Gregor der Erleuchter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gregor der Erleuchter
Gregor der Erleuchter, byzantinisches Mosaik aus dem 14. Jahrhundert in der Pammakaristos-Kirche in Istanbul

Gregor der Erleuchter, auch Gregor der Illuminator (armenisch Գրիգոր Լուսաւորիչ, translit. Grigor Lusavorich, altgriechisch Γρηγόριος Φωστήρ Gregorios Phoster oder Φωτιστής Photistés; * vermutlich um 240; † um 331), ist ein Heiliger (Fest: 30. September) und der Apostel Armeniens. Er machte das Christentum zur Staatsreligion Armeniens und war der erste Katholikos, das heißt, Oberhaupt der Armenischen Apostolischen Kirche.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gregor der Erleuchter war nach armenischer Überlieferung Sohn des Parthers Anak Suren-Pahlav. Das Haus Suren-Pahlav war eine entfernte Seitenlinie des Fürstenhauses der Arsakiden, dessen Hauptlinie von 247 v. Chr. bis 224 n. Chr. das Perserreich als Großkönige regierte und dessen Nebenlinie von 54 n. Chr. bis 428 n. Chr. als Könige Großarmenien beherrschte.[1] Anak soll der Tradition nach − im Auftrag seines Herren, des sassanidischen Königs der Könige Schapur I. (240–270/72) des Perserreiches, der seine Macht auf Armenien ausweiten wollte, seinen Verwandten, den König von Großarmenien, Chosroes II. Medz (Tiridates II.) aus dem Haus der Arsakiden um 252 ermordet haben.[2]

Zur Strafe wurde Anak und seine Familie ausgerottet, wobei sich nur zwei seiner Söhne, darunter Gregor, retten konnten.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gregor wurde von seinen Erziehern nach Caesarea in Kappadokien, dem heutigen Kayseri in der Türkei, gebracht und dort von einem Priester Phirmilianos (Euthalius) christlich erzogen.

Dem unter dem Namen Agathangelos auftretenden armenischen Geschichtsschreiber zufolge wurde Gregor, nachdem Trdat III., der Sohn von König Chosrau II. 286 n. Chr. (tatsächlich erst 298 n. Chr.) an der Spitze einer römischen Armee sein väterliches Reich Armenien wiedererobert hatte, von diesem gemartert und verurteilt, da er sich weigerte, der zoroastrischen Göttin Anahita zu opfern. Daraufhin wurde er, der Überlieferung nach im späteren Kloster Khor Virap in der Ararat-Ebene, in eine Grube gesperrt, um den Tod zu erwarten. Aus dieser Grube wurde er nach 13 Jahren befreit, um den kranken König Trdat zu heilen und zu bekehren.

314 wurde Gregor von Leontius von Cäsarea zum Bischof geweiht und von Petros von Sebasteia eingesetzt. Er taufte Trdat, dessen Familie, die armenischen Fürsten und die abhängigen Könige von Georgien. Armenien wurde dadurch zum ersten christlichen Staat der Welt. Nach der Tradition wurde mit Trdats Bekehrung, die nach der Legende auf das Jahr 301 datiert wird, die Armenische Apostolische Kirche begründet.[4]

Gregor zerstörte zahlreiche heidnische Tempel im ganzen Land, angefangen mit Aschtischat, wo er die erste armenische Kirche errichtete. Nachdem er das Christentum in Armenien gefestigt hatte, zog sich Gregor in die Einsamkeit, zuletzt in eine Höhle am Fuß des Bergs Sebuh in Westarmenien (heute Köhnem Dağı bei Erzincan) zurück, wo er um 331 n. Chr. starb. Später siedelte sich in den Höhlen eine Gemeinschaft von Eremiten an. An die Spitze der armenischen Kirche trat der Sohn Gregors, der heilige Aristakes, der auch am Konzil von Nicäa beteiligt war. Bis zu Sahak († 439 n. Chr.) blieb das Amt des Katholikos von Armenien in seiner Familie erblich.

Die Gregor dem Erleuchter zugeschriebenen Reden und Lehren[5] sind nicht authentisch.

Ehe und Kinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gregor heiratete in seiner Jugend eine fromme christliche Frau namens Mariam, die seinen christlichen Glauben vertiefte. Gregor und Mariam hatten mindestens zwei Söhne:[6]

  • Vartanes I., Katholikos der Armenischen Apostolischen Kirche (333–341)
  • Aristakes I., Katholikos der Armenischen Apostolischen Kirche (325–333)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Geschichte des Hauses Suren-Pahlav siehe Cyril Toumanoff: Studies in Christian Caucasian History. Georgetown 1963
  2. René Grousset: Histoire de l’Arménie. Payot, Paris 1973 S. 114, 122; Catholic Encyclopedia: Gregory the Illuminator. Die Chronologie der armenischen Könige des 3. Jahrhunderts ist umstritten, weil die Hauptquelle, die romanhafte Geschichte des Agathangelos in mehreren unterschiedlichen Rezensionen und in verschiedenen Sprachen überliefert ist und dadurch sowohl Namen (etwa Chosrau und Trdat) als auch Jahreszahlen vermischt wurden, wodurch sich – je nach benutzter Quelle – z. T. erhebliche Abweichungen ergeben.
  3. Christian Settipani: Nos Ancetres de l’Antiquité. Editions Christian, Paris, S. 54
  4. Elisabeth Bauer: Armenien: Geschichte und Gegenwart. Reich Verlag, Luzern 1977, ISBN 3-7243-0146-4.
  5. Yatschachapatum; Johann Michael Schmid [Übers.]: Reden und Lehren des heiligen Gregorius des Erleuchters. Manz, Regensburg 1872 (online)
  6. Christian Settipani: Nos Ancetres de l’Antiquité. Editions Christian, Paris, S. 55

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gregor der Erleuchter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
VorgängerAmtNachfolger
?Katholikos der Armenischen Apostolischen Kirche
301-325
Aristakes I.