Groupe Islamique Armé

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GIA (ar. الجماعة الإسلامية المسلّحة, fr. le Groupe Islamique Armé, sp. el Grupo Islámico Armado) ist eine insbesondere in den 1990er-Jahren in der französischsprachigen Öffentlichkeit verwendete Bezeichnung, unter der islamistische Gruppierungen zusammengefasst wurden, die im Rahmen des algerischen Bürgerkriegs Gewalt- und Greueltaten verübten. Die GIA betätigte sich ab 1993 bis 2005 auf algerischem Boden und seit Ende 1994 auch auf französischem. Unter anderem im Zuge dessen legten westliche Nachrichtendienste ein europäisches Netz aus Zellen radikaler Islamisten frei.

Zu ersten Unruhen in Algerien kam es im Januar 1992, nachdem die dortige Militärjunta, um die ersten freien algerischen Parlamentswahlen annullieren zu können, das Kriegsrecht verhängt hatte. Die als sicher geltende Machterlangung der Islamischen Heilsfront war dem Apparat unerwünscht. Im April 1992 kam der algerische Präsident Boudiaf bei einem islamistisch motivierten Attentat ums Leben. Allmählich entstand aus den Unruhen ein mehrfrontiger Bürgerkrieg.

Organisationsform und Verortung[Bearbeiten]

Die GIA galt als theozentristische, transnational operierende Gruppierung, die sich aus zahlreichen Untergruppen zusammensetzte. Sie standen in loser Verbindung zueinander, wurden aber mittels gemeinsamer Ideologie bzw. Doktrin zusammengehalten. Innerhalb der Untergruppen entwickelten sich dennoch Einzelinteressen, in deren Folge zwischengrüppliche Konflikte keimten. Die erklärten Gegner der GIA waren die algerische Militärjunta samt deren Zielen, Regierungskollaborateure und Regierungssympathisanten, überdies weltoffene Akademiker und Künstler, ferner Angehörige der Berberstämme und fernst nicht minder ausländische Regime, die den jeweiligen algerischen Präsidenten stützten. Ihre Gefolgschaft rekrutierte die GIA in städtischen Ballungszentren Algeriens. Zudem umwarb sie in Paris jugendliche Migranten, deren Wurzeln in nordafrikanische Länder reichten. Rekruten aus Paris wurden nach Afghanistan und Pakistan gesandt, um sie in den dortigen Militärlagern zu Mudschaheddinen auszubilden. Teilweise erfolgten Geldzahlungen, teilweise wurden die Rekruten nach mafiöser Gangart erpresst. In den Jahren um 1994 bis 1999 belief sich die absolute Gruppenstärke der GIA auf geschätzte 700 bis 2.500 Mann. Die Anzahl der Helfer und Helfershelfer lag zwischen geschätzten 5.000 bis 6.000 Personen. Jene Bezifferungen stehen auf tönernen Füßen, so Quelle Richard Chasdi.[1] [2][3][4][5][6]

Wirtschaft Algeriens & Ideelle Hintergründe[Bearbeiten]

Die Rentenökonomie Algeriens wurde hauptsächlich von Erdgas- und Ölexporten getragen. Eigentlich wegen jahrzehntelanger Miss- und Vetternwirtschaft, schlussendlich aber im Schatten der Wirtschaftskrise Ende der 1980er hatten insbesondere weite Teile der jugendlichen algerischen Bevölkerung unter den Folgen der schon länger währenden Massenarbeitslosigkeit zu leiden. Gefallene Ölausfuhrpreise und gestiegene Lebensmitteleinfuhrpreise bedingten landesweite Verelendung. Ausweglosigkeit, die der Begründung bedurfte, stiftete Unfrieden:[7][8][9]

„In der [...] Not erfreuten sich islamische Einrichtungen wachsenden Zulaufs. Sie übernahmen anstelle der maroden staatlichen Dienste öffentliche Aufgaben in Bereichen wie Erziehung und Gesundheitsversorgung.“

