Goldgriffspatha

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Alamannische Goldgriffspatha aus Villingendorf.

Die Goldgriffspatha ist eine Sonderform der Spatha, einem zweischneidigen Hiebschwert, dessen Grifffläche mit Goldblech überzogen ist und das hauptsächlich in fränkisch-alamannischen Gebieten des späten 5. und frühen 6. Jahrhunderts vorkommt.[1]

Diese Prunkschwerter gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Sie bilden keine eigene Formengruppe an sich.[2] Man unterscheidet lediglich vorsichtig zwischen dem fränkischen Typ, westlich des Rheins, die eine Cloisonnéverzierung besitzen sowie dem alamannischen Typ, östlich des Rheins, bei denen die Cloisonnétechnik nicht benutzt wurde. Die dünne Goldauflage des Griffes befindet sich meist nur einseitig auf der Schauseite.[3] Die Klinge der Goldgriffspathen ist etwa 75-110 Zentimeter lang, fünf Zentimeter breit und weist einen geschärften Klingenort (Spitze) auf. Die Griffteile der Goldgriffspathen weisen oft keine Knäufe oder Parierstangen aus Metall auf, diese waren entweder gar nicht vorhanden oder müssen aus leicht vergänglichen Materialien wie Holz oder Bein bestanden haben. Die aufwändig gearbeiteten Scheiden dieser Schwerter waren häufig mit Edelmetallbeschlägen und angehängten Amuletten, so genannten Schwertperlen verziert. Diese Goldgriffspathen dienten nach dem derzeitigen Forschungsstand ausschließlich Repräsentationszwecken und wurden von der Oberschicht getragen oder an nahestehende verdiente Untertanen verliehen.

Die Unterschiede, im späten 5. und frühen 6. Jahrhundert, zwischen Franken und Alamannen lassen sich deutlich anhand von archäologischen Funden erkennen. Die Franken griffen eher spätrömische Traditionen auf, wohingegen die Alamannen eher germanische Traditionen pflegten. Die Goldgriffspatha macht hier aber eine Ausnahme. Sie wurde in der Oberschicht beider Seiten benutzt.[4]

Siehe auch das eine Generation jüngere Ringschwert.

Liste von gefundenen Goldgriffspathen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

f1Georeferenzierung Karte mit allen verlinkten Seiten: OSM, Google

Die Liste der Goldgriffspathen wurde zusammengestellt nach Hermann Aments einführendem Fachartikel zu den Goldgriffspathas im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde.[17] (außer Bräunlingen)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann AmentGoldgriffspatha. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 12, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1998, ISBN 3-11-016227-X, S. 333.
  2. Heiko Steuer: Helm und Ringschwert. Prunkbewaffnung und Rangabzeichen germanischer Krieger. In: Studien zur Sachsenforschung Band 6. 1987, ISSN 0933-4734, S. 216.
  3. Hermann AmentGoldgriffspatha. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 12, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1998, ISBN 3-11-016227-X, S. 334.
  4. Frank Siegmund: Alemannen und Franken. Archäologische Studie zu Ethnien und ihren Siedlungsräumen in der Merowingerzeit. (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 23). de Gruyter, Berlin, New York 2000. S. 574.
  5. Vgl. Kurt Böhner u.a.: Childerich von Tournai. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 4, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1981, ISBN 3-11-006513-4, S. 440–460.
  6. Vgl. Michel Kazanski: Pouan. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 23, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2003, ISBN 3-11-017535-5, S. 325–327. (online)
  7. Vgl. Hermann AmentLavoye. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 18, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2001, ISBN 3-11-016950-9, S. 161–162. (online)
  8. Vgl. Dieter QuastGültlingen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 13, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1999, ISBN 3-11-016315-2, S. 153–154. (online)
  9. Vgl. Dieter QuastGültlingen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 13, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1999, ISBN 3-11-016315-2, S. 153–154. (online)
  10. Vgl. Landesmuseum Württemberg (Hrsg.): LegendäreMeisterWerke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg. Begleitband zur Dauerausstellung. Stuttgart 2012, S. 137.
  11. Vgl. Ursula KochPleidelsheim. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 23, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2003, ISBN 3-11-017535-5, S. 206–207. (online)
  12. Gerhard Fingerlin: Bräunlingen. Ein frühmerowingerzeitlicher Adelssitz an der Römerstraße durch den südlichen Schwarzwald. Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1997 (1998) S. 146–148
  13. Gerhard Fingerlin: Ein alamannischer Adelshof im Tal der Breg. Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar in Donaueschingen, Band 44, 2001, S. 19–29 PDF, 35MB
  14. Vgl. Gudula Zeller: Rommersheim. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 25, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2003, ISBN 3-11-017733-1, S. 323–324. (online)
  15. Vgl. Hermann AmentFlonheim. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 9, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1995, ISBN 3-11-014642-8, S. 231–232. (online)
  16. Vgl. Joachim WernerBlučina. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 3, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1978, ISBN 3-11-006512-6, S. 76–77. (online)
  17. Hermann AmentGoldgriffspatha. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 12, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1998, ISBN 3-11-016227-X, S. 333–335.