Grigori Michailowitsch Rodtschenkow

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Grigori Michailowitsch Rodtschenkow (russisch Григорий Михайлович Родченков; * 24. Oktober 1958 in Moskau, RSFSR) ist ein ehemaliger Direktor eines Moskauer Laboratoriums, dem Anti-Doping-Zentrum, das von der Welt-Anti-Doping-Agentur im November 2015 suspendiert wurde.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rodtschenkow wurde 2006 Leiter eines Moskauer Laboratoriums, dem Anti-Doping-Zentrum. Gegen ihn und seine Schwester, die Läuferin Marina Rodtschenkow, wurde im Jahr 2011 wegen illegalen Verkaufs von Drogen ermittelt. Laut Behauptung des staatlichen Propagandasenders 360tv wurde Grigori Rodtschenkow im März 2011 nach einem Selbstmordversuch ins Krankenhaus eingeliefert; vor Gericht wurde eine schizotypische Persönlichkeitsstörung geltend gemacht, die durch Stress verschärft werde. Vorwürfe gegen ihn wurden schließlich fallen gelassen, aber seine Schwester wurde verurteilt und zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt.[1]

Der britische Journalist Nick Harris sagte, dass er (Harris) das Internationale Olympische Komitee mit Vorwürfen gegen das Laboratorium Anfang Juli 2013 kontaktiert habe. Im November 2015 wurde das Laboratorium von der World Anti-Doping Agency (WADA) suspendiert. Es folgte ein Bericht, der behauptet, dass es staatlich gefördertes Doping in Russland gebe.[2] Da er um sein Leben fürchtete, floh Rodtschenkow in die Vereinigten Staaten.[3]

Rodtschenkow diskutierte über das Doping während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi mit dem Whistleblower Vitaly Stepanov, der 15 Stunden ihrer Gespräche ohne Rodtschenkows Wissen aufnahm.[3] Rodtschenkow behauptete auch in einem Interview mit der New York Times, dass der FSB an der Vertuschung von positiven Dopingproben beteiligt gewesen sei.[2] Im Juli 2016 berichtete der McLaren-Report, eine unabhängige Untersuchung, die von der WADA beauftragt wurde, nach der Durchführung von Zeugengesprächen, Untersuchung tausender Dokumente, die Cyberanalyse von Festplatten, die forensische Analyse von Urinprobenerfassungsflaschen und die Laboranalyse einzelner Athletenproben, über belastende Beweise gegenüber Russland und bestätigte Rodtschenkows Angaben.

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Olympischen Spielen in Sotschi erhielt Rodtschenkow den Orden der Freundschaft, angeblich von Wladimir Putin,[2] in Wirklichkeit wurde ihm dieser Orden am 30. Januar 2015 vom stellvertretenden Sportminister Pawel Kolobkow überreicht.[4] Im Jahr 2016, nachdem die Doping-Vorwürfe weithin gemeldet wurden, nannte Putin Rodtschenkow einen „Mann mit einem skandalösen Ruf“.[5]

Dokumentarfilm Ikarus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rodtschenkow wurde im Jahr 2017 im Netflix-Dokumentarfilm Ikarus unter der Regie von Bryan Fogel vorgestellt. Darin beschreibt Rodtschenkow seine Beteiligung an einer Verschwörung, um russischen Athleten zu helfen, einen negativen Doping-Tests bei den Olympischen Spielen zu erreichen.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Doctor who has accused Russia in doping was treated in mental hospital, 360tv. 12. März 2016. 
  2. a b c Rebecca R. Ruiz: Russian Insider Says State-Run Doping Fueled Olympic Gold. In: The New York Times, 12. Mai 2016. 
  3. a b Armen Keteyian: Russian doping at Sochi Winter Olympics exposed. In: 60 Minutes / CBS News, 8. Mai 2016. 
  4. tass.ru: Юрист: Григорий Родченков может лишиться ордена Дружбы только через суд. Информационное агентство России. 11. Juli 2016, abgerufen am 22. August 2016.
  5. Russian doping: Who is whistleblower Grigory Rodchenkov?. In: BBC News, 19. Juli 2016. 
  6. Patrick Ryan: Netflix’s wild documentary 'Icarus' exposes Russian doping scandal. Abgerufen am 5. August 2017.