Gilded Age

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Der herrschaftliche Sommersitz The Breakers in Newport (Rhode Island) entstand während des Gilded Age

Gilded Age ist die Bezeichnung für die wirtschaftliche Blütezeit in den USA, die dem Sezessionskrieg folgte. Der Ausdruck Gilded Age („Vergoldetes Zeitalter“, also nicht etwa Goldenes Zeitalter) wurde von Mark Twain geprägt. Er bezieht sich darauf, dass diese Zeit zwar nach außen hin eine Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs und technologischen Fortschritts war, aber zugleich auch mit großer Armut, vor allem in den Städten, und politischer Korruption auf allen Ebenen verbunden war.

Anfang und Ende des Gilded Age sind unscharf. Als Beginn der Periode gelten die 1870er-Jahre; häufig wird das Ende der Reconstruction nach dem Sezessionskrieg, das durch den Abzug der nördlichen Besatzungstruppen aus den Südstaaten 1877 markiert wird, als Anfangszeitpunkt genommen. Als Ende der Periode gilt die Wende zum 20. Jahrhundert, als neue politische und soziale Themen in den Vordergrund gestellt wurden. Diese Zeit bis zum Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 wird als Progressive Era („Progressive Ära“) bezeichnet.

Das Gilded Age war von einer großen Anzahl von Erfindungen geprägt. In den Jahren 1860 bis 1890 wurden über 500.000 neue Patente, zum Beispiel für das Telefon, angemeldet. Dies waren zehnmal so viele wie in den vorangegangenen 70 Jahren.

Die Eisenbahn ersetzte die Flussschifffahrt als wichtigstes Verkehrsmittel, die erste Transkontinentale Eisenbahn wurde 1869 eröffnet.

In das Gilded Age fällt auch der Aufstieg von Andrew Carnegie (Stahlindustrie), John D. Rockefeller (Ölindustrie), Cornelius Vanderbilt (Eisenbahnunternehmen) und John Pierpont Morgan (Investmentbanking) als vermögendste und einflussreichste Unternehmer („Tycoons“) der Vereinigten Staaten.

Millionen Einwanderer immigrierten im Gilded Age in die Vereinigten Staaten. So kamen zwischen 1865 und 1890 über 10 Millionen Immigranten vor allem aus Nordeuropa und Westeuropa und zwischen 1890 und 1920 ca. 16 Millionen überwiegend aus Osteuropa. Durch Einwanderung und Binnenwanderung (nicht zuletzt aus dem verarmten Süden) entstanden Armenviertel wie die Five Points in New York City.

Die politische Korruption war auf allen Ebenen enorm, die politischen Parteien wurden in erster Linie als Verteilungsmaschinerie für Pfründe betrachtet. Dies begann schon in der von Korruptionsskandalen überschatteten Präsidentschaft Grants und setzte sich in den folgenden Jahrzehnten fort. Ein flagrantes und bis heute bekanntes Beispiel für politische Korruption auf lokaler Ebene ist der Kreis um die Tammany Hall in New York.

Beginnend mit dem auf einem politischen Kuhhandel (Kompromiss von 1877) basierenden Wahlsieg von Rutherford B. Hayes 1877 waren die Präsidenten bedeutungslose Figuren, die keine politische Impulse setzen konnten und auch nicht mehr als eine Periode im Amt waren (die einzige Ausnahme, Grover Cleveland, hatte seine beiden Amtszeiten als bis heute einziger Präsident nicht unmittelbar hintereinander). Einen neuen Stil brachten erst die Präsidentschaften McKinleys und vor allem T. Roosevelts.

In Mitteleuropa entspricht diese Periode der Gründerzeit, die zeitlich allerdings etwas früher anzusetzen ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leon Fink: The Long Gilded Age: American Capitalism and the Lessons of a New World Order. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2018, ISBN 9780812224139.
  • Sean Dennis Cashman: America in the Gilded Age. From the Death of Lincoln to the Rise of Theodore Roosevelt. 3. Aufl. New York University Press, New York 1993, ISBN 0-8147-1494-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]