Gerd-Günter Voß

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
G. Günter Voß

Gerd-Günter Voß (* 24. Juni 1950 in Setterich, Nordrhein-Westfalen) ist ein deutscher Soziologe.

Lebensweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1968 war Voß bis 1974 Berufssoldat und studierte anschließend bis 1979 Soziologie, Politologie und Psychologie an der Universität München. Er war Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung und wurde bei Karl Martin Bolte in München 1984 promoviert und 1990 mit einer Schrift zur Begründung einer Soziologie alltäglicher Lebensführung habilitiert.

Bis 1994 arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent an der Universität München und war zeitgleich Mitarbeiter an den DFG-Sonderforschungsbereichen 101 („Sozialwissenschaftliche Berufs- und Arbeitskräfteforschung“) und 333 („Entwicklungsperspektiven von Arbeit“). Von 1994 bis 2015 war er Professor für Industrie- und Techniksoziologie an der TU Chemnitz.

Prof. Voß ist Vorstandsmitglied der TIM-Stiftung, die Kompetenzen zur Lebensführung von Kindern und Jugendlichen fördert.[1]

Wissenschaftliche Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

G. Günter Voß gilt als Vertreter einer in den 1980er Jahren aus empirischen Forschungsprojekten zur Arbeits- und Berufssoziologie konzeptionell von Karl Martin Bolte und anderen entwickelten, auf soziales Handeln bezogenen subjektorientierten Soziologie. Voß entwickelte vor diesem Hintergrund 1998 in Verbindung mit Überlegungen zur Subjektivierung und Entgrenzung der Arbeit gemeinsam mit Hans J. Pongratz die richtungsweisende arbeitssoziologische Leitvorstellung einer sich verstärkt selbst vermarktenden Arbeitskraft („Arbeitskraftunternehmer“). 2005 veröffentlichte er gemeinsam mit Kerstin Rieder die These vom „arbeitenden Kunden“, der zufolge Verbraucher als warenkaufende Konsumenten zunehmend als unbezahlte informelle Arbeitskräfte in betriebliche Funktionsprozesse eingebunden werden. Beide Prozesse rückbeziehen sich auf in den 1980er Jahren entwickelte Überlegungen zur mikro-empirischen Untersuchung des Alltagslebens über das soziologische Konzept der „Alltäglichen Lebensführung“, greifen einen Begriff von Max Weber auf und setzen sich zugleich vom ähnlich gelagerten Konzept des Lebensstils ab. Diese in der deutschen Gegenwartssoziologie vor allem von Voß entwickelten und publizierten Ansätze und Forschungen können als Beiträge zu einer reflexiv-handlungsorientierten Subjektsoziologie angesehen werden, deren weitergehende theoretische und methodologische Ausarbeitung und Begründung bisher noch aussteht. In enger Verbindung mit den Arbeiten zur Subjektivierung und Entgrenzung von Arbeit entstanden in den letzten Jahren mehrere Studien zu den psycho-sozialen Folgen des Strukturwandels von Arbeit (Zeit- und Leitungsdruck, Burnout-Syndrom usw.). Insgesamt ist seine Arbeit geprägt von "Wandel von Beruf und Arbeit im Zuge der Weiterentwicklung der Arbeitsgesellschaft und des modernen Kapitalismus".[2]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

als Autor/Mitautor
  • Professioneller Umgang mit Zeit- und Leistungsdruck. Nomos Verlag/edition sigma, Baden-Baden 2016, ISBN 978-3-8487-2944-9 (zusammen mit Christoph Handrich, Carolyn Koch-Falkenberg).
  • Conduct of Everyday Life in Subject-Oriented Sociology: Concept and Empirical Research. In: Ernst Schraube, Charlotte Højholt (eds.): Psychology and the conduct of everyday life. Routledge, London 2015, pps. 34-64 (zusammen mit Karin Jurczyk, Margit Weihrich).
  • Unternehmen im Web 2.0. Zur strategischen Integration von Konsumentenleistungen durch Social Media. Campus-Verlag, Frankfurt/M. 2012, ISBN 978-3-593-39772-6 (zusammen mit Frank Kleemann, Christian Eismann, Tabea Beyreuther, Sabine Hornung, Kathrin Duske).
  • Entgrenzte Arbeit - entgrenzte Familie. Grenzmanagement im Alltag als Herausforderung. editoj sigma, Berlin 2009, ISBN 978-3-8360-8700-1 (zusammen mit Karin Jurczyk, Michaela Schier, Andreas Lange, Peggy Szymenderski).
  • Der Arbeitende Kunde. Wenn Konsumenten zu unbezahlten Mitarbeitern werden. Campus-Verlag, Frankfurt a.M./New York 2005, ISBN 3-593-37890-6 (zusammen mit Kerstin Rieder).
  • Arbeitskraftunternehmer. Erwerbsorientierungen in entgrenzten Arbeitsformen. edition sigma, Berlin 2003, ISBN 3-89404-978-2 (zusammen mit Hans, J. Pongratz).
  • Die Entgrenzung von Arbeit und Arbeitskraft. Eine subjektorientierte Interpretation des Wandels der Arbeit, In: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung , Bd. 31 (1998), Heft 3, S. 473–487.
  • Der Arbeitskraftunternehmer. Eine neue Grundform der Ware Arbeitskraft?. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Bd. 50 (1998), Heft 1, S. 131–158 (zusammen mit Hans J. Pongratz).
  • Lebensführung als Arbeit. Über die Autonomie der Person im Alltag der Gesellschaft. Enke, Stuttgart, 1991, ISBN 3-432-99421-4.
als Herausgeber
  • Riskante Arbeitswelten. Zu den Auswirkungen moderner Beschäftigungsverhältnisse auf die psychische Gesundheit und die Arbeitsqualität. Campus Verlag: Frankfurt a.M./New York 2013, ISBN 978-3-593-39965-2 (zusammen mit Rolf Haubl, Brigitte Hausinger).
  • Belastungsstörung mit System. Die zweite Studie zur psychosozialen Situation in deutschen Organisationen. Vandenhoeck-Ruprcht, Göttingen 2013, ISBN 978-3-525-40343-3 (zusammen mit Rolf Haubl, Nora Alsdorf, Christoph Handrich).
  • Handbuch Arbeitssoziologie. VS-Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15432-9 (zusammen mit Fritz Böhle, Günther Wachtler).
  • Dienstleistung als Interaktion. R. Hampp Verlag, Mering 2004, ISBN 3-87988-831-0 (zusammen mit Wolfgang Dunkel).
  • Entgrenzung von Arbeit und Leben. Zum Wandel der Beziehung von Erwerbstätigkeit und Privatsphäre im Alltag. R. Hampp Verlag, Mering 2003, ISBN 3-87988-798-5 (zusammen mit Karin Gottschall).
  • Subjektivierung von Arbeit. 2. Aufl. R. Hampp Verlag, Mering 2003, ISBN 978-3-87988-745-3 (zusammen mit Manfred Moldaschl).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. Arbeitslosigkeit in Europa: "Plötzlich gibt es einen Knall"