Boycott, Divestment and Sanctions

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Boycott, Divestment and Sanctions (dt. Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen, Abk. BDS, oft auch, insbesondere in Eigenbeschreibung, BDS-Bewegung) ist eine transnationale politische Kampagne,[Anm. 1] die sich für Sanktionen gegen Israel auf wirtschaftlicher, kultureller und politischer Ebene einsetzt. Ziel der Kampagne ist es, auf Israels Politik gegenüber der palästinensischen Nationalbewegung einzuwirken. Je nach Lesart und Kampagnenunterstützer kann dies konkret bis zu einer Forderung nach der Zerschlagung Israels reichen. BDS wurde im Juli 2005 auf den Aufruf von etwa 170 Nichtregierungsorganisationen hin ins Leben gerufen.

Getragen wird die Kampagne von einer Reihe nichtstaatlicher Organisationen; sie hat zahlreiche prominente Unterstützer und Gegner. Meist wird sie als antizionistisch, oft auch als antisemitisch und rassistisch eingeordnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boykotte gegen Israel haben eine lange Tradition im Nahen Osten; so ist der Wirtschaftsboykott der Arabischen Liga der global am längsten anhaltende staatliche Boykott.[1] Dagegen stellen Israelboykotte durch Zivilgesellschaftsakteure, insbesondere in Europa und Nordamerika, ein recht neues Phänomen dar.[2]

Im Jänner 2005 stellte die Occupied Palestine and Syrian Golan Heights Advocacy Initiative (OPGAI) ihren Aufruf zu BDS beim 5. Weltsozialforum in Porto Alegre vor.[3] Der Aufruf wurde von über 170 erstunterzeichnenden palästinensischen Organisationen gemeinsam getragen, darunter Vereinigungen von in Israel, in den 1967 von Israel besetzten Gebieten oder im Exil bzw. als Flüchtlinge im Ausland lebenden Palästinensern.[4] Seit 2005 ist die Israeli Apartheid Week eine der zentralen Aktionen der BDS. Sie findet jährlich im Februar/März in Form von Kundgebungen und Universitätsveranstaltungen in den Vereinigten Staaten, Kanada, England, Südafrika und anderen Ländern in 55 Städten statt. Im November 2007 fand in Ramallah die erste palästinensische BDS-Konferenz statt, auf der das Nationale BDS-Komitee (BDS National Committee, BNC) gebildet wurde, das seitdem als palästinensische Koordinationsstelle für die weltweite Kampagne fungiert.[5]

Am 11. Dezember 2009 wandten sich christliche Bischöfe, Theologen und Laien Palästinas mit dem sogenannten Kairos-Palästina-Dokument an die „palästinensische und die israelische Gesellschaft, an die Weltgemeinschaft und an die christlichen Brüder und Schwestern in den Kirchen in aller Welt“.[6] Das Kairos-Palästina-Dokument, das sich dem BDS-Aufruf anschließt, verurteilt die israelische Besatzung der palästinensischen Gebiete: „Wir appellieren an die Israelis, die Besatzung zu beenden. Sie werden dann eine Welt ohne Angst und Bedrohung entdecken, in der Sicherheit, Gerechtigkeit und Frieden herrschen.“ Zu den Mitverfassern des Kairos-Dokuments gehören der lutherische Bischof von Jerusalem, Munib Younan, der damalige Patriarch Michel Sabbah sowie der Pastor der Weihnachtskirche in Bethlehem, Mitri Raheb.[7][8]

Ideologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BDS fordert das Ende der „Besatzung und Kolonialisierung allen besetzten arabischen Landes seit Juni 1967 einschließlich Ost-Jerusalems“, die Aufgabe aller israelischer Siedlungen und der israelischen Sperranlagen am Westjordanland und um den Gazastreifen sowie die Durchsetzung des „Rückkehrrechts“ der palästinensischen Flüchtlinge und ihrer Nachkommen. Außerdem solle das „Grundrecht der arabisch-palästinensischen BürgerInnen Israels auf völlige Gleichheit“ anerkannt werden.[9] Zur Durchsetzung dieser Ziele wird zu einem umfassenden Boykott Israels aufgerufen, wobei der Boykott nicht nur auf die umstrittenen Gebiete im Westjordanland, den Golanhöhen und Ost-Jerusalem beschränkt sein soll, sondern auf den gesamten Staat Israel abzielt.[10] Nichtsdestotrotz gibt es Akteure, die diese Unterscheidung treffen und lediglich Produkte oder Dienstleistungen aus den umstrittenen Gebieten boykottieren.[11]

BDS sieht sich in der Tradition des Kampfes gegen das südafrikanische Apartheidsregime, in dem ähnliche Kampagnen eingesetzt wurden.[12] Anders als die Boykotte gegen Apartheid, die sich gegen die Innenpolitik im damaligen Südafrika wandte, hat BDS jedoch nicht nur die Innenpolitik Israels zum Ziel, sondern zielt auf die politische Integrität Israels selber ab.[13] Damit einghergehend richtet sich BDS nicht nur gegen israelische Politik, sondern gegen jeden israelischen Staatsangehörigen ohne Rücksicht auf die jeweiligen politischen Positionen des Individuums,[14] obschon die BDS-Befürworterin Judith Butler deklariert, dass BDS sich gegen Institutionen, nicht aber gegen Individuen richtet.[15]

Analog zur Tea-Party-Bewegung ist BDS dezentral organisiert, da diese Strategie den Kampagnenerfolg maximiere, weil „führungslose Organisationen“ flexbiler seien und sich stets erneuern könnten.[16] Dabei bezieht sich BDS auf die in The Starfish and the Spider beschriebenen Managementtechniken, die den Erfolg so disparater sozialer Phänomene wie Granville Sharp, craigslist, Anonyme Alkoholiker und Wikipedia mit dezentraler Organisation cum führender Symbolfigur zurückführen.

Die Kampagne wird im akademischen[17][18] und massenmedialen[19][20] Diskurs oft als antisemitisch und/oder rassistisch eingeordnet. Samuel Salzborn beschreibt BDS und ihre Forderungen als „eine moralisch imprägnierte palästinensische Interessenartikulation, mit der international der politische Druck auf Israel erhöht und die palästinensische Politik flankiert werden soll“. Die Kampagne beziehe sich zu Unrecht auf den Kampf gegen das südafrikanische Apartheidsregime und sei „nicht um Kritik bemüht […], sondern ihrer Intention nach antisemitisch“. Die Forderung des sogenannten Rückkehrrechts, das auf einer „‚Vererbbarkeit‘ des Flüchtlingsstatus“ beruht, impliziere die Vernichtung Israels. Auch bestehe „eine generelle NS-Analogie“, da BDS die Nazi-Parole „Kauft nicht bei Juden“ reaktiviert und auf Israel übertragen habe; häufig inklusive einer entsprechenden optischen Inszenierung vor den israelische Waren verkaufenden Geschäften. Die BDS-Kampagne lege doppelte Standards an, verkenne die geschichtlichen Fakten und betreibe eine „generelle Umdrehung von Ursache und Wirkung“, was „ein charakteristisches Merkmal für antizionistischen Antisemitismus“ sei. Die antisemitische Ausrichtung der Kampagne zeige sich vor allem auch darin, dass in einer „Kollektivhaftung“ „Individuen bekämpft werden, um […] den jüdischen Staat zu treffen“. Dies weise auf „ein völkisches Verständnis von Strafrecht“ hin, da nicht die Taten eines Individuums, sondern nur „seine soziopolitischen Hintergründe“ betrachtet werden.[21] Auch Alan Dershowitz sieht BDS in antisemitischer Tradition.[22]

