James A. Garfield

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James A. Garfield
Unterschrift von James Garfield

James Abram Garfield (* 19. November 1831 in Orange Township (heutiges Moreland Hills), Cuyahoga County, Ohio; † 19. September 1881 in Elberon, Monmouth County, New Jersey) war ein amerikanischer Politiker (Republikanische Partei) und vom 4. März 1881 bis zu seinem Tod infolge eines Attentats der 20. Präsident der Vereinigten Staaten.

Garfield wuchs in ärmlichen Verhältnissen im damaligen Grenzland (Frontier) als Halbwaise auf. Ein überzeugter Anhänger des christlichen Restoration Movements („Erneuerungsbewegung“) besuchte er dessen Western Reserve Eclectic Institute (heutiges Hiram College) und wechselte später auf das Williams College, wo er seinen Abschluss machte. Danach war er Lehrer am Hiram College, bis er 1859 in die Politik ging und in den Senat von Ohio gewählt wurde. Parallel dazu studierte er Jura. Während des Sezessionskriegs kämpfte er für die Nordstaaten und brachte es in der Unionsarmee zum Generalmajor. Ab 1863 war er Abgeordneter im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten und zählte anfangs zur Fraktion der radikalen Republikaner und später zu den Half-Breeds („Mischlingen, Halbblütern“), die eine Verwaltungsreform anstrebten. 1876 wurde er Fraktionsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus.

Auf dem stark umkämpften Nominierungsparteitag der Republikaner im Juni 1880 konnte er sich als Überraschungssieger und Kompromisskandidat gegen Ulysses S. Grant und James G. Blaine durchsetzen. Nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl gegen den demokratischen Bewerber Winfield Scott Hancock war er nur für wenige Monate im Amt, als er an den Folgen eines Attentates durch Charles J. Guiteau starb. Sein Mörder hatte sich zuvor erfolglos um eine Position in der Garfield-Administration beworben. Der Tod des Präsidenten ist wahrscheinlich auch auf die nach heutigen Maßstäben unsachgemäße ärztliche Behandlung zurückzuführen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie und Ausbildung (1831–1850)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbau der Blockhütte, in der Garfield geboren wurde, im heutigen Moreland Hills.

James A. Garfield wurde nach seinem älteren Bruder James Ballou Garfield, der als Kind starb, und nach seinem Vater Abram Garfield benannt. Dessen Vorfahr Edward Garfield war 1630 aus Europa in die Massachusetts Bay Colony ausgewandert, wo seine Nachkommen für lange Zeit lebten. Abram Garfields Großvater übersiedelte nach der Amerikanischen Revolution nach Worchester in New York, wo auch sein Enkel zur Welt kam. James A. Garfields Mutter, Eliza Ballou, hatte aus Providence stammende Eltern und wurde in New Hampshire geboren. Nachdem ihr Vater gestorben war, lebte sie mit ihrer Mutter in Worchester, wo sie Abram Garfield kennenlernte. Im Februar 1820 heirateten sie und zogen in das malariaverseuchte Tal des Cuyahoga Rivers in der Western Reserve, damals vom restlichen Ohio isoliertes und durch ärmliche Lebensbedingungen gekennzeichnetes Grenzland (Frontier). Im Jahr 1829 erwarb Abram Garfield nach einem kurzfristigen geschäftlichen Erfolg als Kleinunternehmer im Kanalbau sein erstes eigenes Stück Land samt Blockhaus im Orange Township, dem heutigen Moreland Hills, wo zwei Jahre später James A. Garfield als jüngstes von fünf Kindern zur Welt kam.[1]

