Gewöhnliche Goldnessel

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Gewöhnliche Goldnessel
Goldnessel (Lamium galeobdolon)

Goldnessel (Lamium galeobdolon)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Taubnesseln (Lamium)
Art: Gewöhnliche Goldnessel
Wissenschaftlicher Name
Lamium galeobdolon
(L.) L.

Die Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon (L.) L., Syn.: Galeobdolon luteum Huds.), auch Gold-Taubnessel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Taubnesseln (Lamium) innerhalb der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Sie ist im gemäßigten Eurasien weitverbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Goldnessel (Lamium galeobdolon) Zygomorphe Blüte, mit grünem Kelch, gelber, behaarter Krone und vier Staubblättern

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gewöhnliche Goldnessel ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 45 Zentimetern erreicht.[1] Durch bis 100 Zentimeter weit kriechende Ausläufer bildet sie oft ausgedehnte Bestände. Der vierkantige Stängel ist an seiner Basis hauptsächlich auf den Kanten behaart.[1]

Die kreuzgegenständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfache Blattspreite ist schwach herzförmig bis abgerundet,[1] breit-eiförmig bis lanzettlich und am Rand nesselartig gekerbt oder grob unregelmäßig gesägt[1]. Auf der Blattoberseite befindet sich häufig ein weißliches oder silbernes Ornament (nicht bei der reinen Art, es handelt sich dabei um eine verwilderte Ausleseform). Diese Fleckung kommt zustande, wenn sich die Blattoberhaut vom Blattgewebe abhebt; es entsteht eine Luftschicht, an der das Licht total reflektiert wird.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von April bis Juli. Meist vier bis acht (zwei bis neun) Blüten sind in zwei bis fünf Scheinquirlen angeordnet.[1] Die oberen Tragblätter sind rundlich bis grob eiförmig und stumpf gezähnt.[1]

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der glockig röhrige Kelch ist bis zur Fruchtzeit erhalten und dann höchstens bis zu 12 (selten bis zu 12,5) Millimeter lang.[1] Die Blütenkrone ist goldgelb. Die nur 5,5 bis 8,5 Millimeter breite Oberlippe besitzt 0,7 bis 1,3 Millimeter lange Wimpern.[1]

Unterscheidung zu ähnlichen Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Goldnessel-Arten unterscheiden sich in einigen Merkmalen von den anderen Taubnessel-Arten: Die Blüten sind goldgelb bis blassgelb und meist mit einer orangen Zeichnung auf der Unterlippe und nicht wie bei den anderen Arten weißlich, rötlich oder purpurn. Während die anderen Taubnesselarten eine ungeteilte Unterlippe mit höchstens zwei fadenförmigen Zähnchen an den beiden Seiten haben, sind diese Zähnchen bei der Goldnessel deutlich dreieckig, wodurch die Unterlippe dreilappig ist. Aufgrund dieser abweichenden Merkmale wurde die Goldnessel auch oft in eine monotypische Gattung Galeobdolon mit der einzigen Art Galeobdolon luteum gestellt.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gewöhnliche Goldnessel ist im gemäßigten Eurasien weitverbreitet. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet reicht von Europa bis zum Iran.[2] Sie ist in Nordamerika und Neuseeland ein Neophyt.[2]

Die Gewöhnliche Goldnessel gedeiht in Mitteleuropa am besten auf frischen, nährstoffreichen, basenreichen, neutralen bis mäßig sauren (pH-Wert 6–7), humosen, lockeren Lehmböden. Sie wächst deshalb gerne in lichten Wäldern, an Waldrändern oder in Staudengebüschen. Durch ihre Fähigkeit, Ausläufer zu bilden, bildet sie dort oft ausgedehnte Bestände. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Fagetalia und kommt selten auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Adenostylion vor.[3]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Galeopsis galeobdolon durch Carl von Linné in Species Plantarum, S. 580. Linné veröffentlichte 1759 auch den akzeptierten Namen Lamium galeobdolon (L.) L. Weitere Synonyme für Lamium galeobdolon (L.) L. sind beispielsweise: Leonurus galeobdolon (L.) Scop., Pollichia galeobdolon (L.) Schrank, Galeobdolon galeobdolon (L.) H.Karst. nom. inval., Lamiastrum galeobdolon (L.) Ehrend. & Polatschek.[2]

