Traismauer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Traismauer
Wappen von Traismauer
Traismauer (Österreich)
Traismauer
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Sankt Pölten-Land
Kfz-Kennzeichen: PL
Fläche: 43,03 km²
Koordinaten: 48° 20′ N, 15° 44′ OKoordinaten: 48° 20′ 0″ N, 15° 43′ 59″ O
Höhe: 197 m ü. A.
Einwohner: 6.061 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 141 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3133
Vorwahl: 02783, 02276 (Gemeinlebarn)
Gemeindekennziffer: 3 19 43
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wiener Straße 8
3133 Traismauer
Website: www.traismauer.at
Politik
Bürgermeister: Herbert Pfeffer (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(29 Mitglieder)
17
8
2
1
1
17 
Von 29 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt Traismauer im Bezirk Sankt Pölten-Land
Altlengbach Asperbach Böheimkirchen Brand-Laaben Eichgraben Frankenfels Gablitz Gerersdorf Hafnerbach Haunoldstein Herzogenburg Hofstetten-Grünau Inzersdorf-Getzersdorf Kapelln Karlstetten Kasten bei Böheimkirchen Kirchberg an der Pielach Kirchstetten Loich Markersdorf-Haindorf Maria Anzbach Mauerbach Michelbach Neidling Neulengbach Neustift-Innermanzing Nußdorf ob der Traisen Obritzberg-Rust Ober-Grafendorf Perschling Pressbaum Prinzersdorf Purkersdorf Pyhra Rabenstein an der Pielach Schwarzenbach an der Pielach St. Margarethen an der Sierning St. Pölten Statzendorf Stössing Traismauer Tullnerbach Weinburg Wilhelmsburg Wölbling WolfsgrabenLage der Gemeinde Traismauer im Bezirk Sankt Pölten (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Wahrzeichen der Stadt: Das Römertor, auch als Wiener Tor bezeichnet
Wahrzeichen der Stadt: Das Römertor, auch als Wiener Tor bezeichnet
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Traismauer ist eine Stadtgemeinde mit 6061 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) im Bezirk Sankt Pölten-Land in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traismauer liegt im untersten Traisental in Niederösterreich. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 43,14 Quadratkilometer, 28,14 Prozent sind bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende neun Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Frauendorf (194)
  • Gemeinlebarn (689)
  • Hilpersdorf (153)
  • Oberndorf am Gebirge (218)
  • St. Georgen an der Traisen (55)
  • Stollhofen (932)
  • Traismauer (2628)
  • Wagram ob der Traisen (656)
  • Waldlesberg (394)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Frauendorf, Gemeinlebarn, Hilpersdorf, Oberndorf am Gebirge, St. Georgen bei Wagram, Stollhofen, Traismauer, Wagram an der Traisen und Waldletzberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum und Standort des Reiterkastells Augustianis. Urkundlich wurde Traismauer erstmals 799 als Tresma erwähnt. Nach der Eroberung des Awarenreiches durch Kaiser Karl den Großen wurde der Ort im neuen Bairischen Ostland Sitz des Grenzgrafen Cadaloc, der im Zuge der letzten Kämpfe gegen die Awaren im Jahre 802 beim Castell Guntio fiel.[2] Graf Cadaloc wurde in der Kirche St. Ruprecht in Traismauer bestattet.[3] 833 erfolgte im Ort die Taufe des Slawenfürsten Privina. Traismauer war in dieser Zeit Mittelpunkt der karolingischen Grafschaft zwischen Enns und Wienerwald und Sitz der zivilen und kirchlichen Verwaltung. Am 20. November 860 kam der Ort durch eine große Landschenkung König Ludwig des Deutschen an das Erzstift Salzburg, wo Traismauer bis 1803 verblieb.