Im Jahr 1833 traten Garfields Eltern dem Restoration Movement („Erneuerungsbewegung“) bei, einer christlichen Erweckungsbewegung unter Führung von Alexander Campbell. Diese Kirche, die in der Western Reserve als Disciples of Christ („Jünger Christi“) bekannt war und pietistische Züge aufwies,[2] prägte den weiteren Lebensweg Garfields. Im Mai 1833 starb sein Vater, was die Familie an den Rand der Armut brachte. So musste die Mutter Teile ihres Grundbesitzes verkaufen, um die drängendsten Schulden abzuzahlen, und Garfields 12-jähriger Bruder Thomas die Farmarbeiten des Vaters übernehmen.[3] Eliza Garfield heiratete im April 1842 erneut, aber verließ ihren in einem Nachbarort lebenden Mann nach einem Jahr, was in der damaligen Zeit als selten vorkommendes, skandalöses Verhalten galt. Als Jugendlicher wurde Garfield zu einem leidenschaftlichen Leser, den vor allem Seefahrtsgeschichten faszinierten. Im August 1848 verließ er kurzentschlossen die Mutter, um im nahegelegenen Cleveland auf einem Schiff anzuheuern. Letztendlich fand er eine Anstellung auf einem Kanalboot, das zwischen Cleveland und Pittsburgh verkehrte. Anfang Oktober musste er die Arbeit aufgeben und nach Hause zurückkehren, als bei ihm eine starke Fieberkrankheit ausbrach. Dort konnten ihn die Mutter und sein Grundschullehrer dazu überreden, fürs Erste weiter auf die Schule zu gehen.[4]

Ab März 1849 besuchte er eine weiterführende Akademie in Chester Township im Geauga County, die von Baptisten betrieben wurde. Zu dieser Zeit gab es kein bundesstaatliches Schulsystem in Ohio, weshalb Jugendliche auf Sekundarschulen dieser Art angewiesen waren, wenn sie nach der Grundschule weiterlernen wollten. In diesem Umfeld entwickelte Garfield einen außergewöhnlichen Bildungseifer und legte seine Seefahrtspläne rasch ad acta. Um Schule und Unterkunft in einer Pension zu finanzieren, arbeitete er in einer Zimmerei und ab November 1849 als Lehrer. Auf einer regionalen Versammlung der Disciples of Christ im März 1850 hatte er ein religiöses Erweckungserlebnis und ließ sich taufen. Hatte er bis dahin vor allem der Mutter zuliebe die Gottesdienste besucht, war er von nun an ein überzeugter „Jünger Christi“. Sein Glaube spiegelte sich in seinen politischen Überzeugungen wieder. So lehnte er den Abolitionismus, also die Sklavenbefreiung, ab, weil sich die Bibel an keiner Stelle gegen diese Institution ausspräche, und nahm nicht an den ausschweifenden Feiern zum Unabhängigkeitstag teil, sondern verbrachte die Zeit im Gebet. Aufgrund seiner religiösen Überzeugung und aus finanziellen Gründen fühlte er sich an der baptistischen Akademie zunehmend unwohl.[5]

Western Reserve Eclectic Institute und Williams College (1850–1856)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statue von Garfield auf dem Campus des Hiram College (2010)

Gegen Ende 1850 verließ er die Schule in Geauga und arbeitet für ein Jahr als Lehrer und Zimmerer. Im Herbst 1851 schrieb er sich am Western Reserve Eclectic Institute (heutiges Hiram College) in Hiram im Portage County ein, eine von den Disciples of Christ betriebene Bildungseinrichtung. Aufgrund seiner Vorbildung und starken Physis genoss er unter den Mitschülern hohes Ansehen. Garfield gewann in dieser Zeit weiter an Selbstvertrauen und entdeckte an sich eine außergewöhnliche Begabung als Redner. Tatsächlich wurde er später einer der effektivsten Wahlredner seiner Generation.[6] Das Curriculum umfasste neben der von ihn besonders geschätzten klassischen Bildung in Latein und Griechisch auch Geologie, Mathematik und Spencer-Schrift. Außerschulisch las er mit einer befreundeten Mitschülerin Horaz, Vergil, Sallust, Xenophon und das Neue Testament. Daher rührend verwendete er bei seinen späteren Reden im Kongress der Vereinigten Staaten oft lateinische Zitate als Stilmittel. Ab Frühjahr 1853 begann er sich als Prediger in den Kirchen der Umgebung zu betätigen. Gegen Jahresende entwickelte er eine zunehmende Leidenschaft für die Mitschülerin Lucretia Rudolph, die er seit der Akademie in Chester kannte. Ihr Vater Zeb Rudolph war ein führender Disciple und saß im Vorstand des Western Reserve Eclectic Institute. Einer Vertiefung ihrer Beziehung stand vorerst entgegen, dass sich Garfield am Eclectic Institute, an dem er seit einem Jahr selbst Unterricht gab, intellektuell unterfordert fühlte, und Anfang 1854 beschloss, auf eine Universität zu wechseln.[7]

