Kurt Reuber

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Stalingradmadonna von Kurt Reuber, 1942 im Kessel von Stalingrad

Kurt Reuber (* 26. Mai 1906 in Kassel; † 20. Januar 1944 im Kriegsgefangenenlager Jelabuga) war ein deutscher Arzt, evangelischer Pfarrer und bildender Künstler, der durch die Stalingradmadonna bekannt wurde.

Biographie[Bearbeiten]

Gedenkstein für Kurt Reuber auf dem Friedhof der Insel Langeoog

Kurt Reuber wuchs in einem von pietistischer Frömmigkeit geprägten Elternhaus auf. Eine frühe Begegnung mit Albert Schweitzer und eine daraus erwachsene Freundschaft waren wegweisend für sein Leben, durch das ihn auch stets die Malerei begleitete.

Ausbildung Theologie[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1926 studierte er in Bethel, Tübingen und Marburg Theologie. An das Theologiestudium schloss sich 1930 die Vikariatsszeit in Loshausen (Schwalm) und Marburg an. Hier nahm er Kontakt zur Willingshäuser Malerkolonie auf und fertigte erste Ölbilder.

Im Jahre 1933 promovierte Kurt Reuber bei Friedrich Heiler in Marburg mit einer Arbeit zum Thema "Die Mystik in der Heiligungsfrömmigkeit der Gemeinschaftsbewegung" zum Doktor der Theologie.

Ausbildung Medizin[Bearbeiten]

Am 1. April desselben Jahres wurde er Pfarrer in Wichmannshausen im Kreis Eschwege (heute: Werra-Meißner-Kreis), und nahm gleichzeitig ein Medizinstudium in Göttingen auf. Hier promovierte er im Jahre 1938 mit einer Arbeit zum Thema "Die Ethik des heilenden Standes in den Ordnungen des hessischen Medizinalwesens von 1564 bis 1830" zum Doktor der Medizin. 1933 wurde er in die Michaelsbruderschaft aufgenommen.

Truppenarzt[Bearbeiten]

Im Oktober 1939 erhielt Reuber die Einberufung zur Wehrmacht und nahm ab November 1942 als Truppenarzt an der Kesselschlacht von Stalingrad teil. Er operierte zwölf Stunden am Tag. Zwei Tage vor Schließung des Kessels kehrte er vom Heimaturlaub zurück.[1]

Gefangenschaft[Bearbeiten]

Im Januar 1943 geriet er in russische Gefangenschaft und wurde ins Lager für Offiziere nach Jelabuga (heute in Tatarstan) verbracht. Dort kümmerte er sich um seine Mitgefangenen.[2]

Tod in der Gefangenschaft[Bearbeiten]

Am 20. Januar 1944 verstarb Kurt Reuber in Jelabuga an Fleckentyphus.[3] Am 17. Februar 1946 hielt der Pfarrer und Dichter Arno Pötzsch in der Dorfkirche zu Wichmannshausen die Trauerfeier.

Stalingradmadonna[Bearbeiten]

Zum Weihnachtsfest 1942, als die Rote Armee Stalingrad bereits eingeschlossen hatte und die eingekesselten Soldaten gegen Kälte und Hunger um ihr Überleben kämpften, zeichnete Reuber für seine Kameraden mit Kohle auf die Rückseite einer russischen Landkarte die später berühmt gewordene Stalingradmadonna. In einem Bunker in Stalingrad beteten seine Kameraden Weihnachten 1942 vor diesem Bild der Mutter mit Kind. Die Stalingradmadonna, sein Selbstbildnis und etwa 150 weitere Portraits wurden von seinem Kommandeur mit der letzten Maschine aus dem Kessel von Stalingrad nach Deutschland gebracht.[4] Das Original der Madonna von Stalingrad wurde auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens am 26. August 1983 der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin übergeben und ist auf der rechten Seite der Kirche zu sehen. Dort befindet sich als Zeichen der Aussöhnung auch eine Madonna mit Kind in Ikonenform, das von der Kirche in Wolgograd (früher Stalingrad) gestiftet wurde.

Gefangenenmadonna[Bearbeiten]

Zum Weihnachtsfest 1943 entstand im Kriegsgefangenenlager Jelabuga eine zweite Madonna von Kurt Reuber, die für die Lagerzeitung bestimmt war und später den Namen "Gefangenenmadonna" erhielt und die Ängste und geringen Hoffnungen der Lagerhaft widerspiegelte. Dieses Bild der Gefangenenmadonna wurde 1946 von einem entlassenen Soldaten der Familie Reuber überbracht.[5]

Kopien der Stalingradmadonna zur Erinnerung[Bearbeiten]

Reproduktion der Stalingradmadonna als Holzskulptur in der als Friedenkapelle geweihten Marienkapelle in Niedergailbach

Kopien des Madonnenbildes sind heute in zahlreichen Kirchen Deutschlands und einigen Kirchen Europas (unter anderen in der von der deutschen Luftwaffe zerbombten Kathedrale von Coventry) als Zeichen der Versöhnung ausgestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Wiegand: Kurt Reuber. Pfarrer, Arzt und Maler. Monographia Hassiae, Band 21. Verlag Evangelischer Medienverband, Kassel 1998, ISBN 3894779519
  • Ute Tolkmitt (= Tochter von Kurt Reuber), Kurt Reuber, in: Die Stalingrad-Madonna. Das Werk Kurt Reubers als Dokument der Versöhnung, hg. v. Martin Kruse, Hannover, 1996, ISBN 3785906439

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. K.: Madonna von Stalingrad. Informationsblatt der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, ca. 2013.
  2. W. K.: Madonna von Stalingrad. Informationsblatt der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, ca. 2013.
  3. Infotafel in der „Kapelle zum Frieden“ in Meersburg mit Kopie der Stalingradmadonna
  4. W. K.: Madonna von Stalingrad. Informationsblatt der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, ca. 2013.
  5. W. K.: Madonna von Stalingrad. Informationsblatt der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, ca. 2013.