Hamburger Hafenkonzert
Das Hamburger Hafenkonzert[1][2][3] ist eine Hörfunksendung des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und die älteste bestehende Rundfunksendung der Welt.[4][5][6] Bis zum fünfundsiebzigjährigen Jubiläum am 13. Juni 2004 wurden 2500 Folgen gesendet.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das erste Hafenkonzert wurde am 9. Juni 1929 von Bord des Dampfers Antonio Delfino ausgestrahlt, damals noch von der Nordischen Rundfunk AG (NORAG). Das Konzept zu einer Sendung mit betont maritimem Charakter war auf Veranlassung des damaligen NORAG-Intendanten Hans Bodenstedt von Kurt Esmarch entwickelt worden. Esmarch leitete die Sendung schließlich bis 1964. Danach leitete Hermann Rockmann von 1964 bis zu seiner Pensionierung 1982 das Hafenkonzert.
Ursprünglich handelte es sich um eine reine Musiksendung, die am frühen Sonntagmorgen live von Orten gesendet wurde, die eng mit der Seefahrt verbunden sind, so zum Beispiel von im Hamburger Hafen vor Anker liegenden Schiffen. 1931 wurde erstmals aus Bremen gesendet.[7] Das Konzept wurde schon bald durch zusätzliche Elemente wie Interviews, Reportagen und Erzählungen von Seemannsgarn erweitert.
Die Popularität des Hafenkonzerts veranlasste in den folgenden Jahren Sender im übrigen Gebiet des Deutschen Reiches, sich der Ausstrahlung anzuschließen. Nach der Gleichschaltung des deutschen Rundfunks und der Auflösung der NORAG wurde die Sendung vom Reichssender Hamburg übernommen und weitergeführt. Der Reichssender Köln veranstaltete ab 1938 ein Duisburger Hafenkonzert.[8]
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde zunächst kein Hafenkonzert gesendet. Am 4. Mai 1947 nahm der NWDR die Sendung wieder auf (aus Hamburg und Duisburg, abwechselnd mit dem Bergmannskonzert); 1956 ging sie an den neu entstandenen NDR über (das Duisburger Hafenkonzert kam zum WDR; bereits 1947 hatte Radio Bremen mit seinem eigenen Bremer Hafenkonzert begonnen). Im Verlauf der Jahre änderte sich die musikalische Bandbreite; wurde ursprünglich nur Orchester- und Instrumentalmusik geboten, traten nun unter musikalischer Leitung von Günter Fuhlisch zunehmend auch Gesangsinterpreten, wie beispielsweise Carl Bay, mit Begleitung des Akkordeonisten Rudolf Klaus[9] auf.
Unverändert blieb die Ausrichtung des Programms auf die Seefahrt mit abwechselnden maritimen Themen bestehen. Bevorzugter Sendeort war nach wie vor der Hamburger Hafen (oftmals das Schulauer Fährhaus, später auch das Internationale Maritime Museum in der Speicherstadt) sowie der Hamburger Seemannsclub Duckdalben. Aber auch aus anderen deutschen Hafenstädten oder von Bord von Schiffen wurde übertragen. In jüngerer Zeit wurde auch in anderen Ländern und sogar außerhalb Europas produziert. Im Gegensatz zu den früheren Direktübertragungen waren die meisten Sendungen nun jedoch aufgezeichnet.
Bis heute wird das Hamburger Hafenkonzert am frühen Sonntagmorgen zwischen 6 und 8 Uhr gesendet. Den Schwerpunkt bilden dabei Reportagen; eigene Musikaufnahmen finden in der Regel nicht mehr statt (Ausnahmen beispielsweise zu Weihnachten bis 2022). Eine Wiederholung der Sendung ist ab 19 Uhr zu hören. Das Programm beginnt traditionell mit dem Glockengeläut des Hamburger Michels.
In Hamburg ist das Hafenkonzert auf NDR 90,3 (UKW 90,3 MHz und im Hamburger Kabelnetz: 93,2), Cuxhaven/Deutsche Bucht 98,4 zu hören. Darüber hinaus ist es in ganz Europa über Satellit zu empfangen. Selbst in Namibia und Australien wird das Programm von zwei Sendern übernommen.
Am 26. Januar 2020 wurde die 3400. Folge des Hafenkonzerts gesendet.[10]
Verlauf:
- Nr. 1: 9. Juni 1929
- 500: 10. Juli 1938[11] (die Zeit seit Sendestart umfasst nur 475 Sonntage, jedoch gab es Sonderausgaben an Feiertagen)
- 1000: 1954 (zugleich Jahr des 25. Jubiläums)
- 1500: 22. August 1971[12]
- 2500: 13. Juni 2004 (zugleich 75. Jubiläum)[13]
- 3000: 3. Februar 2013[14]
Moderation:
- 1929–1964 Kurt Esmarch[15]
- 1964–1982 Hermann Rockmann
- 1982–2001 Kurt Grobecker
- 2001–2015 Gerd Spiekermann
- seit 2015 Kerstin von Stürmer
Sendung „Gruß an Bord“
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine ebenfalls sehr traditionsreiche und beliebte Sendung des NDR aus dem Bereich der Seefahrt ist die seit 1953 an Heiligabend ausgestrahlte Sendung Gruß an Bord, bei der Familien, Freunde oder Reedereien Grüße an die Seeleute von Schiffen in aller Welt richten (und umgekehrt), die über Weihnachten nicht in der Heimat sind. Dazu wurde die Sendung bis 1998 sogar über die Küstenfunkstelle Norddeich Radio ausgestrahlt. Um eine Übertragung auf allen Weltmeeren sicher zu ermöglichen, werden verschiedene Kanäle zur Ausstrahlung dieser Sendung eingesetzt und nach der Abschaltung eigener Kurzwellensender 2011 seit 2012 selbst Kurzwellenfrequenzen angemietet.[16][17]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kurt Esmarch: Mensch und Meer: 25 Jahre Hafenkonzert. Gerdes, Preetz/Holstein 1953.
- Kurt Grobecker: Das Hamburger Hafenkonzert. Koehler, Herford 1989, ISBN 3-7822-0471-9 (Inhaltsverzeichnis).
- Kurt Grobecker: Das Hamburger Hafenkonzert. DSV, Hamburg 1996, ISBN 3-88412-250-9 (Inhaltsverzeichnis).
- Eckhard-Herbert Arndt: NDR zeichnet heute 3000. Hafenkonzert auf. In: Täglicher Hafenbericht vom 31. Januar 2013, S. 15.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ndr903.de: NDR-Website des Hafenkonzerts
- Heide Soltau: 9. Juni 1929 – Erste Sendung des Hamburger Hafenkonzerts WDR ZeitZeichen vom 9. Juni 2014 (Podcast).
- Literatur von und über Hamburger Hafenkonzert im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ 40 Jahre Hafenkonzert (PDF; 1,8 MB) In: Hamburger Abendblatt, 7. Juni 1969, S. 73
- ↑ Michael Best: Hamburger Hafenkonzert – eine Kultsendung wird 80 In: Hamburger Abendblatt, 9. Juni 2009
- ↑ Als das erste Hafenkonzert auf Sendung ging In: Hamburger Abendblatt, 11. Juni 2009
- ↑ Hamburger Hafenkonzert - Sonntag bei NDR 90,3. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, abgerufen am 3. Juni 2021.
- ↑ Lars Amenda: ZEITHISTORISCHE FORSCHUNGEN / HAFENKONZERT Geräusche und Gesellschaft in Hamburg im 20. Jahrhundert. zeithistorische-forschungen.de, abgerufen am 4. September 2021.
- ↑ Alina Laura Tiews: Das „Hamburger Hafenkonzert“ der Norag ist die traditionsreichste Rundfunksendung der Welt. Hans-Bredow-Institut, abgerufen am 4. September 2021.
- ↑ Radio Wien, 12. Juni 1931
- ↑ Peter Klucken: Bierzelt-Stimmung in aller Früh. In: Rheinische Post, 30. März 2013.
- ↑ http://www.playitagainsam-online.de/LP-Das-grosse-Hamburger-Hafenkonzert-Nana-Gualdi-Hildegund-Carena-Carl-Bay-Rudolf-Klaus (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche in Webarchiven)
- ↑ Hamburger Hafenkonzert – Der Untergang der "Wilhelm Gustloff". In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, abgerufen am 26. Januar 2020.
- ↑ Das kleine Kino- und Radio-Blatt, 7. Juli 1938
- ↑ Stadt Wedel: Was in Wedel geschah
- ↑ welt.de, 28. Mai 2004
- ↑ ndr.de, 22. Januar 2013
- ↑ Stefan Kiekel: Kurt Esmarch und das »Hamburger Hafenkonzert«. In: Rundfunk und Geschichte, Nr. 1–2/2011, S. 3–17.
- ↑ "Gruß an Bord": So empfangen Sie die Sendung. Norddeutscher Rundfunk, 17. Dezember 2019, abgerufen am 24. Dezember 2019.
- ↑ Kai Ludwig: Für den NDR geplante Kurzwellen. Radio Eins, 1. November 2019, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 24. Dezember 2019; abgerufen am 24. Dezember 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.