Arbeit (Philosophie)

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Die Arbeit im philosophischen Sinn erfasst alle Prozesse der bewussten schöpferischen Auseinandersetzung des Menschen. Sinngeber dieser Prozesse sind die selbstbestimmt und eigenverantwortlich handelnden Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Anschauungen im Rahmen der aktuellen Naturgegebenheiten und gesellschaftlichen Arbeitsbedingungen.

Wortgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ansicht von Otfried Höffe[1] stammt das Wort von lateinisch arvus für Ackerland als Ausdruck für dessen Bearbeitung. Das Wort Arbeit entwickelte sich aus dem Althochdeutschen arabeit über das Mittelhochdeutsche arebeit, die oft in den Bedeutungen Mühsal und Not stehen.[2] Es wird einer Verwandtschaft zum Altkirchenslawischen rabota (von rabu = ‚Knecht, Leibeigener‘) vermutet‚ das sich mit Knechtsarbeit oder Frondienst übersetzen läßt[2] und aus dem im 20. Jahrhundert das Wort Roboter gebildet wurde.[3]

Der vorphilosophische Sprachgebrauch hatte drei Bedeutungen:

  1. Arbeit als Mühsal, im Gegensatz zur Muße[4]
  2. Arbeit als Tätigkeit zur Sicherung des Lebensunterhaltes und zur Verbesserung der Lebensbedingungen
  3. Arbeit als Resultat dieser Anstrengungen: als Leistung, Werk.[1]

Im heutigen Sprachgebrauch meint Arbeit im anthropologischen und philosophischen Sinn die „Tätigkeit des Menschen in Abhängigkeit von Natur und natürlicher Bedürftigkeit zum Zweck der Lebensunterhaltung und -verbesserung.“[2]

Zweck und Ziel der Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeit des Menschen ist aus ökonomischer Sicht zunächst ein Produktionsfaktor (siehe den Begriff in der Volkswirtschaftslehre). Der Mensch sucht aber mittels gemeinschaftlicher Arbeit auch gesellschaftliche Anerkennung und ein sinnvolles Leben zu erreichen. Die Arbeit des Künstlers ist ein Beispiel dafür, dass Arbeit im materiellen Sinn auch zweckfrei erscheinen kann. Aus Sicht des Marxismus steht der Mensch innerhalb des Gesellschaftssystems im Widerspruch verschiedener Ziele:

Damit befindet er sich mehr oder weniger in Konkurrenz zu anderen Gruppen, wobei der Begriff der Arbeit selbst einem geschichtlichen Wandel unterliegt.[5] Das Wesen menschlicher Arbeit besteht nicht in der Ausübung einzelner, individueller Tätigkeiten, sondern umfasst immer das intersubjektive Zusammenwirken der Menschen in gemeinschaftlichen „Arbeits- und Handlungssystemen“. Aus philosophischer Sicht wird auch die Mitwirkung und Teilhabe an Innovationen, kulturellen und künstlerischen Ereignissen, neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Entdeckungen und an der Entwicklung der politischen und sozialen Verhältnisse in der Gesellschaft als Ziel der Arbeit gesehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Mitwirkung aktiv durch eigene Tätigkeit erfolgt oder über finanzielle Mittel erkauft wird.

Arbeit als Gegenstand philosophischer Theorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer sich mit dem Begriff „Arbeit“ vom philosophischen Standpunkt aus beschäftigt, stößt auf ein Dilemma: Obwohl die „Arbeit“ in ihrer Formenvielfalt eine Konstante des menschlichen Daseins ist, gibt es nur wenige namhafte Philosophen, die sie aus der Ökonomie, Ethik oder Theologie herausgehoben haben. Überwiegend wird Arbeit als Synonym für Tätigkeit oder „Tat“, Produktion, „nützliches Handeln, Beruf, Erwerbstätigkeit, „Dienst für die Gemeinschaft“ usw. partiell abgehandelt (vgl. Arbeitssoziologie).

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platon sah für seine „bewusste schöpferische Auseinandersetzung mit der Natur und der Gesellschaft“ nicht die physisch-handwerkliche Tätigkeit, sondern die geistig-kontemplative Muße als Grundbedingung. Von der Antike bis ins Mittelalter galt: Nur wer sich alltäglichen Mühen und Arbeitszwängen entzieht, hat Zeit seinen Bedürfnissen zu frönen, den Kopf frei für neue Erkenntnisse und kreatives Handeln und sei damit näher bei Gott als der tätige Mensch. Diese Auffassung ist heute noch unter dem Aspekt nachvollziehbar, dass unter Zwang die hinreichende Kreativität und der Bedürfnisbezug der Arbeit verloren gehen. Aristoteles kam mit seiner Definition einer philosophischen Kategorie im Sinne von „Tun oder Bewirken“ dem Arbeitsbegriff schon recht nah, wobei sich diese Kategorie aber auf die Natur insgesamt bezog. In den Selbstbetrachtungen stellt Mark Aurel die Arbeit in den ethischen Zusammenhang des stoischen lebenslangen Bemühens zur Selbstformung.[6] Gemäß ihrem eigenen Verständnis von Arbeit sahen die Römer in ihren Sklaven keine Menschen, sondern sprechende Werkzeuge.

Wandel im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter und während der Reformation wurden in Europa meist theologische Debatten über die Arbeit geführt, ob sie den tätigen Menschen von der sinnlichen Gottessuche abhalte, oder als Gottesdienst anzusehen sei (vgl. Augustinus, Benedikt von Nursia, Meister Eckhart, Johannes Calvin, Martin Luther). Mit Bezug auf Paulus von Tarsus und den 2. Thessalonicherbrief wurden dabei unterschiedliche, teils widersprüchliche Auffassungen zu dem Satz entwickelt: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen“ [7].

Bis zur Renaissance waren in Europa die agrikulturellen und handwerklichen Produktionsmethoden, wie sie sich im Verlauf des Mittelalters entfaltet hatten, vorherrschend. Die Ständeordnung trug wesentlich dazu bei, dass zwischen niederwertiger und hochwertiger Arbeit unterschieden wurde – ein Begriffsverständnis, das sich wesentlich bis heute erhalten hat.[8]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts definierten die Arbeit moralphilosophisch und erklärten sie zur sittlichen Pflicht und Existenzbedingung des menschlichen Daseins (vgl. Immanuel Kant, Johann Gottfried Herder oder Johann Gottlieb Fichte). Gleichzeitig kamen zunehmend ökonomische und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge ins Blickfeld. Ein zentrales Thema waren dabei die beiden traditionellen Auffassungen zum ursprünglichen Eigentumserwerb: die Okkupationstheorie und die Arbeitstheorie. (vgl. David Hume, John Locke, Adam Smith, David Ricardo, Charles Fourier, Henri de Saint-Simon, Pierre-Joseph Proudhon).

Hegel versuchte, mit den „Kategorien von »Arbeit« und »Tausch« auch die ganze bürgerliche Gesellschaft ihrer ökonomischen Struktur nach“ zu erfassen.[9] Karl Marx und Friedrich Engels gingen mit ihrer Gesellschaftsanalyse und Kritik der politischen Ökonomie weiter: „An die Stelle des göttlichen Absoluten bei Hegel tritt bei Marx das materiell-ökonomische Absolute des Produktionsprozesses bzw. der Arbeit als die alles begründende Wirklichkeit.“[10] In einem Aufsatz über den „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ schreibt Friedrich Engels: „Die Arbeit ist die Quelle allen Reichtums, sagen die politischen Ökonomen. Sie ist dies - neben der Natur, die ihr den Stoff liefert, den sie in Reichtum verwandelt. Aber sie ist noch unendlich mehr als dies. Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, daß wir in gewissem Sinn sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen.“[11] Wie Hegel definieren Marx und Engels den Freiheitsbegriff als Einsicht in die Notwendigkeit[12][13] und heben damit den aus freiem Willen handelnden Menschen, dem die Arbeit ein notwendiges Lebensbedürfnis ist, aus der Masse jener heraus, die unter Zwang als Vasallen, Hörige oder gar Sklaven ausgebeutet werden. In Auseinandersetzung damit sind im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche Philosopheme zur Arbeit entwickelt worden (vgl. Ernst Bloch, Max Weber). Die Marxsche Geschichtsphilosophie misst der vorherrschenden Produktionsweise, das heißt der Ökonomie die prägende Rolle zu. Max Weber geht von der Annahme aus, dass der historische Prozess durch das Zusammenwirken von Herrschaft, Kultur und Ökonomie geprägt wird, wobei der Einfluss epochenspezifisch unterschiedlich stark sein kann. Tendenziell sieht Weber Herrschaft als die dominierende anthropologische Universale.[14]

Friedrich Nietzsche nahm 1882 in seinem aphoristischen Werk Die fröhliche Wissenschaft ironischen Bezug auf die Debatte des 19. Jahrhunderts über selbst- und fremdbestimmte Arbeit:

„Die Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: Der Hang zur Freude nennt sich bereits „Bedürfniss der Erholung“ und fängt an, sich vor sich selber zu schämen. „Man ist es seiner Gesundheit schuldig“ — so redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, es könnte bald so weit kommen, dass man einem Hange zur vita contemplativa (das heißt zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachgäbe.“

Friedrich Nietzsche

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hannah Arendt sieht die Arbeit nicht in Verbindung mit dem Freiheitsbegriff, sondern als Zwang zur Erhaltung des Lebens, dem der Mensch von der Geburt bis zum Tod ständig unterliegt. In ihrem Werk „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ unterscheidet Hannah Arendt drei Tätigkeiten: Arbeiten, Herstellen und Handeln. Ohne Geräte und Werkzeuge, die der Mensch herstellt, „um die Arbeit zu erleichtern und die Arbeitszeit zu verkürzen, könnte auch menschliches Leben nichts sein als Mühe und Arbeit.“[15] Das „Animal laborans“ ist dasjenige Wesen, das nur arbeitet. Für das animal laborans ist es „wie ein Wunder, daß es als Mensch auch und zugleich ein Wesen ist, das eine Welt kennt und bewohnt; vom Standpunkt des Homo fabers ist es wie ein Wunder, wie eine Offenbarung eines Göttlichen, daß es in dieser von ihm hergestellten Welt so etwas wie Sinn geben soll.“[16]

Für Arendt stellen das Handeln und Sprechen die „höchsten und menschlichsten Tätigkeiten der Vita activa“[17] dar. Unter dem Arbeitsbegriff subsumiert sie die individuellen Tätigkeiten, die unmittelbar zur Herstellung materieller Güter notwendig sind und die durch das interaktive, kommunikative Handeln der Menschen dominiert und gesellschaftlich vermittelt werden. Durch die begriffliche Reduktion der Arbeit auf Tätigkeiten vereinzelter Individuen, weitgehend abstrahiert von der gesellschaftlich notwendigen Organisation und Kommunikation in Arbeitsprozessen, wird unwillkürlich die Entfremdung der Arbeit unter kapitalistischen Produktionsbedingungen aufgedeckt.[18] Dazu schreibt Arendt: „(In) ihrem letzten Stadium verwandelt sich die Arbeitsgesellschaft in eine Gesellschaft von Jobholdern, und diese verlangt von denen, die ihr zugehören, kaum mehr als ein automatisches Funktionieren, als sei das Leben des Einzelnen bereits völlig untergetaucht in den Strom des Lebensprozesses, der die Gattung beherrscht, und als bestehe die einzige aktive, individuelle Entscheidung nur noch darin, sich selbst gleichsam loszulassen, seine Individualität aufzugeben, bzw. die Empfindungen zu betäuben, welche noch die Mühe und Not des Lebens registrieren, um dann völlig „beruhigt“ desto besser und reibungsloser „funktionieren“ zu können.“[19]

Jürgen Habermas kommt im Anschluss an seine Hegel-Interpretation 1968[20] auf die offene Frage zum Verhältnis von Arbeit und Interaktion. Auch er beantwortet diese Frage später in seinem Hauptwerk „Theorie des kommunikativen Handelns“ zugunsten des „Kommunikationsparadigmas“. Die fragwürdige Trennung von „Arbeit und Interaktion“ bzw. „Produktion und Kommunikation“ und die a priori Setzung der Kommunikationsbeziehungen löst nur scheinbar ein philosophisches Henne-Ei-Problem: Sprechen Menschen in Arbeits- bzw. Handlungssystemen miteinander, weil sie gemeinsam arbeiten, oder arbeiten sie gemeinsam, weil sie miteinander sprechen wollen?

Marxistisch beeinflusste Philosophen wie Rudolf Bahro sehen in der Überwindung der Arbeitsteilung einen Weg, um allen Menschen eine gerechte Teilhabe zu ermöglichen.[8]

Heute sehen Systemtheoretiker „menschliche Arbeit“ unter dem adäquaten Aspekt, nämlich als abstrakten Begriff für die von Menschen bewusst ausgeführten Interaktionen und Handlungen in sozialen und soziotechnischen Systemen, welcher Art auch immer diese Arbeitssysteme sein mögen. Der soziologische Systembegriff geht auf Talcott Parsons zurück, der in Handlungen (Arbeitsprozessen) die konstitutiven Elemente sozialer Systeme erkannte. Abweichend davon sah Niklas Luhmann in den Kommunikationsbeziehungen die bestimmenden Elemente und hob diese aus den Handlungen hervor. Mit dieser Auffassung ist Luhmann in der Tendenz idealistisch und leugnet die Tatsache, dass Kommunikationsprozesse als Teil übergeordneter Arbeitsprozesse zwar notwendige, aber keine hinreichenden Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung sozialer Systeme sind.

Historischer Aspekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschen setzen die Produktivkräfte ihrer Gesellschaftssysteme in „Arbeitsprozessen“ frei. Sie gestalten diese Prozesse arbeitsteilig nach den Regeln und Gesetzen der Systeme, in denen sie jeweils leben und zusammenarbeiten. Dabei bewegen sie sich in Strukturen, in denen sie die Aneignung und Nutzung der Arbeits-Ressourcen und die Verteilung der Arbeits-Resultate – je nach Kultur oder Staatsform – geordnet haben. Ungeachtet der unterschiedlichen philosophischen Anschauungen durchdringt und verbindet die Arbeit alle Dimensionen des gesellschaftlichen Lebens und nimmt dabei ihre epochengemäße, historische Form an.

Gemeinschaften der Jäger und Sammler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich entwickelten sich die Arbeits- und Handlungssysteme der anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) innerhalb der Hordengesellschaft. Mit der allmählichen Aneignung der Natur begann der Übergang zum abstrakten Denken in Wechselwirkung mit der sich gleichzeitig herausbildenden Sprache:

„Arbeit zuerst, nach und dann mit ihr die Sprache - das sind die beiden wesentlichen Antriebe, unter deren Einfluß das Gehirn eines Affen in das bei aller Ähnlichkeit weit größere und vollkommnetere eines Menschen allmählich übergegangen ist. Mit der Fortbildung des Gehirns ging Hand in Hand die Fortbildung seiner nächsten Werkzeuge, der Sinnesorgane ...“

Friedrich Engels: Dialektik der Natur

Die im Paläolithikum in Horden umherstreifenden Menschen, die „bei nomadisierender Lebensweise und vorwiegender Okkupationswirtschaft“[21] die notwendigen Nahrungsmittel ausschließlich oder überwiegend durch die gemeinschaftliche Aneignung und Verteilung der Naturreichtümer gewannen, waren auf ihren Beutezügen an die jeweiligen Naturgegebenheiten gebunden. Längerfristige klimatische Entwicklungen, erschöpfte Jagdgründe, Auseinandersetzungen mit anderen Horden u. a. m. zwangen die Menschen, neue Lebensräume zu erkunden. Auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen zogen die Horden weiter und ließen sich in regelmäßig wechselnden, oder auch neu entdeckten Siedlungsgebieten nieder. Über „Jahrhunderttausende“[22] eroberten die Menschen auf der Suche nach Nahrungsmitteln und sonstigen natürlichen Reichtümern neue Lebensräume. Bis zum ausgehenden Jungpaläolithikum hatten diese nomadisierenden Jäger- und Sammlergemeinschaften im Zeitraum von ca. 100.000 Jahren mit Ausnahme der Antarktis alle Kontinente besiedelt (siehe Ausbreitung des Menschen). Neben der Anpassungsleistung an die Lebens- und Arbeitsbedingungen in unterschiedlichen Klimazonen entdeckten und verfeinerten die Menschen während dieser Jahrtausende ihre Methoden zur Ausbeutung der Natur und zur Durchsetzung gemeinschaftlicher Interessen gegen innere und äußere Feinde. Das betraf nicht nur die organisierte Vorbereitung und Durchführung gemeinschaftlicher Unternehmungen, sondern auch die Verwendung des Feuers, die Herstellung und Nutzung verbesserter oder neuartiger Werkzeuge, Jagd- und Kampfwaffen, Kleidung, Vorrats- und Transportbehältnisse oder die Errichtung befestigter Lagerplätze und Behausungen. Im Neolithikum begannen die Jäger- und Sammlergemeinschaften sich durch Domestizierung nützlicher Tiere und Pflanzen und Herden-begleitende Viehwirtschaft nach und nach auf agrikulturelle Produktionsmethoden umzustellen. Mit zunehmender Differenzierung der Arbeitsprozesse entwickelten sich neue kulturbildende Arbeitsfelder und Traditionen. Die Phänotypen der natürlichen Evolution, die vor allem äußere Merkmale der Menschen variierten, wie z. B. Hautfarbe oder Körperbau, wurden überlagert von kulturellen Variationen der sich herausbildenden Stämme und Völker. Grundlegend war dabei die Entwicklung der Sprachen, die den inneren Zusammenhalt der Gemeinschaften durch Rituale, Kunst und sonstige kommunikative Handlungen und Interaktionen verstärkten, wie zum Beispiel

  • Initiations- und Machtrituale, Bestattungskulte,
  • Freundschafts-, Versöhnungs-, Heiratszeremonien,
  • Heilungs-, Schadens- oder Verdammungszauber,
  • künstlerische Ausdrucksformen, Tanz, Musik, Ornamentik, Bilder, Skulpturen etc.,
  • Erzählungen von Abstammungs-, Jagd-, Kampf- und Überlebensmythen.

