Gerhard Steidl

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Gerhard Steidl (* 22. November 1950 in Göttingen) ist ein deutscher Verleger, Eigentümer und Geschäftsführer des Steidl-Verlags.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in Göttingen aufgewachsene Steidl legte mit 17 Jahren das Abitur ab. Bereits 1968 gründete er seinen eigenen Verlag. Er richtete in seiner Heimatstadt eine Siebdruck-Werkstatt für Druckgrafik und Plakate ein. Seit 1970 kooperierte er mit dem damals als Plakatkünstler aktiven Klaus Staeck. Von 1972 bis zu dessen Tod 1986 hat er einen großen Teil des seriellen Werks (Druckgrafik, Multiples) von Joseph Beuys hergestellt. Der Reiz, mit unkonventionellen Materialien und Techniken zu arbeiten, um daraus Bücher und Grafiken abseits des Massenkonsums zu schaffen, kennzeichnet bis heute seine Verlegerpraxis.[1]

1974 wurde Steidl als Siebdruck-Meister in die Handwerksrolle eingetragen. Seit Mitte der 1980er Jahre erscheinen die Bücher des ihm freundschaftlich verbundenen Günter Grass im Steidl Verlag. Seit 1993 hält Steidl die weltweiten Rechte am Werk des Nobelpreisträgers.[2] 1993 begann eine enge Zusammenarbeit mit Karl Lagerfeld. Diese führte im Jahr 2000 zur Gründung des gemeinsamen Imprint-Verlags „Edition 7L“.[1] Dort erschienen bis einschließlich 2005 rund 40 Buch-Publikationen.[2]

1996 entschied sich Steidl, seine Leidenschaft für die Kunst der Fotografie in einem eigenen Fotobuch-Programm mit von Anfang an internationaler Ausrichtung umzusetzen. Unter Steidls Führung wird mit dem Anspruch einer Manufaktur gearbeitet. Jedes einzelne Buch soll „Buchkunst“ sein.[2] Diese Haltung mit ihrem unbedingten Beharren auf hoher handwerklicher Qualität hat ihm internationale Kundschaft aus Künstlerkreisen eingetragen.[3][1] "The world's most distinguished printing and publishing company" – so bezeichnete die Kunstzeitschrift Art Review Steidls verlegerisches Lebenswerk.[2]

Das Filmfestival Leipzig eröffnete am 20. Oktober 2010 mit einem Porträt des obsessiven Büchermachers Gerhard Steidl. Die beiden Münchner Dokumentaristen Gereon Wetzel und Jörg Adolph legten mit der Uraufführung von How to Make a Book With Steidl eine 90-minütige Studie über die Lebenspraxis dieses verlagskonzernfernen deutschen Verlegers vor. Über ein Jahr hinweg hatten die Dokumentarfilmer Steidl beim Entscheiden und Kommunizieren in Göttingen und bei Ausstellungs- und Atelierbesuchen bei Fotokünstlern aus der ganzen westlichen Welt filmisch begleitet.[4] Am 4. November 2010 war die von 3sat koproduzierte Dokumentation im Spätabendprogramm zu sehen.[3][5]

Die Düstere Straße in Göttingen, Sitz von Verlag, Druckerei und Grass-Archiv

Im Frühjahr 2015 eröffnete in einem aus dem 15. Jahrhundert stammenden Fachwerkhaus das Göttinger Günter Grass-Archiv. Der Steidl-Verlag verfüge über gute Kontakte zu Museen, Galerien und Künstlern, sagte die Verlags-Pressesprecherin. Deshalb gebe es gute Chancen, international erstklassige Kunst in Göttingen zu präsentierten. Gerhard Steidl selbst besitze eine umfassende Sammlung von Werken von Joseph Beuys, Klaus Staeck oder Marcel Broodthaers, die dort ebenfalls gezeigt werden sollen.[6]

Im Oktober 2015 gestaltete Steidl als Gast-Chefredakteur – in Zusammenarbeit mit Nan Goldin, Robert Polidori und Juergen Teller – eine 76-seitige Literatursonderausgabe des ZEITmagazins zur Frankfurter Buchmesse.[7][8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Bundesland Niedersachsen: Gerhard Steidl, Verleger
  2. a b c d Der Spiegel vom 4. Oktober 2005: Buchkunst als Handwerk
  3. a b 3sat vom 6. Oktober 2010: How To Make A Book With Steidl Ein Film von Jörg Adolph und Gereon Wetzel
  4. Süddeutsche Zeitung vom 21. Oktober 2010: Selbstbewusst dienender Mensch
  5. FAZ vom 4. November 2010, Seite 37: Ein Eremit reist um die Welt
  6. dpa vom 8. April 2008: In Göttingen soll ein "Günter-Grass-Haus" als Teil eines künftigen Kunstquartiers entstehen
  7. ZEITmagazin vom 13. Oktober 2015: How to make a ZEITmagazin with Steidl
  8. Pressemitteilung des Zeitverlags vom 14. Oktober 2015: Eine Liebeserklärung an das Papier: Gerhard Steidl gestaltet das ZEITmagazin