Kaitzbach

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Kaitzbach
Der Kaitzbach zwischen den seitlichen Rückhaltebecken oberhalb von Strehlen

Der Kaitzbach zwischen den seitlichen Rückhaltebecken oberhalb von Strehlen

Daten
Lage Dresden, Sachsen, Deutschland
Flusssystem Elbe
Abfluss über Elbe → Nordsee
Quelle oberhalb des Bades von Kleinnaundorf
50° 59′ 49″ N, 13° 41′ 6″ O
Mündung am Terrassenufer unterhalb des östlichen Endes der Brühlschen Terrasse in die Elbe (heute nicht mehr sichtbar)
51° 3′ 13″ N, 13° 44′ 47″ O
Länge 11,9 km
Abfluss MQ
35 l/s
Sandsteinbrücke im Dorfkern von Mockritz

Sandsteinbrücke im Dorfkern von Mockritz

Kaitzbach in Mockritz

Kaitzbach in Mockritz

Der Kaitzbach, früher auch Kaiditzbach,[1] ist ein im Süden Dresdens gelegener linker Nebenfluss der Elbe. Seine Länge beträgt gegenwärtig 11,92 Kilometer, die mittlere Durchflussmenge beläuft sich auf etwa 35 Liter pro Sekunde. Benannt wurde er nach dem Dorf und jetzigen Dresdner Stadtteil Kaitz.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden schwimmfähigen „Parkmöbel am Kaitzbach“ Welt-Icon von Joachim Manz im Hugo-Bürkner-Park befinden sich in einer begrünten Wanne, die dem Kaitzbach im Rahmen des Dresdner Hochwasser­schutzes als Flutbecken dient.
Auf dem Kreisel des Gustav-Adolf-Platzes erinnert die „Innere Mitte“ Welt-Icon von Kerstin Franke-Gneuß an das unterirdische Flussbett zwischen Wasaplatz und Großem Garten.
Westlich des Georg­platzes markiert das mehrteilige Kunstwerk „Haltepunkte“ Welt-Icon Welt-Icon von B.K.H. Gutmann den ursprüng­lichen Verlauf des Kaitzbachs in der Nähe des Neuen Rathauses.
Nördlich des Pirnaischen Platzes deutet Angela Hampels stählerne Halbkugel „Treibgut“ Welt-Icon auf einen weiteren Punkt des Verlaufs.
Der neunte und letzte von Christa Donners „Musensteinen“ Welt-Icon befindet sich nahe dem Rathenauplatz vor der Bundesbank­filiale.
„Aqualux“ Welt-Icon von Kirsten Kaiser – Neun bei Nacht beleuchtete Acrylglas­segmente auf der Wiese am früheren Gondelhafen am Hasenberg markieren den Verlauf des Kaitzbachs an der Neuen Synagoge kurz vor der Mündung in die Elbe.

Der Kaitzbach entspringt oberhalb des Bades von Kleinnaundorf an der Westseite des Horkenberges, fließt durch den Kaitzgrund und Kaitz (hier Zufluss des Zschaukebaches) nach Mockritz (hier Zufluss des Nöthnitzbaches), von da weiter durch den Dresdner Stadtteil Strehlen. Teile seines Laufes sind unterirdisch gelegt, so am Bahnhof Strehlen. Danach erreicht er in dieser Form den Großen Garten, wo er sich verzweigt. Seit 2008 wurde ein Teil des Kaitzbaches freigelegt und der Hochwasserschutz verbessert. Früher floss der Kaitzbach in die Kanalisation. Nun fließt der Bach sichtbar im Großen Garten und versickert am Rodelbergbrunnen. Der alte Verlauf wird südlich an der Parkseite des Dresdner Zoos entlang geleitet, der andere Zweig speist den Carolasee und den mit ihm verbundenen Neuteich im nördlichen Teil des Großen Gartens. Als Kaitzbach-Flutgraben verlässt das kanalartig ausgebaute Gewässer an der Stübelallee den Großen Garten, wo es unterirdisch in nördliche Richtung abgeführt wird.[2]

Der Kaitzbach fließt durch die Parkanlage Bürgerwiese in der Pirnaischen Vorstadt, wo er zeitweilig die Wasseranlagen im Park des nicht mehr erhaltenen Prinzen-Palais speiste. In der Bürgerwiese mündete ein kleiner Wasserlauf in den Kaitzbach, der vom Elbtalhang am Zelleschen Weg unterhalb von Räcknitz aus seinen Verzweigungen Wasser heranführte.

Am nordwestlichen Ende der Bürgerwiese speiste der Kaitzbach den künstlich angelegten und 1849 zugeschütteten Jüdenteich am heutigen Körnerdenkmal und mündete in den vormaligen Festungsgraben der alten Stadt. In weiter zurückliegenden Jahrhunderten verzweigte er sich im Bereich der mittelalterlichen Stadt kanalartig und war neben einigen Röhrenleitungen (Wasser der Weißeritz und des Heiligen Borns) die Hauptwasserversorgung Dresdens.[3][4][5]

Unweit des Rathauses und am früheren Brühlschen Garten ist der Verlauf heute nur noch unterirdisch vorhanden. Nahe der Synagoge wird der Verlauf durch nachts leuchtende Glaselemente angezeigt. Der Kaitzbach mündet am Terrassenufer unterhalb des östlichen Endes der Brühlschen Terrasse in die Elbe. Er ist einer der wenigen in die Elbe mündenden Bäche, deren Lauf zunächst parallel zur Elbe und zudem im Kaitzgrund nach Südosten, also elbaufwärts, gerichtet ist.

Auf eine Initiative der Dresdner Sezession 89 entstand ab dem Jahr 2000 der WasserKunstWeg Mnemosyne, der den Kaitzbach an seinem innerstädtisch nicht mehr sichtbaren Verlauf künstlerisch begleitet. Eine Besonderheit stellen Christa Donners neun „Musensteine“ dar (nach den Töchtern der Mnemosyne), die dem WasserKunstWeg nicht nur seinen Namen gaben, sondern von der Kaitzbachquelle zum innerstädtischen Rathenauplatz in der Nähe der Mündung verteilt sind.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Grabungsfunden ist eine frühe slawische Besiedlung des Kaitzgrundes (unterhalb von Coschütz) nachgewiesen. Der Ursprung des Dorfes Kaitz ist ein slawischer Rundweiler (Rundling). In der Zeit um 1200 befanden sich am damals auch Grundbach (vor allem der Oberlauf des Baches) genannten Fließ etwa fünf Wassermühlen, die teilweise bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts Bestand hatten. Die erste am Wasserlauf und noch zu Cunnersdorf gehörende Mühle war die Ehrlichsmühle, später nach der Nutzung Guts-, Knochen- oder Kuchenmühle genannt. Die weiteren drei Mühlen lagen alle auf Kaitzer Flur. Die mittlere davon war die Adamsmühle, die im weiteren nach ihren späteren Besitzern auch Claus-, Walters- oder Herrmannsmühle hieß.[7] Die nächste weiter talwärts war die Köhler- oder Zschachlitzmühle. Diese musste 1955 dem Anlegen der Abraumhalde des Gitterseer Bergbaus weichen.[7] Im weiteren Verlauf des Baches (Bewohner des Kaitzgrundes sagen „die Bach“), am ehemaligen Zusammenfluss mit dem Zschaukebach in Altkaitz, liegt die Grundmühle, später Hofemühle.[7] Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war der Salzkassenverwalter Walter Lehmann deren Besitzer. Letztere ist eine der Keimzellen des Amtslehngutes und damit des Dorfs Kaitz und auf dem Grundstück Altkaitz 6 zu großen Teilen erhalten. Auf Mockritzer Flur befand sich schließlich unterhalb des Münzteichs die Mockritzer Mühle, später ein Ausflugslokal (Münzteichweg 23).[7] Eine weitere Mühle am Kaitzbach – die Strehlener Mühle – stand in Strehlen (Dohnaer / Mockritzer Straße). Die Wassermühle in der Dohnaer Straße 18 (Dresden-Strehlen) wurde 1870 zur Dampfmühle umgebaut.[8]