In den Stammesgemeinschaften und späteren Hochkulturen entwickelten sich metaphysische Vorstellungen, auf deren Grundlage das Schamanen- und Priestertum religiöse Kulte in die schöpferische Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur und der Gesellschaft einführte.

Agrargesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Neolithischen Revolution entwickelten sich die Arbeits- und Handlungssysteme der Bauern- und Hirtenvölker. Infolge der zunehmend ortsfesten Produktion entstanden Dorfgemeinschaften. Neue Methoden der Bodenbewirtschaftung und Viehhaltung führten zu Nahrungsmittelüberschüssen, sodass spezialisierte Arbeiter beschäftigt und ernährt werden konnten. Diese erzeugten Waren und Dienstleistungen, die nicht für den sofortigen Verbrauch bestimmt waren. Neben handwerklichen Bereichen in der Nahrungsmittelveredlung, der Holz- und Steinbearbeitung, der Metallgewinnung, der Textil-, Keramik-, Werkzeug- und Waffenherstellung, etc. entstanden sekundäre Arbeitssysteme, wie die des Handels (Transport, Lagerung und Warentausch), der Kommunikation (Schreib-, Botendienste), der Gefahrenabwehr (Militär- und Wachdienste), der Bildung und Kultur, der Organisation, Administration und Herrschaft. Die Zentralisierung der Handels-, Kultur-, Schutz- und Administrationsfunktionen führte zur Urbanisierung und Herausbildung der Politik. Mit fortschreitender Arbeitsteilung entwickelten sich Ständegesellschaften und mit der Konzentration der Schutz- und Herrschaftsfunktionen Staatsformen, die das soziale Leben bis in die Gegenwart bestimmen. Die agrikulturelle Revolution änderte die Arbeits- und Lebensweise der Menschen radikal. „Es brauchte Tausende von Jahren, bis die neuen Techniken und Wertesysteme dieser Revolution alle Teile des Erdballs durchdrungen hatten.“[23]

Industriegesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von Norditalien, England und Frankreich begann im 17. Jahrhundert die Zergliederung und Verfeinerung handwerklicher Tätigkeiten in Manufakturen. In der Landwirtschaft entwickelten sich neue, arbeitsteilige Produktionsmethoden. Die Lohnarbeit wurde zur bestimmenden Lebensgrundlage der Manufaktur- und Landarbeiter und deren Familien. Im späten 18. Jahrhundert gab es einige soziotechnischer Durchbrüche. Erfindungen, wie der mechanische Webstuhl, die Dampfmaschine oder das Puddelverfahren zur Stahlherstellung lösten in Europa die industrielle Revolution aus. Sie ist bis ins späte 19. Jahrhundert hauptsächlich gekennzeichnet durch:

  1. den Ersatz tierischer Kraft durch unbelebte (insbesondere Wasser- und Dampfkraft);
  2. den Ersatz menschlicher Fertigkeit und Kraft durch Maschinen;
  3. die Erfindung und Einführung neuer Methoden zur Ur- und Umformung von Materie (Eisen, Stahl, industrielle Chemikalien);
  4. die Organisierung von Arbeit in großen, zentral mit Kraft versorgten Fabriken, was die unmittelbare Kontrolle der Produktionsprozesse und eine effizientere Arbeitsteilung erlaubte.[24]

Wirtschaftshistoriker bezeichnen diese Periode der Industrialisierung auch als die erste industrielle Revolution. Technische Neuerungen im späten 19. Jahrhundert, wie der Verbrennungsmotor, das Automobil, Erdölprodukte, Elektrotechnik, Telegrafie, Fernsprechtechnik, Fotografie, Farben- und Düngemittelchemie u. a. m., leiteten die zweite industrielle Revolution ein. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts sorgten betriebswirtschaftliche Innovationen, für die hier stellvertretend F. W. Taylor und Henry Ford stehen, für arbeitsorganisatorische Entwicklungen, die in den Fabriken zu zeit- und ablaufoptimierten Arbeitsbereichen führten. Es entstanden dabei viele Arbeitsplätze, an denen in monotoner Abfolge immer wieder die gleichen, einfachen Handgriffe zu erledigen waren. Mitte des 20. Jahrhunderts begann die dritte industrielle Revolution mit weiteren Innovationen, wie Mechanisierung der Landwirtschaft, Leichtmetall- und Kunststofftechnik, Elektronik, Computertechnik, Internet, Nanotechnik, Atomphysik, Weltraumforschung, etc. Im Zuge der fortschreitenden Automatisierung und CIM-Technologien begann der Abbau der Arbeitsplätze, die vom Fordismus bzw. Taylorismus geprägt nur einfachste, mental anforderungsarme Tätigkeiten beinhalten.

