HMS Cumberland (1902)

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Flagge
HMS Cumberland
HMS Cumberland
Übersicht
Typ Panzerkreuzer
Bauwerft

London & Glasgow Shipbuilding Co., Govan

Kiellegung 19. Februar 1901
Stapellauf 16. Dezember 1902
Auslieferung 1. Dezember 1904
Namensgeber ehemalige Grafschaft Cumberland
Dienstzeit

1904–1920

Verbleib Verkauf zum Abbruch
9. Mai 1921
Technische Daten
Verdrängung

9.800 tn.l.

Länge

pp : 134,11 m (440 ft)
ü.a. 141,42 m (463,5 ft)

Breite

20,12 m (66 ft)

Tiefgang

7,6 m (25 ft)

Besatzung

678 Mann

Antrieb
Geschwindigkeit

23 kn

Bewaffnung
Kohlenvorrat

1.600 tn.l.

Panzerung
Gürtelpanzer/Kasematten


50–100 mm (2–4 in)

Türme/Barbetten

127 mm (5 in)

Deck

50–170 mm (2–7,5 in)

Kommandoturm

250 mm (10 in)

Die neunte HMS Cumberland der Royal Navy war ein Panzerkreuzer der Monmouth-oder County-Klasse, die von 1904 bis 1920 eingesetzt wurde. Von 1907 bis 1914 und von 1918 bis 1920 diente sie als Kadettenschulschiff. Während des Ersten Weltkriegs unterstützte sie im Herbst 1914 die Besetzung der deutschen Kolonie Kamerun und kaperte die dorthin geflohenen deutschen Handelsschiffe. Später wurde sie auf dem Nordatlantik zur Sicherung der Seewege eingesetzt.

Die Schwesterschiffe der Cumberland waren HMS Monmouth, HMS Essex, HMS Bedford, HMS Kent, HMS Donegal, HMS Berwick, HMS Cornwall, HMS Suffolk und HMS Lancaster.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Cumberland lief am 16. Dezember 1902 bei der London & Glasgow Shipbuilding Co. in Govan bei Glasgow vom Stapel, die schon das Typschiff der Klasse, die Monmouth gebaut hatte. Die Bauwerft wurde 1912 Teil der Glasgower Filiale der Belfaster Großwerft Harland & Wolff, die anfangs in Govan vor allem Kriegsschiffe baute. Die Cumberland und ihr Schwesterschiff Cornwall wurden im Dezember 1904 als letzte Schiffe der Klasse von der Royal Navy in Dienst genommen.

Die ungünstige Kasemattenanordnung der Monmouth-Klasse

Wie ihre Schwesterschiffe verdrängte sie 9800 ts, hatte beim Abnahmetest eine Höchstgeschwindigkeit von 23,7 Knoten bei 22,784 PSi Antriebsleistung mit den üblichen Belleville-Kesseln fast aller Schwesterschiffe.

Die Hauptbewaffnung, bestehend aus vierzehn 6-Zoll-(15,2-cm)-Schnellladegeschützen, davon vier in einem Bug- und einem Heck-Doppelturm und zehn in Kasematten, war vergleichsweise schwach für einen Panzerkreuzer der damaligen Zeit. Da die unteren sechs Kasemattgeschütze nicht sehr weit über der Wasserlinie lagen, konnten sie nur bei ruhiger See wirksam eingesetzt werden. Die Panzerung war ebenfalls nicht sehr stark. Auch die relativ schweren Doppeltürme bewährten sich nicht, da sie artilleristisch wenig Vorteile boten aber das Seeverhalten der Schiffe ungünstig beeinflussten[1].

Einsätze vor dem Weltkrieg[Bearbeiten]

Als die Cumberland mit dem Schwesterschiff Cornwall 1904 in den Dienst kam, wurden beide Panzerkreuzer der Cruiser Squadron der Kanalflotte zugeteilt. Dieses Kreuzergeschwader wurde 1905 in das 1. und das 2. Kreuzergeschwader geteilt und das 2. Geschwader unter Konteradmiral Prinz Louis Alexander von Battenberg der Atlantikflotte zugeteilt.

HMS Drake,
Flaggschiff der 2nd Cruiser Squadron

Es bestand anfangs aus der HMS Drake als Flaggschiff und vier Panzerkreuzern der Monmouth-Klasse mit Berwick, Cornwall, Cumberland und Essex. Dazu trat dann noch im Sommer 1905 die Bedford. 1905 besuchte Prinz Louis mit seinem Geschwader erst Häfen am Mittelmeer und dann von August bis November 1905 kanadische und amerikanische Häfen. Die Rückfahrt von New York zum Geschwaderstützpunkt nach Gibraltar wurde als Rennen ausgetragen, bei dem sich die Cumberland auszeichnete, als sie an den beiden letzten Tagen der Überfahrt zu den beiden führenden Kreuzern aufschließen konnte, obwohl sie vorher mit den übrigen Schiffen schon erheblich zurückgefallen war. Sie blieb allerdings kurz hinter der Berwick auf dem dritten Platz, die beide die anfangs sicher führende Drake nicht einholen konnten. 1906 gehörte die Cumberland mit ihren Schwesterschiffen Berwick und Cornwall und der Drake als Flaggschiff weiter zum 2. Kreuzergeschwader in der Atlantikflotte, dem jetzt noch die neueren Panzerkreuzer HMS Duke of Edinburgh und HMS Black Prince angehörten. Am 3. September 1907 wurde die Cumberland als Schulschiff für die Kadetten des Britannia Royal Naval College in Dienst gestellt. Sie blieb dies bis zum Kriegsausbruch und übernahm diese Aufgabe auch wieder nach dem Friedensschluss bis zu ihrer endgültigen Außerdienststellung am 13. April 1920.