Ab 1682 speiste der Kaitzbach ein Jahrhundert lang ein großes Gondelbecken im Blüherpark und wurde zwischen 1783 und den späten 1920er Jahren durch diesen Bereich umgeleitet. Während der Schlacht um Dresden im Jahr 1813 gehörte der Kaitzgrund mit seinen Hängen und umgebenden Höhen zu den wichtigen strategischen Lagen und war aus diesem Grunde von August bis Oktober des Jahres mehrfach hart umkämpft. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Kaitzgrund zu einem beliebten Naherholungsgebiete der Dresdner. Das führte zu einer großen Zahl von Ausflugsgaststätten.

Das Ende dieser Nutzung wurde durch die Stadt Dresden eingeleitet, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Hang nördlich von Kaitz eine Müllkippe anlegte. Durch den in den 1950er Jahren in Coschütz/Gittersee betriebenen Uranabbau wurde der Kaitzgrund zwischen Cunnersdorf und Coschütz durch eine von zwei (radioaktiv belasteten) Abraumhalden (zunächst Schlammteiche) zugeschüttet. Der so zeitweilig verseuchte Kaitzbach wurde durch einen 800 m langen Stollen am südlichen Hang unter der Halde durchgeleitet. Hier nimmt der Kaitzbach noch die infolge der Grubenwasserhaltung der Gitterseer Schächte anfallenden Wassermengen von 8 bis 12 Liter pro Sekunde auf. Der Gondelteich Carolasee im Großen Garten wird vom Kaitzbach gespeist. Anfang der 1990er Jahre wurde dieser Teich in einer aufwändigen Aktion von radioaktiv kontaminiertem Schlamm des Kaitzbaches befreit.

„In Dresden mieteten meine Eltern die erste Etage des Tepmannschen Hauses, das vor dem Seetore in der „Halben Gasse“ gelegen war.[…] diese führte ihren Namen mit der Tat, denn sie erfreute sich nur einer Reihe Häuser, die eben deswegen freie Aussicht auf die gegenüberliegenden Gärten gewährten.[…] Aus dem Hofe trat man in den Garten, der von der Katzbach, einem schmalen, aber tiefen Wasser durchschnitten war. Diesseits des Wassers war ein ausgedehntes Gemüsewesen, jenseits Wiesen, Obstbäume und Gebüsch.[…] daneben führte ein Pförtchen aufs Feld hinaus und zu den Höhen von Räcknitz und Plauen.“

Hochwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unteren Lagen des Kaitzgrundes galten immer als hochwassergefährdet. Die Bürger von Kaitz und Altmockritz erwarteten früher alle sieben bis zehn Jahre ein größeres Hochwasser mit einer Durchflussmenge von 750 bis 1500 Liter pro Sekunde. Eines der größeren gab es im August 1984, hervorgerufen durch einen Sturzregen sowie das von der damaligen LPG betriebene großflächige Rapsfeld am Hang südlich von Kaitz in Richtung Nöthnitz mit einem hohen Abflusswert, da glattflächig gedrillt wurde. In den Gärten am Kaitzbach stand damals das Wasser hüfthoch und, nachdem es abgeflossen war, der Schlamm 10 bis 15 Zentimeter. Nach weiteren zwei Wochen war der blühende Raps einen Meter hoch.