Im Juli 1854 wurde er nach einer kurzen Prüfung durch den Universitätspräsidenten Mark Hopkins als Student am Williams College in Williamstown, Massachusetts zugelassen. Garfield blühte in dem geistigen Klima dieses neuenglischen, calvinistisch geprägten Colleges auf und beschrieb es später als den eigentlichen Start seines intellektuellen Lebens. Anfangs wurde er von den zumeist jüngeren und aus wohlhabenden Verhältnissen stammenden Kommilitonen kritisch beäugt. Aufgrund seiner glänzenden Leistungen im Debattierclub, der in der Ära vor dem Aufkommen des Collegesports den Mittelpunkt studentischer Aktivitäten auf dem Campus bildete, verschaffte er sich rasch hohes Ansehen. In der Folge wurde er zum Vorsitzenden einiger Studentenclubs und zum Herausgeber des Universitätsmagazins Williams Quarterly gewählt. Weil einige der Kommilitonen streng religiöse Calvinisten waren, hielt er sich mit dem eigenen Glauben bedeckt. Den zu dieser Zeit an Bedeutung gewinnenden Studentenverbindungen (Fraternities und Sororities) stand er ablehnend gegenüber.[8]

Garfield war ein guter, aber kein brillanter Student. Am Williams College kam er vertieft mit Naturwissenschaften in Berührung und begeisterte sich so sehr für Germanistik, dass er eine Zeit lang ein Studium in Göttingen in Erwägung zog.[9] Einige von Garfields religiösen Überzeugungen kamen in dieser Phase ins Wanken. So bewog ihn das Studium von Theodor Körners Gedichten dazu, seinen Pazifismus zu überdenken. Die Agitation in Neuengland gegen die durch den Kansas-Nebraska Act ermöglichte Einführung der Sklaverei im Kansas-Territorium (Bleeding Kansas („Blutendes Kansas“)) führte bei ihm zu einem Gesinnungswandel. Er sprach sich nun für eine graduelle Abschaffung der Sklaverei und ein Verbot ihrer weiteren Verbreitung aus. Zwar bewahrte Garfield sich seinen Glauben, aber bis Juni 1856 war er zu der Überzeugung gelangt, dass er keine kirchliche Laufbahn mehr anstrebte. Im August schloss er das Studium ab, und begann als Lehrer am Eclectic Institute zu arbeiten.[10]

Lehrtätigkeit (1856–1859)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Garfield und Rudolph kurz nach ihrer Verlobung

Zurück in Hiram fühlte er sich schnell von seiner Lehrtätigkeit nicht ausgefüllt. Daher engagierte er sich bei den Republikanern und predigte wieder verstärkt. Weil es an der Schule konstant Disziplinprobleme gab, wurde Direktor Hayden Anfang 1857 entlassen und Garfield zu seinem Nachfolger bestimmt, wobei der erfahrenere Norman Dunshee übergangen wurde. Unter Garfield verfolgte das Eclectic Institute eine liberalere Agenda. Die Bedeutung der Theologie wurde im Unterrichtsplan zugunsten von Fächern wie Geschichte, Naturwissenschaft und Sport herabgestuft und die Akademie für Schüler anderer Konfessionen geöffnet.[11] Als Lehrer wandte er progressive Unterrichtsmethoden an, indem er nicht nur Lernstoff vermittelte, sondern die Schüler zu selbständiger Gedankenführung und kritischer Beobachtungsgabe ermunterte. Tatsächlich prosperierte unter Garfield das Eclectic Institute trotz der Wirtschaftskrise von 1857.[12]

Obwohl er seit vier Jahren mit Rudolph verlobt war, zögerte er 1858 immer noch mit der Heirat. Erst nach Druck im Freundeskreis und durch den zukünftigen Schwiegervater kam es am 11. November 1858 zur Hochzeit.[13] Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten. Der 1865 geborene James war von 1907 bis 1909 amerikanischer Innenminister. Der um zwei Jahre ältere Harry wurde Jurist, Politikwissenschaftler und Präsident des Williams College.