Die Islamisten vertraten die Auffassung, der Laizismus samt dessen Pluralität und Permissivität führe zum Sittenverfall, mithin zur Begünstigung öffentlicher Unordnung. Allein auf Grundlage religiöser Ordnung sei erneute öffentliche Ordnung herzustellen. So konfligierten zwei Existenzphilosophien miteinander, deren Gegensätzlichkeit die algerische Kulturidentität vermeintlich zu untergraben drohte und mithin zwischen den Oppositionen zu militantem Fanatismus und Obskurantismus führte. Historisch bedingte antikolonialistische Ressentiments, die sich gegen Frankreich und die französische Sprache richteten, und der kulturelle Einfluss der Berberstämme leisteten den Konflikten in Algerien weiteren Vorschub. Nationalistisches wie rassistisches Denken setzten weitere Zerstörungskräfte frei.[10] [11] [12] [13] [14]

Mit Eingriff des IWF und mit Beistand europäischer Länder erholte sich die algerische Wirtschaft erst seit 1995 allmählich.[15]

Nachzeichnung der Ereignisse mit GIA-Bezug[Bearbeiten]

Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Entstehung der GIA, Zusammenfassung erster allgemeiner Bürgerkriegshandlungen, etwaig narrative Eindrücke der Greueltaten

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Im Verlauf des algerischen Bürgerkriegs kam es auch in Großstadtvierteln Frankreichs bereits 1993 zu Unruhen. Vermehrt sahen sich französische Behörden veranlasst, entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Anfang August 1994 zum Beispiel griffen GIA-Mitglieder eine Wohnanlage in Algerien an, in der französische Gendarme und Konsularangestellte untergebracht waren. Binnen weniger Tage führte die Gendarmerie zehntausende Ausweiskontrollen und Razzien in Ballungszentren Frankreichs durch. Im Zuge der Ermittlungen wurden 19 Verdächtige festgenommen und kurz darauf nach Burkina-Faso ausgewiesen. Der teils rigorose Durchgriff der Behörden war unter französischen Parlamentariern durchaus umstritten. Man monierte mangelnde Rechtsstaatlichkeit.[16] [17]

Mitte Dezember 1994 kaperten GIA-Mitglieder auf dem Flughafen Algiers eine Maschine der Air France des Fluges 8969. Bei den Passagieren handelte es sich mehrenteils um französische Staatsbürger, die ihre Rückreise nach Paris antreten wollten. Der algerische Krisenstab ließ Sonderkommandos anrücken und hinderte die Entführer etliche Stunden am Abflug. Auf nachdrückliches diplomatisches Drängen der Regierung Frankreichs hin erteilte die Regierung Algeriens den Entführern widerwillig Starterlaubnis. Da sich das Stromaggregat der Maschine schon auf algerischem Boden in mehrstündigem Betrieb befand und erkleckliche Mengen Kerosin verbraucht hatte, mussten die Piloten zur Betankung in Marseille zwischenlanden. Während der Verhandlungen mit den Entführern gelangte der französische Krisenstab zur Überzeugung, dass sich die Maschine keinesfalls erneut zu Lüften erheben dürfe. Schließlich überwältigte ein Trupp der GIGN die Entführer. Das Ereignis führte in Algerien zu Vergeltungsaktionen auf Seiten radikaler Islamisten.[18] [19]

Im italienischen Sant'Egidio fand Anfang 1995 ein Friedensgipfel zwischen algerischen politischen Parteien und verschiedenen Interessenverbänden statt. Weder Abgesandte der algerischen Regierung noch welche der GIA waren im Verhandlungskreis vertreten. Gleichwohl schien das Angebot durch, dass die GIA künftig von Greueltaten absehe, sodenn ihr die algerische Regierung ein politisches Forum gewähre. Unter den Mitgliedern der beim Gipfel vertretenen Islamischen Heilstfront befanden sich einige ursprüngliche GIA-Angehörige; und im Laufe der Jahre waren weitere Islamisten von der Heilsfront zur GIA übergelaufen. Jene Überläufer waren arabische Afghanen, die bereits in den 1980ern Sowjettruppen in Afghanistan bekämpft und das Regime prosowjetischer Najibullah in Kabul erfolgreich gestürzt hatten. Wiederholt gelang es dem algerischen Geheimdienst, die GIA zu unterwandern und arabische Afghanen gezielt zur Strecke zu bringen. Die Überläufer waren scheinbar kurzsichtig oder politisch naiv, so Quelle Richard Chasdi.[20] [21] [22] [23]