Gegenwart und Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute existieren immer noch weltweit vielfältige Formen wie der agrikulturellen Subsistenzwirtschaft und der entwickelten, industriellen Marktwirtschaft nebeneinander. Dabei beschleunigt sich die gesellschaftliche Arbeitsteilung weiter, was an der fortschreitenden Auffächerung spezialisierter und kombinierter Wissenschaftsdisziplinen und qualifizierter Ausbildungsberufe zu beobachten ist. Mit den daraus entstandenen kulturellen und technischen Entwicklungen ist aus dem Wachstum eine ernste Gefahr für den weiteren Bestand der Menschheit geworden. Dieser Aspekt der Arbeit rückt seit Mitte des 20. Jahrhunderts nach und nach ins Bewusstsein.[25]

Der Mensch setzt in Arbeitsprozessen – je nach Können und Vermögen – außer seiner Arbeitskraft die leistungsstärksten, neuesten Arbeitsmittel ein, um die Qualität und Produktivität seiner Arbeit sicherzustellen oder zu steigern. Je technisierter und vernetzter die Arbeitsmittel in soziotechnischen Systemen jedoch sind, umso weniger menschliche Arbeitskraft wird in den Arbeitsprozessen anteilig benötigt. Dadurch entsteht Arbeitslosigkeit. Objektiv gesehen sind Menschen auch in Lebenssituationen der sogenannten Arbeitslosigkeit nicht arbeitslos, sondern erwerbslos.

In Industriestaaten hat die Produktivität immer wieder Zustände erreicht, in denen ein Teil der Bevölkerung von der Erwerbsarbeit ausgegrenzt wird. Die Überwindung dieser Zustände wird als eine der Hauptaufgaben verantwortungsvoller Staatsführungen angesehen. Hannah Arendt formulierte schon 1958 folgende These:

„Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?“

Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben

Im Industriezeitalter haben die Staaten Organisationsformen entwickelt, um die Aneignung und Nutzung der Arbeits-Ressourcen und die Verteilung der Arbeits-Resultate durch institutionalisierte Arbeitskämpfe sozial gerechter und volkswirtschaftlich effektiver zu gestalten.

Karl Popper formulierte in „Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde“: Der selbstbestimmt und eigenverantwortlich handelnde Mensch ist eine allgemeingültige Grundbedingung für die „bewusste schöpferische Auseinandersetzung mit der Natur und der Gesellschaft“. Sklaven, Zwangsarbeiter oder im Kadavergehorsam verhaftete Soldaten nehmen im Rahmen eng gesetzter Aufträge oder Befehle die Rolle fremdbestimmter Arbeitsmittel und Waffen ein, die ihren Macht- und Befehlshabern mit Körperkraft und Intelligenz nützliche Dienste erweisen. Die Hypothese, der Mensch könne sich irgendwann von der Arbeit befreien und bewusst und selbstbestimmt leben, ohne sich mit der Natur und der Gesellschaft auseinander zu setzen, also ohne zu arbeiten, kann im Popperschen Sinne als hinreichend falsifiziert gesehen werden.

Die Sichtweise des Marxismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Marx und Friedrich Engels analysierten die Arbeit unter philosophischen, entwicklungsgeschichtlichen und ökonomischen Aspekten. Eine ausführliche Darstellung findet sich in Das Kapital Band I, fünftes Kapitel:

„Die Arbeit ist zunächst ein Prozeß zwischen Mensch und Natur, ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eignes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eignen Botmäßigkeit.“[26]

Einige Arbeitsaspekte und -begriffe, die Karl Marx in den Schriften Zur Kritik der politischen Ökonomie und in seinem Hauptwerk Das Kapital verwendet, sind bis heute Gegenstand philosophischer, sozialwissenschaftlicher und politischer Diskurse.

Konkrete Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitende Menschen führen immer wirkliche, das heißt konkrete Tätigkeiten aus und leisten damit i. d. R. zweckmäßige, zielgerichtete konkrete Arbeit. Karl Marx nennt diese „konkret-nützliche Arbeit“. Entsprechend den Fähigkeiten, Qualifikationen bzw. Fertigkeiten und Bedürfnissen des Einzelnen und seiner individuellen Lebenssituation ist konkrete Arbeit nach Form und Inhalt unendlich vielfältig. Auch unter dem Aspekt der individuellen Zweckmäßigkeit und Zielsetzung bestimmt der tätige Mensch, welche konkrete Arbeit durch ihn zu leisten ist. Konkrete Arbeit erfordert den Einsatz seiner Arbeitskraft – das bedeutet stets ein gewisses Quantum an „lebendiger“ Arbeit – sowie die Bereitstellung und Nutzung „vergegenständlichter“ Arbeit in Form notwendiger Produktionsmittel. Durch den Gebrauch und die Verarbeitung der Produktionsmittel entstehen ihm dabei in der warenproduzierenden Gesellschaft Kosten; dafür gehören ihm die Produkte seiner konkreten Arbeit. Als Eigentümer des Arbeitsergebnisses verfügt er – je nach Grad der Zielerreichung – über einen Gebrauchswert. Über die konkret-nützliche Arbeit schreibt Marx:

„Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben, zu vermitteln.“[27]

Abstrakte Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von Karl Marx postulierte „Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit“ beruht auf der Tatsache, dass der mittels konkreter Arbeit (s. o.) geschaffene Gebrauchswert einer Ware zwar die Grundvoraussetzung für deren Vermarktbarkeit darstellt, damit aber noch keine Aussage über die Höhe des Tauschwerts vorliegt. Der materialistischen Weltsicht zufolge entspringt jedoch auch der Tauschwert einer Ware primär der dafür aufgewendeten Arbeit. Aus diesem Grund führte Marx den Begriff der abstrakten Arbeit ein. Über den Doppelcharakter von Arbeit schreibt er:

„Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert.“[28]

„Alle Arbeit ist andererseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.“[29]

Ausgehend von der „abstrakten Arbeit“, die selbst den Charakter des Tauschwertes in sich trägt, entwickelte Marx die von Adam Smith begründete Arbeitswerttheorie. Die Theorie, wonach die verausgabte Arbeit für den Warenwert bestimmend sei, gilt unter Volkswirten heute jedoch als weitgehend widerlegt (vgl. Grenznutzenschule).