Diverse Analysten, Journalisten und politische Gruppierungen haben argumentiert, dass BDS eine Delegitimierung Israels unterstütze und antisemitisch motiviert sei.[23][24] In der Jerusalem Post argumentierte Gil Troy, dass BDS nicht auf die israelische Politik ziele, sondern stattdessen auf Israels Legitimität.[25] Ähnlich argumentiert das Reut Institute, dass die Kampagne durch die Konzentration auf Israel sowie die Verwendung von doppelten Standards das Land delegitimieren würde.[26]

Demgegenüber sehen Mary-Jo Nadeau und Alan Sears die Antisemitismusvorwürfe als Strategie, BDS zum Schweigen zu bringen an.[27]

Protagonisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptbetreiber der Kampagne ist Omar Barghouti.[28]

Unterstützer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Umfrage des Palestinian Center for Policy and Survey Research aus dem Jahr 2015 unterstützen 85 % der befragten Palästinenser aus den umstrittenen Gebieten die Kampagne.[29]

Zu den unterstützenden Organisationen gehören das Israeli Committee Against House Demolitions[30] sowie European Jews for a Just Peace.[31] Andere Organisationen wie die israelische Friedensinitiative Gush Shalom lehnen einen kompletten Boykott Israels ab, befürworten dagegen den Boykott von Produkten aus israelischen Siedlungen, was beispielsweise Hersteller wie SodaStream, Ahava (Kosmetikprodukte) und Carmel Agrexco (Agrarprodukte)[32][33] sowie Caterpillar und Motorola betrifft.[34][35]

Zu den Unterstützern der Boycott Divestments Sanctions Campaign zählen Desmond Tutu,[36] die Journalistin und Globalisierungskritikerin Naomi Klein,[37] der palästinensisch-amerikanische Journalist Ali Abunimah, Uri Davis, Jeff Halper, die Bewegungsaktivistin Mairead Maguire,[38] Ward Churchill, der Schriftsteller John Berger, Arundhati Roy, der Philosoph Slavoj Žižek[39], der Filmregisseur Ken Loach, der inzwischen verstorbene Schriftsteller Iain Banks,[40] Evelyn Hecht-Galinski[41], Roger Waters[42] sowie die Schriftstellerin Alice Walker, die unter anderem die Übersetzung eines Buches ins Hebräische verweigerte.[43]

Gegner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Gegenkampagne hat zahlreiche prominente Vertreter, darunter John Lydon,[44] Umberto Eco,[45] Joel und Ethan Coen,[46] J. K. Rowling,[47] Hilary Mantel,[47] Helen Mirren,[47] Jon Bon Jovi,[48] und Howard Stern.[48]

Aktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plakat mit durch die Parole „Boycott, Divest, Sanction“ übermalter Israelischer Flagge, gehalten von einem Demonstranten in Melbourne 2010

Die israelische Tageszeitung Haaretz berichtete, dass die PLO in Frankreich versuchte, Veolia und eine andere Firma gerichtlich dazu zu zwingen, das Projekt der Stadtbahn Jerusalem aufzugeben, da es gegen internationales Recht verstoße, und der Bürochef des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas rief alle arabischen Staaten dazu auf, Veolia zu boykottieren.[49] Abbas machte den Boykott von Siedlungsprodukten im April 2010 offiziell: Händlern, die solche Produkte vertreiben, droht nun eine hohe Geldstrafe.[50][51] Der palästinensische Boykott hatte bereits Auswirkungen auf Fabriken innerhalb von Siedlungen; manche verkaufen 30 % ihrer Produkte in den besetzten Gebieten.[52]

Ca. 60 prominente israelische Künstler boykottierten ein Theater in der israelischen Siedlung Ariel im Jahr 2010 und wurden darin von 150 US-amerikanischen Schauspielern in einem offenen Brief unterstützt. Des Weiteren bekamen sie Unterstützung von dem Architekten Frank Gehry sowie Daniel Barenboim.[53]