Artengruppe Goldnessel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Artengruppe Goldnessel (Lamium galeobdolon agg.)[4] ist sehr formenreich und wird je nach Autor in verschiedene (Klein-)Arten bzw. Unterarten unterteilt, als Beispiele seien erwähnt:

  • Die Berg-Goldnessel (Lamium montanum (Pers.) Hoffm. ex Kabath, Syn.: Lamium galeobdolon subsp. montanum (Pers.) Hayek), die sich durch einen meist ringsum dicht und abstehend behaarten Stängel, sowie im oberen Teil länglich-lanzettliche Blätter auszeichnet. Die sterilen Ausläufer sterben im Winter ab. Jeder Blütenquirl besteht aus 5–8 Blüten. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36.[3] Sie kommt von Europa bis zum Iran vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie am Grat zwischen Bärenkopf und Kleinem Widderstein in Vorarlberg bis zu einer Höhenlage von 2000 Metern auf.[5] Sie gedeiht besonders in Pflanzengesellschaften der Verbände Alno-Ulmion, Carpinion, Fagion, Adenostylion oder der Ordnung Prunetalia.[3]
  • Die Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon (L.) L. s.str., Syn.: Lamium luteum Huds.), deren Stängel fast nur an den Kanten behaart ist und auch im oberen Teil meist breit-herzförmige Stängelblätter aufweist. Ihre Ausläufer sind ausdauernd. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[3] Sie kommt von Europa bis zum Kaukasusraum vor.[2]
  • Die Silberblättrige Goldnessel (Lamium argentatum (Smejkal) Henker ex G.H.Loos, Syn.: Lamium galeobdolon subsp. argentatum (Smejkal) J.Duvign.), bei der alle Blätter das ganze Jahr über silbrig gezeichnet sind, während bei der Gewöhnlichen Goldnessel die Laubblätter höchstens im Winter zum Teil nur schwach gezeichnet sind. Außerdem hat die Silberblättrige Taubnessel eine etwas längere Blütenoberlippe. Sie kommt in West- und Mitteleuropa vor.[2]
  • Endtmanns Goldnessel (Lamium endtmannii G.H.Loos) ist wie die Berg-Goldnessel ringsum an den Stängeln behaart, an den Kanten allerdings stärker. Jeder Blütenquirl enthält 8 bis 14 Blüten. Endtmanns Goldnessel steht in ihrem Merkmalen zwischen der Berg-Goldnessel und der Gewöhnlichen Goldnessel.
  • Die Blassgelbe Goldnessel (Lamium flavidum F.Herm., Syn.: Lamium galeobdolon subsp. flavidum (F.Herm.) Á.Löve & D.Löve) hat blassgelbe Blüten und einen stärker verzweigten Stängel, sterile Ausläufer fehlen ihr völlig. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[3] Sie kommt in den Gebirgen Europas nämlich in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien, im früheren Jugoslawien und vielleicht auch in Tschechien vor.[2] In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil im hinteren Hornbachtal unterhalb der Pleiswand bis zu einer Höhenlage von 1450 Metern auf.[5] Sie gedeiht in Pflanzengesellschaften der Verbände Fagion, Alno-Ulmion, Adenostylion oder Petasition paradoxi.[3]

Die Stellung dieser Kleinarten wird kontrovers diskutiert. Sie werden je nach Autor in wechselnden Kombinationen als eigene Arten oder Unterarten angesehen, oder überhaupt nicht abgetrennt (siehe beispielsweise Haeupler 2000[6] und Rosenbaumová 2004[7]).

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Goldnessel gibt es einige Sorten, die als bodendeckende Zierpflanzen verwendet werden, beispielsweise die Sorte ‘Florentinum’ mit ausgeprägten Ornamenten auf den Blättern.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Lamium galeobdolon (L.) L. s. str., Gewöhnliche Goldnessel. In: FloraWeb.de.
  2. a b c d e f Rafaël Govaerts, 2003: World Checklist of Selected Plant Families Database in ACCESS: 1-216203. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Lamium galeobdolon. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 5. Januar 2018.
  3. a b c d e f Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 802–803.
  4. Lamium galeobdolon agg., Artengruppe Goldnessel. In: FloraWeb.de.
  5. a b Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 397.
  6. Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  7. R. Rosenbaumová, I. Plačková, J. Suda: Variation in Lamium subg. Galeobdolon (Lamiaceae) – insights from ploidy levels, morphology and isozymes. In: Plant Systematics and Evolution, Band 244, 2004, S. 219–244 online.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien