Gewöhnliche Goldnessel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gewöhnliche Goldnessel
Goldnessel (Lamium galeobdolon)

Goldnessel (Lamium galeobdolon)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Taubnesseln (Lamium)
Art: Gewöhnliche Goldnessel
Wissenschaftlicher Name
Lamium galeobdolon
(L.) L.

Die Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon (L.) L., Syn.: Galeobdolon luteum Huds.), auch Gold-Taubnessel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Taubnesseln (Lamium) innerhalb der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Sie ist im gemäßigten Eurasien weitverbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration
Goldnessel (Lamium galeobdolon) Zygomorphe Blüte, mit grünem Kelch, gelber, behaarter Krone und vier Staubblättern

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Goldnessel ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 60 Zentimetern erreicht. Durch Ausläufer bildet sie oft ausgedehnte Bestände. Der Stängel ist vierkantig. Die kreuzgegenständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfache Blattspreite ist breit eiförmig bis lanzettlich und am Rand nesselartig gekerbt. Auf der Blattoberseite befindet sich häufig ein weißliches oder silbernes Ornament (nicht bei der reinen Art, es handelt sich dabei um eine verwilderte Ausleseform). Diese Fleckung kommt zustande, wenn sich die Blattoberhaut vom Blattgewebe abhebt; es entsteht eine Luftschicht, an der das Licht total reflektiert wird.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht Mai bis Juli. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph.

Die Goldnessel unterscheidet sich in einigen Merkmalen von den anderen Taubnessel-Arten: Die Blüten sind goldgelb bis blassgelb und meist mit einer orangen Zeichnung auf der Unterlippe und nicht wie bei den anderen Arten weißlich, rötlich oder purpurn. Während die anderen Taubnesselarten eine ungeteilte Unterlippe mit höchstens zwei fadenförmigen Zähnchen an den beiden Seiten haben, sind diese Zähnchen bei der Goldnessel deutlich dreieckig, wodurch die Unterlippe dreilappig ist. Aufgrund dieser abweichenden Merkmale wurde die Goldnessel auch oft in eine monotypische Gattung Galeobdolon mit der einzigen Art Galeobdolon luteum gestellt.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Goldnessel ist im gemäßigten Eurasien weitverbreitet. Sie ist in Nordamerika ein Neophyt.

Die Goldnessel gedeiht in Mitteleuropa am besten auf nährstoffreichen, feuchten Böden und wächst deshalb gerne in lichten Wäldern, an Waldrändern oder in Staudengebüschen. Durch ihre Fähigkeit, Ausläufer zu bilden, bildet sie dort oft ausgedehnte Bestände. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Fagetalia.[1]

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen Galeopsis galeobdolon durch Carl von Linné in Species Plantarum, S. 580. Linné veröffentlichte 1759 auch den akzeptierten Namen Lamium galeobdolon (L.) L. Synonyme für Lamium galeobdolon (L.) L. sind beispielsweise: Leonurus galeobdolon (L.) Scop., Pollichia galeobdolon (L.) Schrank, Galeobdolon galeobdolon (L.) H.Karst. nom. inval., Lamiastrum galeobdolon (L.) Ehrend. & Polatschek.

Die Goldnessel ist sehr formenreich und wird in verschiedene (Klein-)Arten bzw. Unterarten unterteilt. Als Beispiele seien erwähnt:

  • Die Berg-Goldnessel (Lamium montanum (Pers.) Hoffm. ex Kabath, Syn.: Lamium galeobdolon subsp. montanum (Pers.) Hayek), die sich durch einen meist ringsum dicht und abstehend behaarten Stängel, sowie im oberen Teil länglich-lanzettliche Blätter auszeichnet. Die sterilen Ausläufer sterben im Winter ab. Jeder Blütenquirl besteht aus 5–8 Blüten. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36.[1] Sie kommt von Europa bis zum Iran vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie am Grat zwischen Bärenkopf und Kleinem Widderstein in Vorarlberg bis zu einer Höhenlage von 1450 Metern auf.[2]
  • Die Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon (L.) L. s.str., Syn.: Lamium luteum Huds.), deren Stängel fast nur an den Kanten behaart ist und auch im oberen Teil meist breit-herzförmige Stängelblätter aufweist. Ihre Ausläufer sind ausdauernd. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[1] Sie kommt von Europa bis zum Kaukasus vor.[3]
  • Die Silberblättrige Taubnessel (Lamium argentatum (Smejkal) Henker ex G.H.Loos, Syn.: Lamium galeobdolon subsp. argentatum (Smejkal) J.Duvign.), bei der alle Blätter das ganze Jahr über silbrig gezeichnet sind, während bei der Gewöhnlichen Goldnessel die Blätter höchstens im Winter zum Teil nur schwach gezeichnet sind. Außerdem hat die Silberblättrige Taubnessel eine etwas längere Blütenoberlippe. Sie kommt in West- und Mitteleuropa vor.[3]
  • Endtmanns Goldnessel (Lamium endtmannii G.H.Loos) ist wie die Berg-Goldnessel ringsum an den Stängeln behaart, an den Kanten allerdings stärker. Jeder Blütenquirl besteht aus 8–14 Blüten. Endtmanns Goldnessel steht in ihrem Merkmalen zwischen der Berg-Goldnessel und der Gewöhnlichen Goldnessel.
  • Die Blassgelbe Goldnessel (Lamium flavidum F.Herm., Syn.: Lamium galeobdolon subsp. flavidum (F.Herm.) Á.Löve & D.Löve) hat blassgelbe Blüten und einen stärker verzweigten Stängel, sterile Ausläufer fehlen ihr völlig. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[1] Sie kommt in den Gebirgen Europas vor.[3] In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil im hinteren Hornbachtal unterhalb der Pleiswand bis zu einer Höhenlage von 1450 Metern auf.[2]

Die Stellung dieser Kleinarten wird kontrovers diskutiert. Sie werden je nach Autor in wechselnden Kombinationen als eigene Arten oder Unterarten angesehen, oder überhaupt nicht abgetrennt (siehe z. B. Haeupler 2000[4] und Rosenbaumová 2004[5]).

Nutzung[Bearbeiten]

Von der Goldnessel gibt es einige Sorten, die als bodendeckende Zierpflanzen verwendet werden, beispielsweise die Sorte ‘Florentinum’ mit ausgeprägten Ornamenten auf den Blättern.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  2. a b Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. ISBN 3-930167-61-1
  3. a b c Rafaël Govaerts (Hrsg.): Lamium - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 1. August 2015.
  4. Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz Deutschland. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  5. R. Rosenbaumová, I. Plačková, J. Suda: Variation in Lamium subg. Galeobdolon (Lamiaceae) – insights from ploidy levels, morphology and isozymes. In: Plant Systematics and Evolution, 2004, Band 244, Seiten 219-244 [1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien