Goryeo

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Geschichte Koreas
Prähistorisches Korea
Antike
Proto-Drei-Reiche
Zeit der Drei Reiche
  • Goguryeo (37 v. Chr. – 668 n. Chr.)
  • Baekje (18 v. Chr. – 660 n. Chr.)
  • Silla (57 v. Chr. – 935 n. Chr.)
  • Gaya/Mimana (42/370 – 562 n. Chr.)
Nord- und Südstaaten
Spätere Drei Reiche
Staaten der Reichseinheit
Kolonialzeit
Teilung Koreas
Koreanische Schreibweise
koreanisches Alphabet: 고려
chinesische Schriftzeichen: 高麗
Revidierte Romanisierung: Goryeo
McCune-Reischauer: Koryŏ

Goryeo war der Name eines mittelalterlichen Reichs auf der Koreanischen Halbinsel. Man rechnet die Reichsdauer von 918 bis 1392, auch wenn es bis 936 dauerte, bis Korea in den Grenzen des alten Silla-Reichs ganz wiedervereinigt war. Von „Goryeo“ leitet sich die in den meisten westlichen Sprachen verwendete Bezeichnung „Korea“ ab.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Es erlebte seinen Aufstieg gegen Ende der Periode des „Vereinigten Sillareichs“ (668 bis 935) am Anfang des 10. Jahrhunderts, wobei es sich in der Nachfolge des 668 von Silla unterworfenen Goguryeo sah. Der Niedergang des vereinigten Silla-Reiches war verbunden mit Machtkämpfen um die Vorherrschaft auf der Koreanischen Halbinsel, aus denen das 918 von Wang Geon begründete im Norden liegende Goryeo-Reich mit der Hauptstadt Kaesŏng 936 siegreich hervorging.

Ihr Beginn war gekennzeichnet von Verwaltungsreformen, die weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle stellten und die Macht der Feudalherren einschränkten.

Das Königreich Goryeo wurde 939 vom chinesischen Kaiser als solches anerkannt.[1]

Anfang des 11. Jahrhunderts begann das nördlich benachbarte Liao-Reich der Kitan mit drei Einfällen nach Goryeo. Dabei half den Kitan auch bei der zweiten Invasion eine innenpolitische Krise Goryeos. 1020 unterwarf sich Goryeo der Oberhoheit der Kitan.[1]

Aufgrund diskriminierender Unterordnung der militärischen unter die zivile Verwaltung[2] kam es im Verlauf des 12. Jahrhunderts zu mehreren Rebellionen von Adelsfamilien und Armeeführern gegen den königlichen Hof. 1170 gelang General Choe Chung-hon ein Staatsstreich und die Etablierung eines 60 Jahre dauernden Militärregimes unter seiner Familie, wobei die Macht des Königs stark eingeschränkt wurde.[2]

1231[3] begannen die Angriffe der Mongolen unter Ugedai Khan. Gegen den Einfall der übermächtigen Mongolen führten die Militärdiktatoren der Choe-Familie einen langen Abwehrkampf, bis sie von einer Zivilregierung entmachtet wurden.[2] Bis 1238 eroberten die Mongolen die gesamte Koreanische Halbinsel. Das Königshaus, das sich auf die Insel Ganghwa, westlich von Seoul gelegen, zurückgezogen hatte, kapitulierte erst 1259 und führte danach die Herrschaft in Vasallenschaft der Mongolen fort.

Aufgrund der von den Mongolen erzwungenen Waffenhilfe waren viele Koreaner bei beiden mongolischen Versuchen Japan zu annektieren beteiligt.[3] Als eine Folge der Mongoleninvasionen in Japan brach dort die politische Ordnung zusammen und baute sich nur langsam wieder auf. Durch das Fehlen einer starken Regierungsmacht dort konnten ab 1350 als Folge die sogenannten Wokou, hauptsächlich japanische Piraten, ihre Aktivitäten in größerem Umfang vor der Küste der Koreanischen Halbinsel ausleben. Die Wokou trugen durch die von ihnen verursachten Probleme erheblich zum Fall der Goryeo-Dynastie bei.

Erst mit dem Niedergang der Yuan-Dynastie in China im 14. Jahrhundert gelang es, 1356 die mongolischen Besatzung wieder aufzuheben.[1]

1369 unterwarf sich Goryeo der in China die Yuan-Dynastie ablösenden Ming-Dynastie.[2]

Im Verlauf von inneren Zerwürfnissen und einer Grenzstreitigkeit mit China wandte sich der General Yi Seong-gye gegen den König und begründete schließlich 1392 die Joseon-Dynastie.

Politisches System[Bearbeiten]

Goryeo war eine Monarchie mit dem König an der Staatsspitze. Die herrschende Klasse Koryos bestand aus den ehemaligen Sillaaristokraten und den Provinzführern, aus deren Reihen die Mitglieder der administrativen Versammlung ("Samsong") und des königlichen Sekretariats ("Chungchuwon") gewählt wurden, die gemeinsam den Obersten Staatsrat bildeten.[2]

Verschiedenes[Bearbeiten]

Während der Goryeo-Periode entstanden die Samguk Sagi und Samguk Yusa, die über die Zeit der drei Reiche berichten, sowie die Tripitaka Koreana, eine Sammlung buddhistischer Schriften. Bei der Eroberung Goryeos durch die Mongolen wurde die Tripitaka Koreana zerstört, später aber wieder neu geschaffen.

Ende des 12. Jahrhunderts wurde in Korea der Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden, allerdings, im Gegensatz zum 200 Jahre später von Johannes Gutenberg erfundene Verfahren, ohne Massendruckmöglichkeit.

Eine Mittelschicht gab es in Korea noch nicht; Diese formte sich dort erst während der Joseon-Zeit.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Meyer Lexikon -SW-, elektronische Ausgabe für Office-Bibliothek, Meyers Lexikonverlag, ; Stichwort: "Koreanische Geschichte"
  2. a b c d e Der Große Ploetz: Korea (Anfänge bis 1945), 32. Auflage, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2000, ISBN 3-8155-9484-7, S. 3388 f.
  3. a b Der Brockhaus in Text und Bild 2003 [SW], elektronische Ausgabe für Office-Bibliothek, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, 2003; Artikel: „Korea“
  4. Korea. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 10. Band, S. 632.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Goryeo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien