Gewinnvortrag

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Der Gewinnvortrag (engl. profit carryforward) ist bei Kapitalgesellschaften eine Bilanzposition, die den Rest des Bilanzgewinnes enthält, der aus dem Vorjahr zu übernehmen ist und nach dem Beschluss über die Gewinnverwendung übrigbleibt. Gegensatz ist der Verlustvortrag.

Allgemeines[Bearbeiten]

Bei Kapitalgesellschaften gibt es ein nur durch Kapitalerhöhungen oder Kapitalherabsetzungen veränderbares Eigenkapitalkonto, nämlich das gezeichnete Kapital (Grundkapital bei Aktiengesellschaften, Stammkapital bei der Gesellschaft mit beschränkter Haftung). Andere Veränderungen wie laufende oder vorgetragene Gewinne oder Verluste dürfen dieses Kapitalkonto nicht berühren. Bei Einzelkaufleuten und Personengesellschaften hingegen besteht ein variables Kapitalkonto II, über das solche Veränderungen zu buchen sind. Diese Funktion variabler Kapitalkonten übernimmt bei Kapitalgesellschaften der Gewinn- oder Verlustvortrag.[1] Ein Gewinnvortrag führt dazu, dass das neue Geschäftsjahr bereits mit einem Gewinn beginnt.

Handelsrecht[Bearbeiten]

Die Entscheidung über die Ergebnisverwendung obliegt der Hauptversammlung (AG) oder Gesellschafterversammlung (GmbH). Das Recht der Hauptversammlung, den Bilanzgewinn als Gewinn vorzutragen, ist ausdrücklich in § 58 Abs. 3 Satz 1 AktG geregelt, für die GmbH gilt § 29 GmbHG. Danach haben die Gesellschafter der GmbH Anspruch auf den Jahresüberschuss zuzüglich eines Gewinnvortrags und abzüglich eines Verlustvortrags.

Gewinnvortrag oder Verlustvortrag erscheinen nur, wenn der Jahresabschluss vor einer Entscheidung über die Ergebnisverwendung für das abgeschlossene Geschäftsjahr erstellt wird und das ausgewiesene Vorjahresergebnis nicht vollständig verwendet wurde.[2] Der Gewinnvortrag kann zum ganzen oder teilweisen Ausgleich eines im Folgejahr auftretenden Jahresfehlbetrags genutzt werden. Meistens wird der Gewinnvortrag lediglich einen nicht verteilungsfähigen Spitzenbetrag umfassen, der nicht zur Erhöhung der Dividende um 1 % ausreicht.[3]

Nach IAS 16.41 ist eine etwaige Neubewertungsrücklage ohne Berührung der Gewinn- und Verlustrechnung direkt zu Gunsten eines Gewinnvortrags aufzulösen. Hier ist der Gewinnvortrag als „angesammeltes Ergebnis“ in einer speziellen Veränderungsrechnung des Eigenkapitals darzustellen. Diese Funktion übernimmt die Überleitungsrechnung des § 158 AktG.

Ermittlung des Gewinnvortrags[Bearbeiten]

Zur Ermittlung des Bilanzgewinns ist nach § 158 AktG die folgende Überleitungsrechnung anzuwenden. Der Gewinnvortrag des laufenden Geschäftsjahres ergibt sich dann aus diesem ermittelten Bilanzgewinn.

              Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
               - Verlustvortrag (Vorjahr)
               + Gewinnvortrag (Vorjahr)
               + Entnahmen aus   1. Kapitalrücklage
                                 2. Gewinnrücklagen
                                    a) gesetzlicher Rücklage
                                    b) Rücklage für eigene Anteile
                                    c) satzungsmäßigen Rücklagen
                                    d) anderen Rücklagen
               - Einstellungen in   a) gesetzliche Rücklage
                                    b) Rücklage für eigene Anteile
                                    c) satzungsmäßige Rücklagen
                                    d) andere Rücklagen
 
               = Bilanzgewinn/Bilanzverlust
               - Dividende
               - Einstellungen in andere Rücklagen
               - zusätzlicher Aufwand
               = Gewinnvortrag

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Geyer, Praxiswissen BWL, 2007, S. 172 f.
  2. Heiner Hahn/Klaus Wilkens, Buchhaltung und Bilanz, Teil B: Bilanzierung, 2000, S. 110
  3. Herbert Brönner, in: Großkommentar AktG, Teil 3, 1993, § 174, Rn. 36
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