Kriegseinsatz[Bearbeiten]

Im August 1914 wurde die Cumberland nach Westafrika zur 5th Cruiser Squadron unter Konteradmiral Archibald P. Stoddart entsandt, der anfangs über die Carnarvon sowie die Cornwall und kurzzeitig auch die Monmouth verfügte. Im September 1914 gehörte die Cumberland zu den Angriffskräften gegen die deutsche Kolonie Kamerun mit dem Kreuzer HMS Challenger, dem Kanonenboot HMS Dwarf und zehn improvisierten Kanonenbooten der Niger-Flottille. Bei der Besetzung Dualas am 27. September 1914 kaperte die Cornwall elf deutsche Handelsschiffe, die dorthin geflüchtet waren, da sie sich in der Kolonie vor Angriffen sicher wähnten[2]. Als Stoddart auf die andere Seite des Atlantiks verlegte, um einen Angriff des deutschen Ostasiengeschwaders nach dem Seegefecht bei Coronel abzuwehren, blieb die Cumberland vor Westafrika, wo auch noch die Panzerkreuzer Warrior, Black Prince und Donegal, der Kreuzer Highflyer und das Linienschiff Vengeance eintrafen, um im Notfall dem deutschen Ostasiengeschwader den Weg nach Norden zu verstellen. Die Cumberland verlegte im Januar 1915 in die Heimat zum 6. Kreuzergeschwader der Grand Fleet. Schon 1915 wurde sie dann zur West Indies and North America Station entsandt, um deutsche Handelsstörer abzuwehren. Später wurde sie auch zur Konvoibegleitung zwischen Kanada und Großbritannien eingesetzt.

Endschicksal der Cumberland[Bearbeiten]

Bei Kriegsende wurde die Cumberland wieder Kadettenschulschiff des Britannia Royal Naval College bis zum 13. April 1920. Das Schlachtschiff HMS Temeraire sollte sie in dieser Aufgabe ersetzen und der Panzerkreuzer wurde am 12. November 1920 zu Verkauf angeboten. Am 9. Mai 1921 wurde er von der Firma T.W. Wards erworben und ab dem 28. März 1923 erfolgte der Abbruch in Briton Ferry.

Literatur[Bearbeiten]

  • Geoffrey Bennet: Die Seeschlachten von Coronel und Falkland, Wilhelm Heyne Verlag, München (1980), ISBN 3-453-01141-4.
  • Carl Herbert: Kriegsfahrten deutscher Handelsschiffe. Broschek & Co, Hamburg 1934.
  • Hans H. Hildebrand/Albert Röhr/Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart, Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford,
  • Jane's Fighting Ships of World War I. Studio Editions, 1990, ISBN 1-85170-378-0.
  • Arnold Kludas: Die Schiffe der deutschen Afrika-Linien 1880 bis 1945. Verlag Gerhard Stalling, 1975, ISBN 3-7979-1867-4.
  • John Roberts, H. C. Timewell, Roger Chesneau (Hrsg.), Eugene M. Kolesnik (Hrsg.): Kriegsschiffe der Welt 1860 bis 1905 – Band 1: Großbritannien/Deutschland. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1983, ISBN 3-7637-5402-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einziger Unterschied zwischen Mk.VII und Mk.VIII war, dass bei Mk.VIII der Verschluss nach links statt nach rechts öffnete.
    Die Mk.VIII wurden als linkes Rohr in die Doppeltürme eingebaut, was das Nachladen erleichterte,
    da die Verschlüsse zu den Turmwänden hin wegschwenkten.
  1. Beschreibung der 6"-45 Mk.VII/VIII
  2. Erna Woermann 5528 BRT (1902), Max Brock 4579 BRT (1907), Hans Woermann 4059 BRT (1900),
    Renata Amsinck 3824 BRT (1912), Aline Woermann 3133 BRT (1910), Arnfried 2899 BRT (1911),
    Henriette Woermann 2426 BRT (1903), Jeanette Woermann 2286 BRT (1893), Paul Woermann 2238 BRT (1898),
    Haussa 387 BRT (1913), Fullah 367 BRT (1913),
    zwei größere und fünf Küstendampfer hatten die Deutschen zuvor zur Sperre des Hafens versenkt,
    nur ein Schiff lief aus der Kolonie in den ersten Kriegstagen zur Versorgung deutscher Kriegsschiffe aus:
    die Eleonore Woermann 4624 BRT, 12,5 kn (1902), die vor Brasilien die SMS Dresden versorgte,
    dann den Hilfskreuzer SMS Cap Trafalgar unterstützen sollte und 303 Mann nach dessen Versenkung rettete und nach Argentinien brachte,
    als Versorger des Geschwader Spees, dann der Dresden vorgesehen, wurde sie am 6. Januar 1915 vor der argentinischen Küste von der HMAS Australia entdeckt und versenkt