Am 12. Juni 1995 wurde der Prediger Abdelbaki Sahraoui, einstiger Mitgründer der Heilsfront, Opfer eines Attentats in Paris. In der Stadt ereigneten sich in der Folge eine Reihe Anschläge, die der GIA zur Last gelegt wurden.[24]

  • In der letzten Juniwoche 1995 forderte eine Bombenexplosion in der Métro Saint-Michel sieben Menschenleben. Zirka 90 Menschen wurden verletzt.
  • Rund 20 Menschen wurden am 17. August 1995 durch eine Detonation nahe dem Triumphbogen verletzt.
  • Am 3. September ereignete sich eine weitere Detonation. 4 Menschen wurden verletzt.
  • Am 6. Oktober barst in der Métro Maison Blanche eine Gasflasche. 13 Menschen wurden verletzt.
  • Am 17. Oktober detoniert ein Sprengsatz auf einer Linie der Schnellbahn RER; in der Folge kamen 29 Personen zu Schaden.
  • Manche Attentatsversuche schlugen fehl.

Zu jenen Zeiten gingen bei den französischen Behörden rund 1400 Bombenalarme ein, und die Gendarmerie führte über eine Million Passkontrollen durch. Parkplätze vor mutmaßlich gefährdeten öffentlichen Einrichtungen waren längere Zeit gesperrt. Hintergründe des Plan Vigipirate geben weitere Aufschlüsse.[25] [26]

Mitte Juni 1995 nahm die Gendarmerie zahlreiche Hausdurchsuchungen in Ballungsräumen verschiedener Städte Frankreichs vor. Der Durchgriff richtete sich gegen Angehörige der GIA und Angehörige der Islamischen Heilsfront. Etwa 140 Personen wurden in Gewahrsam genommen; und die Ermittler konfiszierten Waffen, Geld sowie Reisepässe. Unter den Festgenommenen befand sich Mohamed Skah, Führer der tunesischen Heilsfront. Bei ihm wurden knapp eine Million Francs im Werte von rund 200.000 US-Dollar sichergestellt. 31 der Gefangenen wurden wieder auf freien Fuß gesetzt, gegen 76 wurde Anklage erhoben. Die Ermittler stießen auf Unterlagen, die Schleusungen via Großbritannien und Deutschland belegten.[27]

Im Frühjahr 1996 starben in Algerien bei einem Gewaltakt sieben kriegsunbeteiligte Trappistenmönche. Der regierungsnahen algerischen Presse war kurz darauf zu entnehmen, dass die GIA für die Tode verantwortlich gewesen sei. Erst 2009, im Zuge einer Gerichtsverhandlung, die Hinterbliebene angestrebt hatten, gab ein ehemaliger Militärattaché Frankreichs namens Buchwalter zu Protokoll, er habe einige Wochen nach den Mönchstoden Mitteilung erhalten, die algerische Luftwaffe hätte versehentliche Kollateralschäden zu verzeichnen gehabt; und im Nachhinein hätten die Verantwortlichen Verdunklungsversuche unternommen. Die Offenlegung der Verschlusssachen geht auf einen Vorstoß Sarkozys zurück. Vormals lautete die Regierungsversion, die Trappisten wären entführt und später enthauptet worden.[28] [29]

Am 25. Juni 1998 verlor Matoub Lounès, ein in Frankreich ansässiger, kabylesisch-algerischer Sänger, bei einem Attentat sein Leben. Weil er Formalitäten zu erledigen hatte und die algerischen Amtsstuben keine Entgegenkunft zeigten, reiste Lounès von Frankreich nach Algerien, um vor Ort Klärung herbeizuführen. Kurz nach Ankunft in seiner Heimatstadt wurde er niedergeschossen. Die algerische Regierung schrieb der GIA die Verantwortung zu. Zahlreiche Zeugenaussagen, Tathergang und Indizienlage stehen mit offiziellen Verlautbarungen jedoch in Missklang. Schon 1994 solle Lounès in die Fänge der GIA geraten sein. Nach sieben Tagen der Entführung und nach umgreifendem Protest der Kabylen sei er wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Lounès äußerte sich wiederholt regime- wie gesellschaftskritisch und verarbeitete seine Umtriebe künstlerisch. Stets trat er für eine pluralistische Gesellschaftsordnung ein.[30][31] [32]

Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaften 1998 unternahmen Frankreich und weitere EU-Länder großangelegte Anstrengungen, um radikalen Islamisten in Europa das Handwerk zu legen. Bei einer Razzia in Belgien etwa stellten Polizisten Sprengsätze, Handfeuerwaffen und gefälschte Reisepapiere sicher. Zehn mutmaßlich der GIA angehörige Verdächtige wurden festgenommen.[33][34] Derweil trat ein Netz zutage: ,,Die GIA [betreibt] Zellen in Paris und anderen europäischen Hauptstädten, darunter Berlin und London.´´[35] Die Lage in Algerien wurde folgendermaßen umschrieben: ,,Inzwischen stehen vor den Abrechnungen [heilige Flugblätter], die munter via Internet verbreitet werden, und in den [religiösen Wohlfahrtsorganisationen] wird Kopfgeld ausgesetzt.´´[36]

1998 ging aus der GIA die Salafistengruppe für Predigt und Kampf mit rund 700 Mann hervor. Jene Salafisten vernetzten sich Anfang 2007 mit al-Qaida und schlossen mit weiteren nordafrikanischen Islamisten einen Bund, der in der AQIM, al-Qaida in Maghreb, aufging. Deren Einflussspähre reicht bis Spanien, Frankreich und bis Mittelafrika hinein (Stand 2012).[37] [38]

Algerische Sicherheitskräfte verhafteten im April 2005 den GIA-Führer Boulenouar Oukil sowie den GIA-Funktionär Mohammed Hama. Beide hielten sich in einem Gebirgslager südlich Algiers versteckt. Die Behörden hatten ihre Ermittlungsmühen intensivieren müssen, als Oukil Anfang April nahe Larba eine fingierte Straßensperre errichtete und herannahende Autofahrer wahllos niederschoss. 14 Menschen kamen dabei ums Leben. Zu der Zeit belief sich die Zahl der GIA-Gefolgschafter auf kaum noch 50 Mann.[39] [40]

Im Rahmen eines Amnestieprogramms der algerischen Regierung wurde der einstige GIA-Gründer Abdelhak Layada im März 2006 aus langjähriger Haft entlassen - und neben ihm 2.200 vormalige radikale Islamisten sowie 37.800 weitere Gefangene. Zusätzliche Geldzahlungen seitens der Regierung sollten den Haftentlassenen die Resozialisierung erleichtern. Nach Layadas damaligen Worten brächen erneute Gewaltstürme los, würde die Amnestie nur halbherzig umgesetzt; und ohne langfristige politische Lösungen verheilten alte Wunden nicht. Zwar betrübten ihn die Greueltaten der GIA, doch schon im frühen Bürgerkriegsverlauf habe er keinerlei Einfluss mehr auf deren Verirrungen nehmen können.[41] Im März 2009 sagte Layada gegenüber der Agentur Reuters, dass die undemokratische Politik des Präsidenten Bouteflika Gefahr berge. Gleichwohl erkenne er die Regierung Bouteflikas an.[42] [43]

Verfassungsschutzbericht 1996 zur GIA[Bearbeiten]

Der Verfassungsschutz unter Innenminister Manfred Kanther stellt im Verfassungsschutzbericht 1996 einen Zusammenhang zwischen islamistischen Aktivitäten und der deutschen inneren Sicherheit her.[44]

Verfassungsschutz beziffert Menge Verdächtiger in Deutschland:[45]

„Von den in Deutschland lebenden etwa 18.000 algerischen Staatsangehörigen setzen sich etwa 200 erkennbar für die Ziele einer der beiden algerischen islamistischen Gruppierugen Islamische Heilsfront (FIS) sowie Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) ein. [...] Die meisten stehen der in Algerien seit 1992 verbotenen FIS nahe.“

Die Struktur der GIA ist im Umbruch begriffen:[46]

„Der bewaffnete Arm der FIS, [nämlich] die Islamische Heilsarmee (AIS), und die zum Teil mit der FIS rivalisierende GIA verfolgen das Ziel, [den Staatsapparat Algeriens zu beseitigen und] einen islamistischen Staat zu errichten. Nach dem Tod ihres Führers Djamel Zitouni [...] steht die GIA vor einer Zersplitterung. Viele GIA-Mitglieder trugen die Eliminierungspolitik Zitounis gegenüber politischen Gegnern und Dissidenten in den eigenen Reihen nicht mehr mit; es kam zu Abspaltungen.“

Islamisten und deren Bewegungen werden in Deutschland überwacht:[47]

„Der FIS ist seit einiger Zeit bemüht, sich in Deutschland zu organisieren. So fanden in verschiedenen Städten des Bundesgebiets Versammlungen statt, bei denen aus Belgien angereiste FIS-Vertreter als Hauptredner auftraten. Sie riefen die Versammlungsteilnehmer (neben Algeriern auch andere Nordafrikaner sowie gelegentlich Ägypter und Palästinenser) zwar immer wieder zur Unterstützung des Kampfes der FIS bzw. AIS auf, distanzierten sich jedoch zugleich von den [Greueltaten] der GIA gegen die algerische Zivilbevölkerung.“

Helfer und Helfershelfer mit Verbindungen nach Algerien blicken Verfahren in Deutschland entgegen:[48]

„In dem 1995 eingeleiteten Ermittlungsverfahren gegen insgesamt zehn Personen, die mutmaßlich [mit] Beschaffung und Transport von Waffen und anderem logistischen Material zur Unterstützung der islamistischen Gruppen in Algerien [befasst] waren, hat der Generalbundesanwalt in vier Fällen Anklage wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung (§ 129 StGB) erhoben. Das Strafverfahren gegen diese vier Personen, darunter auch zwei Söhne des FIS-Gründers Abbassi Madani, [fand ...] vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf statt. Außerhalb Algeriens tritt für die FIS nach wie vor der in Deutschland lebende Leiter der Exekutivinstanz der FIS im Ausland, Rabah Kebir, auf, dem 1994 untersagt wurde, sich politisch zu betätigen.“

Bereits 1996, als Rechner, Netzzugang und Webspace noch ein kleines Vermögen kosteten, flanierten Islamisten im Internet:[49]

„Neben Printmedien gewinnt die Nutzung neuer [...] Informationstechniken für extremistische Ausländerorganisationen zunehmend an Bedeutung. [...] Besonders das Internet [ermöglicht ...] die schnelle, grenzüberschreitende und unbeobachtete Übermittlung ihrer Informationen. [...] Die interne, weltweite Zusammenarbeit dieser Gruppen [wird vereinfacht] und [erhöht] so deren Handlungsfähigkeit. [...] Extremistische Ausländerorganisationen[,] wie die algerische Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA), die srilankischen Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) oder der politische Arm der Provisional Irish Republican Army (PIRA) [...], sind [...] mit eigenen Homepages [im Internet] vertreten.“

Beschreibung eines Netzes aus Zellen in Europa:[50]

„Viele extremistische Ausländerorganisationen betreiben die Ein-, Aus- und Weiterschleusung von Funktionären und Anhängern. Schleusungen ermöglichen extremistischen Ausländergruppen [a] das Abtauchen von Funktionären aus den Heimatländern, [b] Funktionäre unerkannt in Deutschland einzusetzen und [c] die Rekrutierung eingeschleuster Personen, weil diese der Gruppierung hierdurch zur Dankbarkeit verpflichtet sind. [...] Einschleusungen nach Deutschland erfolgen entweder über die grüne Grenze oder über einen offiziellen Grenzübergang unter Benutzung ge- oder verfälschter Reisedokumente. [...] Algerische islamistische Gruppierungen verfügen zur Einschleusung von Aktivisten nach Europa seit einiger Zeit über ein arbeitsteilig funktionierendes System mit internationalen Stützpunkten. Deutschland ist neben anderen europäischen Staaten nicht nur Zielland von Einschleusungen, sondern auch Zwischenstation für die Weiterschleusung in andere Länder.“

Der Verfassungsschutz rechtfertigt dessen Handlungsgrundlage:[51]