Dänemark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jänner 2010 beschloss Danske Bank ihre Investitionen aus Elbit Systems und Africa Israel Investments zurückzuziehen.[54] Die größte dänische Rentenkasse, PKA, zog ihre Einlagen neben ebenfalls Elbit Systems aus Magal Security Systems und American Detection Systems zurück.[55] Sowohl Danske Bank[54] als auch PKA[55] begründeten diese Schritte mit der Rolle jener Unternehmen bei der Besetzung des Westjordanlandes. Anfang 2014 setzte Danske Bank auch Bank Hapoalim auf ihre Blacklist und begründete dies mit Verstößen der Bank Hapoalims gegen humanitäres Völkerrecht.[56] Diese Entscheidungen wurden von BDS-Organisationen als Erfolg gewertet.[57] Anfang 2016 entfernte Danske Bank Bank Hapoalim wieder von ihrer Negativliste.[58]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach § 7 Außenwirtschaftsverordnung (AWV) ist die Abgabe einer Boykotterklärung im Außenwirtschaftsverkehr verboten und gemäß § 81 Abs. 1 Nr. 1 AWV eine Ordnungswidrigkeit im Sinne des § 19 Abs. 3 Nr. 1a Außenwirtschaftsgesetz (AWG).

Ende 2015 wurde bekannt, dass die Robert-Bosch-Stiftung und der Jüdische Nationalfonds eine Kooperation planten. Die Robert-Bosch-Stiftung verkündete, man betrachte es als „Aufgabe, dafür zu sorgen, dass bestimmte Projekte nicht abgelehnt werden, weil sie aus Israel kommen“.[59] Nach einer sich anschließenden Kampagne von BDS trat die Robert-Bosch-Stiftung im Frühjahr 2016 von ihrem Vorhaben zurück.[60]

Im März 2016 zeigten mehrere vermummte Männer nach Informationen des Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) bei einer anti-israelischen Demonstration vor einer von der lokalen BDS-Gruppe organisierten Filmvorführung im Rahmen der Israeli Apartheid Week in Berlin-Kreuzberg den Hitlergruß und skandierten antisemitische Parolen.[61][62] Der Staatsschutz leitete Ermittlungen ein.[63]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Anschluss an die Operation Gegossenes Blei 2008 bis 2009 wurde im Februar 2009 ein Aufruf zu einem akademischen Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen gegen israelische Institutionen veröffentlicht. Im Juni 2009 versammelten sich französische Organisationen, um eine französische BDS-Kampagne gegen spezifische Ziele wie Carrefour, Ahava, Agrexco-Carmel,[64] Veolia Transport[65] und Alstom zu organisieren. Seitdem haben sich zahlreiche Organisationen und Gewerkschaften dieser Kampagne angeschlossen. Sie sahen sich jedoch zunehmend rechtlichen Schritten ausgesetzt.[66][67][68]

In mehreren Gerichtsverfahren wurden BDS-Aktivisten zu Geldstrafen verurteilt. 2012 entschied das höchste französische Gericht, dass öffentliche Boykottaufrufe gegen israelische Produkte eine Diskriminierung darstellen und nach französischem Recht verboten sind.[69]

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Jahresversammlung 2010 der größten akademischen Gewerkschaft Großbritanniens, der UCU (University and College Union), wurde für die BDS-Kampagne und für den Abbruch der Beziehungen mit der Histadrut, dem Dachverband der Gewerkschaften Israels, gestimmt. Tom Hickey von der Universität Brighton führte als Begründung an, dass die Histadrut den „israelischen Angriff auf Zivilisten in Gaza“ im Januar 2009 unterstützt habe und daher nicht den Namen einer Gewerkschaftsorganisation verdiene.[70]

Niederlande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das niederländische Wasserversorgungsunternehmen Vitens beendete 2013 die Zusammenarbeit mit der israelischen Mekarot, da diese Wasser aus dem Westjordanland nach Israel pumpe und palästinensische Gemeinden dabei schlechter behandle als israelische Siedlungen.[71]

Spanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2015 löste die BDS-Gruppe der autonomen Region Valencia eine international beachtete Kontroverse aus, indem sie die Veranstalter des Musikfestivals Rototom Sunsplash mit einer Boykottdrohung unter Druck setzte, den jüdisch-amerikanischen Reggae-Musiker Matisyahu vom Festival auszuladen. Matisyahu sollte deshalb eine pro-palästinensische Erklärung abgeben und wurde nach seiner Weigerung ausgeladen. Von anderen Musikern wurde keine derartige Erklärung eingefordert.[72] Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, bezeichnete die Absage als „einen klaren Fall von Antisemitismus“. Die spanische Tageszeitung El País nannte den Vorgang auf Seite eins einen „gravierende[n] Akt politischer und religiöser Diskriminierung“.[73][74] Matisyahu schrieb, es sei entsetzlich und übergriffig, dass man versucht habe, ihn zu einem politischen Statement zu zwingen. Sein Ziel sei es, „Musik für alle zu machen – egal welcher Rasse, Glaubensrichtung, egal aus welchem Land, welchem kulturellen Hintergrund“.[75] Schließlich baten die Veranstalter ihn um Entschuldigung und erneuerten die Einladung[72], woraufhin vereinzelt Künstler und politische Gruppen ihre Teilnahme absagten.[76] Das Konzert fand schließlich wie ursprünglich geplant statt.[77]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BDS steht im Zusammenhang mit Klagen. Im November 2015 urteilte ein französisches Gericht bezüglich eines Boykottaufrufs von BDS, dass dies eine nach französischem Presserecht verbotene „Aufstachelung zu Diskriminierung, Hass oder Gewalt“ mit rassistischer Einstellung gewesen sei. Die angeklagten BDS-Aktivisten wurden zu Geldstrafen von je 1000 Euro verurteilt. Das Urteil wurde im April 2016 in letzter Instanz vom Pariser Kassationsgericht bestätigt.[78][79]

Die Taktiken und Ziele von BDS werden auch von den prominenten amerikanischen Israel-Kritikern Noam Chomsky und Norman Finkelstein abgelehnt. Die beiden werfen der Organisation vor, den langjährigen internationalen Konsens einer Zweistaatenlösung entlang der Grenzen von 1967 nicht zu akzeptieren und damit den Interessen der Palästinenser eher zu schaden als zu nützen.[80][81] Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, erklärte im Dezember 2013, dass die Palästinenser einen Boykott Israels ablehnten, einzig ein Boykott von Produkten aus dem Westjordanland sei legitim.[82][83] Georg M. Hafner verweist darauf, dass vor allem die Palästinenser die Leidtragenden der Boykottkampagnen seien.[84]

Israel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. Juli 2011 beschloss die Regierungsmehrheit in der Knesset gegen den entschiedenen Widerstand der Oppositionsparteien ein Gesetz, das israelischen Staatsbürgern den öffentlichen Aufruf zu Boykotten gegen Israel verbietet, wenn dabei wirtschaftliche, kulturelle oder akademische Beziehungen in einer Schäden verursachenden Weise nur wegen einer mittelbaren Verbindung mit dem Staat Israel bewusst verhindert werden. Bei Zuwiderhandlung sollten Schadensersatzforderungen geltend gemacht werden können.[85] Das Anti-Boykott-Gesetz wurde in Israel über die politische Opposition hinaus scharf kritisiert, unter anderem von 32 israelischen Rechtsprofessoren mittels einer Petition. Das Oberste Gericht setzte das Gesetz am 10. Dezember 2012 vorläufig aus und forderte vom Gesetzgeber eine Neubegründung, weshalb das Gesetz nicht abgesetzt werden sollte.[86] Im April 2015 wurden wesentliche Teile des Gesetzes vom Gericht schließlich für gültig erklärt. Mit knapper Mehrheit von 5:4 entschieden die Richter auch gegen eine Ausnahme für Boykotte, die sich allein auf die seit 1967 von Israel besetzten Gebiete beziehen.[87] Allerdings wurde die Möglichkeit von Schadenersatzforderungen einstimmig als verfassungswidrig abgelehnt.[88]

Auf internationaler Ebene reagierte die israelische Regierung mit einer Anti-BDS-Kampagne mit Sondermitteln aus dem Staatshaushalt in Höhe von rund 23 Millionen Euro (2015). Premierminister Benjamin Netanjahu bezeichnete BDS im Frühjahr 2015 als größte aktuelle Bedrohung des Landes und zog Verbindungen zum Holocaust: Angriffen auf Juden seien immer Verleumdungen von Juden vorausgegangen.[89]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karen Culcasi: Engaging in the Boycott, Divestment, and Sanctions (BDS) Debate, in: Geographical Review 106/2 (2016), 258-263.
  • W. Klitz und N. Klein-Zirbes: Boykott des Friedens: Die BDS-Bewegung und der Westen (PDF), Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Nr. 61, Oktober 2015.
  • S. F. McMahon: The Boycott, Divestment, Sanctions campaign: contradictions and challenges, in: Race & Class, 55/5 (2014), 65-81.
  • Suzanne Morrison: Organising the Boycott, Divestment and Sanctions Movement: the Case of the ‘We Divest’ Campaign, in: Conflict Security & Development 15/5 (2015), 575-593.
  • C. Nelson, G. Brahm und R. Berman (Hgg.): The case against academic boycotts of Israel, Wayne State University Press, Detroit 2014.
  • Samuel Salzborn: Israelkritik oder Antisemitismus? Kriterien für eine Unterscheidung (PDF), In: Kirche und Israel. Neukirchener Theologische Zeitschrift, 28/1 (2013), 5-16.
  • I. M. Sheskin und E. Felson: Is the Boykott, Divestment, and Sanctions Movement tainted by Anti-Semitism?, in: Geographical Review 106/2 (2016), 270–275.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Boycotts of Israel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bisweilen wird BDS auch als soziale Bewegung aufgefaßt, so zum Beispiel bei: Jennifer Hitchcock: Social Media Rhetoric of the Transnational Palestinian-led Boycott, Divestment, and Sanctions Movement. In: Social Media + Society. 2, Nr. 1, 6. Januar 2016, ISSN 2056-3051, S. 1–12. doi:10.1177/2056305116634367..

