Gesellenbruderschaft

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Gesellenbruderschaft nennt man im Gegensatz zum Gesellenverein einen Zusammenschluss von Handwerkern unter dem Gedanken der Verbrüderung. Im überlieferten Sinne war diese eine rituelle Handlung mit ethischem Anspruch. In der Neuzeit wurde der Begriff von romantischen- bis hin zu banalen Sauf- und Zechbrüderklischee überdeckt.

Erste Belege des Begriffs "Bruderschaft" im Handwerk[Bearbeiten]

Der Ursprung der Gesellenbruderschaft sind die gotischen Bauhütten des Mittelalters. Diese Bauhütten hatten das Monopol auf das klerikale Bauwesen und waren nicht mit der Maurer- und Steinhauerzunft verbunden, sondern eine eigenständige Organisation mit eigenen Statuten und eigener Gerichtsbarkeit. Ein Teil ihres Rituals war die "Bruderschaft", auf welche sich die Straßburger Steinmetzordnung von 1459 immer wieder beruft. So heißt es z. B. in der Einleitung derselben:

"So han wür Meister und Gesellen unsers gantzen gemeinen Hantwercks alle, die dann in Kapitteles wise by einander gewesen sint zu Spyr, zu Stroßburg und Regensburg im namen und anstatt unser und aller Meister und Gesellen unsers gantzen gemeinen Hantwercks obgemeldet, Solich alt Harkumen ernüwert und geluttert, und Uns diser Ordnung und Bruderschaft gietlich und freyntlich vereynt, und die einhelleklich uffgesetzet, auch gelobt und versprochen für uns und alle unsere Nachkümmen getrüwlich zu halte, also hirnach geschrieben stett:"

In den bekannten Ordnungen der Bauhütten wird immer wieder Bezug auf die Bruderschaft genommen, doch es ist nicht bekannt in welcher Form sich diese Bruderschaft darstellte. Es gibt aber Hinweise, dass sich die Bruderschaft der Bauhütten bis heute erhalten hat.

Gesellenbruderschaft in der Zunft[Bearbeiten]

Bei der endgültigen Zerschlagung der deutschen Bauhüttenorganisation 1731, wurde dieselbe von der Maurer- und Steinmetzzunft vereinnahmt. Aus der gleichen Zeit haben wir erste Belege und Dokumente der ältesten deutsche Handwerkerverbindungen, die Gesellschaft der rechtschaffenen fremden Maurer und Steinhauer, welche die Bruderschaft noch immer pflegen und sich darüber identifizieren; bei den genauso alten rechtschaffenen fremden Zimmerleuten ist eine solche Bruderschaft unbekannt und sie verstehen sich auch ausdrücklich nicht als Bruderschaft! Dies ist zumindest ein Indiz, dass es sich bei dem "Bruderschafts - Ritual" der r. frd. Maurer und Steinhauer um die Bruderschaft der Bauhütten handeln könnte, denn es ist bei keiner anderen Berufsgruppe bekannt, dass sich die Gesellen schon so früh mit dem Gedanken der Verbrüderung zusammenschlossen. Erst in der Romantik gründeten sich zahlreiche Gesellenvereinigungen die sich mit dem Namen Bruderschaft schmückten.

Gesellenvereine als Bruderschaft[Bearbeiten]

Die Ende 18. Jahrhundert maßgeblich aus den r. frd. Maurern abgespaltete Gesellenverbindung der Rolandsbrüder kennt möglicherweise das Ritual der „Bruderschaft“. Der 1910 gegründete Fremde Freiheitsschacht pflegt und lebt die Traditionen einer Gesellenbruderschaft, in deren Mittelpunkt die dreijährige Wanderschaft als Bauhandwerksgeselle steht. Nicht nur dass sich die Fremden Freiheitsbrüder mit „Bruderherz“ anreden, sie stehen auch bis über den Tod füreinander ein nach der Maxime Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Dagegen ist sie, bei den aus frei umherziehenden, unorganisierten Gesellen entstandene Gesellenverbindung der Vogtländer und bei den gerade entstehenden Freireisenden, unbekannt. Ob die rituelle Gesellenbruderschaft bei Lokalen Gesellenverbindungen wie den Gewandhausgesellen oder der Bruderschaft zur Rose bekannt ist, ist fraglich und eher unwahrscheinlich.

Gesellenverbindungen gibt es nicht nur in Deutschland. In England heißen sie Journeyman oder Yeoman Guild, in Frankreich Compagnonnages. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die alten Compagnonnages ein der Bruderschaft adäquates Ritual kennen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Die Bauhütten des Deutschen Mittelalters, Dr. Ferdinand Janner, erschienen 1876 im Verlag von E. A. Seemann.
  • Die Straßburger Steinmetzordnung von 1459

Literatur und Film[Bearbeiten]

  • Reinhold Reith, Andreas Grießinger, Petra Eggers (Hrsg.), "Streikbewegungen deutscher Handwerksgesellen im 18. Jahrhundert : Materialien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des städtischen Handwerks 1700 - 1806", Göttingen 1992, Verlag O. Schwartz, ISBN 9783922135661

Weblinks[Bearbeiten]