Gustav Adolf von Varendorff

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Gustav Adolf v. Varendorf

Gustav Adolf von Varendorf(f) (* vor 1743 auf Gut Rieste; † 25. Mai 1812 auf Gut Tolkschuby)[1][2] war ein Kartograf und Offizier, zuletzt Generalmajor, in königlich-dänischen Diensten. Auf ihn geht ein umfassendes Kartenwerk des Herzogtums Holstein, des Hochstifts Lübeck sowie der Hansestadt Hamburg zurück.[3][4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Adolf von Varendorff wurde vor 1743 auf Gut Rieste bei Bramsche im Osnabrücker Land geboren.[1] Er entstammte einem Zweig des westfälischen Adelsgeschlechts der Herren von Varendorff, das seit dem 17. Jahrhundert auf Gut Varendorf[5] bei Rieste im heutigen Niedersachsen saß und seit 1774 auch in Dänemark naturalisiert war.[1][6] Sein Vater war Johan Dietrich Georg von Varendorff, Herr auf Rieste, seine Mutter war Maria Odilia Klara von Freytag.[7] Verheiratet war er mit Sophie von Warnstedt. Gustav Adolf von Varendorff schlug nach seiner Jugendzeit als Page am braunschweiger Hof im Jahre 1757 eine militärische Laufbahn ein.[1] Er nahm 1758 an der Schlacht bei Krefeld auf Seiten des Kurherzogtums Braunschweig teil und wurde Secondeleutnant im herzoglichen Leibregiment.[1] Einige Jahre später begab sich Gustav Adolf von Varendorff in die Dienste des Königreichs Dänemark und wandte sich 1773 nach Norwegen, wo er Hauptmann des Nordenfjeldske Infanterieregiments wurde und sich später auch an der kartografischen Erfassung Norwegens beteiligte.[1] 1777 stand er als Offizier im Oldenburgischen und später im Schleswigschen Infanterieregiment.[1] Gustav Adolf von Varendorff nahm im Jahre 1788 als Generaladjutant des schleswig-holsteinischen Statthalters Karl von Hessen-Kassel am Russisch-Schwedischen-Krieg auf Seiten Dänemarks teil.[1][8] In den Jahren 1789 bis 1797 erstellte das Schleswigsche-Infanterieregiment unter seiner Leitung als Major ein umfassendes Kartenwerk des Herzogtums Holstein, des Hochstifts Lübeck sowie der Hansestadt Hamburg.[3][4] Im Jahre 1806 wurde Gustav Adolf von Varendorff als Oberst zum Kommandeur des Schleswigschen-Infanterieregiments ernannt, führte in den Jahren 1805 und 1807 Kommandos an der Eider und den Dänischen Ostseenseln Møn, Lolland sowie Falster und wurde 1808 zum Generalmajor befördert.[1][9][10] 1810 wurde Gustav Adolf von Varendorff mit dem dänischen Dannebrogorden ausgezeichnet (1810 Ritter, 1812 Kommandeur).[1] Er verstarb am 25. Mai 1812 auf Gut Tolkschuby bei Flensburg.[1][2] Seine Nachkommen standen ebenfalls in königlich dänischen Diensten.[11][12][13]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1789 bis 1796 erstellte das Schleswigsche Infanterieregiment in Auftrag des schleswig-holsteinischen Statthalters Karl von Hessen-Kassel unter der Leitung Major Gustav Adolf von Varendorffs die „Topographisch Militärische Charte des Herzogtum Holstein“ („Varendorfsche Karten“). Dabei handelte es sich um ein militärisches Kartenwerk von 68 Einzelkarten im Originalmaßstab 1:26.293. Eine geographische Meile entsprach einem Hamburger bzw. Holsteiner Fuß auf der Karte.[3] Der topografischen Vermessung Holsteins folgte eine Kartografie des Hochstifts Lübeck und der Hansestadt Hamburg.[3] Die Aufnahmen erfolgten vor der Verkoppelung.

Reproduktion der Karten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein erstellte 1991 eine Reproduktion der Blätter im Maßstab 1:25.000.[14]