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gil Feiler: From boycott to economic cooperation: the political economy of the Arab boycott of Israel. Frank Cass, London ; Portland, OR 1998, ISBN 978-0-7146-4866-8 978-0-7146-4423-3, S. 1.
  2. Abigail B. Bakan, Yasmeen Abu-Laban: Palestinian resistance and international solidarity: the BDS campaign. In: Race & Class. 51, Nr. 1, 25. Juni 2009, ISSN 0306-3968, S. 33f. doi:10.1177/0306396809106162.
  3. Highlights, Boycott-Divestment-Sanctions (BDS) against Israel, 2005–January 2006, Badil. Abgerufen am 10. November 2010. 
  4. Palästinensische Zivilgesellschaft ruft zu Boykott, Investitionsentzug und Sanktionen gegen Israel auf… Aufruf auf der Webseite der Kampagne, abgerufen am 17. August 2014
  5. Palestinian BDS National Committee, auf der Webseite der Kampagne, abgerufen am 17. August 2014 (englisch)
  6. Aufruf palästinensischer Christen und Christinnen zur Beendigung der Besetzung, Ökumenischer Rat der Kirchen. Abgerufen am 6. April 2013
  7. KairosPalestine. Abgerufen am 10. November 2010
  8. Palästinenser boykottieren jüdische Siedlungen. swissinfo. 12. Mai 2010. Abgerufen am 24. August 2010.
  9. Zitiert nach: Walter Klitz, Nicolas Klein-Zirbes: Boykott des Friedens: Die BDS-Bewegung und der Westen. In: Hintergrund. Nr. 61, 6. Oktober 2015, S. 8f.
  10. Walter Klitz, Nicolas Klein-Zirbes: Boykott des Friedens: Die BDS-Bewegung und der Westen. In: Hintergrund. Nr. 61, 6. Oktober 2015, S. 9.
  11. Jim Zanotti, Martin A. Weiss, Kathleen Ann Ruane Israel and the Boycott, Divestment, and Sanctions (BDS) Movement.. Congressional Research Service, Washington, DC 24. November 2015 (Zugriff am 10. Februar 2017).
  12. Sean F. McMahon: The Boycott, Divestment, Sanctions campaign: contradictions and challenges. In: Race & Class. 55, Nr. 4, 31. März 2014, ISSN 0306-3968, S. 66f. doi:10.1177/0306396813519939.
  13. Dan Avnon: BDS and the Dynamics of Self-Righteous Moralism. In: Australian Journal of Jewish Studies. 28, 2014, S. 28–46, S. 39f.
  14. Dan Avnon: BDS and the Dynamics of Self-Righteous Moralism. In: Australian Journal of Jewish Studies. 28, 2014, S. 28–46, S. 40.
  15. Cary Nelson: The Problem with Judith Butler: The Political Philosophy of the Movement to Boycott Israel. In: Los Angeles Review of Books. 16. März 2014. Abgerufen am 21. Februar 2017.
  16. Joel S. Fishman: The BDS message of anti-Zionism, anti-Semitism, and incitement to discrimination. In: Israel Affairs. 18, Nr. 3, 1. Juli 2012, ISSN 1353-7121, S. 412–425, S. 421. doi:10.1080/13537121.2012.689521.
  17. Ira M. Sheskin, Ethan Felson: Is the Boykott, Divestment, and Sanctions Movement tainted by Anti-Semitism?, Geographical Review 106 (2), 270–275, April 2016.
  18. Sean Collins, BDS: Demonising Israel, Destroying Free Speech, In: Tom Slater (ed.), Unsafe Space. The Crisis of Free Speech on Campus, Palgrave Macmillan UK, 2016, S. 68–80.
  19. Karl Pfeifer: Die Israel-Boykott-Bewegung: Antisemitismus und gefälschte Zitate. In: hagalil.com. 6. Dezember 2015, abgerufen am 12. April 2016.
  20. Alexia Weiss: BDS oder: Antisemitismus in neuen Kleidern. In: wienerzeitung.at. 3. März 2016, abgerufen am 12. April 2016.
  21. Samuel Salzborn: Israelkritik oder Antisemitismus? Kriterien für eine Unterscheidung (PDF), In: Kirche und Israel. Neukirchener Theologische Zeitschrift, 28. Jahrgang, Heft 1/2013.
  22. Alan Dershowitz: Judenhass 2.0. In: juedische-allgemeine.de. 25. April 2014, abgerufen am 6. April 2016.
  23. Martin Altmeyer: Antisemitismus von links. In: taz.de. 23. Januar 2009, abgerufen am 7. April 2016.
  24. Thomas Assheuer: Nahost-Konflikt: Verblendet. In: zeit.de. 15. Januar 2009, abgerufen am 7. April 2016.
  25. Delegitimizing the delegitimizers, Jerusalem Post. 12. November 2009. 
  26. The Reut Institute: The BDS Movement Promotes Delegitimization against Israel. Abgerufen am 10. November 2010. 
  27. Mary-Jo Nadeau, Alan Sears: The Palestine Test: Countering the Silencing Campaign. In: Studies in Political Economy. 85, Nr. 1, 1. März 2010, ISSN 0707-8552, S. 7–33. doi:10.1080/19187033.2010.11675033.
  28. Sean F. McMahon: The Boycott, Divestment, Sanctions campaign: contradictions and challenges. In: Race & Class. 55, Nr. 4, 31. März 2014, ISSN 0306-3968, S. 66. doi:10.1177/0306396813519939.
  29. Palestinian Center for POLICY and SURVEY: Palestinian Public Opinion Poll 55. 8. April 2015, S. 5 (Zugriff am 21. Februar 2017).
  30. ICAHD’s BDS Projects, ICAHD. Abgerufen am 10. November 2010. 
  31. Pro-Palestinian groups urge H&M boycott after Israel branch opens, Haaretz. 11. März 2010. 
  32. COOP und Nordiconad verkaufen keine Produkte von Agrexco mehr, bds-info.ch. Abgerufen am 10. November 2010. 
  33. The choice: settlements or export. Gush Shalom sent a letter to the management of the Agrexco Agricultural Exports Company, Gush Shalom. 23. Mai 2010. 
  34. Boykott, Desinvestment und Sanktionen, heise.de. 10. Oktober 2009. 
  35. The boycott of settlement products – renewed controversy, Gush Shalom. Abgerufen am 10. November 2010. 
  36. Divesting from Injustice, Huffington Post. 13. April 2009. 
  37. On the Question of One-Sided Boycotts, Naomi Klein. 21. Januar 2009. 
  38. Omar Barghouti: Besieging Israel's siege. In: The Guardian. 12. August 2010. Abgerufen am 9. Februar 2017.
  39. Slavoj Žižek at Tavis Smiley on October 12th, 2015: "I support BDS against Israel."
  40. Iain M Banks: Iain Banks: why I'm supporting a cultural boycott of Israel. In: theguardian.com. 19. Juni 2014, abgerufen am 21. August 2015.
  41. Fazit der Palästina-Solidaritätskonferenz in Stuttgart: Boykott – Disinvestment – Sanctions, Neue Rheinische Zeitung. 8. Dezember 2010. 
  42. ANNA PRIZKAU: Einladung zum Hass - FAZ, 28.06.2016
  43. Author of The Color Purple refuses to authorize Hebrew version because 'Israel is guilty of apartheid'. In: haaretz.com. 19. Juni 2012, abgerufen am 7. April 2016.
  44. John Lydon – Lydon Slams Critics Over Israel Show – Contactmusic News. Contactmusic.com.
  45. Israel boycotters target authors, artists, Ynetnews. 5. März 2011. 
  46. Amit Kling: Coen Brothers: Boycotting Israel is a mistake. In: Haaretz, 15. Mai 2012. 
  47. a b c Wolpe, David. "Boycotting Israeli Authors Is an Affront to Free Speech". Time. 29 June 2016.
  48. a b http://www.jpost.com/Not-Just-News/Which-celebs-are-proanti-Israel-the-Complete-Guide-434404
  49. AP: Palestinians hope to derail Jerusalem light rail project; Amira Hass: Palestinians to Arab states: You can stop Jerusalem light rail (beide: Haaretz)
  50. Boykott im Westjordanland. Wie die Palästinenser jüdische Siedler mürbe machen wollen, Der Spiegel. 30. Mai 2010. 
  51. Abbas backs Palestinian boycott campaign of Israeli goods made in settlements, Haaretz. 22. Mai 2010. 
  52. Palestinian boycott of Israeli settlement goods starts to bite, The Guardian. 29. Juni 2010. 
  53. Frank Gehry, Daniel Barenboim join Ariel boycott campaign, Haaretz. 10. November 2010. 
  54. a b Nicolai Raastrup: Israel uforstående over for Danske Bank. In: Berlingske Business. 25. Januar 2010. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  55. a b Line Prasz: Israel er en torn i øjet på danske selskaber. In: Politiken. 30. März 2010. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  56. Barak Ravid: Denmark's largest bank blacklists Israel's Hapoalim over settlement construction - Diplomacy and Defense. In: Haaretz. 1. Februar 2014. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  57. N. N.: Denmark Corporate Social Responsibility (CSR) Report. In: NGO Monitor. 25. Februar 2015. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  58. Søren Henriksen: Danske Bank removes Bank Hapoalim from exclusion list. In: Danwatch. 2. Dezember 2016. Abgerufen am 8. Februar 2017.
    Danske Bank: Excluded companies. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  59. Christian Ignatzi: Stuttgart: Tikkun Olam auf Schwäbisch. In: juedische-allgemeine.de. 10. Dezember 2015, abgerufen am 7. April 2016.
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  61. Hitlergruß und antisemitische Parolen bei Demo in Kreuzberg, Berliner Morgenpost, 7. März 2016, abgerufen am 12. August 2016.
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