Giacomo Luigi Ciamician

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Giacomo Luigi Ciamician (* 27. August 1857 in Triest; † 2. Januar 1922 in Bologna) war ein italienischer Chemiker. Er war ein Pionier der Photochemie.

Giacomo Luigi Ciamician

Ciamician studierte in Wien und wurde 1880 als Externer in Gießen promoviert. Danach war er Dozent in Rom, ab 1887 außerordentlicher Professor an der Universität Padua und 1889 Professor für allgemeine und biologische Chemie an der Universität Bologna.

Ciamician befasste sich mit Chemie des Pyrrols (etwa 1880 bis 1905), Photochemie (besonders zwischen 1900 und 1915 mit seinem Assistenten Paolo Silber) und Biochemie (photochemische Umwandlung chemischer Verbindungen in Pflanzen, Alkaloide in Pflanzen, Analyse diverser Pflanzenöle) und stellte spektroskopische Untersuchungen an. Er klärte die Struktur von Pyrrol, synthetisierte es von Succinimid und synthetisierte viele Derivate des Pyrrols (unter anderem Iodol (Tetraiodopyrrol) als Ersatz für Iodoform). Nach ihm ist die Ciamician-Dennstedt-Umlagerung (mit Max Dennstedt, der in seinem Labor war; eine Pyrrol-Ringerweiterung, 1881) und die Ciamician-Plancher-Umlagerung benannt.

In der Fotochemie ist die Foto-Disproportionierung nach Ciamician (1901) nach ihm benannt (Umlagerung von 2-Nitrobenzaldehyd zu 2-Nitrosobenzoesäure). Seine erste fotochemische Arbeit erschien 1886 (Umwandlung von Chinon in Hydrochinon unter Lichteinwirkung) und er entdeckte viele weitere fotochemische Reaktionen (teilweise mit Paolo Silber). 1912 veröffentlichte er einen Aufsatz in Science mit seiner Vision einer ökologisch sauberen Photochemischen Industrie der Zukunft, die auf bioorganischer Chemie basierte.[1]

Er war Mitglied der Accademia Nazionale delle Scienze und ab 1910 Senator des Königreichs Italien (als Erster aus Triest). Seit 1901 war er korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften,[2] seit 1909 korrespondierendes Mitglied der Preußischen[3] und seit 1910 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften[4] sowie seit 1912 der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg.[5]

Emil Fischer schlug ihn mehrmals für den Nobelpreis vor [6], und seine spektroskopischen Studien halfen Mendelejew bei dessen Konstruktion des Periodensystems.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ciamician, The photochemistry of the future. Science 36, 385-394 (1912). Vortrag auf dem 8. Internationalen Kongress für Angewandte Chemie in New York.
  2. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751-2001. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 59.
  3. Mitglieder der Vorgängerakademien. Giacomo Ciamician. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 9. März 2015.
  4. Mitgliedseintrag von Giacomo Ciamician (mit Link zu einem Nachruf von Richard Willstätter) bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 16. Januar 2017.
  5. Ausländische Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften seit 1724. Giacomo Ciamician. Russische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 6. November 2015 (englisch).
  6. Costa, Dictionary of Scientific Biography