Günter Emig

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Günter Emig (* 24. Juni 1929 in Weinheim) ist ein deutscher römisch-katholischer Geistlicher. Der emeritierte Domkapitular des Bistums Mainz hat wesentlich die modernen Strukturen des Caritasverbands der Diözese mit aufgebaut und ist Miterfinder der Sozialstation in Deutschland.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Stationen als Priester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1975 bis 1981 verwaltete Günter Emig die Pfarrei Maria Königin Mainz-Drais.

Günter Emig wuchs in Gorxheimertal auf.[1] Nach dem Abitur 1954 am Abendgymnasium Ketteler-Kolleg Mainz[2] studierte er Katholische Theologie. Am 26. Juli 1959 empfing er durch Bischof Albert Stohr im Hohen Dom zu Mainz die Priesterweihe. Seine Kaplanszeit absolvierte Emig in Bad Nauheim. Von 1975 bis 1981 verwaltete er die Pfarrei Maria Königin Mainz-Drais.[3]

Wegweisende Tätigkeit für den Caritasverband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es war Bischof Hermann Volk, der Günter Emigs künftige wegweisende Tätigkeit für den Caritasverband der Diözese Mainz in die Spur brachte, indem er ihn 1964 zum Caritas-Rektor in Mainz und Stellvertreter von Caritasdirektor Othmar Weis ernannte. So war Emig maßgeblich daran beteiligt, dass 1970 mit St. Lioba in Worms die erste Sozialstation der Bundesrepublik Deutschland errichtet wurde. Diese von ihm mitentwickelte Institution war eine völlig neuartige Antwort auf den durch Nachwuchsmangel bedingten Rückzug der Ordensschwestern aus der Gemeindekrankenpflege.[1] Zu Emigs weiteren Aktivitäten auf diesem Gebiet gehört, dass an Krankenhäusern Pflegevorschulen eingerichtet wurden. An den Gründungen der Fachschule für Altenpflege und der Fachschule für Erzieherinnen in Mainz war er ebenfalls beteiligt. Emig, der ab 1968 außerdem als Diözesanseelsorger für Blinde und Gehörlose wirkte, hat sich auch in der Kinder- und Jugendsozialarbeit betätigt.[3]

1976 ernannte Hermann Kardinal Volk Pfarrer Emig zum Diözesan-Caritasdirektor. Dieses Amt hatte er bis zur Entpflichtung 1992 inne. Emig gab dem Diözesan-Caritasverband seine moderne Grundstruktur, die fünf selbständige (Bezirks-)Caritasverbände mit Sitz in Mainz, Worms, Darmstadt, Gießen und Offenbach unter einem Dach vereint. Emig trieb den Ausbau der verschiedenen Beratungsdienste voran und sorgte für die Sanierung sowie den Neubau von Altenheimen, die später in dem eigens gegründeten Caritaswerk St. Martin zusammengeführt wurden. Ebenso unterstützte der Geistliche neue Initiativen zur Hilfe für benachteiligte Menschen. Viele Jahre wurden so unter anderem die Caritas-Druckerei, gegründet als Hilfe für Langzeitarbeitslose zur Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess, und die alkoholfreie Gaststätte Senfkorn nahe St. Stephan als Treffpunkt für alkohol- und psychisch kranke Menschen betrieben.[1] Bis 1986 wirkte Günter Emig zusätzlich noch als Diözesan-Seelsorger des Malteser Hilfsdienstes (MHD).[3] Nach seiner Entpflichtung als Diözesan-Caritasdirektor war er von 1992 bis 1999 Vorsitzender des Caritasverbandes für die Diözese Mainz. Bereits 1986 hatte ihn Bischof Karl Lehmann zum Dezernenten für Caritas und Sozialarbeit im Bischöflichen Ordinariat ernannt. Zugleich berief er ihn in das Mainzer Domkapitel und in den Geistlichen Rat des Bistums. Im September 1999 trat Prälat Emig in den Ruhestand und wurde zum 31. Dezember 2000 emeritiert.[3]

Sonstige Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seinen Aufgaben in der Caritas war Günter Emig Mitglied in mehreren Verwaltungsräten kirchlicher Einrichtungen, so der Trägergesellschaft der Katholischen Fachhochschule (KFH) Mainz und des Instituts für Lehrerfort- und -weiterbildung (ILF), ebenfalls in Mainz. Mehrere Jahre lang war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Caritasverbände in Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz.[3]

Günter Emig feierte 2009 sein goldenes Priesterjubiläum. Er lebt in Mainz.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verdienste von Günter Emig sind mehrfach gewürdigt worden. So ernannte ihn Papst Johannes Paul II. 1982 zum Monsignore (Kaplan seiner Heiligkeit) und 1990 zum Päpstlichen Ehrenprälaten. Auch der Mainzer Diözesan-Caritasverband hat seine Aufbauarbeit mehrfach gewürdigt und hob besonders hervor, dass sich Prälat Emig nie als „Sozialmanager“, sondern stets als Seelsorger verstanden habe, und der Mainzer Diözesan-Caritasverband während seiner Leitungsjahre als einer der am partnerschaftlichsten geführten in der ganzen Bundesrepublik galt.[1] Bei seiner Verabschiedung als Vorsitzender des Caritasverbandes für die Diözese Mainz würdigte ihn Bischof Lehmann als „Vater der Armen“. Der Bundespräsident verlieh ihm 1987 das Bundesverdienstkreuz am Bande.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Autorenkollektiv: Über den Tag hinaus. Ein Ausblick anläßlich der Verabschiedung von Domkapitular Günter Emig als Vorsitzender des Caritasverbandes für die Diözese Mainz e. V. Caritasverband für die Diözese Mainz, Mainz 1999, 99 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d J. Otto Weber: „Er war nie ein Sozialmanager“. Günter Emig wird 80 Jahre – Miterfinder der Sozialstation und Architekt der Caritasstruktur in der Diözese Mainz, Pressemitteilung des Diözesan-Caritasverbands Mainz vom 22. Juni 2009; abgerufen am 17. März 2013
  2. Ehemalige und Derzeitige – Aufgelesen und Notiert: Domkapitular Günter Emig (Abitur 1954). In: Jahresschrift 2008/2009 des Ketteler-Kollegs und -Abendgymnasiums, S. 94
  3. a b c d e f -Sk- (Jürgen Strickstrock): Domkapitular Günter Emig wird 75 – Im Dienst der Caritas jahrzehntelanger Einsatz für Benachteiligte. In: Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 25 vom 23. Juni 2004; abgerufen am 17. März 2013