Nach der Nibelungensage verweilte dort die Königstochter Kriemhild, ehe sie auf König Etzel traf. Markgraf Rüdiger von Traismauer, dessen Todesjahr im Totenbuch der Pfarre St. Andrä an der Traisen mit 1203 angegeben wird, war das historische Vorbild für Markgraf Rüdiger von Bechelaren im Nibelungenlied. Der Dichter des Nibelungen-Epos, Konrad von Fußesbrunnen (Feuersbrunn), setzte damit dem persönlichen Freund ein literarisches Denkmal. Um 1250, in der Zeit des Interregnums, wurde Traismauer durch Raubritter schwer verwüstet. Im Jahre 1458 wurde dem Ort von Kaiser Friedrich III. das Marktrecht verliehen, 1517 erhielt der Markt von Erzbischof Leonhard von Keutschach das Wappen. Im 16. Jahrhundert hatte Traismauer eine eigene Gerichtsbarkeit. 1555 wurde der erste Schulbau fertiggestellt. Um 1810 entstand die endgültige Fassung des Traismaurer Krippenspiels durch die Familie Scheibl. 1868 baute Franz Matthias Miller eine Mühle zu einem Stahlwerk aus, weitere Industrieanlagen wurden gegründet. 1885 konnte die an Traismauer liegende Eisenbahnlinie Tulln - St.Pölten eröffnet werden. Die Stadterhebung erfolgte 1958.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skizze des Kastell Augustianis aus dem 1. bis 5. Jahrhundert
Schloss Traismauer
Römisch-katholische Pfarrkirche hl. Martin in der Katastralgemeinde Stollhofen
Die Donaubrücke „St. Georg“ in Traismauer

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtpfarrkirche ist dem Heiligen Rupert geweiht. Weiters gibt es die Pfarrkirche Stollhofen und die Ortskirche Gemeinlebarn. Für die Mitglieder der evangelischen Kirche gibt es im Hungerturm einen Betraum.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtgemeinderat gibt es bei insgesamt 29 Sitzen folgende Mandatsverteilung: Liste SPÖ 17, Liste ÖVP 8, Liste Miteinander in Traismauer 2, FPÖ 1 und Liste Die Grünen 1. Die Grünen Traismauer (GRÜNE), die zur Gemeinderatswahl am 25. Jänner 2015 erstmals antraten, erreichten ein Mandat. Die seit der Wahl vom 6. März 2005 im Gemeinderat vertretene ökologisch-konservative Bürgerliste lebenswertes Traismauer (BLT) schied mit der Wahl 2015 wieder aus dem Gemeinderat aus.

Bürgermeister ist Herbert Pfeffer (SPÖ). Amtsleiter ist Herbert Schöffl.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen zeigt ein rotes Schild mit Turm in Form Quadratenstein mit Schoßgattern und Zinnen. Auf einem grünen Hügel an einem Fluss mit natürlicher Farbe.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit kurzem besteht eine Städtepartnerschaft mit Ajtos, einer Stadt in Bulgarien.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 188, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 168. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 2470. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 45,35 Prozent.

Die größten Unternehmen der Stadt sind die Martin Miller GmbH, BÖHLER MILLER Messer und Sägen GmbH, Benda-Lutz Werke GmbH, Gutschermühle Traismauer GmbH und BEKUM Maschinenfabrik GmbH. Ein gesunder Branchen-Mix sowie gut funktionierende Nahversorgung prägen die Struktur der lokalen Gewerbetreibenden und der ansässigen Klein- und Mittelbetriebe.

Im Norden der Stadtgemeinde Traismauer befindet sich der Wirtschaftspark „Campus 33“, der im Mai 2011 eröffnet wurde. Mit der Vergrößerung des Wirtschaftsparkes wurde in 2011 begonnen, derzeit stehen weitere 8 Hektar Betriebsgebiet zur Betriebsansiedlung bereit.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traismauer befindet sich an der Kremser Schnellstraße (S33) (Teil des Wiener Autobahnringes „Regionenring“) mit den Abfahrten „Traismauer Nord“ und „Traismauer Süd“ sowie seit 2010 mit der Donaubrücke St. Georg und dem Autobahnknoten Traismauer (B 43).

