sohn eines Landarztes [1] in Niederlahnstein geboren. Seine Eltern waren Theodor Michel und Luise Schild. Er studierte Medizin an den Universitäten Tübingen, Kiel und Marburg und wurde in Tübingen Mitglied des Corps Suevia. Nach Beendigung seiner Studien trat er 1905 eine Stelle als Frauenarzt am Evangelischen Stift St. Martin an. Im gleichen Jahr heiratete er Luise von Ibell.

Im Ersten Weltkrieg diente er von 1914 bis Juli 1918 als Chirurg und Stabsarzt an West- und Ostfront sowie in Italien. Das Kriegsende erlebte er als militärischer Chefarzt [2] eines Reservelazaretts im Stift. Seine Erlebnisse hatte Michel in einem Kriegstagebuch niedergelegt, welches er durch mehr als 500 eigene Zeichnungen und Aquarelle ergänzte. Von 1919 bis 1929 gehörte er als Stadtverordneter dem Koblenzer Stadtrat an. Ab 1927 war er bis zu seiner Pensionierung 1947 als Chefarzt am Evangelischen Stift tätig.

1941 erhielt er nach Vorschlag seines Freundes Paul Clemen, damals dort Direktor des Kunsthistorischen Institutes und zudem erster Provinzialkonservator der preußischen Rheinprovinz, die Ehrendoktorwürde der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. An seinem 75. Geburtstag am 17. September 1952 verlieh ihm Oberbürgermeister Josef Schnorbach für seine Verdienste um die Kunst- und Heimatgeschichte die Ehrenbürgerwürde der Stadt Koblenz.

Fritz Michel starb am 30. Oktober 1966. Er wurde auf dem Hauptfriedhof Koblenz begraben.

Wirken als Historiker und Kunsthistoriker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel

Fritz Michel war hauptsächlich in der Regional- und Heimatgeschichte tätig und hier vor allem im Mittelrheingebiet. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Städte Lahnstein und Koblenz. Vielfach hat Michel Grundlagenforschung betrieben.

Bereits als Schüler kam er über den Rektor seines Gymnasiums Simon Widmann mit der Heimatkunde in Berührung. Dieser brachte ihm nicht nur das Lesen von Handschriften des Mittelalters bei, sondern besorgte ihm auch einen Ferienjob beim Archiv der Stadt Niederlahnstein, wo er Akten ordnete und erste Vorarbeiten für seine spätere Geschichte von Niederlahnstein fertigte.

Kampmann zufolge dienten Historie und Kunsthistorie Michel als Gegengewicht zu seiner Tätigkeit im Krankenhaus. So entstanden über die Jahre mehr als einhundert Veröffentlichungen. Die Skala seiner Interessengebiete reichte vom Allerheiligenberg bei Lahnstein bis zur Kulturgeschichte des St. Castorstiftes zu Koblenz, von der Verwaltung der Stadt während der Franzosenzeit bis zur Ehrenburger Fehde und von der Burg Eltz bis zur umfänglichen Sammlung der Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz auf 584 Seiten. [2] Insbesondere die beiden Bände über die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz sind heute dadurch wertvoll, dass sie den Zustand vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg (und beim anschließenden Wiederaufbau, dem viele beschädigte, aber eigentlich wiederaufbaufähige Gebäude endgültig zum Opfer fielen) dokumentieren. Sein gesamter Nachlass im Landeshauptarchiv Koblenz umfasst ca. zehn Regalmeter mit 303 Akten und einigen hundert Fotos.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1941: Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Universität Bonn
  • 1952: Verdienstkreuz (Steckkreuz) der Bundesrepublik Deutschland
  • 1952: Ehrenbürgerschaft der Stadt Koblenz
  • 1954: Ehrenbürgerschaft von Niederlahnstein
  • 1961: Ehrenbürgerschaft von Oberlahnstein
  • ca. 1970/71: Benennung einer Straße in Neuendorf in „Fritz-Michel-Straße“
  • 1989: Aufstellung eines Denkmals nahe dem Haupteingang des Krankenhauses Evangelisches Stift St. Martin

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zur Geschichte der Sporkenburg, 1900.
  • Die Herren von Helfenstein, 1906.
  • Das ehemalige Jesuitenkolleg zu Coblenz und seine Bauten, 1919.
  • Burg Eltz und ihre Besitzer, in: Zeitschrift für Heimatkunde des Regierungsbezirkes Coblenz, Heft 13, Januar 1921 Online-Ausgabe dilibri Rheinland-Pfalz
  • Geschichte von Oberlahnstein, 1925.
  • Der Ehrenbreitstein, 1933.
  • Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Koblenz, 1937 (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 20,1).
  • Die Florinskirche in Koblenz, 1939.
  • St. Kastor Koblenz, 1939.
  • Zur Geschichte der geistlichen Gerichtsbarkeit und Verwaltung der Trierer Erzbischöfe im Mittelalter, 1953.
  • Die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz, 1954 (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz).
  • Geschichte der Stadt Niederlahnstein, 1954.
  • Übersicht über die Geschichte von St. Goar und Burg Rheinfels, 1956.
  • Forst und Jagd im alten Erzstift Trier, 1958.
  • Der Verkehr auf dem Rhein im Mittelalter, 1960.
  • Geschichte der Stadt Koblenz im Mittelalter, 1963.
  • Mitarbeit: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Koblenz, 1944 (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 16.3).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michel, Fritz in Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft - Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Zweiter Band, S. 1250, Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1931
  • Helmut Kampmann: Wenn Steine reden. Gedenktafeln und Erinnerungsplatten in Koblenz. Fuck-Verlag, Koblenz 1992, S. 57ff. ISBN 3-9803142-0-0
  • Ekkehard P. Langner: Dr. med. Dr. phil. h. c. Fritz Michel, 17.9.1877-30.10.1966. Auswahlbibliographie und Bestandsverzeichnis, Stadtbibliothek Koblenz, Koblenz 1987.
  • Udo Liessem: Fritz Michel als Kunsthistoriker, in: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur. Neue Folge 13, herausgegeben vom Görres Verlag, Koblenz 2005, S. 129–135.
  • Eva-Christine Raschke: Dr. Dr. h.c. Fritz Michel (1877-1966) zum 125. Geburtstag, in: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur. Neue Folge 13, herausgegeben vom Görres Verlag, Koblenz 2005, S. 115–127.
  • Otto Renkhoff: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten, 2., vollst. überarb. und erw. Aufl., Wiesbaden, 1992. ISBN 3-922244-90-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rede Fritz Michels zur Verleihung der Ehrendoktorwürde 1941, zitiert nach: Raschke, S. 120.
  2. a b Kampmann: Wenn Steine reden, 1992. S. 58.