Allerdings spielt die „abstrakte Arbeit“ bei der Arbeitswertbestimmung (im Rahmen von Lohn- und Gehaltstarifverträgen und den darin festgelegten Bewertungskriterien) mit Bezug auf das Genfer Schema auch heute noch eine grundlegende Rolle. Zumindest der Wert der Ware „Lohnarbeit“ wird unter dem Aspekt der „Lohngerechtigkeit“ unbestreitbar im Zusammenhang mit „abstrakter Arbeit“ gesehen.

Lebendige und vergegenständlichte Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tätigkeit des Menschen in laufenden Arbeitsprozessen bezeichnete Karl Marx als „lebendige Arbeit“, wogegen er unter dem Begriff „vergegenständlichte Arbeit“ im weitesten Sinne alle Gebrauchswerte subsumiert, die Menschen hergestellt haben. Die „vergegenständlichte Arbeit“, das heißt die Produkte der Arbeit verbraucht oder verzehrt der Mensch entweder als Konsumgüter, oder er verwendet sie in Arbeitsprozessen als Produktionsmittel. Im Gegensatz zur „lebendigen Arbeit“ stellt die in den Produktionsmitteln „vergegenständlichte Arbeit“ ein ruhendes Arbeitskraft- und Informations-Potential dar, das der Mensch mehr oder weniger zweckmäßig in Arbeitsprozessen nutzt und damit aktiviert. Die besondere Bedeutung der Produktions- und Arbeitsmittel für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft erkannte Karl Marx in der Tatsache, dass sie Kondensatoren und Akkumulatoren für zurückliegende Arbeitsleistungen sind, die die Menschen in späteren Arbeitsprozessen mit erhöhter Produktivität durch „lebendige Arbeit“ wieder freisetzen können.

Entfremdete Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Entfremdete Arbeit entstand im Umfeld des Kapitalismus im 19. Jahrhundert. Ob die marxschen Entfremdungskonzepte vor allem die Theorien des jungen Marx widerspiegeln, oder ob die Idee der Entfremdung und von deren Aufhebung das ganze marxsche Werk über eine bedeutende Rolle spielte, ist umstritten. Die bekannteste Fassung wurde in den ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844 dargelegt, welche erstmals 1932 veröffentlicht wurden (wie auch Die deutsche Ideologie, welche ebenfalls zentrale Überlegungen von Marx und Engels zur Thematik beinhaltet) und infolge eine Reihe von Debatten und Arbeiten über die Rolle der Entfremdung bei Marx nach sich zogen, welche einen zentralen Punkt der (inner)marxistischen Auseinandersetzung in den folgenden Jahrzehnten bildeten.

Die Entfremdung der Arbeit unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen zwingt Lohnarbeiter u. a. ihre Arbeitskraft an die Eigentümer der Produktionsmittel zu verkaufen. Der Tauschwert der Ware Arbeitskraft ist der Arbeitslohn, also Geld. Lohnarbeiter interessiert deshalb die Werthaltigkeit ihrer Arbeitsergebnisse, die sich in der Qualität, in den Kosten und in den Preisen der hergestellten Waren und Dienstleistungen manifestiert, hauptsächlich unter Aspekten der Lohnsicherheit und Arbeitsplatzerhaltung. Eine durchaus vergleichbare primäre Interessenlage findet sich auf Seiten der angestellten Manager, die mit sehr hohen Einkommen nichts anderes als „entfremdete (geistige) Arbeit“ leisten und i. d. R. nur bereit sind Verantwortung für die ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen ihrer Entscheidungen zu übernehmen, wenn sie der ordnungspolitische Rahmen staatlicher Gesetze mit entsprechenden Strafverfolgungsmaßnahmen dazu zwingt.[30]

Arbeit als Menschenrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fortschreitende Automatisierung der Arbeitsprozesse führt in den hochentwickelten Industriestaaten zu einem anhaltenden Verfall der Arbeitskraft-Nachfrage. In der Tendenz bewirken die Marktgesetze, dass durch Automatisierung die Quantität der „entfremdeten Arbeit“ bzw. Lohnarbeit abnimmt, die Arbeitslosigkeit steigt und die Reallöhne auf Seiten der Arbeitnehmer sinken. Im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft ist es daher eine der wichtigsten Aufgaben des Staates die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen mittels wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischer Maßnahmen so zu gestalten, dass daraus keine gesellschaftsgefährdenden Strukturkrisen auf dem Arbeitsmarkt entstehen. Papst Johannes Paul II. äußerte sich zur gerechten Verteilung der Arbeit[31] auf seiner zweiten Deutschlandreise 1987 beim Besuch des Bergwerks Prosper-Haniel:

„Unverschuldete Arbeitslosigkeit wird zum gesellschaftlichen Skandal, wenn die zur Verfügung stehende Arbeit nicht gerecht verteilt und der Ertrag der Arbeit nicht dazu verwandt wird, neue Arbeit für möglichst alle zu schaffen.“

Johannes Paul II.

Arno Anzenbacher schreibt über das Recht auf Arbeit und die Würde des Menschen[32], die laut Artikel 1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland unantastbar sein soll:

„Aber Arbeit hat auch personale Bedeutung, da sie zur Selbstverwirklichung und zur sozialen Integration beiträgt. Die Würde der Person fordert insofern Subjektstellung und Humanisierung der Arbeit. Aus dem Stellenwert der Arbeit in der Selbstverwirklichung der Person ergibt sich das Recht auf Arbeit als Menschenrechtsmaterie.“

Arno Anzenbacher, Einführung in die Philosophie, 2002

In der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ ist das Recht auf Arbeit im Artikel 23 erklärt.

  1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
  2. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
  3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.
  4. Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.

In der sächsischen Verfassung ist das Recht auf Arbeit im Artikel 7 Menschenwürdiges Dasein als Staatsziel ebenfalls verankert.

  1. Das Land erkennt das Recht eines jeden Menschen auf ein menschenwürdiges Dasein, insbesondere auf Arbeit, auf angemessenen Wohnraum, auf angemessenen Lebensunterhalt, auf soziale Sicherung und auf Bildung, als Staatsziel an.
  2. Das Land bekennt sich zur Verpflichtung der Gemeinschaft, alte und behinderte Menschen zu unterstützen und auf die Gleichwertigkeit ihrer Lebensbedingungen hinzuwirken.

Das Recht auf Arbeit beinhaltet nicht das Recht auf einen Arbeitsplatz.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München 2002, ISBN 978-3-492-23623-2.
  • Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen: Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution. Verlag C.H. Beck 1980, ISBN 3-406-47645-7.
  • Dirk Baecker (Hrsg.): Archäologie der Arbeit. Kadmos, Berlin 2002.
  • Josette Baer, Wolfgang Rother (Hrsg.): Arbeit. Philosophische, juristische und kulturwissenschaftliche Studien. Schwabe, Basel 2014, ISBN 978-3-7965-3336-5.
  • Alexander Barzel: Der Begriff "Arbeit" in der Philosophie der Gegenwart. Lang, Frankfurt 1973, ISBN 3-261-00824-5.
  • Maxi Berger: Arbeit, Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung bei Hegel. Reihe Hegel-Jahrbuch/Sonderband 1, Akademie Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-05-006036-1
  • Jan Robert Bloch: Natur und Arbeit: Zur Bestimmung ihrer Vermittlung Beltz Verlag, Weinheim 1982, ISBN 3-407-69124-6.
  • Norbert Blüm: Ehrliche Arbeit. Ein Angriff auf den Finanzkapitalismus und seine Raffgier. Gütersloher Verlagshaus, 2011, ISBN 978-3-579-06746-9.
  • Heinz-J. Bontrup: Arbeit, Kapital und Staat. Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft. 2. Auflage. PapyRossa-Verlag, Köln 2005, ISBN 3-89438-326-7.
  • Axel Braig & Ulrich Renz: Die Kunst weniger zu arbeiten. Fischer, Frankfurt 2003.
  • Manfred Brocker: Arbeit und Eigentum. Der Paradigmenwechsel in der neuzeitlichen Eigentumstheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992.
  • Peter Damerow (Hrsg.): Arbeit und Philosophie. Symposium über Philosophische Probleme des Arbeitsbegriffs. Germinal, Bochum 1983, ISBN 3-88663-504-X.
  • Thomas Donaldson & Patricia Werhane: Ethical Issues in Business: A Philosophical Approach. Prentice Hall, Upper Saddle River (NJ) 2002.
  • Arne Eggebrecht, Jens Flemming, Gert Meyer, Achatz v. Müller, Alfred Oppolzer, Akoš Paulinyi & Helmuth Schneider: Geschichte der Arbeit. Vom Alten Ägypten bis zur Gegenwart. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1980, ISBN 3-462-01382-3.
  • Friedrich Engels: Dialektik der Natur (darin enthalten Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen)
  • Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Nach eigener Anschauung und authentischen Quellen. Dietz-Verlag, Stuttgart 1892 (Neu herausgegeben von Walter Kumpmann bei DTV, München 1987, ISBN 3-423-06012-3)
  • Manfred Füllsack: Arbeit. UTB, 2009, ISBN 978-3-8252-3235-1
  • F. Giese: Philosophie der Arbeit. Handbuch der Arbeitswissenschaft. Bd. X. Halle 1932.
  • Wulf D. Hund: Stichwort Arbeit: Vom Banausentum zum travail attractif. Distel Verlag, Heilbronn 1990, ISBN 3-923208-21-9.
  • Jürgen Habermas: Arbeit und Interaktion in Technik und Wissenschaft als „Ideologie“, Frankfurt am Main 1968, ISBN 3-518-10287-7.
  • Wieland Jäger & Kurt Röttgers (Hrsg.): Sinn von Arbeit. Soziologische und wirtschaftsphilosophische Betrachtungen. VS Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15375-9.
  • Angelika Krebs: Arbeit und Liebe. Die philosophischen Grundlagen sozialer Gerechtigkeit. Suhrkamp, Frankfurt 2002.
  • Andrea Komlosy: ARBEIT. Eine globalhistorische Perspektive. 13. bis 21. Jahrhundert. Promedia, Wien 2014, ISBN 978-3-85371-369-3.
  • Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Karl-Heinz Lewed, Maria Wölflingseder (Hrsg.): Dead Men Working. Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs. 2004. ISBN 3-89771-427-2.
  • H. Luczak & W. Volpert (Hrsg.): Handbuch Arbeitswissenschaft. Stuttgart 1997.
  • Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie
    • Band I: Der Produktionsprocess des Kapitals. Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1867.
    • Band II: Der Cirkulationsprocess des Kapitals. (Herausgegeben von Friedrich Engels), Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1885.
    • Band III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion, Kapitel I bis XXVIII. (Herausgegeben von Friedrich Engels), Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1894
  • Jürgen Moltmann (Hrsg.): Recht auf Arbeit – Sinn der Arbeit
  • Severin Müller: Phänomenologie und philosophische Theorie der Arbeit. Verlag Karl Alber, Freiburg/München
  • Oswald Neuberger: Arbeit. Begriff, Gestaltung, Motivation, Zufriedenheit. Enke, Stuttgart 1985, ISBN 978-3-432-94871-3.
  • Talcott Parsons: Das System moderner Gesellschaften. 6. Auflage. Juventa, 2003, ISBN 3-7799-0710-0.
  • Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.
    • Band I: Der Zauber Platons. Francke Verlag, Bern 1957.
    • Band II: Falsche Propheten – Hegel, Marx und die Folgen. Francke Verlag, Bern 1958.
  • Jörg Reitzig: Gesellschaftsvertrag, Gerechtigkeit, Arbeit. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2005, ISBN 3-89691-611-4.
  • Peter Ruben: Dialektik und Arbeit der Philosophie. Köln 1978, ISBN 3-7609-0375-4.
  • Holger Schatz: Arbeit als Herrschaft. Die Krise des Leistungsprinzips und seine neoliberale Rekonstruktion. 2004, ISBN 3-89771-429-9.
