Gisela Friedrichsen

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18. März 2009: Gisela Friedrichsen beim Prozess gegen Josef Fritzl in St. Pölten

Gisela Friedrichsen (* 2. September 1945 in München) ist eine deutsche Gerichtsreporterin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gisela Friedrichsen wuchs im Münchner Stadtteil Nymphenburg in einer katholischen Familie auf; ihr Vater war Däne und in der Zeit des Nationalsozialismus im KZ Auschwitz inhaftiert, weil er Juden geholfen hatte. Friedrichsen erfuhr erst nach dem Tod des Vaters – durch ihre Mutter – von dessen Leidensweg, er selbst hatte ihr nie etwas von seinem Schicksal erzählt.[1][2] Von 1951 bis 1964 ging Friedrichsen bei den Englischen Fräulein zur Schule. Sie studierte anschließend Geschichte und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach einem Volontariat 1973 bei der Augsburger Allgemeinen war sie ab 1974 sechzehn Jahre lang Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von 1989 bis zum Oktober 2016[3] schrieb sie als Nachfolgerin von Gerhard Mauz für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Nachdem ihr dortiger Vertrag als freie Autorin endete, arbeitet sie seit 2016 für Die Welt.[4] Sie gilt als die bekannteste deutsche Gerichtsreporterin.[5][6] Friedrichsen ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Wiesbaden.[2]

Rezensionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gisela Friedrichsens Reportagen werden unterschiedlich beurteilt. Heidrun Helwig schrieb in der Neuen Juristischen Wochenschrift:[7]

„Schulmeisterlich verteilt sie Zeugnisse, bewertet, lobt, verdammt, auf der Grundlage ihrer subjektiven Maßstäbe. Dabei ergreift sie nicht nur Partei für eine Seite, sondern berichtet einseitig, gibt den Argumenten der angegriffenen Seite meist keinen Raum.“

Bernhard Schlink hingegen meint:[8]

„Gisela Friedrichsens Reportagen bieten Gesellschaftsanalyse, Mentalitäts-, Kultur- und politische Zeitgeschichte. Manchmal weiten sie sich zu kleinen Essays über die Situation Jugendlicher in den neuen Ländern, das Entstehen jugendlicher Gewalt, die Radikalisierung von Muslimen oder den Schatten, den die nationalsozialistische Vergangenheit in die Gegenwart wirft. Nie verschwinden hinter dem gesellschaftlichen Befund das individuelle Schicksal und die individuelle Verantwortung. Gisela Friedrichsen schließt die Ereignisse dadurch auf, daß sie analytische Schärfe und persönliche Einfühlsamkeit und Behutsamkeit vereint.“

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2011: Pressepreis des Deutschen Anwaltvereins im Bereich Printmedien[9]
  • 2016: Ehrenpreis pro reo der Arbeitsgemeinschaft Strafrecht im DAV, für ihr Lebenswerk als Gerichtsreporterin

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gisela Friedrichsen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrichsen berichtet davon bei Günther Jauch auf DasErste.de, Ausschnitt ab 29:59 min., Sendung vom 26. April 2015.
  2. a b Astrid Sewing: Spiegel-Reporterin Gisela Friedrichsen berichtet auch über Auschwitz-Verfahren. In: Auschwitz-Prozess. (lz.de [abgerufen am 13. August 2017]).
  3. Hausmitteilung. In: Der Spiegel. Nr. 40, 2016, S. 5 (online).
  4. Nach 27 Jahren beim Spiegel: Gisela Friedrichsen wechselt zu Springers Welt-Gruppe. In: Meedia.de. 11. Oktober 2016, abgerufen am 11. Juli 2018.
  5. Sonja Schäfer: Im Gespräch mit Gisela Friedrichsen. DeutschlandRadio Berlin, 24. Januar 2005, archiviert vom Original am 28. August 2006; abgerufen am 11. Juli 2018.
  6. Gisela Friedrichsen: Mordprozess in Freiburg: Paradebeispiel für Blindheit von Politikern und Behördenleitern. In: DIE WELT. 7. Januar 2018 (welt.de [abgerufen am 10. August 2018]).
  7. Neue Juristische Wochenschrift. 58 Nr. 9, 2005, S. 587. (Buchbesprechung von „Ich bin doch kein Mörder“: Gerichtsreportagen 1989–2004.)
  8. Vorwort zu „Ich bin doch kein Mörder“: Gerichtsreportagen 1989–2004.
  9. Ehrung. In: Der Spiegel. Nr. 19, 2011, S. 158 (online).