Während des August-Hochwassers im Jahr 2002 trat der Kaitzbach bei einer maximalen Durchflussmenge von 2000 Liter pro Sekunde über die Ufer und richtete in Altmockritz und Strehlen schwere Schäden an (Hochwassermarke am Grundstück Altmockritz 2). Im Großen Garten verursachte er damals eine größere Überflutung. Aus diesem Grund wurden im Zuge des Baus der Bundesautobahn 17 seit dem Jahr 2002 Maßnahmen zum Hochwasserschutz getroffen. Dazu gehörten die Bereinigung, Befestigung und teilweise Verlegung des Bachbettes, die Ergänzung der Uferbepflanzung sowie die Anlage von Überlauf- und Tosbecken und von bepflanzten Zonen im Verlaufe des Baches.

Zwei weitere Teilstücke der unterirdisch verlaufenden Bereiche des Bachs sind 2006 im Stadtteil Strehlen wieder offen gelegt worden. Das in der Nähe des Strehlener S-Bahn-Haltepunkts endende Teilstück ist durch seine landschaftliche Eingliederung (neu gebaute Brücke, neues Tosbecken, Natursteinbefestigungen der Ufer mit Geländern) eine Ergänzung der Naherholungszone dieses Stadtteils geworden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichtsverein Kaitz e.V. (Hrsg.): Der Kaitzbach von der Quelle bis nach Kaitz. In: Kaitz 1206–2006, Eine Chronik.
  • Geschichtsverein Kaitz e.V. (Hrsg.): Belastung des Kaitzbaches durch Bergbau und Uranerz-Aufbereitung.
  • Kai Tempel: Dörfer in Dresden von A – Z. Hille, Dresden 2007
  • Landeshauptstadt Dresden: Stadtkarte 2007 – Oberirdische Gewässer.
  • Günter Albrecht, Frank Frenzel: Der Kaitzbach in Dresden: Ein Weg mit dem Wasser. Hille, Dresden 2002, ISBN 3-932858-63-8.
  • Frank Frenzel, Silke Reichmann: Bachbilder und andere Ideen. Ergebnisse und Perspektiven planerischer Tätigkeit entlang des Kaitzbachs. In: WasserKultur. Urbanität-Technik-Ökologie Zeitschrift des BMFT-Forschungsprojektes WasserKultur, Nr. 5/6, Kassel 1996, 35–39.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaitzbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H. Aster: Grundriss von Dresden im Jahr 1778, mit der neu projectirten und erbauten Feldbefestigung. copirt 1842. In: Otto Richter: Atlas zur Geschichte Dresdens 1521–1898. Dresden 1898
  2. Gerke, Rat zu Dresden, Vermessungsamt (Hrsg.): Plan von Dresden 1912. 1912
  3. H. Ebert, H. Grahmann, K. Pietzsch: Erläuterungen zu Geologischen Karte von Sachsen im Maßstab 1:25 000. Nr. 66 Blatt Dresden. Hrsg.: Sächsisches Finanzministerium. 3. Auflage. Leipzig 1934, S. 128.
  4. Behrisch (Aufnahme), Julius Keyl (Stich): Plan von Dresden. Königliche Polizei Direction zu Dresden (Hrsg.), Dresden 1863
  5. Friedrich Christian August Hasse: Dresden und die umliegende Gegend bis Elsterwerda, Bautzen, Herrnhut, Rumburg, Aussig, Töplitz, Freyberg und Hubertsburg. Erster Theil. Zweite vermehrte Auflage. Dresden 1804, S. 86
  6. Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz (Hrsg.): MNEMOSYNE: WasserKunstWeg der Dresdner Sezession ’89 e. V. Dresden 2009 (PDF; 2,1 MB (Memento vom 9. Januar 2015 im Internet Archive)).
  7. a b c d siehe dazu bei Dresden-Mühlen.de (Memento vom 5. November 2015 im Webarchiv archive.is)
  8. Bleistiftzeichnung von Max Eckardt, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.
  9. Wilhelm von Kügelgen: Jugenderinnerungen eines alten Mannes. Köhler & Amelang, Leipzig 1924.