Gemeinlebarn

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f1f0f1

Gemeinlebarn (Dorf)
Ortschaft
Katastralgemeinde Gemeinlebarn
Gemeinlebarn (Österreich)
Red pog.svg
Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Sankt Pölten-Land (PL), Niederösterreich
Gerichtsbezirk St. Pölten
Pol. Gemeinde Traismauer
Koordinaten 48° 20′ 0″ N, 15° 48′ 0″ O48.33333333333315.8188Koordinaten: 48° 20′ 0″ N, 15° 48′ 0″ Of1
Höhe 188 m ü. A.
Einwohner d. Ortsch. 669 (2001)
Gebäudestand 249 (2001)
Fläche d. KG 6,53 km²
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 05872
Katastralgemeinde-Nummer 19118
Zählsprengel/ -bezirk Gemeinlebarn (31943 006)
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; NÖGIS
Map at traismauer.png
Bahnhaltestelle Gemeinlebarn

Gemeinlebarn ist eine Katastralgemeinde der Stadt Traismauer im Bezirk St. Pölten (Niederösterreich). Sie hat 669 Einwohner (Stand 2001). Der Ort wird mundartlich auch "Lewing" genannt. Der Ort liegt ungefähr am Südrand des westlichen Tullner Beckens.

Archäologische Funde[Bearbeiten]

Das althochdeutsche Wort Lewer aus der früheren Ortsbezeichnung Lewary bedeutet Gräberhügel. In Gemeinlebarn ist die besterhaltene Bestattung Österreichs der jungsteinzeitlichen Glockenbecherkultur entdeckt worden ist. Zudem wurde aus der Zeit um ca. 2300/2200–1600 v. Chr. ein bedeutendes Gräberfeld der frühen Bronzezeit gefunden. Das Gräberfeld Gemeinlebarn F (1880 - 1680 cal. BC) steht dabei bereits seit den 1990er Jahren immer wieder im Fokus der Wissenschaft. Auf der Basis von Grabdimension, Grabausstattung und Ausmaß der Beraubung konnte von bereits ein sozialer Unterschied der hier Bestatteten ermittelt und eine Einteilung in „reich“ und „arm“ vorgenommen werden. Obwohl die meisten pathologischen und degenerativen Veränderungen generell nur sehr schwach ausgeprägt sind, weisen Mitglieder der höheren Schicht ausgeprägtere Modifikationen und mindestens dieselben, wenn nicht höhere Frequenzen selbiger auf. Allerdings sind nur wenige signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zu erkennen und die Hypothese, dass Mitglieder der sozial niedrigeren Schicht größerem Stress ausgesetzt waren als sozial höher gestellte Individuen, musste verworfen werden.[1]
Ab 1250 v. Chr. war Gemeinlebarn bereits eine Dorfanlage der älteren Phase der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur mit Wohnhäusern in Pfostenbautechnik. Aus den reich ausgestatteten fürstlichen Hügelgräbern der Hallstattkultur stammen prächtig plastisch oder figural verzierte Gefäße, die mit roter und schwarzer Farbe bemalt wurden.

Bei Notgrabungen wurden in der Maisgasse vier frühlatènezeitliche Körpergräber freigelegt. Dabei fand man in einem Frauengrab zwei Vogel-Fibeln und eine Maskenfibel, ein Halsreif mit einer Hohlblechperle, drei Armreife, ein Fingerring, eiserne Haken für Gürtelketten und fünf Keramikgefäße. Am Schneiderweg südöstlich des Ortes stieß man auf eine mittellatènezeitliche Siedlung. In einer Gräbergruppe, die bis in die Frühlatènezeit zurückreicht, mit runden und rechteckigen Grabeinfriedungen wurden eiserne Schwertscheiden, eine Lanzenspitze, eine Maskenfibel, Koppelringe für Zaumzeug, ornamentierte Bronzeschuhschnallen, ein Hohlring und einige Keramikgefäße entdeckt.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Szombathy: Die Tumuli von Gemeinlebarn. Tempsky, Wien 1890, OBV.
  • François Bertemes, Das frühbronzezeitliche Gräberfeld von Gemeinlebarn P.B. St. Pölten. Kulturgeschichtliche und Paläometallurgische Studien. Bonn 1989, ISBN 3-7749-2371-X.
  • Johannes-Wolfgang Neugebauer: Die Nekropole von Gemeinlebarn, NÖ. Untersuchungen zu den Bestattungssitten und zum Grabraub in der ausgehenden Frühbronzezeit in Niederösterreich südlich der Donau zwischen Enns und Wienerwald. Habilitationsschrift. Universität Wien, Wien 1989, OBV. (Auch in: Römisch-Germanische Forschungen, Band 49. von Zabern, Mainz am Rhein 1991, ISBN 3-8053-1191-5).
  • Christine Neugebauer-Maresch, Johannes-Wolfgang Neugebauer: Gemeinlebarn. „Leute, die bei Grabhügeln wohnen …“. 2000 v. Chr., 600 v. Chr. 1. Auflage. Katalog des NÖ Landesmuseums, Band N.F. 392. Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung III/2 – Kulturabteilung, Wien 1996, ISBN 3-85460-159-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marlies Wohlschlager (2011), Social structure of the early Bronze Age population Gemeinlebarn F reconsidered. Diplomarbeit, University of Vienna. Fakultät für Lebenswissenschaften
  2. Susanne Sievers/Otto Helmut Urban/Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K und L–Z; Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 622 f.

Weblinks[Bearbeiten]