Blatt Blatttitel Karte
1 Sankt Peter-OrdingVollerwiek
2 FriedrichstadtLundenTönning
3 SüderstapelMeggerdorf
4 Eidermündung
5 BüsumWesselburen
6 Heide
7 ErfdeDellstedtTellingstedt
8 FockbekHohnWesterrönfeld
9 Rendsburg
10 AchterwehrGettorfKronshagenKiel-West
11 KielFriedrichsortLaboe
12 Schönberg
13 Scharhörn-West – Großer Vogelsand
14 NeuwerkScharhörn-Ost
15 AußenelbeBuschsand
16 DieksandMeldorfer Bucht
17 Meldorf
18 AlbersdorfHanerau-Hademarschen
19 BreiholzJevenstedtTodenbüttel
20 Nortorf
21 BordesholmFlintbekKiel
22 Kiel-Ost – Preetz
23 LütjenburgSelent
24 Oldenburg in Holstein
25 Heiligenhafen
26 Duhnen
27 Cuxhaven
28 MarneBrunsbüttel
29 Brunsbüttel (Hafen) – Burg (Dithmarschen)
30 SchenefeldWilsterItzehoe-Nord
31 HohenlockstedtHohenwestedtAukrug-West
32 Neumünster
33 BornhövedGadelandWattenbek
34 Plön
35 EutinMalente
36 GrömitzLensahnSchönwalde
37 DahmeKellenhusen
38 BelumNeuhaus (Oste)Otterndorf
39 BrokdorfWilstermarschFreiburg (Elbe)
40 GlückstadtKrempeItzehoe-Süd
41 KellinghusenBrande-Hörnerkirchen
42 Bad BramstedtBoostedt
43 Bad SegebergRickling
44 GnissauSeedorfWensin
45 AhrensbökScharbeutzSüsel
46 Neustadt in Holstein
47 Krautsand
48 ElmshornUetersenPagensand
49 BarmstedtQuickborn
50 Henstedt-UlzburgKaltenkirchen
51 LeezenSülfeld
52 Bad OldesloeReinfeld
53 LübeckBad Schwartau
54 Travemünde
55 Wedel
56 HamburgBlankenesePinneberg
57 FuhlsbüttelAlstertal
58 BargteheideAhrensburg
59 RethwischSandesneben
60 Lübeck-Süd – Ratzeburg
61 Buxtehude
62 AltonaHamburgHarburg Varendorf(62)Altona Hamburg Harburg.jpg
63 BergedorfReinbekWandsbek Varendorf(63)Bergedorf Reinbek.jpg
64 GlindeSchwarzenbek Varendorf(64)Glinde Schwarzenbek.jpg
65 BreitenfeldeNusse
66 Mölln
67 Pattensen
68 VierlandeWinsen Varendorf(68)Vierlande Winsen.jpg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen, Jahrgang 1788, 2. Band, 12. Stück: I. Authentisches Journal des Dänischen Feldzugs in Schweden, Hamburg 1788
  • Rudolf vom Bruch: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück. (Neudruck: H. Th. Wenner, Osnabrück 2004, ISBN 3-87898-384-0)
  • Roland Asch, Heike Düselder, Helmut Ottenjan u. a.: Adel auf dem Lande – Kultur und Herrschaft des Adels zwischen Weser und Ems 16. Bis 18. Jahrhundert. Cloppenburg 2004
  • Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, Berlin und New York 2007
  • Capitain von Schröder: Geschichte des Schleswigschen Infanterieregiments, seit seiner Entstehung in: C. Heiberg: Schleswig-Holsteinische Blätter für 1836, Dritter Band, 2. Heft (1937), Altona 1836
  • Jörn Meiners: Claus Hinrich Christensen (1768–1841): Festungen, Deiche, Schleusen in Schleswig-Holstein und Dänemark, Heide (Holstein) 1995
  • Carl Johann Anker: Biografiske data om 330 norske: norskfødte eller for nogen tid i den norske armé ansatte generalspersoner, 1628–1885, Kristiania 1885
  • Ulrich Lange: Geschichte Schleswig-Holsteins: von den Anfängen bis zur Gegenwart, Neumünster 1996

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karten von Gustav Adolf von Varendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k Carl Johann Anker: Biografiske data om 330 norske etc. generalspersoner 1628 - 1885, S. 323.
  2. a b Capitain von Schröder: Geschichte des Schleswigschen Infanterieregiments, seit seiner Entstehung in: Schleswig-Holsteinische Blätter für 1836, Dritter Band, 2. Heft (1927), S. 366: der als Todesjahr 1811 angibt.
  3. a b c d Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland. Walter de Gruyter, Berlin und New York 2007, ISBN 3-11-019056-7, ISBN 978-3-11-019056-4, Seite 92.
  4. a b Ulrich Lange: Geschichte Schleswig-Holsteins: von den Anfängen bis zur Gegenwart, S. 312.
  5. Gut Varendorf
  6. M. Gritzner, Ad. Hildebrandt: Der blühende Adel der Herzogtümer Schleswig-Holstein-Lauenburg, S. 21: "... 1778 in Dänemark naturalisiert."
  7. Rudolf v. Bruch: Rittersitze des Fürstentums Osnabrück, S. 291.
  8. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen, Jahrgang 1788, 2. Band, 12. Stück: I. Authentisches Journal des Dänischen Feldzugs in Schweden, S. 1262.
  9. Capitain von Schröder: Geschichte des Schleswigschen Infanterieregiments, seit seiner Entstehung in: Schleswig-Holsteinische Blätter für 1836, Dritter Band, 2. Heft (1927), S. 365.
  10. Jörn Meiners: Claus Hinrich Christensen (1768-1841), S. 111.
  11. Königlich Dänischer Hof- und Staatskalender: Staatshandbuch der dänischen Monarchie für das Jahr 1841, Sp. 64.
  12. Königlich Dänischer Hof- und Staatskalender: Staatshandbuch der dänischen Monarchie für das Jahr 1862, Sp. 30.
  13. Gesetz- und Ministerialblatt für die Herzogtümer Holstein und Lauenburg 1854, S. 218.
  14. Landesamt für Vermessung und Geoinformation Schleswig-Holstein