„Die Bandbreite der Islamisten reicht [bzgl.] Gewaltanwendung von politisch pragmatisch bis terroristisch (z. B. Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA)). In Deutschland wurden bislang keine Gewaltakte im Namen einer islamistischen Organisation verübt. Islamistische Propaganda ist allerdings geeignet, einer Ghettoisierung [islamisch orientierter Mitmenschen] Vorschub zu leisten, die sich politisch und sozial nachteilig auf das friedliche Zusammenleben im Rahmen einer demokratischen Gesellschaftsordnung auswirken würde. [...] Zur Verbreitung islamistischer Ideologie dienen islamistisch dominierte [Stätten religiöser Wohlfahrt], wie beispielsweise die Islamischen Zentren der Muslimbruderschaft (MB), der u. a. auch die algerische Islamische Heilsfront (FIS) zugehört.“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard J. Chasdi, "Tapestry of Terror: Middle East Terrorism 1994 - 1999", ISBN 978-0-7391-0355-5, S. 73–76.
  2. Michael Ignatieff: Algerische Alpträume. In: Die Zeit. 07/1998, 5. Absatz.
  3. Bernard-Henri Lévy: Eine Reise durch Algerien. In: Die Zeit. 16. Januar 1998, 3. Absatz
  4. siehe auch: DIE ZEIT, 16. April 1998, Hans-Christoph Buch: Die wehrhaften Berber. In: Die Zeit.
  5. siehe auch: Jacqueline Hénard: Panzerfäuste, Raketen. In: Die Zeit. 29/2001.
  6. siehe auch: Edward F. Mickolus, Susan L. Simmons: Terrorism, 1992 - 1995: a chronology of events and a selectively annotated bibliography. Greenwood Press, Westport, Conn. 1997, ISBN 0-313-30468-8, S. 672.
  7. vgl. Werner Ruf: Algerischer Staatszerfall. In: Blätter für dt. und int. Politik 2001. Nr. 8, S. 907–910, (PDF; 41 kB)
  8. vgl. Michael Lüders: Zwischen Bürgerkrieg und Blutrache. In: Die Zeit. 37/1997.
  9. vgl. Ali Al-Nasani: Das tägliche Massaker. In: Die Zeit. 26. September 2002.
  10. vgl. DIE ZEIT, 29/1996, Tahar Ben Jelloun, "Der Bruch mit dem Westen", http://www.zeit.de/1996/29/Der_Bruch_mit_dem_Westen/seite-1
  11. vgl. DIE ZEIT, 16. April 1998, Hans-Christoph Buch, "Die wehrhaften Berber", http://www.zeit.de/1998/17/Die_wehrhaften_Berber/seite-1
  12. vgl. TAGESSPIEGEL, 23. März 2012, Bremer & Jansen & Schneider, "Die Spur des jungen Radikalen", http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-03/mohamed-toulouse-islamisten/seite-2
  13. vgl. DIE ZEIT, 17. Dezember 1993, Michael Lüders, "Der lautlose Krieg", http://www.zeit.de/1993/51/der-lautlose-krieg/seite-1
  14. Algeria-Watch, 11. Januar 2012, "Assassinats d'étrangers entre 1993 et 2010", http://www.algeria-watch.org/fr/mrv/2012/assassinats_etrangers_.htm
  15. vgl. DIE ZEIT, 08/1998, Wolfgang Hoffmann, "Geschäfte wie gehabt", http://www.zeit.de/1998/08/Geschaefte_wie_gehabt
  16. vgl. Algeria-Watch, "Festnahme von Soufiane Naami bei seiner Ankunft am Flughafen in Algier", http://algeria-watch.org/de/aw/festnahme_naami.htm
  17. s. a. Mickolus, Simons, Simons, "Terrorism, 1992 - 1995: A Chronology of Events [...]", ISBN 0-313-30468-8, S. 664.
  18. s. a. TV-Reportage der BBC, "Air Crash Investigations - Hijacked (Air France Flight 8969)"
  19. s. a. Mickolus, Simons, Simons, "Terrorism, 1992 - 1995: A Chronology of Events [...]", ISBN 0-313-30468-8, S. 747f.
  20. vgl. Richard J. Chasdi, "Tapestry of Terror: Middle East Terrorism 1994 - 1999", ISBN 978-0-7391-0355-5, S. 74f.
  21. vgl. DIE ZEIT, 38/1995, Fredy Gsteiger, "Die Mörder können überall lauern", 4. Absatz, http://www.zeit.de/1995/38/Die_Moerder_koennen_ueberall_lauern/seite-2
  22. Teilnehmer, Vertrag: http://www.santegidio.org/archivio/pace/algeria_19950113_FR.htm
  23. Teilnehmer, Vertrag: http://www.algeria-watch.org/farticle/docu/platform.htm
  24. vgl. DIE ZEIT, 31. März 1999, Jacqueline Hénard, "Barbès mon amour", http://www.zeit.de/1999/14/199914.paris_.xml/seite-3 (2. Absatz)
  25. vgl. DIE ZEIT, 38/1995, Fredy Gsteiger, "Die Mörder können überall lauern" http://www.zeit.de/1995/38/Die_Moerder_koennen_ueberall_lauern/seite-1
  26. vgl. DIE ZEIT, 51/1996, Tahar Ben Jelloun, "Im Schatten der Vergangenheit", http://www.zeit.de/1996/51/Im_Schatten_der_Vergangenheit/seite-4
  27. vgl. Mickolus, Simons, Simons, "Terrorism, 1992 - 1995: A Chronology of Events [...]", ISBN 0-313-30468-8, S. 825(f)
  28. vgl. Algeria-Watch, "Mord an Mönchen wurde Islamisten untergeschoben", http://www.algeria-watch.org/de/artikel/2009/mord_moenchen.htm in Bezugnahme auf SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 6. Juli 2009.
  29. vgl. IRISH TIMES, 7. Juli 2009, "Sarkozy to release details about beheaded monks in Algeria", http://www.irishtimes.com/newspaper/world/2009/0708/1224250235664.html
  30. vgl. Algeria-Watch, Infomappe 15, Januar 2001, "Wer hat Lounes Matoub getötet?", http://www.algeria-watch.org/de/infomap/infom15/matoub_tot.htm
  31. vgl. Matoub Lounès
  32. vgl. http://matoub.rebelle.free.fr/le-rebelle/son-combat.php
  33. vgl. engl. Wikipediaartikel
  34. Department of State 10610, Coordinator for Counterterrorism, "Patterns of Global Terrorism 1998", Europe / Belgium, http://www.higginsctc.org/patternsofglobalterrorism/1998pogt.pdf
  35. DIE ZEIT, 07/1998, Michael Ignatieff, "Algerische Alpträume", http://www.zeit.de/1998/07/Algerische_Alptraeume/seite-2
  36. DIE ZEIT, 05/1998, André Glucksmann, "Wer ermordet Babies?", (2. Absatz ) http://www.zeit.de/1998/05/Wer_ermordet_Babies_/seite-1
  37. vgl. TAGESSPIEGEL 23. März 2012, Bremer & Jansen & Schneider, "Die Spur des jungen Radikalen", http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-03/mohamed-toulouse-islamisten/seite-2
  38. vgl. Hans Kerch 2011, "The Growing Influence of Al-Qaeda on the African Continent", S. 126, in: Africa Spectrum, 46, 2, ISSN 0002-0397, S. 125–137 (Print), ISSN 1868-6869 (Online), German Institute of Global and Areal Studies
  39. vgl. WORLD TRIBUNE, 3. Mai 2005, "Algeria captures insurgency leader", http://www.worldtribune.com/worldtribune/05/front2453494.035416667.html
  40. vgl. BBC NEWS, 29 April 2005, "Algeria's top GIA rebel captured", http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/4500171.stm
  41. vgl. NEW YORK TIMES, 28. Juni 2006, Craig S. Smith, "Algeria offers allegory of amnesty", http://www.nytimes.com/2006/06/28/world/africa/28iht-algeria.2074566.html?_r=2, in Bezugnahme auf INTERNATIONAL HERALD TRIBUNE
  42. vgl. http://str8talkchronicle.com/?attachment_id=10492
  43. vgl. REUTERS, 6. April 2009, Lamine Chikhi, "Analysis - Algeria's security tied to political freedom", http://www.reuters.com/article/2009/04/06/idUSCHI837139
  44. Verfassungsschutzbericht 1996, Hrsg. Bundesministerium des Inneren, Bonn, Mai 1997, ISSN 0177-0357
  45. a. a. O. S. 201.
  46. ebd.
  47. ebd.
  48. a. a. O. S. 202.
  49. a. a. O. S. 181f.
  50. a. a. O. S. 182f.
  51. a. a. O. S. 181.

Weblinks[Bearbeiten]