Glattbauchspinnen

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Glattbauchspinnen
Schwarze Glattbauchspinne (Zelotes subterraneus)

Schwarze Glattbauchspinne (Zelotes subterraneus)

Systematik
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Gnaphosoidea
Familie: Glattbauchspinnen
Wissenschaftlicher Name
Gnaphosidae
Pocock, 1898

Die Glattbauchspinnen (Gnaphosidae, Syn.: Drassodidae, Prodidomidae), manchmal auch Plattbauchspinnen genannt, sind eine Familie der Echten Webspinnen und umfassen 158 Gattungen und 2531Arten.[1] (Stand: Dezember 2018)

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nähere Ansicht einer Trockenrasen-Glattbauchspinne (Gnaphosa lucifuga)

Glattbauchspinnen sind kleine bis sehr große Spinnen mit kräftigem Körperbau. Ihr Körper ist meist samtig behaart. Es gibt auch einige bunte Arten.[2] Auffällig sind die zylindrischen Spinnwarzen, die in Ruhelage entweder parallel zueinander angeordnet oder fingerartig und schräg auseinander gespreizt sind.[3]

Familien mit ähnlichen Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders die nah verwandten Sackspinnen (Clubionidae) können den Plattbauchspinnen mitunter ähneln. Sie unterscheiden sich aber durch den Aufbau ihrer Spinnwarzen und der Form ihrer Hinteraugen.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungskarte der Glattbauchspinnen

Die Familie der Glattbauchspinnen ist nahezu weltweit verbreitet. Die Lebensräume können je nach Art sehr unterschiedlich sein.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohngespinst einer Glattbauchspinne

Glattbauchspinnen sind frei laufende Jäger, die keine Fangnetze herstellen und zumeist nachtaktiv sind.[2] Die bunt gefärbten Arten sind jedoch vorwiegend am Tage anzutreffen.[3] Wie viele Dionycha bauen sie keine Fangnetze. Tagsüber halten sie sich in Wohngespinsten unter Steinen oder Blättern auf.[2] Die tagaktiven Arten tun dies dementsprechend in der Nacht.[3] Fast alle Glattbauchspinnen können keine Sicherheits- und Orientierungsfäden herstellen.[4]

Der Gemeine Ameisendieb (Callilepis nocturna) zählt zu den tagaktiven Arten und den Nahrungsspezialisten der Familie; er erbeutet ausschließlich Ameisen.

Glattbauchspinnen verfügen über unterschiedliche Jagdstrategien, abhängig von der Größe und Wehrhaftigkeit des jeweiligen Beutetiers. Kleinere oder weniger wehrhafte Beutetiere werden einfach mit den Beinen ergriffen und anschließend mit einem injizierten Giftbiss außer Gefecht gesetzt. Größere oder wehrhaftere Beutetiere hingegen werden angesprungen, gebissen und gleichzeitig mit einem Spinnfaden, den die Jägerin auf das Beutetier und auf den Boden heftet, am Untergrund und an der Glattbauchspinne fixiert und sowohl an einer Flucht, als auch durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit an einer ausreichenden Gegenwehr gehindert. Dadurch können Glattbauchspinnen auch Beutetiere überwältigen, die die eigene Körpergröße deutlich übertreffen.[4] Zu dieser Familie zählen auch Nahrungsspezialisten, die sich auf das Erlegen bestimmter Beutetiere spezialisiert haben. Ein Beispiel dafür ist der Gemeine Ameisendieb (Callilepis nocturna), der sich lediglich von Ameisen ernährt.[3]

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch das Fortpflanzungsverhalten variiert bei den verschiedenen Arten. Bei den meisten Arten bewacht das Weibchen seine Eikokons bis zum Schlupf der Jungspinnen.[5]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der World Spider Catalog listet für die Glattbauchspinnen 158 Gattungen und 2537 Arten.[1] (Stand: Dezember 2019)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 19.5 – Gnaphosidae. Abgerufen am 16. Dezember 2019.
  2. a b c Stefan Heimer, Wolfgang Nentwig: Spinnen Mitteleuropas. Verlag Paul Parey, Berlin 1991, ISBN 3-489-53534-0.
  3. a b c d e Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Über 400 Arten Europas. Kosmos Naturführer, Kosmos (Franckh-Kosmos), 2. Auflage, 2016, S. 242, ISBN 978-3-440-14895-2.
  4. a b "Hunting with sticky tape: functional shift in silk glands of araneophagous ground spiders (Gnaphosidae)" von Jonas O. Wolff, Milan Řezáč, Tomáš Krejčí und Stanislav N. Gorb, 1017, Bericht über die Jagdweise der Glattbauchspinnen (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2019.
  5. Beschreibung der Glattbauchspinnen auf der Seite von ednieuw.home.xs4all.nl (Link), abgerufen am 15. Dezember 2019.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Über 400 Arten Europas. Kosmos Naturführer, Kosmos (Franckh-Kosmos), 2. Auflage, 2016, S. 242, ISBN 978-3-440-14895-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Glattbauchspinnen (Gnaphosidae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien