Front de gauche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Front de gauche
Logo
Gründung 18. November 2008
Auflösung 6. Juli 2016
Aus­richtung Demokratischer Sozialismus,
Eurokommunismus
EP-Fraktion Vereinte Europäische Linke/Nordische Grüne Linke (2009–2016)
Website www.frontdegauche.eu

Die Front de gauche (deutsch Linksfront) war eine französische Wahlplattform für die Europa-Wahlen 2009. Sie trat zu den Regionalwahlen 2010 sowie zu den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2012 erneut an. Die beiden Gründerparteien waren Jean-Luc Mélenchons Parti de Gauche und die Parti communiste français (PCF). Im Juli 2016 erklärte Mélenchon das Wahlbündnis für aufgelöst.[1]

Gründung und Teilorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon bei der Gründungsversammlung der Parti de gauche am 29. November 2008 war die Einheitsparole der Kern der Botschaft an die anderen linken Parteien Frankreichs gewesen.[2] Die Parteigründer Jean-Luc Mélenchon und Marc Dolez hatten als sozialistische Querdenker gegen den EU-Verfassungsvertrag 2005 erfolgreich mithilfe der Kommunisten, Trotzkisten und Globalisierungskritiker gekämpft und wollten diese Front für die kommenden Europawahlen wieder auftauchen lassen. Die Antwort der PCF erwies sich als positiv,[3] während andere Gruppierungen sich skeptischer zeigten.

Nach langen Verhandlungen erteilte die ebenfalls neugegründete linksradikalere Nouveau Parti Anticapitaliste (NPA) von Olivier Besancenot dem Vorschlag eine Absage.[4] Kurz danach fand der Wahlkampfauftakt der Front de gauche statt. Die Gründerparteien, d. h. die Organisationen, die an der Kundgebung des 8. März 2009 teilnahmen, waren die Parti communiste français, die Parti de gauche sowie die (kleinere) Gauche Unitaire (Einheitliche Linke), die von Pro-Linksfront-Dissidenten der NPA gegründet worden war.[5]

Erweiterungsversuche und Unterstützer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andere Parteien, darunter Les Alternatifs,[6] das Mouvement républicain et citoyen und verschiedene linksgerichtete Öko-Parteien erwogen eine Teilnahme. Das Mouvement Républicain et Citoyen gab seine Ablehnung am 22. März bekannt, wegen grundsätzlicher Unterschiede.[7] Am selben Tag fand bei Les Alternatifs eine Urabstimmung statt, in welcher die Teilnahme an der Front de gauche nur 30 Prozent der Stimmen erhielt.[8]

Als MRC-Parteichef Chevènement seinen Entschluss ankündigte, nicht abstimmen zu gehen oder keine gültige Liste zu wählen (vote blanc ou nul), erklärte allerdings der jakobinische Verein République et Socialisme, der die Träger von Lokalmandaten umfasst, die sich zur linksrepublikanischen bzw. jakobinischen Ideologie der MRC bekennen oder Parteimitglieder sind, dass er Chevènements Willen nicht respektieren würde, und rief seine Mitglieder dazu auf, sich für den Erfolg der Front de gauche einzusetzen. Seit Ende März hatten zahlreiche MRC-Lokalverbände der Front de gauche ihre Unterstützung gewährt.[9]

Mehrere Intellektuelle setzten sich auch für die Front de Gauche ein, etwa der Religionsphilosoph Henri Péna-Ruiz[10], die Attac-Mitbegründer Bernard Cassen und Ignacio Ramonet[11][12] sowie 36 Dozenten und Professoren für Volkswirtschaftslehre.[13]

Der ehemalige kommunistische Nationalversammlungsabgeordnete Jean-Pierre Brard und seine Freunde aus der Stadt Montreuil nahmen auch für die Front Stellung.

Die Parti Communiste Réunionais, die nur auf der Insel La Réunion antritt, war auch Mitglied der Front de gauche im Kreis der Überseegebiete.

Europawahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Front de Gauche stellte Kandidaten in allen Regionen vor. Jean-Luc Mélenchon trat im Kreis Südwest an, Volkswirtschaftslehrer Jacques Généreux im Westen und der Chefredakteur der kommunistischen Zeitung L’Humanité Patrick Le Hyaric im Pariser Kreis. Die unabhängige Menschenrechtsaktivistin Marie-Christine Vergiat trat im Südosten an, und der einzige Spitzenkandidat, der schon seit 2004 MdEP war, war der kommunistische Politiker Jacky Hénin im Nordwesten. Anfangs erhielt die Front ca. 4,5 Prozent Umfragewert, drei Punkte hinter der NPA. Aber nach einem sehr aktiven Wahlkampf, der die Aufmerksamkeit der Presse erregte[14], kam es zum Durchbruch: Am 7. Juni erhielt die Front 6,05 % der Stimmen. Mélenchon kam auf 8,15 Prozent in seinem Kreis. 2004 hatte die PCF zwei Mandate errungen (in Paris und im Nordwesten), und die selbständige kommunistische Partei der Insel La Réunion (PCR) einen Sitz im Überseewahlgebiet gewonnen. Dazu kommen 2009 jeweils ein Mandat im Südwesten und im Südosten.[15]

Die MdEP der Front de Gauche waren demnach:

Sie saßen in der Fraktion der Europäischen Linken.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mélenchon achève le Front de gauche. In: lemonde.fr. 6. Juli 2016; abgerufen am 8. April 2017 (französisch).
  2. J.-L. Mélenchon, La stratégie du Front de Gauche, www.lepartidegauche.fr
  3. Nous voulons participer à la constitution d'un front progressiste européen, www.pcf.fr
  4. www.lepartidegauche.fr
  5. Nous ferons front!, www.gauche-unitaire.fr
  6. www.alternatifs.org
  7. Le MRC ne rejoindra pas le front de gauche, www.liberation.fr
  8. www.alternatifs.org
  9. Appel de République et Socialisme auf Republiqueetsocialisme.centerblog.net
  10. Henri Pena-Ruiz : «la laïcité ne peut se dissocier de la justice sociale»
  11. www.frontdegauche.eu
  12. http://www.frontdegauche.eu
  13. 36 économistes soutiennent le Front de Gauche
  14. L'Alternative, in Libération
  15. Amtliche Ergebnisse

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]