Geisingberg

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Geisingberg
Geisingberg.jpg
Höhe 820,6 m ü. NHN [1]
Lage Freistaat Sachsen, Deutschland
Gebirge Erzgebirge
Dominanz 1,8 km → Raupennest
Schartenhöhe 110 mfd2
Koordinaten 50° 46′ 18″ N, 13° 46′ 22″ OKoordinaten: 50° 46′ 18″ N, 13° 46′ 22″ O
Geisingberg (Sachsen)
Geisingberg
Typ Kegelberg
Gestein Basalt
Erschließung Einweihung des Turmes 1891
Besonderheiten Louisenturm (AT)

Der Geisingberg ist ein markanter 820,6 m ü. NHN hoher Basaltberg im östlichen Erzgebirge in der Nähe der Stadt Altenberg im Freistaat Sachsen. Zu Beginn des professionellen Wintersports war er Austragungsort mehrerer Wettkämpfe.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Geisingberg gehört zu den nördlichen Ablegern des böhmischen Tertiärvulkanismus. Als vor 30 Millionen Jahren die Erdkruste in Mitteleuropa erneut in Bewegung geriet, wurde das Erzgebirge emporgehoben und an zahlreichen Stellen quoll Lava empor. Zeugen dieser bewegten Erdgeschichte zeigen sich auch heute noch in Form anderer Vulkanbauten, wie der benachbarte Luchberg oder der Scheibenberg im Westerzgebirge. Geologisch werden diese Berge und somit auch der Geisingberg zur Quellkuppe gezählt.

Lage und Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Geisingbergbaude

Der Geisingberg liegt im oberen Osterzgebirge zwischen der Bergstadt Altenberg und ihrem Stadtteil Geising. An der Nord- und Westseite verläuft die Trasse der Müglitztalbahn.

Wanderrouten zum Gipfel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung des Namens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wortstamm geut (germ.) bzw. geußen (frühneuhochdeutsch) deutet auf fließen lassen hin und bezeichnet den Geisingberg als den (vom Regenwasser) übergossenen Berg.[2]

Touristische Erschließung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1891 errichtete Louisenturm

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts existierten auf dem Gipfel Pavillons, die von den sächsischen Königen, insbesondere König Anton, für Jagdzwecke genutzt worden sind. Nachdem erste Versuche gescheitert waren, die Gäste des Berges gastronomisch zu versorgen, ergriff Carl Mutze aus Geising die Initiative und errichtete um einen Ahornbaum auf dem Gipfel ein Aussichtsgerüst und eine Blockhütte. Genau an dieser Stelle wurde am 27. September 1891 der 18 Meter hohe Louisenturm eröffnet, auf dessen Aussichtsplattform 88 Stufen noch heute führen. Benannt wurde dieser nach der damaligen Verlobten des späteren Königs Friedrich August III. von Sachsen, Prinzessin Louise.[3]

1898 errichtete man daneben ein Unterkunftshaus, das 1906 bereits wieder abgerissen und durch eine auf massiven Grund errichtete Bergbaude ersetzt wurde. Diese wurde zunächst nur während der Sommersaison bewirtschaftet und lädt noch heute zum Besuch ein.

Früher Wintersport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skispringen auf der Schanze des Friedens (1952)

Eine bekannte Skiabfahrtsstrecke am Geisingberg war einst die sogenannte Sachsenabfahrt, die u. a. zu den Deutschen Ski-Meisterschaften 1937 benutzt worden ist. An der Westseite des Berges existierte bis in die 1950er Jahre die Sprungschanze Schanze des Friedens, auf welcher auch internationale Wettkämpfe ausgetragen wurden.

Bergbau und Steinbruchbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angeregt von der nahen Altenberger Zinnerzlagerstätte fanden zwischen 1749 und 1794 sowie von 1838 bis 1842 auch am Westhang des Geisingbergs Abbauversuche auf Zinnerz statt. Dabei wurde auch ein 24 Meter tiefer Schacht abgeteuft. Die Bergbauversuche verliefen jedoch ergebnislos.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der in einem Steinbruch am Osthang des Berges wahrscheinlich schon länger betriebene Basaltabbau intensiviert. 1908 erfolgte die Anlage einer Seilbahn, die das gebrochene Gestein zur Station Hartmannmühle der Müglitztalbahn transportierte. Im Vorfeld einer am 1. März 1930 durchgeführten Kammersprengung mit 40.000 kg Sprengstoff erfolgten Proteste vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz und anderen Organisationen, die mit der Ausweitung des Basaltabbaus eine Abtragung des Berges befürchteten. Der Steinbruch wurde daraufhin stillgelegt.

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Naturschutzes reicht am Geisingberg bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Bereits 1911 beantragte der Landesverein Sächsischer Heimatschutz den Schutz der Geisingbergwiesen. 1925 kaufte der Verein dann ein erstes ca. 10 Hektar großes Areal und verpachtete dieses an ortsansässige Landwirte als Heuwiese. Dadurch wurde eine intensive landwirtschaftliche Nutzung verhindert, so dass auf den Bergwiesen außergewöhnlich artenreiche und schützenswerte Lebensräume und Landschaftselemente (u. a. Borstgrasrasen, Nieder- und Zwischenmoore, Feuchtwiesen, unverbaute Bachläufe und Bergmischwälder) erhalten blieben. Schützenswert sind zudem die zahlreichen Steinrücken an den Berghängen.[4]

In den 1960er Jahren wurden der Geisingberg und ein Teil der umgebenden Wiesen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Neben der Fichte wachsen hier Rotbuche, Gewöhnliche Esche, Bergahorn und Spitzahorn. Die Bodenflora besteht meist aus subkontinentalen Arten, darunter Wolliger Hahnenfuß, Süße Wolfsmilch und Purpur-Hasenlattich.

In den 1990er Jahren wurde das Gebiet auf mittlerweile über 300 Hektar erweitert. Das Bundesamt für Naturschutz förderte zwischen 1999 und 2008 mit einem Finanzvolumen von 5,37 Mio. € die die nachhaltige Sicherung und naturschutzfachliche Aufwertung der strukturreichen Offenlandschaft durch eine naturverträgliche extensive Landnutzung im Rahmen des Projektes Bergwiesen im Osterzgebirge.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sachsenatlas des Freistaates Sachsen (Hinweise) Maßstab 1:4.514
  2. Martin Hammermüller (Um Altenberg, Geising und Lauenstein. Werte der deutschen Heimat Band 7. Berlin 1964) vermutet demgegenüber eine Übertragung des Stadtnamens von Geising auf den Berg. Ernst Eichler und Hans Walther (Städtenamenbuch der DDR. Leipzig 1986) gehen hingegen vom Gegenteil aus. Es erscheint aber glaubwürdiger, dass ein so markanter Einzelberg wie der Geisinberg schon eine Bezeichnung besaß, bevor es zur Anlage der Siedlung zu seinen Füßen kam.
  3. Der Louisenturm auf der Webseite der Bergbaude Geisingberg
  4. http://www.osterzgebirge.org/gebiete/geising.html
  5. http://www.bfn.de/0203_osterzgebirge.html

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Um Altenberg, Geising und Lauenstein (= Werte der deutschen Heimat. Band 7). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1964.
  • Grüne Liga Osterzgebirge: NSG Geisingberg. Reihe Naturschutzgebiete des Osterzgebirges. Dippoldiswalde 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geisingberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien