HMS Erebus (1826)

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Hecla-Klasse
HMS Erebus und HMS Terror 1845
HMS Erebus und HMS Terror 1845
Übersicht
Typ Bombarde
1. Dienstzeit Flagge
Verbleib Auf der Position 68° 15′ N, 98° 45′ W68.25-98.75 gesunken
Technische Daten
Verdrängung

372 t

Länge

32 m

Breite

8,7 m

Tiefgang

4,2 m

Besatzung

67

Antrieb

3-Mast Segelschiff, ab 1844 zusätzlich eine 25-PS-Dampfmaschine mit Propeller

Bewaffnung

1 13-Zoll-Mörser, 1 10-Zoll-Mörser, 2 6-Pfünder, 8 24-Pfünder

Die HMS Erebus war ein Kriegs- und Forschungsschiff der Royal Navy im 19. Jahrhundert. Die Erebus gehörte der Hecla-Klasse der Bombarden (bomb vessels) an, Schiffe zum Beschuss der Küste mit schweren Mörsern. Sie wurde nach Erebos (latinisiert Erebus) benannt, dem Gott der Finsternis in der griechischen Mythologie.

Bekannt wurde sie für ihre Beteiligung an den Expeditionen von James Clark Ross in der Antarktis sowie der letzten Expedition von John Franklin in der kanadischen Arktis. Dort wurde das Schiff im Jahre 1848 von seiner Mannschaft aufgegeben. Die vermutete Untergangsstelle des Schiffes und des anderen Schiffes der Expedition, der HMS Terror, wurde bereits 1992 von Kanada zu einem Ort von nationaler Bedeutung, zu einer National Historic Site of Canada, erklärt.[1]

Vom Kriegs- zum Forschungsschiff[Bearbeiten]

Die Erebus wurde von Sir Henry Peake entworfen und im Jahre 1826 in den Docks von Pembroke in Wales fertiggestellt. Die für ihre Kriegsaufgabe, das Verschießen von schweren Mörsergranaten, notwendige schwere und robuste Konstruktion, sowie ihr verhältnismäßig geringer Tiefgang machte die Erebus in der Zeit des relativen Friedens, die für Großbritannien nach Ende der Napoleonischen Kriege und des Britisch-Amerikanischen Kriegs folgte, zur Erforschung der Polarmeere interessant, und so wurde sie bei zwei großen Polarexpeditionen als Flaggschiff verwendet: Sie erkundete 1839–1843 unter James Clark Ross zusammen mit einer kleineren Bombarde der Fury-Klasse, der HMS Terror, die Antarktis.

Die Franklin-Expedition[Bearbeiten]

Hauptartikel: Franklin-Expedition

1844 wurde sie für die spätere Franklin-Expedition weiter modernisiert und an die Erfordernisse der Polarmeere angepasst. So wurde ihr Bug, ihre interne Struktur und die Decks mit Holz und Kupferplatten verstärkt, sie erhielt ein kohlebetriebenes Zentralheizungssystem und zusätzlich zu ihren Segeln wurde die Dampfmaschine einer Lokomotive der Greenwich Railway Company eingebaut, die 25 PS an einen knapp zwei Meter großen Propeller abgab - und es der Erebus ermöglichen sollte, unabhängig von der Windsituation jede sich bietende Lücke im Packeis nutzen zu können. Trotz dieser modernen Ausrüstungsmerkmale scheiterte die Expedition unter der Leitung von John Franklin. Lange Zeit wurde vermutet, dass das Schiff im Verlauf der unglücklichen Franklin-Expedition von der Mannschaft im Frühjahr 1848 vor der King-William-Insel im Packeis aufgegeben und gemeinsam mit dem Schwesterschiff der Expedition, der Terror, dort gesunken sei. Erst durch Beachtung der mündlichen Inuit-Tradition, die von einem an einer ganz anderen Stelle treibenden Schiff berichtet, gelang es im September 2014, die guterhaltenen Überreste der HMS Erebus in der Wilmot and Crapton Bay vor der Adelaide Peninsula auf der Position 68° 15′ N, 98° 45′ W68.25-98.75 zu lokalisieren, also mehr als 100 Kilometer südlich der lange Zeit vermuteten Untergangsstelle. Das Schiff war also doch nicht von der gesamten Mannschaft aufgegeben worden, sondern hatte, gesteuert von einigen Männern, die sich nicht an dem Versuch beteiligt hatten, ihr Leben durch einen Fußmarsch in den Süden zu retten, die Victoria Strait und King William Island passiert und war bis zum kanadischen Festland gelangt.[2] Da dieser Bereich damals bereits bekannt war, haben diese Seeleute damit die Nordwestpassage gefunden, was für sie in ihrer Notlage jedoch sicherlich unerheblich war. Laut den Inuit-Überlieferungen stieg von dem Schiff noch einige Zeit lang Rauch auf und eine Planke war von Deck auf das Packeis geschoben worden. Die Männer an Bord blieben wohl noch so lange, bis die bei der Abfahrt reichlich gebunkerten Vorräte zur Neige gingen. Als die Inuit kein Lebenszeichen mehr an Bord feststellen konnten, durchsuchten sie die Erebus. Unter Deck fanden sie reichlich Unordnung und einen Toten. Die Inuit nahmen sich eine Vielzahl von für sie interessanten Gegenstände mit. Einige wurden später bei ihnen gefunden und kamen teilweise in das National Maritime Museum in Greenwich. Wie Fußspuren im Schnee den Inuit zeigten, hatten die übrigen Männer das Schiff verlassen. Sie wurden nie wieder gesehen.[3] Wann das verlassene Schiff letztlich sank, lässt sich nicht mehr ermitteln. Die kanadischen Behörden haben im Bereich der Fundstelle ein Sperrgebiet eingerichtet, das ohne schriftliche Erlaubnis nicht befahren werden darf.[4]

Nachwirkungen[Bearbeiten]

Nach der Erebus sind einige geographische Objekte in der Arktis und der Antarktis benannt, unter anderem Erebus Bay vor der Beechey-Insel in der Provinz Nunavut im Norden Kanadas und Mount Erebus auf der Ross-Insel in der Antarktis. Hier diente somit eine Bombarde als Namensgeber für einen Vulkan; zur damaligen Zeit war der umgekehrte Fall die Regel.

Gemälde[Bearbeiten]

Der britische Schiffsmaler und Admiral Richard Brydges Beechey stellte die HMS Erebus im Jahre 1842 auf dem Ölgemälde HMS Erebus Passing Through the Chain of Bergs dar.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: HMS Erebus (1826) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erebus and Terror National Historic Site of Canada. In: Canadian Register of Historic Places. Abgerufen am 10. September 2014 (englisch).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWrack der Franklin-Expedition identifiziert. In: FAZ.net. 2. Oktober 2014, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  3. HMS Erebus - Das arktische Totenschiff taucht wieder auf - ARTE, Erstausstrahlung 9. Januar 2016
  4. NAVINICS http://webapp.navionics.com/?lang=de#@10&key=yqo_LlnryQ, abgerufen am 10. Januar 2016

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