Georg Stammler

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Georg Stammler, wirklicher Name Ernst Emanuel Krauss, (* 28. Februar 1872 in Stammheim; † 16. Mai 1948 in Giessen[1]) war ein deutscher Schriftsteller und Protagonist der Jugendbewegung, der Aphorismen, Gedichte und Erzählungen verfasst hat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Emanuel Krauss, Sohn eines Volksschullehrers, absolvierte in Heilbronn und Esslingen eine Lehre als Buchhändler. In Esslingen gründete er 1899 den Wir-Verlag, der jedoch nur wenige Titel publizierte. Von 1904 bis 1908 diente der Verlag zugleich als württembergische Geschäftsstelle des Vereins für ländliche Wohlfahrtspflege, einer Gründung des völkischen Schriftstellers Heinrich Sohnrey. Mit dieser Tätigkeit verdiente Krauss das Geld, um den Druck seiner Schriften zu finanzieren.[2]

Der seit 1913 in Heidelberg ansässige Buchhändler und Antiquar Hans Christoph Schöll veröffentlichte Ende 1913 (Drucktitel 1914) das erste, unter dem Pseudonym Georg Stammler herausgegebene Buch Worte an eine Schar, dem drei weitere folgten, darunter auch die programmatische Schrift Haus Bühlerberg. Die Bekanntschaft resultierte aus gemeinsamen Unternehmungen der Wandervogel-Bewegung. Nach dem Krieg scharte sich eine Gruppe engster Gefolgsleute um den Dichter in Mühlhausen i. Thüringen und gab unter dem Namen Werkschar die Flugblätter Das neue Volk heraus, die den Aufbau einer Werkschule mitunterstützen sollte. 1924 übernahm der von Erich Röth geleitete Urquell-Verlag die Rechte an den Büchern. Der Thüringer Verleger sollte sich später im Widerstand gegen den Nationalsozialismus verdient machen.

Krauss selbst wurde Mitglied der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung Großdeutschlands (NSFB), einer politischen Bewegung, die im Oktober 1924 als Ersatzorganisation der verbotenen NSDAP für die Reichstagswahlen 1924 als Listenverbindung gegründet wurde (siehe auch NSFP). 1925 wurde er zum Leiter der Deutschen Richtwochen bestellt und galt fortan als einer der führenden Vordenker der völkischen Jugendbewegung. Seine Sprüche hingen 1935 u. a. in den Arbeitszimmern von Adolf Hitler und seinem Stellvertreter (zit. nach Werner, Neue Bahnen Heft 46, 1935)[3].

1940 wurde Georg Stammler mit dem mit 3.000 Reichsmark dotierten Schwäbischen Dichterpreis ausgezeichnet.[4] Ein zu seinem 70. Geburtstag veröffentlichter Zeitungsartikel unterstreicht seine Popularität in der NS-Zeit: Es gebe "kaum ein Spruchbuch oder Sammelwerk", das nicht Sprüche, Bekenntnisse oder Gedichte von ihm enthalte, und lobt, er sei "unwandelbar im Sinnen und Denken […] den steilen Pfad vom Rufer, Mahner und zomgeladenen Streiter in völkischer Notzeit zum Dichter, Künder und Bekenner deutschen Wesens und Wirkens" gegangen.[5] Stammler lebte nach Kriegsende verarmt auf Burg Hohensolms in Hessen und starb 1948 in der Giessener Universitätsklinik.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Auswahl)

  • Worte an Eine Schar. Schöll, Heidelberg 1914.
  • Zwanzig Gedichte. Schöll, Heidelberg 1914.
  • Haus Bühlerberg. Schöll, Heidelberg 1915.
  • Du und Es. Vom Wesen und von der Gemeinschaft. Schöll, Heidelberg 1917.
  • Komm, Feuer! Gedichte und Sprüche. Urquell-Verlag, Mühlhausen 1922.
  • Deutsche Sonnenwende. Urquell-Verlag, Mühlhausen 1922.
  • Heut ist Der Tag – Ein Zorn- Und Liebesspiel in Reimgängen. Urquell-Verlag, Mühlhausen 1922.
  • Bäume, Flaggen, Richtmale. Neue Lieder und Sprüche. Urquell-Verlag, Mühlhausen 1923.
  • Die neue Herzogs-Zeit. Deutsche Losungen und Scheltsprüche. Urquell-Verlag, Mühlhausen 1924.
  • Wir fassen die Hände. Urquell-Verlag, Flarchheim 1928.
  • Der Unbekannte. Ein Oster-Weihespiel. Werkland-Verlag, Oberdorla 1929.
  • Kampf Und Andacht – Gedichte, Werkland-Verlag, Oberdorla 1930.
  • Feuer über’s Land! Politische Bekenntnisse. Werkland-Verlag, Oberdorla 1931.
  • Im Herzschlag der Dinge. Deutsche Bekenntnisse. Werklandverlag, Oppershausen 1934.
  • Streit und Stille. Gedichte. Westermann, Braunschweig ca. 1936.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Handbuch zur »Völkischen Bewegung« 1871–1918. Hrsg. von Uwe Puschner, Walter Schmitz, Justus H. Ulbricht. K. G. Saur Verlag München 1996. ISBN 3-598-11241-6, S. 927 f. (Kurzbiographie).
  • Albrecht Wacker, Horst Roller: Reformer, Dichter, Volkserzieher. Ernst Emanuel Krauss (1872-1948) alias Georg Stammler aus Stammheim bei Calw. In: Schwäbische Heimat Jg. 64 (2013), S. 327 ff.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staatsarchiv Ludwigsburg, Spruchkammerverfahrensakte Ernst Emanuel Krauss EL 902/8 Bü 8707 (online).
  2. Dokumente auf www.Naumburg1933.de (Memento des Originals vom 1. August 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.naumburg1933.de
  3. Gerhard Werner: Georg Stammler, der deutsche Dichter und deutsche Mensch, in urn:nbn:de:0111-bbf-spo-4876955
  4. http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.calw-der-vergessene-stammheimer-dichter.4acebd68-f778-4e3e-82cc-1862d384b608.html
  5. Neues Wiener Tagblatt. Jg. 76. Nr. 59 vom 28. Februar 1942, S. 3.