Gossamer Condor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Gossamer Condor im National Air and Space Museum in Washington, USA
Zeichnung der Gossamer Condor (Farbgebung ähnlich dem Original)
Dreiseitenriss (Flugrichtung nach rechts, Leitwerk vorne)

Die Gossamer Condor war das erste aus einer Reihe von erfolgreichen, muskelkraftbetriebenen Flugzeugen, die von einem Team unter Paul McCready gebaut wurden.

Hiermit wurde am 23. August 1977 der erste Kremer-Preis für andauernden, gesteuerten Flug mit Muskelkraft gewonnen. Bedingung war ein aus eigener Kraft gestarteter Flug mit einem Muskelkraft-Flugzeug in Form einer liegenden Acht um zwei 806 Meter voneinander entfernt stehende Pfähle innerhalb von acht Minuten. Nach dem Start ist ein 3,05 m (10 ft) hohes Hindernis zu überfliegen, das zuletzt auch wieder als Ziel dient.

Bei der Entwicklung des Flugzeuges wurde von ungepfeilten Flügeln mit nur einfachem Folienbelag (oben) ausgegangen und wurden über mehrere Versionen zahlreiche Aufgaben und Probleme gelöst. Zum einen durfte die von einem trainierten Athleten für einen längeren Zeitraum maximal aufbringbare Leistung von 400 Watt nicht überschritten werden. Um mit so geringer Leistung fliegen zu können, benötigte das Flugzeug eine Spannweite von 29 Meter, also mehr als die einer DC-9. Dabei durfte es nicht mehr wiegen als ein Drittel eines üblichen Segelflugzeuges.

Zum anderen zeigte das Profil des Hauptflügels, wie fast alle Profile, ein Drehmoment um die Querachse, das ohne Ausgleich zu einem Absenken der Nase und damit zu einem Absturz geführt hätte.

Normale Flugzeuge kompensieren dieses Drehmoment durch das Höhenleitwerk. Nurflügler brauchen entweder ein Profil mit starkem S-Schlag, oder wie die Hängegleiter eine deutliche Pfeilung, die den äußeren Teil des Flügels wie einen Schwanz wirken lässt. Bei Enten-Flüglern dienen die Entenflügel zur Kompensation des Drehmoments. Der Effizienzvorteil der Entenflügel (vorne liegendes Höhenleitwerk) gegenüber einer konventionellen Konstruktion liegt darin, dass es selbst Auftrieb erzeugt. Ein konventionell hinten liegendes Höhenleitwerk müsste dagegen auf Abtrieb eingestellt sein.

Weiter gab es bei den langen Flächen ein Steuerungsproblem. Querruder oder bewegliche Klappen an den Enden der überlangen Tragflächen erschienen als Steuerung zu problematisch. Die Lösung war das gesteuerte Verdrillen der Enden der Tragflächen über Drahtzug um die Wenden (Turns) zu fliegen.

Paul B. MacCready und Peter Lissaman, beide aus Pasadena, Kalifornien, entwarfen die Gossamer Condor, deren Rumpf aus dünnwandigen Aluminiumrohren aufgebaut war. Die Flügelnase bestand aus Wellpappe und Schaumpolystyrol. Das ganze Flächengerüst war oben und unten mit einem dünnen Belag aus Mylar (Polyesterfolie) versehen. Der Pilot saß in halbliegender Position in der Kabine; beide Hände waren frei, um das Flugzeug zu steuern. Ein mittiger Mast diente der Abspannung der Tragfläche mit Pianodraht (Stahl) nach unten und nach oben. Das Flugzeug mit seinen weit gestreckten Tragflächen wurde ausschließlich für einen Flug mit menschlicher Muskelkraft konstruiert. Diese verhältnismäßig primitive und zerbrechliche Gossamer Condor war das erste wirklich erfolgreich betriebene, manövrierbare, durch Menschenkraft angetriebene Flugzeug.

  • Spannweite 29,25 m (96 ft.)
  • Länge 9,14 m (30 ft.)
  • Höhe 5,49 m (18 ft.)
  • Masse 31,75 kg (70 lb.)

Für den Gewinn des 1. Kremer Preises am 23. August 1977 hob der Radrennfahrer und Ultraleichtpilot Bryan Allen um 7:30 Uhr vom Shafter Airport, Shafter, Kalifornien, ab und landete nach 7 Minuten und 27,5 Sekunden wieder. Dabei flog er eine liegende Acht um zwei Pylonen, die eine halbe Meile auseinander standen, in einer Höhe von drei Metern am Anfang und am Ende. Die Gossamer Condor legte dabei eine Gesamtstrecke von 1,35 Meilen (2,16 km) zurück bei einer Geschwindigkeit von zehn bis elf mph (16 bis 17,6 km/h). Es wurde eine Leistung von ⅓ PS (etwa 245 W) benötigt.

Das Flugzeug befindet sich nach dem Gewinn des 1. Kremer Preises im National Air and Space Museum des Smithsonian Instituts, Washington, D.C.

Die Entwicklung und der Bau des Fliegers wurde 1978 in einer oscarprämierten Kurz-Dokumentation (The Flight of the Gossamer Condor) filmisch aufgearbeitet.

Literatur[Bearbeiten]

  • MacCready, P.B. et al., Gossamer Condor Plans, Aerovironment inc., 1978.
  • MacCready, P.B., Jr., Flight on 0.33 horsepower: The Gossamer Condor., AIAA paper 78-308. AIAA 14th Annual meeting, Washington D.C., February 7–9, 1980.
  • Lissiman, P.B.S., Jex, H.R. and MacCready, P.B. Aerodynamics of Flight at Speeds Under 5m/s, Man-Powered Flight the Channel Crossing and the Future. (London: The Royal Aeronautical Society, February 1979.)
  • M. Grosser, Gossamer Odyssey, Dover Publications, Inc., ISBN 0-486-26645-1, 1981.

Weblinks[Bearbeiten]