Gewerbegebiet Coschütz/Gittersee

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Blick auf das Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee (im Mittelgrund die abgedeckten Absetzbecken), 2010

Das Gewerbegebiet Coschütz/Gittersee (oder Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee) ist ein etwa 90 Hektar großes Gelände im Dresdner statistischen Stadtteil Coschütz/Gittersee, in dem sich 64 Unternehmen[1] angesiedelt haben. Das Gewerbegebiet umfasst das Gelände der ehemaligen Fabrik 95 sowie das Gelände des geplanten Reinstsiliziumwerkes und angrenzende Felder.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fabrik 95[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1950 begann die Wismut AG im Stadtteil Coschütz/Gittersee auf einer Fläche von 47 Hektar mit der Errichtung einer Uranerzaufbereitungsanlage. Der Betrieb wurde 1952 aufgenommen. Die Abprodukte der Aufbereitung wurden in zwei Absetzbecken außerhalb des Betriebsgeländes im Kaitzbachtal eingelagert. Aufgrund der ungünstigen Lage zu den Lagerstätten in Ronneburg und Aue wurde die Aufbereitung 1962 stillgelegt.[2] Nach einer oberflächlichen Entkernung und Entgiftung wurden 1963 ein Reifenwerk des VEB Pneumant und eine Produktionsstätte des VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt[3] in dem Gelände angesiedelt. Die Produktionseinrichtungen wurden teilweise in den vorhandenen Gebäuden errichtete. Nach 1990 stellten beide Firmen ihre Produktion in diesen Betriebsteilen ein.

Reinstsiliziumwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Rohbau des Reinstsiliziumwerk wurde später von der Bäckerei Dr. Quendt genutzt.

Im Mai 1987 beschloss das Politbüro der DDR die Ansiedlung eines Betriebes zur Herstellung von Reinstsilizium, welches Basis in der Halbleiter- und Computerindustrie ist. Das Reinstsiliziumwerk (RSW) sollte den Bergleuten des Bergbaubetriebs „Willi Agatz“ der SDAG Wismut in Dresden-Gittersee eine Zukunftsperspektive bieten. Die Uranvorräte im Grubenfeld waren fast erschöpft und eine Schließung für 1989 vorgesehen. Der benötigte hochentzündliche Grundstoff Trichlorsilan (TCS) sollte vom Chemiewerk Nünchritz bei Riesa per Bahn über die Gleise der Windbergbahn angeliefert werden. Es formierte sich starker Protest, die Anwohner befürchteten neue Umweltbelastungen für das Gebiet. Außerdem liegt das Gebiet in der Einflugschneise des Flughafens Dresden. Ein Flugzeugabsturz über dem RSW käme einem Chemiewaffenangriff auf Dresden gleich.[4] Am 3. November 1989 kam mit der Wende in der DDR der Baustopp. [5][6] Der Rohbau wurde später von der Firma Dr. Quendt für ihre Zwecke umgebaut.

Sanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1991 kaufte die Stadt Dresden die Flächen für 20 Millionen Mark von der BvS.[7] und die Kosten dafür betrugen geschätzte 142 Millionen Mark.[8] Das Gelände wurde je nach Kontamination in 5 Bereiche untergliedert und beginnend 1991 saniert.[9] In die Sanierung einbezogen wurden auch die beiden Absetzbecken. Die gesamte Sanierung wurde 2014 abgeschlossen.

Erschließung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erschließung des ersten Bauabschnittes konnte im Mai 1997 abgeschlossen werden.[10] Mit der Erschließung des zweiten Bauabschnittes wurde im Jahr 1997 begonnen.[11] Die gesamte Nettobaufläche des Geländes beträgt 41,5 Hektar.[12]

Angesiedelte Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis heute haben sich im Gewerbegebiet Coschütz/Gittersee etwa 40 klein- und mittelständische Unternehmen angesiedelt, darunter die Spezialitätenbäckerei Dr. Quendt, das Fotolabor PixelfotoExpress, Rosti GP Germany, das Wellpappenwerk Gittersee, Interflex, Robotron Datenbank-Software GmbH[13], Aufzugbau Dresden GmbH[14], Tupperware, Nehlsen, Igefa, Xenon Automatisierungstechnik, SPEKTRA Schwingungstechnik und Akustik GmbH Dresden[15] und 3B Scientific. Erwartet wurden 120 Unternehmen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gewerbegebiet Coschütz/Gittersee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sandro Rahrisch: Bosch zieht weitere Unternehmen an. 10. Februar 2018, abgerufen am 10. Februar 2018.
  2. Werner Runge, WISMUT GmbH (Hrsg.): Chronik der Wismut. Eigenverlag, Chemnitz 1999 (CD).
  3. [1]
  4. Heiko Weckbrodt: Dresden 1989: Siliziumwerk wird zur Kraftprobe zwischen Bürger und Staat. 25. September 2011, abgerufen am 29. Mai 2015.
  5. Deutsches Historisches Museum: Ökologische Proteste zur Verhinderung des Baues des Reinstsiliziumwerkes in Dresden-Gittersee 1989. Abgerufen am 29. Mai 2015.
  6. Reinhard Buthmann: Den Bürger noch nie so mutig erlebt. Eine Chronologie der Auseinandersetzungen um das Reinstsiliziumwerk Dresden-Gittersee. In: Heft 43/2003, Ökonomie in der Ära Honecker. S. 28–38, abgerufen am 29. Mai 2015.
  7. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: Gewerbegebiet Coschütz/Gittersee Dresden – Sanierung und Erschließung@1@2Vorlage:Toter Link/www.bbr.bund.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. S. 18.
  8. Umweltbundesamt: Altstandort in Dresden: Standortprofil Coschütz-Gittersee@1@2Vorlage:Toter Link/www.umweltbundesamt.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. [2]@1@2Vorlage:Toter Link/tu-dresden.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF)
  10. [3]
  11. Umweltbundesamt: Bewertungsdurchlauf für den Altstandort Coschütz-Gittersee@1@2Vorlage:Toter Link/www.umweltbundesamt.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. Kommunales Gewerbegebiet Coschütz/Gittersee (Memento des Originals vom 3. Oktober 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dresden.de bei dresden.de
  13. Robotron Datenbank-Software GmbH (RDS)
  14. Aufzugbau Dresden GmbH
  15. SPEKTRA Schwingungstechnik und Akustik GmbH Dresden

Koordinaten: 51° 0′ 34,9″ N, 13° 42′ 0″ O