Gottlieb Duttweiler Institut

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GDI Gottlieb Duttweiler Institute
GDI-GottliebDuttweilerInstitute-Logo
Rechtsform Stiftung
Gründung 1962
Sitz Rüschlikon ZH, SchweizSchweiz Schweiz
Leitung David Bosshart
Branche Denkfabrik und Veranstaltungsstätte
Website www.gdi.ch

Das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) ist ein Forschungsinstitut mit Sitz in Rüschlikon bei Zürich und als unabhängige Denkfabrik die älteste Denkfabrik der Schweiz.

Sitz des Forschungsinstituts ist in Rüschlikon im Kanton Zürich. Es wurde am 1. September 1963 gegründet. Namens- und Ideengeber ist Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Auf seinem Leitsatz «Der Mensch im Mittelpunkt und nicht das Kapital» basierend, erforscht und diskutiert das GDI Konsum, Handel und Gesellschaft sowie aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen.

Das Institut gehört zur Stiftung «Im Grüene», die vom grössten Schweizer Einzelhandelsunternehmen Migros teilfinanziert wird. Das Institut publiziert seine Forschungsergebnisse in der Vierteljahresschrift «GDI Impuls» sowie in zahlreichen Studien. Es verleiht im mehrjährigen Zyklus den renommierten Gottlieb-Duttweiler-Preis.

GDI Gottlieb Duttweiler Institute 2015
GDI Gottlieb Duttweiler Institute, Umgebung

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisherige Institutsleiter waren:

  • Jørgen Thygesen, Virum/Dänemark (1963–1964)
  • Hans A. Pestalozzi, (1964–1966 interimsweise; 1966–1979 regulär)
  • Jürg Marx (1979–1980 interimsweise)
  • Christian Lutz (1980–1998)
  • David Bosshart (seit 1999)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1946 gründeten Adele und Gottlieb Duttweiler die Stiftung «Im Grüene» die zum Ziel hatte, ein Institut ins Leben zu rufen, welches wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet des Genossenschaftswesens wie auch der Warenvermittlung betreiben könnte. Sie wollten Veranstaltungen, Kurse und Versammlungen fördern, welche als Brücken von Mensch zu Mensch und Land zu Land verstanden werden sollten.

Den «Grundstein» legte Gottlieb Duttweiler aber erst 1962, kurz vor seinem Tod. Dieses unabhängige Forschungsinstitut für wirtschaftliche und soziale Studien wurde im Park «Im Grüene», dem ehemaligen Wohnsitz des Gründers, errichtet. Seine Vision der Vernetzung von Wirtschaft und Gesellschaft, die grosse Neugierde wie auch sein sozialpolitisches Gedankengut bilden bis heute die Basis, auf welcher das GDI seine Aktivitäten aufbaut.

Hans A. Pestalozzi leitete das Institut 15 Jahre. Seine sozialkritischen Gedanken führten 1979 zur fristlosen Entlassung. [1][2]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut betreibt nach eigenen Angaben unabhängige Forschung. Das Institut will damit queres und unkonventionelles Denken fördern, um daraus wegweisende Ideen und Konzepte entstehen zu lassen. Das Institut will ein Ort der Begegnung sein und Raum für kühne Ideen und grenzüberschreitende Kommunikation schaffen.

Durch seine Vernetzung sieht sich das Institut als weltweite Wissensplattform. Es werden wirtschaftliche wie auch gesellschaftliche Themen erforscht, diskutiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Tätigkeitsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut konzentriert sich als Ort der Begegnung und des Wissens auf vier Schwerpunkte: Es ist Forschungsstätte und innovativer Think-Tank, veröffentlicht seine Ergebnisse in Studien und in der Vierteljahresschrift „GDI IMPULS“, organisiert Fachtagungen und Referate und steht einer breiten Öffentlichkeit als Konferenz- und Veranstaltungsort zur Verfügung.

Das Institut treffen sich regelmässig Experten und Expertinnen aus Wirtschaft und Gesellschaft, um Trends und kommende Veränderungen zu diskutieren. Weitere Gefässe des Austauschs sind Fachveranstaltungen in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und Universitäten sowie Abendanlässe zu gesellschaftspolitischen Themen.

Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahren waren die thematischen Schwerpunkte vor allem in diesen vier Bereichen angesiedelt:

  • Innovationen im Handel und Dienstleistungsbereich
  • Trends und Analysen der Food-Industrie
  • Marketing-Innovationen und -Trends
  • Gesellschaftlicher Wandel und Konsumtrends

Das Institut hat zahlreiche Entwicklungen von Wirtschaft und Gesellschaft bereits frühzeitig thematisiert. So beschäftigte es sich schon 1964 mit «der Einführung des Abendverkaufs». 1974 machte man sich zu biologischem Landbau Gedanken, 1986 war die «Gentechnologie» ein grosses Thema, und im Jahr 2000 die «Europäisierung der Gastronomie». Die immer älter werdende Gesellschaft wurde 2005 in der Studie «Generation Gold» analysiert. Sie zeigte, wie sich Werte und Einstellungen einer immer älter werdenden Gesellschaft verändern, welcher Lebensstil gepflegt wird und was die «Generation Gold» glücklich macht. Die GDI-Impuls Winterausgabe 2007 befasste sich mit der Professionalisierung der Zukunftsbranche und untersuchte, welche Navigationshilfen die Forscher und Trendagenturen für die Wirtschaft bereithalten. 2008 befasste sich das Institut mit dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel. In diesem Kontext warnte Stefan Kaiser, Chefredakteur des DU-Magazins vor der Trojanischen Ökonomie, untersuchte die wichtigsten Felder dieser Entwicklung und zeigte Konsequenzen und Auswege aus der allgegenwärtigen Trojanisierung.

Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preisverleihung an Jimmy Wales am 26. Januar 2011 im GDI

Der Gottlieb-Duttweiler-Preis ehrt Persönlichkeiten, die sich durch hervorragende Leistungen zum Wohle der Allgemeinheit verdient machen und sich durch Mut, Hartnäckigkeit, Engagement und erfolgreiches Einleiten und Umsetzen von nachhaltigen Veränderungen auszeichnen. Der Preis ist mit 100'000 Franken dotiert.

Grosse Resonanz fand 1990 die «Gefängnisrede», die der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt anlässlich der Verleihung des Preises an den damaligen tschechoslowakischen Präsidenten Václav Havel hielt.[3]

Bisherige Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1970: Fritz Bramstedt, Würzburg; Ernährungswissenschaftler, „Kampf“ gegen Karies
  • 1972: Egon Kodicek, Cambridge; Ernährungswissenschaftler
  • 1975: Paul Fabri; Ernährungswissenschaftler, Kampf gegen Übergewicht
  • 1988: Lisbeth und Robert Schläpfer (Unternehmer), St. Gallen; Unternehmer Textilbranche
  • 1990: Václav Havel; Präsident der Tschechoslowakei
  • 1993: Esther Afua Ocloo, Ghana; Unternehmerin und Ernährungswissenschafterin
  • 1998: Roger Schawinski, Zürich; Journalist, Medienpionier
  • 2004: Joschka Fischer; Aussenminister der BR Deutschland
  • 2008: Kofi Annan; UNO-Generalsekretär, Friedensnobelpreisträger
  • 2011: Jimmy Wales; Mitgründer der Wikipedia[4]
  • 2013: Ernst Fehr, Zürich; Wirtschaftswissenschaftler[5]
  • 2015: Tim Berners-Lee; Entwickler des World Wide Web[6]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut führt eine Reihe von regelmässig wiederkehrenden Veranstaltungen durch. Dazu gehören die «Internationale Handelstagung», der «Europäische Trendtag», der «European Foodservice Summit» sowie die Eventzyklen «Food for Thought» und «at GDI».

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gottlieb Duttweiler Institut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vortrag von Pestalozzi auf einer interkantonalen Lehrertagung in Solothurn
  2. Vortrag von Pestalozzi in Auf die Bäume ihr Affen abgedruckt
  3. Friedrich Dürrenmatt: Die Schweiz – ein Gefängnis. Rede auf Václav Havel, mit einem Gespräch des Autors mit Michael Haller sowie einer Rede von Adolf Ogi, Diogenes-Taschenbuch 22 952, Zürich 1997, ISBN 3-257-22952-6.
  4. Jimmy Wales erhält Gottlieb Duttweiler Preis 2011. In: presseportal.ch 8. Oktober 2010.
  5. GDI-Medienmitteilung vom 1. Oktober 2012
  6. GDI-Medienmitteilung vom 3. Dezember 2014

Koordinaten: 47° 18′ 8″ N, 8° 33′ 8″ O; CH1903: 684216 / 239635