Häusliche Intensivpflege

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Die Häusliche Intensivpflege ist Häusliche Krankenpflege, die bis zu 24 Stunden am Tag gewährleistet wird. Menschen, die aus medizinischen Gründen einer ständigen Überwachung bzw. intensivpflegerischer Versorgung bedürfen, können mit Hilfe häuslicher Intensivpflege aus dem klinischen Bereich in ihr häusliches Umfeld zurückkehren bzw. dort verbleiben, zum Beispiel Langzeit-Beatmungspatienten. Das häusliche Umfeld bezieht sich auf die Wohnung des Betroffenen, die sich auch im Pflegeheim, bei seiner Familie, in einer Einrichtung des Betreuten Wohnens oder in einer Intensivpflege-Wohngruppe befinden kann. Grundlage aller Versorgungen ist die Vorgabe der Krankenversicherungen „ambulant vor stationär“.

Eine einheitliche Begrifflichkeit für die Intensivpflege im häuslichen Bereich gibt es nicht. Sie wird auch als Beatmungspflege, 1-zu-1-Versorgung, ambulante Intensivpflege oder 24-Stunden-Pflege angeboten. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen verwendet die Bezeichnung Außerklinische Intensivpflege (AKI).[1]

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leistungen der häuslichen Intensivpflege umfassen einerseits die Behandlungspflege des Patienten nach SGB V und die Grundpflege nach SGB XI sowie die Organisation von Hilfsmitteln, Vereinbarung von Arztterminen und Untersuchungen, Zusammenarbeit mit Therapeuten aller Fachrichtungen, Pflege sozialer Kontakte usw. Unter Umständen werden auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten, wie das Zubereiten kleiner Mahlzeiten, übernommen. Angehörige können auf Wunsch nach ihren Möglichkeiten angeleitet und in die Pflege integriert werden. Kooperationen mit Mitbewerbern oder anderen ambulanten Diensten sind zur Versorgung des Patienten möglich. So kann eine Übernahme von Nachtschichten in Kombination mit ambulanter Pflege durch andere Leistungserbringer (z. B. Diakonie, Caritas oder private Anbieter) kombiniert werden. Es ist teilweise auch möglich, dass Familienangehörige eine bestimmte Zeit der Pflege täglich übernehmen und der Fachpflegedienst beispielsweise nur 16 oder 18 Stunden täglich abdeckt.

Versorgungsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der häuslichen Intensivpflege haben sich unterschiedliche Versorgungsformen etabliert:[2]

  • die häusliche Einzel- bzw. 1:1-Versorgung
  • die Versorgung in spezialisierten Pflegeeinrichtungen bzw. Altenpflegeeinrichtungen
  • die Versorgung in Pflege-Wohngemeinschaften mit Betreuung in 24-Stunden-Schichten durch einen Intensivpflegedienst

Ein geschäftsfähiger Klient kann sein Assistenzpersonal aber auch nach rein persönlichen Kriterien unabhängig von dessen beruflicher Qualifikation auswählen (Arbeitgeber- bzw. Assistenzmodell). Für die ärztliche Betreuung ist der Hausarzt zuständig.

Kosten und Kostenträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kosten für diese besondere Art der ambulanten Pflege werden in der Regel voll von den Krankenkassen, den Pflegekassen und der Beihilfe sowie den Sozialhilfeträgern übernommen. Die Anbieter rechnen ihre Leistungen im Gegensatz zur Grundpflege nicht als Module bzw. Leistungskomplexe ab, sondern in Stundensätzen nach Leistungsgruppe IV ab. Die Leistungen der einzelnen Unternehmen können, je nach dem Leistungskatalog des jeweiligen Anbieters, stark variieren. Die meisten Dienste übernehmen die Verhandlungen mit den Kostenträgern. Ein fester Zeitraum für die Versorgung des Betroffenen ist generell nicht vorgesehen, ein bestimmter Pflegegrad ist nicht erforderlich. Muss der Betroffene während der Betreuung im Krankenhaus behandelt werden, ruht der Versorgungsvertrag.

Voraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Voraussetzung für häusliche Intensivpflege ergibt sich aus einem erhöhten Pflegeaufwand und/oder einer vitalen Bedrohung des Patienten, z. B. einer schweren Störung vitaler Funktionen wie lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, Beatmung, respiratorische Insuffizienz, Bewusstlosigkeit, Koma, Störungen des Flüssigkeits-, Elektrolyt-, Säure- und/oder Basenhaushalts. Die Kosten für Alterserkrankungen wie beispielsweise eine reine Demenzversorgung werden in diesem Zusammenhang nicht getragen. Treten die Altersbeschwerden jedoch zusammen mit den oben genannten Krankheitsbildern auf, schließt dies eine Verordnung von Leistungen nicht aus.

Leistungserbringer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leistungserbringer sind mobile Pflegedienste, die neben anderen Leistungen häusliche Intensivpflege anbieten oder sich allein darauf spezialisiert haben.

Pflegepersonal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der häuslichen Intensivpflege wird Pflegepersonal unterschiedlicher Qualifikation eingesetzt. Je nach Einsatzbereich wird eine abgeschlossene Berufsausbildung als Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger, Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger oder Kinderkrankenpfleger vorausgesetzt. Ausnahmen bilden Wohngruppen, die auch Pflegehelfer beschäftigen. Eine Weiterbildung zur Fachpflegekraft für Intensivpflege und Anästhesie oder Respiratory Therapist wird vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) für die Pflegedienstleitung eines Außerklinischen Intensivpflegedienstes empfohlen.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Qualitätsprüfungs-Richtlinie häusliche Krankenpflege (QPR-HKP) beschlossen. Meldung des MDS vom 11. Dezember 2017; abgerufen am 11. Februar 2019
  2. Außerklinische Intensivpflege: Aktuelle Herausforderungen im Hygienemanagement. Epidemiologisches Bulletin des Robert Koch-Instituts, Nr. 39 vom 28. September 2015; abgerufen am 11. Februar 2019.
  3. Anforderungsprofil für in der Intensivpflege tätige Pflegedienste. Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), März 2009; abgerufen am 11. Februar 2019