Gołuchów

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Gołuchów
Wappen von Gołuchów
Gołuchów (Polen)
Gołuchów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Pleszew
Geographische Lage: 51° 51′ N, 17° 56′ OKoordinaten: 51° 51′ 0″ N, 17° 56′ 0″ O
Höhe: 120 m n.p.m.
Einwohner: 2178 (10. Jan. 2005)
Postleitzahl: 63-322
Telefonvorwahl: (+48) 62
Kfz-Kennzeichen: PPL
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Posen-Lawica
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 22 Schulzenämter
Fläche: 135,45 km²
Einwohner: 10.445
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 77 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3020052
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Marek Zdunek
Adresse: ul. Lipowa 1
63-322 Gołuchów
Webpräsenz: www.goluchow.pl



Gołuchów [gɔ'wuxuf] (deutsch Goluchow, 1939–1943 Goldenau, 1943–1945 Goldenacker) ist ein Dorf im Westen Polens und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde (gmina wiejska). Sie liegt etwa 100 km südöstlich von Posen und 20 km nordwestlich von Kalisz in der Woiwodschaft Großpolen und gehört dem Powiat Pleszewski an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Funde aus dem Gemeindegebiet weisen auf eine seit 2500 Jahren andauernde, ununterbrochene Besiedlung des Ortes hin. Ab dem 10. Jahrhundert gehört die Gegend zu den Kernlanden Polens unter den Piasten.

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche im Dorf Gołuchów datiert auf das Jahr 1348. Im Jahr 1507 erwirbt das bedeutende Adelsgeschlecht der Leszczyński den Ort, wo Rafał Leszczyński ab 1550 das monumentale Schloss als Residenz und Jagdquartier erbaut. 1555 findet in Gołuchów ein Treffen polnischer Kalvinisten und Böhmischer Brüder statt, die ab dem 17. Jahrhundert in Großpolen Zuflucht vor religiöser Verfolgung suchen.

Blick in den Innenhof von Schloss Gołuchów

Mit der Veräußerung des Schlosses durch die Leszczyński 1695 setzte der vorübergehende Niedergang des Ortes ein. Das Schloss wechselte in den darauffolgenden eineinhalb Jahrhunderten mehrfach den Eigentümer, Gołuchów geriet infolge der Zweiten Teilung Polens 1793 unter preußische Herrschaft und lag ab 1815 unmittelbar an der Grenze zu Russland. 1856 erwarb Graf Tytus Działyński das Schloss als Residenz für seinen Sohn Jan Działyński und dessen Ehefrau Elżbieta Czartoryska (genannt Izabella), die Tochter des Fürsten Adam Jerzy Czartoryski. Im Zusammenhang mit der Emigration von Jan Działyński, der in Großpolen den polnischen Januaraufstand von 1863/1864 finanzierte und organisierte, ging in der Folgezeit das Anwesen in den Besitz der Fürsten Czartoryski über, und Izabella leitete 1875 bis 1885 die grundlegende Restaurierung der Bauten und des Landschaftsparks.

Nach der Wiedererrichtung des polnischen Staates 1918 verblieb das Schloss bis 1945 in Familienbesitz der Czartoryski. Seit 1951 ist das Nationalmuseum Posen Besitzer, als dessen Nebenstelle das Schloss bis heute fungiert.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss inmitten des Landschaftsparks

Hauptsehenswürdigkeit in Gołuchów ist das Ensemble aus Schloss, Museum und Park, das hinsichtlich seiner architektonischen und nationalgeschichtlichen Bedeutung mit ähnlichen historischen Baukomplexen in Großpolen, wie Rogalin, Kórnik, Śmiełów und Rydzyna, vergleichbar ist. Zudem befand sich Gołuchów im Besitz gleich dreier äußerst bedeutender polnischer Adelsgeschlechter.

Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Schloss Gołuchów
Wirtschaftsgebäude des Schlosses

Das Schloss, ein rechtwinkliger Wehrbau mit Ecktürmen, ist eine Anlage aus der Blütezeit der Renaissance und entstand von 1550 bis 1560 unter Federführung von Rafał Leszczyński (Woiwode in Kujawien) als Erweiterung eines bereits zuvor bestehenden Adelssitzes. In den Jahren 1600 bis 1619 fügte dessen Sohn Wacław Leszczyński (Woiwode in Kalisz und polnischer Großkanzler) manieristische Stilelemente hinzu, so etwa die typische Arkadenumsäumung des Innenhofs.

Park[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landschaftspark ist im Wesentlichen eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts. Er wurde nach Vorstellungen von Graf Jan Działyński von dem polnischen Landschaftsarchitekten Adam Kubaszewski entworfen. Die Restaurierung des Schlosses durch Izabella Czartoryska zwischen 1875 und 1885 erfolgte unter Einbeziehung der Parkanlagen auf der Grundlage von angepassten Plänen des französischen Baumeisters Eugène Viollet-le-Duc und des polnischen Architekten Zygmunt Gorgolewski unter Leitung des Franzosen Maurice Auguste Ouradou. Als auffälligste Änderung muss die Öffnung des Innenhofes zum Park hin gelten, wo das Mausoleum für die 1899 verstorbene Izabella Czartoryska zu den Sehenswürdigkeiten zählt. Ferner findet sich dort ein Schaugehege mit Wisenten.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Teil des Nationalmuseums Posen ist das Schloss Besuchern zugänglich. Die Sammlungen umfassen europäische Kunst der Neuzeit sowie antike Schaustücke (insbesondere griechische Vasen) aus dem Besitz der Działyński und Czartoryski, zum Teil aus dem Hôtel Lambert in Paris. Bis 1939 zählte Schloss Gołuchów zu den größten privaten Museen Europas, die Sammlungen konnten während der Annexion durch das Deutsche Reich von 1939 bis 1945 vor den Nationalsozialisten gerettet werden.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde (gmina wiejska) Gołuchów besteht aus dem gleichnamigen Hauptort und den folgenden 19 Ortsteilen mit einem Schulzenamt (solectwo):

Name deutscher Name
(1815–1919)
deutscher Name
(1939-1945)
Bielawy Bielawy Bleichen
Bogusław Boguslaw Bogenau
Bogusławice Boguslawice Kleinbogenau
Borczysko Borczysko vor 1920 Kongreßpolen, 1939–1945 Kreis Kalisch
Cieśle Ciesle Schreinersdorf
Czechel Czechel
1906–1919 Hoffnungstal
Hoffnungstal
Czerminek Czerminek Friedrichseck
Gołuchów Goluchow 1939–1943 Goldenau
1943–1945 Goldenacker
Jedlec Jedlec Falkenhorst
Kajew Kajew Pappelau
Karsy Bismarksdorf Bismarcksdorf
Kościelna Wieś Koscielna Wies Kirchdorf, vor 1920 Kongreßpolen, 1939–1945 Kreis Kalisch
Krzywosądów Krzywosondowo
1907–1919 Kreisau
Kreisau
Kucharki Kucharki
1913–1919 Moltkesruhm
Moltkesruhm
Kuchary Kuchary Grenzdorf
Macew Macew Weide
Pleszówka Pleszowka Plessen
Popówek Popowek Prossen
Szkudła Szkudla
1906–1919 Schkudla
Erlenbruch
Tursko Tursko Türkenfeld
Wszołów Scholow Schlehen
Żychlin Luisenhof Luisenhof

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gołuchów unterhält mit folgenden Gemeinden Partnerschaften:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gołuchów – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.