  • Max Scheler: Erkenntnis und Arbeit. Eine Studie über Wert und Grenzen des pragmatischen Motivs in der Erkenntnis der Welt. Klostermann, Frankfurt 1977.
  • Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen
  • Eberhard Straub: Vom Nichtstun. Leben in einer Welt ohne Arbeit. wjs-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-937989-02-1.
  • Hans Uske: Das Fest der Faulenzer. Die öffentliche Entsorgung der Arbeitslosigkeit., Duisburg, ISBN 3-927388-47-5.
  • Dieter Wolf: Hegels Theorie der bürgerlichen Gesellschaft. Teil 2. Hamburg 1980, ISBN 3-87975-182-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Arbeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Otfried Höffe, Lexikon der Ethik, Verlag C. H. Beck, München 1992(4), ISBN 3-406-36666-X, S. 15f.
  2. a b c Friedrich L. Weigand: Deutsches Wörterbuch. Hrsg.: Herman Hirt. 5. Auflage. Band 1. Walter de Gruyter, 1968, S. 81 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 21. Februar 2018]).
  3. „Roboter“. In: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 9. Oktober 2018.
  4. vgl. auch Arnim Regenbogen, Uwe Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Meiner 1998, S. 60
  5. Kritische Philosophie gesellschaftlicher Praxis - Auseinandersetzungen mit der Marxschen Theorie nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus, Königshausen & Neumann 1995, Seite 314
  6. Mark Aurel: Selbstbetrachtungen IX, 12.
  7. Lutherbibel (2017): 2. Thessalonicher 3,10
  8. a b Siehe dazu Rudolf Bahros Buch „Die Alternative“, Habilitationsschrift Universität Hannover 1983, insbesondere die Ausführungen im dritten Teil
  9. Dieter Wolf: Der dialektische Widerspruch im Kapital. Ein Beitrag zur Marxschen Werttheorie, Hamburg 2002, Einleitung Seite 26
  10. Arno Anzenbacher: Einführung in die Philosophie. Verlag Herder GmbH Freiburg, 2002, S. 170, ISBN 978-3-451-27851-8
  11. Marx/Engels - Werke, Dietz Verlag, Berlin 1962, Bd. 20, Dialektik der Natur, S. 444
  12. G. W. F. Hegel: Wissenschaft der Logik II. (=Gesammelte Werke Bd. 12), Felix Meiner Verlag, Hamburg 1981, S. 15, ISBN 3-7873-0383-9
  13. Friedrich Engels: Herrn Eugen Dühring`s Umwälzung der Wissenschaft. Marx/Engels - Werke, Dietz Verlag, Berlin 1962, Bd. 20, S. 106
  14. Hans-Ulrich Wehler: Die neue Umverteilung, soziale Ungleichheit in Deutschland. Verlag C.H.Beck, München 2013, S. 31, ISBN 978 3 406 64386 6
  15. Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München, 2002, S. 211.
  16. Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München, 2002, S. 301.
  17. Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München, 2002, S. 212.
  18. Volker Caysa: Über die Transformation des Geistes der Leipziger Bloch-Zeit in der praxisphilosophischen Debatte um und vor 1968 in der DDR, in: Klaus Klinner (Hrsg.): Die Linke – Erbe und Tradition, Teil 1, Berlin 2010, S. 194.
  19. Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München 2002, S. 401.
  20. Jürgen Habermas: Arbeit und Interaktion. Bemerkungen zu Hegels Jenenser „Philosophie“, in Technik und Wissenschaft als „Ideologie“.
  21. Werner Sombart: Die Ordnung des Wirtschaftslebens. Springer Verlag, Berlin 2007, S. 21
  22. Kleine Enzyklopädie - Weltgeschichte, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1981, Bd. 1, S. 16
  23. Baden Eunson: Betriebspsychologie, Teil A, 1. Arbeit: Zukunft und Vergangenheit. McGraw-Hill Book Company GmbH, Hamburg 1990, S. 5, ISBN 3-89028-227-X
  24. Baden Eunson: Betriebspsychologie, Teil A, 1. Arbeit: Zukunft und Vergangenheit. McGraw-Hill Book Company GmbH, Hamburg 1990, S. 5, ISBN 3-89028-227-X, S. 6f.
  25. siehe zum Beispiel Donella Meadows, Dennis Meadows, Jørgen Randers & William W. Behrens III: The Limits to Growth. Universe Books, 1972, ISBN 0-87663-165-0; übersetzt aus dem Amerikanischen und herausgegeben von Hans-Dieter Heck: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1972, ISBN 3-421-02633-5; Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1973, ISBN 3-499-16825-1
  26. Karl Marx, Das Kapital, Dietz Verlag, Berlin 1972, Bd. 1, S. 192
  27. Karl Marx, Das Kapital, Dietz Verlag, Berlin 1972, Bd. 1, S. 57
  28. Karl Marx, Das Kapital, Dietz Verlag, Berlin 1972, Bd. 1, S. 61
  29. Karl Marx, Das Kapital, Dietz Verlag, Berlin 1972, Bd. 1, S. 61
  30. Zum Begriff der entfremdeten Arbeit des Managers vgl. etwa Klaus Türk: Die Organisation der Welt, Westdeutscher Verlag 1995, ISBN 978-3531-12699-9, S. 38 ff. / Schon Erich Fromm hatte 1964 in The Psychological Problem of Man in Modern Society die Arbeit der Manager als entfremdet bezeichnet (dt. von Rainer Funk als Die psychologischen Folgen des Industrialismus in: Erich Fromm Gesamtausgabe), e-book, open publishing 2016, ISBN 9783959122078.
  31. Johannes Paul II.: Predigt vor der Belegschaft des Bergwerks Prosper-Haniel auf der Schachtanlage Franz Haniel 1/2, deren Schließung bevorstand. 2. Mai 1987
  32. Arno Anzenbacher: Einführung in die Philosophie. Verlag Herder GmbH Freiburg, 2002, S. 288, ISBN 978-3-451-27851-8.