Gertrud Kantorowicz

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Gertrud Kantorowicz (* 9. Oktober 1876 in Posen; † 19./20. April 1945 im Ghetto Theresienstadt) war eine deutsche Kunsthistorikerin und Lyrikerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gertrud Kantorowicz wuchs als Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie in Posen auf und besuchte ab 1898 die Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. Ihr Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie schloss sie 1903 mit einer Dissertation „Über den Meister des Emmausbildes in San Salvatore zu Venedig“ an der Universität Zürich ab.

In Berlin trat Kantorowicz in engen Kontakt mit Georg Simmel, dem Vater ihrer Tochter Angela, und Stefan George,[1] der ihre Gedichte „Einer Toten“ als einziges Werk einer Frau in die Blätter für die Kunst aufnahm.[2] Sie stand außerdem in engem Kontakt mit dem Malerehepaar Reinhold und Sabine Lepsius, mit Margarete Susman und Rudolf Pannwitz. Nach dem Ersten Weltkrieg, währenddessen Kantorowicz als Krankenschwester arbeitete, ließ sie sich in Herrlingen bei Ulm nieder, um an ihrer Abhandlung „Vom Wesen der griechischen Kunst“ zu arbeiten.

Kantorowicz unternahm in den 1930er Jahren ausgedehnte Reisen und wurde 1942 nach einem missglückten Fluchtversuch in die Schweiz bei Diepoldsau[3] ins KZ Theresienstadt deportiert. Dort starb sie an den Folgen einer Hirnhautentzündung.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Einer Toten (1899)
  • Über den Meister des Emmausbildes in San Salvatore zu Venedig. E. Buchbinder, Neu Ruppin 1904.
  • Michelangelo-Übertragungen (1925/1926)
  • Gedichte aus Theresienstadt (1942–1945)
  • Vom Wesen der griechischen Kunst. Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Michael Landmann, Verlag Lambert Schneider, Heidelberg und Darmstadt 1961 (Veröffentlichungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 24).

Ausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gertrud Kantorowicz: Lyrik. Kritische Ausgabe. Hrsg. von Philipp Redl. Manutius, Heidelberg 2010.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Paul: Gertrud Kantorowicz (1876–1945). Kunstgeschichte als Lebensentwurf. In: Barbara Hahn (Hrsg.): Frauen in den Kulturwissenschaften. Von Lou Andreas-Salomé bis Hannah Arendt. München 1994, S. 96–109.
  • Philipp Redl: Vorwort. In: Gertrud Kantorowicz: Lyrik. Kritische Ausgabe. Herausgegeben von Philipp Redl. Manutius, Heidelberg 2010, S. 9–33.
  • Petra Zudrell (Hrsg.): Der abgerissene Dialog. Die intellektuelle Beziehung zwischen Gertrud Kantorowicz und Margarete Susman oder die Schweizer Grenze bei Hohenems als Endpunkt eines Fluchtversuchs. Studien-Verlag, Innsbruck und Wien 1999.
  • Angela Rammsted: „Wir sind des Gottes der begraben stirbt...“ Gertrud Kantorowicz und der nationalsozialistische Terror, in: «Simmel Newsletter», VI (1996), N. 2, S. 135-177.
  • Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Saur, München 1999, Bd. 1, S. 355-357

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zum Verhältnis George–Kantorowicz vgl. Michael Philipp, „Was ist noch, wenn Er nicht lenkt“. Gertrud Kantorowicz und Stefan George, in: Ute Oelmann, Ulrich Raulff (Hrsg.), Frauen um Stefan George, Wallstein, Göttingen 2010, S. 118–141.
  2. Es erschien allerdings unter Pseudonym: Gert. Pauly [d. i. Gertrud Kantorowicz], Einer Toten..., in: Blätter für die Kunst, 4. Folge, Heft 4, 1899, S. 119–124.
  3. Mut zur Menschlichkeit, SRF MySchool, 28. April 2015