Hans Brüggemann

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Brüggemann-Altar im Schleswiger Dom

Hans Brüggemann bzw. Johannes Brüggemann (* um 1480 in Walsrode; † um 1540 in Husum) war ein deutscher Bildhauer und Bildschnitzer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Lehrzeit in den Bauhütten der großen Kathedralen am Niederrhein, in Utrecht und ’s-Hertogenbosch kehrte er in seine norddeutsche Heimat zurück und eröffnete eine Werkstatt in Husum.

Der sogenannte kleine Brüggemann-Altar

Zu Brüggemanns Arbeiten gehören der Engel vom verlorenen Tabernakel der alten Husumer Marienkirche (1520) und die über zwei Meter hohe Holzskulptur des Christophorus im Schleswiger Dom. Ferner wird ihm laut Heinrich Rantzau der Altar in der Marienkirche von Bad Segeberg zugeschrieben; es könnte sich um eine Jugendarbeit handeln. Auch der Altar der St. Johanniskirche in Brügge (heute auf Schloss Gottorf) wird Brüggemann oder seiner Werkstatt zugeschrieben. Er ersetzte nach 1672 für einige Jahrzehnte den großen Brüggemann-Altar in Bordesholm.[1]

Brüggemanns Hauptwerk ist der im Auftrag von Herzog Friedrich († 1533) 1514 bis 1521 für die Chorherrenkirche des Augustinerstifts in Bordesholm geschaffene dreiflüglige Bordesholmer Passionsaltar, zum Teil inspiriert von Holzschnitten Albrecht Dürers, Zeugnis der Übergangszeit von der Spätgotik zur Renaissance. Laut einer von Martinus Coronaeus überlieferten Sage blendeten ihn die Bordesholmer Mönche, als er Lübecker Bewunderern seines Werks einen noch schöneren Altar versprach.[2] Das lag vielleicht nicht nur an der Schönheit, sondern auch an verborgenen Botschaften des Altars. Denn das Gesamt-Bildprogramm des Altars wirft noch immer etliche Fragen auf. Dazu zählen neben anderen rätselften Bildern die vier Abendmahls-Darstellungen in der Predella ebenso wie der thronenende Christus im Gesprenge. Bisher wird angenommen, dass Brüggemann dort das Jüngste Gericht dargestellt habe. Jedoch verzichtete er oder der Konzeptor des Bildpgrogramms, abweichend von Dürer, auf jegliches Droh-Protential, so dass eher die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten gemeint sein dürfte[3]. Unbekannt ist ferner, ob sich das Bildprogramm nur an die Bordesholmer Chorherren richtete (die sich 1490 der Devotio moderna angeschlossen hatten)[4], oder auch an Laienpublikum, das in Bordesholm kaum näher als 20 Meter an den Altar herantreten konnte, dessen Schreinflügel ohnehin nur an besonderen Festtagen geöffnet waren. Als Konzeptor des Programms wird Gottschalk von Ahlefeldt († 1541) angenommen[5], Freund des auftraggebenden Herzogs und in Rostock sowie Bologna ausgebildeter Theologe, seit 1507 Bischof von Schleswig. Er war der heraufziehenden Reformation nicht abgeneigt – vielleicht nicht nur, um lebenslänglich die bischöflichen Güter behalten zu können.

Durch die Reformation in seiner Wahlheimat Husum brotlos geworden, kehrte Brüggemann in seinen Geburtsort Walsrode zurück, wo er von den Kirchenherren 1523 beauftragt wurde, einen Altar für die dortige Klosterkirche zu schnitzen. Aber auch nach Walsrode gelangte die Reformation. Nach einer von vielen Legenden, die sich um Brüggemanns Tod ranken, soll er im Husumer Armenhaus verstorben sein. Eine andere Legende nennt Lüneburg als seinen letzten Wohnort.

Nach Heinrich Rantzau[6] hat Matthias Pausenius das Werk Brüggemanns mit folgendem Epigramm gewürdigt:

Schenkte doch jüngst diesem Bild sein Augenmerk Phöbus Appollon:
"War's eines Sterblichen Hand," fragt' er, "der solches gelang?"
Bin ich auch sonst nicht bereit, die Kunst eines Phidias zu schmälern
oder ein Bild, das Lysipp schuf mit begnadeter Hand -
Könnte mein Auge dies Werk nicht klar über jene erheben,
stumpfer wäre mein Blick selbst als des Midas Gehör.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hans Brüggemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. St. Johannis-Kirche Brügge (Memento des Originals vom 21. Oktober 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.st-johannis-bruegge.de
  2. August Sach: Hans Brüggemann. Ein Beitrag zur Geschichte der Herzogthümer. Kiel 1865, S. 7.
  3. Jan Friedrich Richter: Der Bordesholmer Altar (1521), Königstein i. Ts. 2019, S. 34f.
  4. Horst Appuhn: Der Bordesholmer Altar, 2. Aufl. Königstein i. Ts. 1987, S. 51
  5. Jan Friedrich Richter: Der Bordesholmer Altar (1521), Königstein i. Ts. 2019, S. 54–57
  6. Heinrich Rantzau: Cimbricae chersonesi... descriptio, Kapitel Bordesholm
  7. Übersetzung aus dem Lateinischen: Hans Braunschweig