Ludwig Stein (Philosoph)

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Ludwig Stein (geboren 12. November 1859 in Erdőbénye, Kaisertum Österreich; gestorben 13. Juli 1930 in Salzburg) war ein ungarisch-schweizerischer Philosoph, Soziologe, Rabbiner, Publizist und Pazifist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Stein studierte Philosophie an den Universitäten von Berlin und Halle und ließ sich außerdem zum Rabbiner ausbilden. Von 1881 bis 1883 lebte er als Rabbiner in Berlin und von 1883 bis 1886 als Journalist ebendort. 1886 wurde er zum Privatdozenten für Philosophie am Polytechnikum Zürich und an der Universität Zürich ernannt. Von 1891 bis 1909 war er ordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Bern, wobei er regelmäßig auch Kurse in Soziologie anbot. Zu seinen Hörern gehörten Walter Rathenau, Leo Trotsky, Rosa Luxemburg, Anna Tumarkin, Cay Lorenz von Brockdorff und Karl Radek.[1] 1893 erhielt er die schweizerische Staatsbürgerschaft. 1909 organisierte er den 7. Internationalen Kongress für Soziologie des Institut International de Sociologie in Bern.

Ab 1909 lebte Stein als politischer Journalist und Politikberater wieder in Berlin. Dort beriet er unter anderem den früheren Reichskanzler Bernhard von Bülow. 1914 war er mit dem Politiker Ernst Bassermann Gründer der Mittwoch-Gesellschaft (nicht zu verwechseln mit der seit 1863 existierenden Berliner Mittwochsgesellschaft). Er war Mitglied des ständigen Komitees des Internationalen Friedensbüros und propagierte pazifistische Ideen. Nach dem Ersten Weltkrieg, den er in Deutschland zubrachte, nahm er an den Friedenskonferenzen von Genf und Rapallo teil und vertrat eine vermittelnde Position.

Er war Mitgründer und -herausgeber des Archivs für die Geschichte der Philosophie und des Archivs für systematische Philosophie und Soziologie, außerdem Herausgeber der Zeitschrift Nord und Süd sowie der Vossischen Zeitung und der Berliner Zeitung.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • An der Wende des Jahrhunderts. Online
  • Aus dem Leben eines Optimisten. Autobiographie. Brückenverlag, 1930.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Nietzsche’s Weltanschauung und ihre Gefahren: ein kritischer Essay. Reimer, Berlin 1893. urn:nbn:de:gbv:9-g-4880650 (Digitalisat in der Digitalen Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern)
  • Peter Hoeres: Dum-Dum-Geschosse aus Tinte. Der politische Publizist Ludwig Stein und der Erste Weltkrieg. In: Arbeitskreis Militärgeschichte e. V., Newsletter 23,2 (2004), S. 25–28. pdf
  • Peter Hoeres: Krieg der Philosophen. Die deutsche und britische Philosophie im Ersten Weltkrieg. Paderborn 2004, S. 562–577.
  • Klaus Jochen Arnold: Rezension zu: Peter Hoeres: Krieg der Philosophen. Die deutsche und britische Philosophie im Ersten Weltkrieg. Paderborn 2004. In: H-Soz-Kult. 14. Dezember 2004, (Link)
  • Stein, Ludwig. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 19: Sand–Stri. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. De Gruyter, Berlin u. a. 2012, ISBN 978-3-598-22699-1, S. 433–442.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwig Stein, Noted Political Observer and Philosopher, Dies. In: Jewish Telegraph Agency. 16. Juli 1930. online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Ludwig Stein – Quellen und Volltexte