In der letzten Dezemberwoche 1858 führte Garfield in Chagrin Falls eine öffentliche Debatte mit einem umherziehenden atheistischen Freidenker. Sie stieß auf großes Interesse und lockte bis zu tausend Zuschauer an. Garfield wurde allgemein als Sieger betrachtet und erlangte Prominenz in der Region. In Vorbereitung auf die Debatte hatte er sich verstärkt mit Naturwissenschaften beschäftigt und ihnen danach im Curriculum des Eclectic Institute noch mehr Bedeutung zugestanden. Dies wie auch sein Versuch, eine Schachliga mit anderen Akademien auszurichten, brachte ihm Kritik von der Fraktion der strenggläubigen Disciples ein, die Dunshee befeuerte. Obwohl Garfield selbst in einem Fall einem entflohenen Sklaven Unterschlupf gewährt hatte, hielt er die Schule aus der Politik raus und untersagte eine Kundgebung von Abolitionisten am Eclectic Institute.[14]

Bis 1859 hatte sich sein religiöser Eifer so weit gelockert, dass er nun, mit seiner aktuellen beruflichen Situation unzufrieden, mit einer Lehre zum Anwalt und einem Einstieg in die Politik zwei Tätigkeiten anstrebte, die er früher als moralisch verwerflich abgelehnt hatte. Als im August 1859 der republikanische Kandidat seines Wahlbezirks für den Senat von Ohio verstarb, stellten die lokalen Parteiführer Garfield auf, nachdem er auf dem Nominierungsparteitag das Rennen gemacht hatte. Weil sein Distrikt stramm republikanisch und abolitionistisch geprägt war, einer seiner späteren Wähler war John Brown, kam der Erfolg bei der Primary dem Einzug in den Senat gleich.[15] Entsprechend gewann er nach einem Wahlkampf, in dem es fast ausschließlich um die Sklavenfrage gegangen war, am 11. Oktober mit großem Vorsprung gegen den Demokraten Alvah Udall.[16]

Im Senat von Ohio (1859–1861)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz vor dem Jahresende 1859 traf Garfield in Columbus, der Hauptstadt von Ohio ein. Er bezog ein Pensionszimmer mit Jacob Dolson Cox, mit dem ihm bald eine enge politische Partnerschaft verband. Obwohl ein Neuling, schaltete er sich von seinem ersten Tag an in die Debatten im Kongress Ohios (Ohio General Assembly) ein. Seinen Gesetzesinitiativen, deren wichtigste ihm die Finanzierung einer geologischen Kartierung Ohios war, war wenig Erfolg beschieden. Besonderen Beifall in seinem Wahlbezirk erhielt Garfield für seine Rede gegen einen Gesetzesvorschlag konservativer Republikaner, der vor dem Hintergrund von John Browns Überfall auf Harpers Ferry Sicherheitszusagen an den Sklavenstaat Virginia machte. Für die Teilnahme an einer Delegation der Ohio General Assembly, die sich in Louisville mit den Abgeordneten der State Legislatures („Bundesstaat-Parlament“) von Kentucky und Tennessee traf, musste er dagegen Kritik von seinen Wählern einstecken. Insgesamt machte er vor allem durch seine Fähigkeiten als Redner auf sich aufmerksam und erlangte im Bundesstaat zunehmende Bekanntheit.[17]

Auf dem Parteitag der Republikaner in Ohio im Juni 1860 hinterließ er einen starken Eindruck und war danach ein gefragter Redner im Präsidentschaftswahlkampf von Abraham Lincoln mit Auftritten auf mehr als 40 Kundgebungen.[18] In der unmittelbar auf Lincolns Sieg folgenden Sezessionskrise, die sich an der Sklavenfrage entzündete und zur Herausbildung der Konföderierten Staaten von Amerika führte, befürwortete der ehemalige Pazifist Garfield leidenschaftlich einen Bürgerkrieg, um mit der Sklaverei endgültig Schluss zu machen. Diese Kriegsbegeisterung entsprach der allgemeinen Stimmungslage in Columbus.[19] Anfang 1861 schloss er die Anwaltslehre ab, die er zwei Jahre zuvor bei einer Kanzlei in Cleveland begonnen hatte. Mitte Februar traf er den designierten Präsidenten Lincoln und zeigte sich von ihm wenig beeindruckt. In den folgenden Jahren verhärtete sich dieses Gefühl wegen dessen Zögern in der Sklavenfrage zu Verachtung.[20]

Sezessionskrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Garfield als Brigadegeneral

Nach Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs am 12. April 1861 unterstützte er zuerst Gouverneur William Dennison junior im Senat bei der Finanzierung der hastig aufgestellten Freiwilligen-Regimenter. Außerdem brachte er ein Gesetz durch, das die Gesetzeshürden für die Bestrafung von Landesverrat gegenüber dem Bundesstaat Ohio absenkte und sich insbesondere gegen die Demokraten richtete. Nach mehreren gescheiterten Versuchen erhielt er im August von Dennison das ersehnte Kommando über ein Regiment zugewiesen, mit dem der Dienstgrad Oberstleutnant verbunden war. Nur wenige Wochen später beförderte ihn der Gouverneur zum Oberst. Garfields 42. Ohio-Freiwilligen-Infanterie-Regiment existierte zuerst nur auf dem Papier und musste von ihm selbst ausgehoben werden. Dazu wandte er sich zuerst an das Hiram College, wo er eine ganze Kompanie von Studenten rekrutierte. Bis September wuchs das 42. Ohio-Regiment auf sieben Kompanien auf und Garfield hatte mit Don Pardec und Lionel Allen Sheldon zwei Stabsoffiziere unter seinem Kommando. Ende November erreichte es mit zehn Kompanien seine volle Stärke und lagerte in Camp Chase am Stadtrand von Columbus.[21]

Garfield eignete sich parallel zu seinen Rekrutierungsbemühungen ein Grundwissen in Militärtaktik an. Ihm standen nur wenige Wochen Drill zur Verfügung, um seine Soldaten auf das Schlachtfeld vorzubereiten. Außerdem musste sich Garfield um die Ausrüstung des Regiments kümmern, die sich problematisch gestaltete. Bei der Führung der Untergebenen erwiesen sich die im Rahmen seiner Lehrtätigkeit erworbenen Kompetenzen als hilfreich. Mitte Dezember erhielt Garfield die Order, mit seinem Regiment nach Catlettsburg in Kentucky zu marschieren.[22] Dort wurde er unter das Kommando von General Don Carlos Buell gestellt, der die Army of the Ohio („Armee des Ohio“) befehligte. Das strategische Ziel der Ohio-Armee war die Einnahme von Nashville, wobei ihre linke Flanke im Tal des Big Sandy River im östlichen Kentucky von Konföderierten Truppen unter der Führung von Brigadegeneral Humphrey Marshall bedroht wurde.[23]

Garfield beendete den Krieg als Generalmajor. Er nahm u. a. 1862 an der Schlacht von Shiloh und der Ersten Schlacht um Corinth teil. Im September 1863 kämpfte er in der verlustreichen Schlacht von Chickamauga.[24]

Repräsentantenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Garfield ging Ende 1863 wieder in die Politik und ließ sich in das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten wählen; bis 1878 wurde er regelmäßig wiedergewählt. Er war Finanzfachmann und trat für hohe Schutzzölle sowie die Radical Reconstruction in den Südstaaten ein. 1876 wurde er Fraktionsführer der Republikaner in Washington, D.C. Im gleichen Jahr lieferte er einen von mehreren Beweisen zum Satz des Pythagoras.[25] 1880 wählte ihn das Parlament von Ohio als Nachfolger des ausscheidenden Allen G. Thurman in den US-Senat, in dem seine Amtsperiode am 4. März 1881 begonnen hätte. Aufgrund seiner Wahl zum Präsidenten trat er dieses Amt aber nie an.

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildnis James A. Garfield (In: De Huisvriend. Geillustreerd Magazijn. 1881, S. 141. Holzstich (1881))
Illustration der Feierlichkeiten zu Garfields Amtseinführung im März 1881
Das Attentat auf Präsident Garfield (Mitte rechts); links neben ihm Außenminister James G. Blaine
Aufbahrung von Garfields Sarg

Bei der Republican National Convention im Juni 1880 in Chicago wurde Garfield als Kandidat für die bevorstehende Präsidentschaftswahl nominiert, die er dann auch gegen den demokratischen Bewerber Winfield Scott Hancock für sich entschied. Seinen Platz im US-Senat nahm John Sherman ein. Garfield ist bis heute der einzige Präsident, der direkt vom Repräsentantenhaus ins Präsidentenamt wechselte.

Als Mitglied der Half-Breeds stand Garfield für eine Reform des öffentlichen Dienstes und – nunmehr auch – für moderate Behandlung der unterlegenen Südstaaten. Auch trat er für eine moralische Erneuerung der korrupt gewordenen Republikanischen Partei ein, was ihm einerseits großen Respekt einbrachte, andererseits aber auch sein Verhängnis bedeutete: Garfield wurde an der (später so genannten) Pennsylvania Station in Washington, D.C. am 2. Juli 1881 von einem Geisteskranken namens Charles J. Guiteau angeschossen. Der Attentäter wollte Konsul in Paris werden, war aber wegen psychischer Störungen abgelehnt worden und verlangte nach Rache.

Eine der Kugeln in seinem Rücken konnte trotz eines von Alexander Graham Bell entwickelten Metalldetektors nicht gefunden werden. Spätere Untersuchungen ergaben, dass der Präsident während der Suche nach dem Projektil auf einem Bett mit metallischen Sprungfedern lag, was nicht bemerkt worden war.[26] Des Weiteren wurden bei den zahlreichen Untersuchungen häufig bloße Finger und nicht sterile Instrumente eingesetzt, da zu diesem Zeitpunkt Kenntnisse über krankheitserregende Keime und die Asepsis noch kaum verbreitet waren. Der Präsident starb am 19. September deshalb an den Folgen einer Infektion durch diese Kugel. Die Verteidiger seines Mörders plädierten hinterher, dass nicht die Kugel, sondern die Ärzte (vor allem Dr. Willard Bliss) den Tod des Präsidenten verursacht hätten. Guiteau wurde von Gutachtern für geisteskrank erklärt, auf öffentlichen Druck aber dennoch schuldig gesprochen und gehängt.

Während der elf Wochen zwischen dem Attentat und Garfields Tod entspann sich eine ernsthafte verfassungsrechtliche Kontroverse um die Stellung des Vizepräsidenten während der Zeit der faktischen Amtsunfähigkeit des Präsidenten.

Seine Ermordung war ein Schock – vor allem im Westen des Landes wurden daher einige Städte und Countys (Garfield County) nach ihm benannt. Seine Amtszeit wurde von seinem Vizepräsidenten Chester A. Arthur zu Ende geführt. Nach Abraham Lincoln im Jahr 1865 war Garfield der zweite US-Präsident, der an den Folgen eines Attentats starb.

Garfield hatte es geschafft, die Stellung des Präsidenten dauerhaft zu stärken; er war aber auch erstmals auf einen Ausgleich zwischen Exekutive und Legislative bedacht.

Persönlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weil er aus prekären Verhältnissen stammte und von einer alleinlebenden Mutter großgezogen wurde, erlebte Garfield in der Jugend regelmäßig Demütigungen durch die soziale Umwelt. Diese Erfahrung machte ihn als Erwachsenen besonders sensibel für persönliche Angriffe, was sein politisches Umfeld als eine Schwäche erkannte.[27] Auch seine starken Selbstzweifel, die ihm beim kleinsten Missgeschick heimsuchten, schrieb er den Kindheitserlebnissen zu.[28] Andererseits wurde Garfields ärmliche Herkunft für ihn zu einem wichtigen politischen Aktivposten. Er verkörperte den Amerikanischen Traum des Selfmademan, der durch harte Arbeit und Fleiß den sozialen Aufstieg geschafft hatte.[29] Aus einer gewissen Schicksalsgläubigkeit heraus und weil er es für ein „vulgäres“, seinen religiösen Überzeugungen widersprechendes Verhalten hielt, lehnte er die eigeninitiative Suche beziehungsweise Bewerbung um Stellen und Ämter ab.[30]

Garfield-Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Andenken für seine Verdienste errichtete man 1890 auf einem Friedhof in Cleveland einen Rundbau, das James A. Garfield Memorial. Das James A. Garfield Monument steht in den Gartenanlagen vor dem Kapitol in Washington, D.C. Es ist eine Bronzestatue von John Quincy Adams Ward auf einem gestalteten Granitsockel von Richard Morris Hunt. Lawnfield in Mentor, Ohio, das Haus, in welchem Garfield von 1876 bis zu seinem Tod lebte, war bis 1936 in Familienbesitz und ist heute eine National Historic Site. Während der Präsidentschaftswahl führte er die erste Front Porch Campaign der amerikanischen Geschichte durch; er betrieb seinen Wahlkampf von der Veranda seines Hauses aus, ohne die verschiedenen Bundesstaaten zu bereisen.[31]

Außerdem sind sechs Countys in den Vereinigten Staaten nach ihm benannt.[32]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • James Harry Brown, Frederick D Williams (Hrsg.): The Diary of James A. Garfield. Vier Bände. Michigan State University, East Lansing 1967–1981.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrike Skorsetz: James A. Garfield (1881): Der verhinderte Reformer. In: Christof Mauch (Hrsg.): Die amerikanischen Präsidenten: 44 historische Portraits von George Washington bis Barack Obama. 6., fortgeführte und aktualisierte Auflage. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-58742-9, S. 219–221.
  • Candice Millard: Destiny of the Republic. A Tale of Madness, Medicine and the Murder of a President. Anchor Books, New York NY 2012, ISBN 978-0-7679-2971-4.
  • Ira Rutkow: James A. Garfield (= The American Presidents Series. Hrsg. von Arthur M. Schlesinger, Sean Wilentz. The 20th President). Times Books, New York 2006, ISBN 0-8050-6950-X.
  • Kenneth D. Ackerman: The Dark Horse: The Surprise Election and Political Murder of President James A. Garfield. Carroll & Graf, New York 2003, ISBN 0-7867-1151-5.
  • Robert O. Rupp (Hrsg.): James A. Garfield. A Bibliography (= Bibliographies of the Presidents of the United States. Bd. 20). Greenwood Press, Westport CT u. a. 1997, ISBN 0-313-28178-5 (Stellt die Forschungsliteratur bis 1998 zusammen).
  • Allan Peskin: Garfield. A Biography. Neuauflage der Erstausgabe von 1978. Kent State University Press, Kent, Ohio 1999, ISBN 0-87338-210-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: James A. Garfield – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: James A. Garfield – Zitate (englisch)
Wikisource: James A. Garfield – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 3–6. (books.google.de)
  2. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 18. (books.google.de)
  3. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 7 f. (books.google.de)
  4. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 10–13. (books.google.de)
  5. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 13–20. (books.google.de)
  6. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 20–23. (books.google.de)
  7. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 27–32. (books.google.de)
  8. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 33–39. (books.google.de)
  9. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 39 f. (books.google.de)
  10. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 43–46. (books.google.de)
  11. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 47–50. (books.google.de)
  12. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 52 f. (books.google.de)
  13. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 54 f. (books.google.de)
  14. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 55–58. (books.google.de)
  15. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 59–62. (books.google.de)
  16. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 65. (books.google.de)
  17. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 67–74. (books.google.de)
  18. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 76 f. (books.google.de)
  19. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 79 f. (books.google.de)
  20. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 82 f. (books.google.de)
  21. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 86–93, 98. (books.google.de)
  22. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 94–98, 101. (books.google.de)
  23. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Kent, Ohio 1999, S. 100. (books.google.de)
  24. Allan Peskin: Garfield. A Biography. 1978, S. 144.
  25. Vgl. dazu Victor E. Hill, IV.: President Garfield and the Pythagorean Theorem. In: Math Horizons. Vol. 9, No. 3, Februar 2002, ISSN 1072-4117, S. 9–11, 15.
  26. Vgl. Bill Bryson: Made in America. An Informal History of the English Language in the United States. New Edition. Black Swan, London 1998, ISBN 0-552-99805-2, S. 102.
  27. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Neuauflage 1999, S. 9f. (books.google.de)
  28. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Neuauflage 1999, S. 35. (books.google.de)
  29. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Neuauflage 1999, S. 13. (books.google.de)
  30. Allan Peskin: Garfield. A Biography. Neuauflage 1999, S. 16. (books.google.de)
  31. James A. Garfield National Historic Site. In: American Presidents Travel Itenerary. National Park Service, abgerufen am 20. Mai 2015 (englisch).
  32. Charles Curry Aiken, Joseph Nathan Kane: The American Counties: Origins of County Names, Dates of Creation, Area, and Population Data, 1950–2010. 6. Auflage. Scarecrow Press, Lanham 2013, ISBN 978-0-8108-8762-6, S. XIV. (books.google.de)