Gudrun Krämer

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Gudrun Krämer im April 2015 bei den Römerberggesprächen

Gudrun Krämer (* 3. August 1953 in Marburg) ist eine deutsche Islamwissenschaftlerin. Sie ist Leiterin des Instituts für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gudrun Krämer studierte von 1972 bis 1978 Geschichte, Islam- und Politikwissenschaft und Anglistik an den Universitäten Heidelberg, Bonn und Sussex. Nach dem Staatsexamen 1978 erfolgte 1981 ihre Promotion. Von 1982 bis 1994 war sie Referentin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. 1994 habilitierte sie sich an der Universität Hamburg und übernahm im selben Jahr eine Professur für Islamwissenschaft in Bonn. Seit 1996 ist sie Leiterin des Instituts für Islamwissenschaft an der FU Berlin, seit 2007 außerdem Direktorin der im Rahmen der Exzellenzinitiative neu gegründeten „Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies“.

Krämer ist Mitglied in den Beiräten zahlreicher Institutionen, darunter der „Stiftung Wissenschaft und Politik“, des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und der Bundeszentrale für politische Bildung. Weiterhin ist sie Mitherausgeberin der Encyclopaedia of Islam[1] und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Heute zählt sie zu den bekanntesten deutschen Islamwissenschaftlern und tritt häufig als Expertin im Rundfunk auf.[2]

Schwerpunkte und Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentrum von Krämers Forschungs- und Veröffentlichungsaktivitäten steht die moderne Geschichte des Nahen Ostens, insbesondere die Themenkomplexe Islamismus und islamische politische Theorie. Sie hat wiederholt zu politisch hochbrisanten Themen wie islamischem Antisemitismus, der Rolle von Nichtmuslimen unter muslimischer Herrschaft oder der Vereinbarkeit von Scharia und Menschenrechten veröffentlicht und Lehrveranstaltungen angeboten. In der jüngsten Debatte um die Thesen des deutschen Islamwissenschaftlers Muhammad Kalisch, der die historische Existenz Muhammads anzweifelte, verteidigte sie diesen, sagte aber auch, dass sie ihn als Ausbilder islamischer Religionslehrer unter diesen Umständen als problematisch ansehe.[3]

Mit ihrem Werk Demokratie im Islam (2011) legt Krämer eine Sammlung früher Aufsätze zu den Themen Demokratie, Säkularismus, Staat und Toleranz in der islamischen Welt vor. Die Texte sind nüchtern und sachlich geschrieben und enthalten neben den relevanten Basisinformationen auch kritische Einschätzungen, die bei aller konstatierten Vielfalt des Islam die eingeschränkte Freiheit in den von ihm dominierten Gesellschaften aufzeigen.[4]

Ehrungen – Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010 Gerda Henkel Preis. Bei der Preisverleihung würdigte Michael Hanssler, der Vorsitzende der Gerda Henkel Stiftung, Krämers „'Mut zum klaren öffentlichen Wort'. Sie werde nicht müde, daran zu erinnern, dass der Islam an sich nicht gewalttätig und gefährlich sei“[5].

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Prof. Dr. Gudrun Krämer Website an der FU Berlin
  2. Ein gerechter Koran. In: tagesspiegel.de. undatiert, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  3. Ausbildung von Religionslehrern: Islamverbände beenden Zusammenarbeit mit einzigem Institut. In: Spiegel Online. 13. September 2008, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  4. Armin Pfahl-Traughber: Besonderheiten der arabischen Welt Rezension zu Gudrun Krämers Veröffentlichung Demokratie im Islam. hpd, 25. August 2011.
  5. "Islam ist neues Element deutscher Kultur". In: welt.de. 8. November 2010, abgerufen am 15. Dezember 2014.