GMS Dr. Jung

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Die GMS Dr. Jung GmbH (kurz GMS für Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung, auch als GMS-Institut bezeichnet) ist ein Institut für qualitative und quantitative Marktforschung mit Sitz in Hamburg, das auch Beratungsdienstleistungen anbietet. Das Institut ist besonders im Telekommunikations- und Finanzmarkt sowie dem Bereich Politik- und Sozialforschung tätig.[1] Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen fünf Mitarbeiter und hat einen Jahresumsatz von 1,1 Millionen Euro.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 1998 gründete Helmut Jung die GMS Dr. Jung Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung mbH.[1][3] 2007 wurde die Gesellschaft auf die GMS Consult GmbH, die taggleich in GMS Dr. Jung GmbH umfirmiert wurde, verschmolzen und gelöscht.[4][5]

Helmut Jung war bis April 2014 Geschäftsführer des Instituts.[6] Nach dem Verkauf seiner Gesellschaftsanteile an Rainer Arenz, geschäftsführenden Gesellschafter der ARIS Umfrageforschung, hatte Helmut Jung die Position als Geschäftsführer aus Altersgründen niedergelegt, blieb jedoch weiterhin bei der GMS tätig. Die beiden Meinungsforschungsinstitute ARIS und GMS arbeiten bereits seit der Gründung von GMS zusammen.[7]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Meinungsforschungsergebnisse von GMS Dr. Jung werden in zahlreichen deutschsprachigen Medien rezipiert, beispielsweise von Die Welt und N24,[8] Zeit Online,[9] Neue Zürcher Zeitung[10] und vielen mehr. Die Website Wahlrecht.de erfasst seit 2002 regelmäßig die Umfrageergebnisse von GMS in der Rubrik Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre …[11]

Auftraggeber von Befragungen waren unter anderen der Fernsehsender Sat.1,[12] der Arbeitgeberverband Gesamtmetall,[13] die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung,[14] das Pharmaunternehmen Hexal[15] und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.[16]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008: Umfrage-Affäre in Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer Affäre um CSU-orientierte Meinungsumfragen der Bayerischen Staatskanzlei spielte das GMS-Institut in 2008 eine zentrale Rolle. Das Institut hatte aus Steuermitteln Aufträge für umstritten teure Studien erhalten. Eine Studie enthielt Anregungen, wie die CSU politische Gegner schwächen könne. Sie votierte dafür, den Konflikt mit dem Koalitionspartner FDP zu suchen.[17] Die umstrittenen Meinungsumfragen führten 2011 zu einer Ermahnung des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer durch den Bundestagspräsidenten. Ein Verstoß gegen das Parteiengesetz lag laut Bundestagsverwaltung aber nicht vor.[18]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem vom Politikwissenschaftler Franz Walter in 2013 herausgegebenen Werk Die neue Macht der Bürger werden Zweifel an einem Befund des GMS-Instituts geäußert. GMS stellte im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft fest, dass 51 Prozent der Befragten einen schnelleren Stromnetzausbau auch dann befürworteten, wenn Freileitungen durch Wohngebiete und Landschaften führen würden, was verschiedenen Studien und Umfragen anderer Institute widersprach.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Dr. Helmut Jung macht sich selbständig. In: Horizont, 19. März 1998, abgerufen am 28. März 2017.
  2. Unternehmenssteckbrief. Website der GMS Dr. Jung GmbH, abgerufen am 28. März 2017.
  3. Amtsgericht Hamburg, HRB 65169.
  4. Amtsgericht Hamburg, HRB 65169: Löschung der GMS Dr. Jung Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung mbH vom 19. Oktober 2007, bekannt gemacht am 22. Oktober 2007, abgerufen im Unternehmensregister am 28. März 2017.
  5. Amtsgericht Hamburg, HRB 60319: Veränderungsmitteilung der GMS Consult GmbH vom 19. Oktober 2007, bekannt gemacht am 22. Oktober 2007, abgerufen im Unternehmensregister am 28. März 2017.
  6. Dr. Helmut Jung. In: Kressköpfe, abgerufen am 28. März 2017.
  7. ARIS-Geschäftsführer Rainer Arenz übernimmt Gesellschaftsanteile der GMS Dr. Jung GmbH. Marktforschung.de, abgerufen am 28. März 2017.
  8. Dramatischer Absturz für Union in neuer Umfrage. welt.de, 2. Juni 2016, abgerufen am 29. März 2017.
  9. Merkels Vorsprung schrumpft. In: Zeit Online, 1. März 2017, abgerufen am 28. März 2017.
  10. Marie-José Kolly, David Bauer: Bundestagswahl in Deutschland – Wie die NZZ Umfragen zur Bundestagswahl darstellt – und warum. In: Neue Zürcher Zeitung, 20. März 2017, abgerufen am 28. März 2017.
  11. GMS (Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung) – Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre … In: Wahlrecht.de, abgerufen am 28. März 2017.
  12. Wolfgang Wittl: Scheuer erklärt Umfragewert der CSU mit „Berlin-Malus“. In: Süddeutsche Zeitung, 15. September 2016, abgerufen am 28. März 2017.
  13. Nikolaus Doll: Die deutsche Wirtschaft fürchtet den Zerfall der EU. In. welt.de, 6. März 2017, abgerufen am 28. März 2017.
  14. Lorenz Storch: Demokratie-Studie: Gute Lage, schlechte Stimmung. In: BR.de, 11. Februar 2017, abgerufen am 29. März 2017.
  15. Hexal fordert Quoten für Biosimilars. In: Pharmazeutische Zeitung, Nr. 40/2010, abgerufen am 28. März 2017.
  16. Bürokratische Belastungen aus Sicht der Unternehmen. Positionspapier der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Mai 2016, abgerufen am 28. März 2017 (PDF; 8,3 MB).
  17. Mike Szymanski: Umfrage-Affäre: GMS-Institut – Der Haus- und Hof-Demoskop der CSU. In: Süddeutsche Zeitung, 17. August 2010, abgerufen am 28. März 2017.
  18. Bundestagsverwaltung spricht CSU frei. In: Zeit Online, 15. Juli 2011, abgerufen am 28. März 2017.
  19. Stine Marg, Christoph Hermann, Verena Hambauer, Ana Belle Becke: „Wenn man was für die Natur machen will, stellt man da keine Masten hin“. In: Franz Walter (Hrsg.): Die neue Macht der Bürger: Was motiviert die Protestbewegungen? Rowohlt Verlag, 2013, ISBN 978-3-498-07254-4, S. 94–138 (vgl. Rezensionen bei Perlentaucher).