Garten-Fuchsschwanz

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Garten-Fuchsschwanz
Garten-Fuchsschwanz (Amaranthus caudatus)

Garten-Fuchsschwanz (Amaranthus caudatus)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Amaranthoideae
Gattung: Amarant (Amaranthus)
Art: Garten-Fuchsschwanz
Wissenschaftlicher Name
Amaranthus caudatus
L.

Der Garten-Fuchsschwanz (Amaranthus caudatus) auch Tausendschön,[1] im Andenraum unter dem Quechua-Wort Kiwicha bekannt,[2][3] ist eine in Südamerika heimische Pflanzenart aus der Gattung Amarant (Amaranthus).[4]

Frucht: geöffnete Deckelkapsel mit Same

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Garten-Fuchsschwanz ist eine einjährige, einhäusige, krautige Pflanze die Wuchshöhen von 30 bis 100 (selten 150–200) Zentimeter erreicht. Er bildet Pfahlwurzeln, welche im oberen Teil oft rötlich oder rosa gefärbt sind. Der wenig verzweigte oder unverzweigte, Stängel ist hellgrün bis rötlich-violett, unten kahl und oberwärts spärlich behaart und häufig an der Spitze gekrümmt. Die grünen, kahlen oder spärlich behaarten, manchmal rötlich, violetten, einfachen Blätter, sind fiedernervig, eilanzettlich, ihr Blattrand ist glatt oder etwas gewellt, mit einem gefurchten Stiel, diese sind spiralig-wechselständig angeordnet und bis 20 cm lang und bis 8 cm breit und mit einer spitzen bis abgerundeten Spitze und ohne Nebenblätter.

Der bis 1,5 m lange Blütenstand besteht aus aus zahlreichen Blütenknäueln, ist endständig und hängt, voll entwickelt, vom Grund an. Er ist meist dunkelpurpurn gefärbt, kann aber auch andere Farben haben; grün, gelb, rosa, orange, rot oder braun. Die Blütenstände der Sorte 'Viridis' sind zum Beispiel anfangs grün und färben sich später cremefarben.

Die stiellosen Blüten, sind 2 bis 3 Millimeter groß, sind fünfzählig, mit zugespitzten, spatelförmigen, überlappenden Perigonblättern. Die wie die Blüten gefärbten, meistens drei, 3–4 Millimeter langen Tragblätter sind lanzettlich mit einer langen Spitze. Die männlichen Blüten haben fünf Staubblätter, die weiblichen Blüten haben drei Narben und einen oberständigen Fruchtknoten, dieser ist ausgereift größer als die Blütenhülle. Sie sind selbst- als auch fremdbefruchtet.

Es entwickelt sich eine einsamige, mit Ringriss aufspringende, kugelförmig, ovoide Kapsel (ein Pyxidium oder Utrikel) diese ist ca. 1,5 bis 2,5 Millimeter groß, diese sind etwas größer als die Blütenhülle. Die linsenartigen (lentikularen), ellipsoiden Pseudogetreide-Samen sind ca. 1 bis 1,5 Millimeter lang, glatt, glänzend, elfenbeinfarbig, rötlich oder dunkelbraun. Der zweikeimblättrige Embryo ist krummläufig (kampylotrop) angelegt und umringt das stärkereiche Perisperm median, er ist epigäisch keimend.[5] Die Tausendkornmasse beträgt nur 0,5 bis 3 Gramm.[4][6][7]

Er wächst bis in ein Höhe von 3200 Metern, ist aber nicht frostresistent und kann auf sandigen, sowie lehmigen, gut durchlässigen, leicht-sauren bis -alkalischen Böden gedeihen, der Temperaturbereich liegt bei 5–35 °C, er bevorzugt eine große Niederschlagsmenge. Er ist eine C4-Pflanze und qualitative Kurztagpflanze (KTP), die Blütezeit reicht von Juli bis September.[4] Der Ertrag ist ca. 500–4000 kg/ha.[6]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 34[8] oder 2n = 32.[6]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Garten-Fuchsschwanz ist nur aus der Kultur bekannt. Wahrscheinlich hat er sich aus Amaranthus quitensis entwickelt, der im extratropischen Amerika an Flussufern verbreitet ist. Verwilderte Bestände gibt es in der gemäßigten und warmen Zone.[4]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kiwicha wird seit einigen tausend Jahren in den Anden und Mittelamerika kultiviert. In vorkolonialer Zeit dienten ihre Körner als wichtiger Eiweißlieferant. Daneben wurden sie auch als Opfergabe in religiösen Zeremonien verwendet, weshalb die spanischen Kolonialherren den Anbau unterdrückten. Dennoch hielt sich die Kultur regional bis heute. In den letzten Jahren nimmt der Anbau wieder zu. Die Pflanze hat auch zunehmende Bedeutung im ökologischen Anbau.[2][9]

Als Körnerfrucht wird Amaranthus caudatus in Peru, Bolivien, Nord-Argentinien und im Himalaya von Kaschmir bis Bhutan angebaut. In Europa wird der Garten-Fuchsschwanz zerstreut als Zierpflanze in Bauerngärten, Sommerblumenbeeten, Sommerrabatten, als Schnittblume und als Trockenblume genutzt. Die Art ist in Europa mindestens seit 1568 in Kultur.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Garten-Fuchsschwanz (Amaranthus caudatus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maria Marten: Buchstabe, Geist und Natur. Dissertation, Univ. Hamburg, 2007/2008, Vestigia Bibliae, Bd. 29/30, Lang, 2010, ISBN 978-3-0343-0336-1, S. 105.
  2. a b Kiwicha (Amaranthus caudatus) El Pequeño Grano que Nutre y Cura a la Vez auf peruecologico.com.pe.
  3. Lost Crops of the Incas: Little-Known Plants of the Andes with Promise for Worldwide Cultivation. Office of International Affairs (OIA), 1989, ISBN 978-0-309-04264-2: Kiwicha, online.
  4. a b c d e Eckehardt J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 197.
  5. Colin W. Wrigley u. a.: Encyclopedia of Food Grains. Vol. 1, Second Edition, Academic Press, 2016, ISBN 978-0-12-803537-5, S. 288 f.
  6. a b c M. Brinck, G. Belay: Plant Resources of tropical Africa 1: Cereals and pulses. Prota, Backhuys, 2006, ISBN 90-5782-170-2, S. 17 ff.
  7. J. Esteban Hernández Bermejo, J. León: Neglected Crops: 1492 from a different perspective. FAO plant production and protection series, Band 26, FAO, 1994, ISBN 92-5-103217-3, S. 145.
  8. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 355.
  9. Arbeitskreis für Ernährungsforschung, Amaranth - das unsterbliche Korn der Inkas. (Memento vom 25. November 2011 im Internet Archive).