Schienenseitig ist die Stadt durch die Tullnerfelder Bahn erschlossen.

Durch aktuelle Verkehrsprognosen wird seit 2011 das Thema einer Umfahrung der LB43 diskutiert, dazu soll 2012 auch eine Volksbefragung abgehalten werden. Diese Volksbefragung endete mit einem klaren Nein zum Umfahrungsprojekt, wenngleich positive Sprengelergebnisse in Bereichen der Durchzugsstraßen erzielt wurden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Traismauer
  • Römertor (auch Wienertor, das größtenteils erhaltene ehemalige Osttor des Römerkastells)
  • Historischer Stadtkern
  • Spätgotische Pfarrkirche und Unterkirche (karolingische Grabkapelle und Mauerreste der Principia des Kastells)
  • Schloss Traismauer
  • Hungerturm (auch Reckturm, ein im Kern spätantiker Hufeisenturm)
  • Heimatmuseum im Hungerturm (wo auch das Traismaurer Krippenspiel aufbewahrt wird) mit dem Alten Schlosserhaus

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel am Sterbehaus Kohls in Traismauer

Zu den bekannten Söhnen der Stadtgemeinde zählen die Komponisten Franz Josef Aumann (1728–1797), Kirchenmusiker in St.Florian und Theodor Berger (1905–1992). Othmar Berger (1913–1970) war Musiker in Wien.

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Persönlichkeiten des Ortes zählen der Volksmusikforscher Friedl Mohr, Franz Friedrich Kohl (1851–1924); Raimund Zoder (1882–1963 zeichnete das Traismaurer Krippenspiel auf).

In Traismauer hielt sich der Künstler Rudolf von Alt auf. Im Sturmjahr 1848 stellte sich Rudolf von Alt in Wien als Bürgergardist zur Verfügung. Seine Familie schickte er vorsichtshalber zu den Schwiegereltern nach Troppau. Als Mitte Oktober 1848 die Ereignisse in der Hauptstadt dem Bürgergardisten Alt zu radikal wurden, verließ er zusammen mit dem damals sechzehnjährigen Ludwig Passini fluchtartig Wien. In Traismauer nahmen sie zusammen ein Notquartier im Gasthof Hofkirchner (heute Gasthof zum Schwan). In seinen Lebenserinnerungen schrieb er dazu, „ich war im Jahr 1848 National-Gardist, aber ich ging sehr bald nach Traismauer, wo meine Leute wohnten“. Auf einem Briefkuvert hielt er die Situation in schneller Skizze fest und zeichnete auch in (mindestens) zwei dokumentierten Werken Bauernhäuser in Traismauer.

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verdiente Gemeindebürger werden durch Beschluss des Gemeinderats der Stadtgemeinde zu Ehrenbürgern ernannt, so die ehemaligen, bereits verstorbenen Stadtpfarrer Konsistorialrat Dechant Friedrich Klein und Monsignore Konsistorialrat Erzdechant Johann Oberbauer sowie 2016 Landeshauptmann Erwin Pröll.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alois Mosser: Ein Jahrtausend kirchliches Leben in Traismauer. Ausstellungskatalog, Traismauer 1977, DNB 948488727.
  • Österreichisches Städtebuch. Band IV, Teil 3: Die Städte Niederösterreichs. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 1982, ISBN 3-7001-0459-6.
  • Fritz Klein: Das alte Traismauer - Einiges aus vergangenen Tagen über Pfarre und Markt Traismauer. 1983, DNB 901232939.
  • Jochen Splett: Rüdigerstudien. Münster 1964.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Traismauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Hans Krawarik: Siedlungsgeschichte Österreichs: Siedlungsanfänge, Siedlungstypen, Siedlungsgenese, Verlag Lit, 2006, S. 126f
  3. Unterkirche auf der Webpräsenz der Gemeinde Traismauer