Gasherd

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Dreiflammiger Gasherd mit eingeschalteter Kochstelle vorne links

Ein Gasherd ist ein Küchengroßgerät (siehe Herd), das der Erhitzung von Speisen dient. Gasherde gibt es mit oder ohne integrierten Backofen (ebenfalls mit Gas beheizt oder elektrisch).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flamme eines Gasherdes
Brenner mit direkter Flamme in einem Wok- oder Chinaherd

Die Gasversorgung des Herdes kann aus dem Stadtgas- oder Erdgasnetz über eine Gassteckdose oder mit Flüssiggas aus der Gasflasche erfolgen.

Im Betrieb erzeugt der Gasherd zum einen Wärme, verursacht aber zusätzlich Feuchtigkeit, da als Reaktionsprodukt der Gasverbrennung Kohlendioxid und Wasser entstehen. Dieser Effekt ist besonders gut bei Gasbacköfen mit Sichtfenster zu beobachten: dort bildet sich Kondensat, bis die Oberflächen des Innenraums sich soweit aufgeheizt haben, dass keine Feuchtigkeit mehr kondensiert.

Heute sind Gasherde mit einer Vorrichtung zur Flammüberwachung, etwa einem Thermoelement, versehen. Dieses schließt bei Abkühlung ein Ventil und verhindert so, dass unverbranntes Gas austritt.

Direkte Gaskochfelder sind im Vergleich zu Elektroherden höchst ökonomisch. Manche Ausführungen haben eine vollelektronische Zündung und können niedrige Temperaturen von 75 °C im Backofen durch Taktung erreichen. Da ungesteuerte Gasbacköfen Temperaturen von unter 150 °C nicht bereitstellen können, sind auch Kombigeräte mit Strom verbreitet.

Eine spezielle Form des Gasherds ist der mit direktem Brenner heizende Chinaherd (oder Wokherd) in der asiatischen Küche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alter amerikanischer Gasherd
Leipziger Messe 1953, Kachelgasherd
Aktueller amerikanischer Gasherd (5-flammig) mit zwei übereinanderliegenden Backöfen

Bereits 1802 entwickelte Zachäus Andreas Winzler eine sogenannte „Thermolampe“.[1] Die ersten Gasherde wurden in den 1820er Jahren entwickelt, aber hierbeit handelte es sich in erster Linie um isolierte Experimente. Der Engländer James Sharp patentierte einen Gasherd im Jahre 1826 in Northampton und eröffnete 1836 ein Unternehmen zur Herstellung von Gasherden. Ein Gasherd wurde auf der Weltausstellung in London im Jahre 1851 gezeigt, aber erst in den 1880er Jahren wurde der Gasherd ein kommerzieller Erfolg im Vereinigten Königreich.

In Deutschland setzten sich Gasherde ebenfalls gegen Ende des 19. Jahrhunderts in größerem Umfang durch, vor allem in Städten, wo Gasnetze zur Beleuchtung vorhanden waren. Der Betrieb eines Gasherdes ist wesentlich einfacher als der eines Kohleherdes, da der Brennstoff aus der Leitung kommt und keine Asche entsorgt werden muss. Auch bleiben die Töpfe auf dem Gasherd sauber. Auf dem Land, wo es keine Gasversorgung gab, aber Holz billig zu haben war, bevorzugte man dagegen noch lange mit Holz beheizte Herde. Bis in die 1950er Jahre waren auch Kombinationsherde verbreitet, bei denen an einem mit Holz oder Kohle befeuerten Herd zusätzlich Gasbrenner angebracht waren. So konnte im Winter auf Feuer gekocht werden, das zugleich die Küche heizte; im Sommer verwendete man stattdessen Gas.

Heute sind in Deutschland (anders als z. B. in Frankreich und Italien) Elektroherde weiter verbreitet als Gasherde: Im Jahr 2014 nutzten ca. 7 Prozent der Haushalte einen Herd mit Gaskochfeld, Gasbacköfen waren mit einem Anteil von 4 Prozent demgegenüber wesentlich seltener.[2] Ohne diese Differenzierung wird für 2018 die Verbreitung von Gasherden in Deutschland mit ca. 6 Prozent angegeben.[3]

Vorteile des Gasherds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unverzögerte Regulierung der Hitze
  • Niedrige Energiekosten: Erdgas kostet – je nach Anbieter – nur etwa ein Fünftel so viel wie elektrischer Strom[4]
  • Meist langlebige, da wartungsarme Konstruktion[5]
  • Meist umweltfreundlicher als Strom
  • Auch preiswerte Töpfe und Pfannen mit unebenen Böden sowie Woks können verwendet werden
  • Mobiler Einsatz ohne Stromversorgung
  • Größere Hitze als in den meisten elektrischen Bratrohren/Backöfen

Nachteile des Gasherds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Höhere Explosions-, Verbrennungs- und Brandgefahr gegenüber Elektroherd
  • Vergiftungsgefahr bei unsachgemäßer Handhabung
  • Temperaturen unter 150 °C sind bei einem Backofen in der Regel nicht einstellbar. Schmoren oder Warmhalten kann nur durch elektronische Zündung und Taktung erreicht werden.
  • Ausreichende Lüftung des Raumes nötig
  • Bei offener Bauart (ohne Glasplatte) schwierigere Reinigung als beim Elektroherd

Temperaturübersicht Backofen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stufe 1 2 3 4 5 6 7 8
Temperatur in Grad Celsius
(Richtwert)
140 °C 160 °C 180 °C 200 °C 220 °C 240 °C 260 °C 280 °C
Temperatur in Grad Fahrenheit
(Richtwert)
275 °F 300 °F 325 °F 350 °F 375 °F 400 °F 425 °F 450 °F 475 °F 500 °F 525 °F 550 °F
Angelsächsische Stufe[6] 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Betrieb mit Flüssiggas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Betrieb mit einer Propangasflasche (über Druckregler für 50 oder 30 mbar) wird in Deutschland keine amtliche Erlaubnis benötigt, sofern der Herd eine Leistung von weniger als 11 kW besitzt und der Raum über 20  Volumen hat und sich über dem Erdboden befindet. Eine 11-kg-Gasflasche darf sich im Raum befinden. Für den Betrieb mit Propangas müssen die Brennerdüsen in der Regel ausgetauscht werden, da diese im Lieferzustand meist für Erdgas ausgerüstet sind. Zudem müssen meist noch die Bypass-Schrauben für Flüssiggas an den Reglern mit einem feinen Schraubendreher weiter eingeschraubt werden da sonst die Flamme bei kleinster Stellung zu groß ist. Um an die Bypass-Schrauben zu gelangen müssen bei manchen Geräten die Drehknöpfe abgezogen und die Blende demontiert werden. Hinweise finden sich dazu in den Bedienungsanleitungen unter dem Stichwort „kleine Flamme einstellen“.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gasherde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Gasherd – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Thermolampe in Deutschland oder: … books.google. Abgerufen am 5. September 2015.
  2. Marktdaten: Kochfelder. HEA – Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e.V., abgerufen am 13. Mai 2020.
  3. Marktdaten: Herde und Backöfen. HEA – Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e.V., abgerufen am 13. Mai 2020.
  4. Strom: 29,2 ct/kWh https://www.strompreise.de/strompreis-kwh/; Gas: 5,79 ct/kWh https://www.verivox.de/verbraucherpreisindex-gas/
  5. Johanna Bauer: Die Wartung beim Gasherd. Hausjournal.net, abgerufen am 13. Mai 2020.
  6. Oven Temperature. In: onlineconversion.com. Abgerufen am 5. September 2015 (englisch).