Hans Burgkmair der Ältere

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Selbstbildnis (1517). Das Monogramm Albrecht Dürers ist später hinzugefügt worden.

Hans Burgkmair der Ältere (* 1473 in Augsburg; † 1531 ebenda) war ein bedeutender Maler,Zeichner und Entwerfer für den Holzschnitt zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Er gilt neben Hans Holbein dem Älteren und Hans Holbein dem Jüngeren als wichtigster Augsburger Künstler zwischen Spätgotik und Renaissance.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Hans Burgkmair
Hans Burgkmair und seine Frau Anna, gemalt von Lukas Furtenagel (1529).
Auf dem Zettel steht in Großbuchstaben:
Joann Burgkmair M[aler] 56 Jar alt
Ann Allerlaiin Ge[mahe]l 52 Jar alt

Als Sohn des Malers Thoman Burgkmair (1444–1523) kam Hans schon früh mit der Malerei in Kontakt, die Technik lernte er in der Werkstatt bei seinem Vater. Seine Lehrzeit führte ihn 1488 bis 1490 nach Colmar (Elsass) zu Martin Schongauer, der ihn nachhaltig beeinflusste. Nach seiner Rückkehr entstand 1490 als sein frühestes Werk das Bildnis des Straßburger Münsterpredigers Johann Geiler von Kaysersberg, ebenso ein Porträt des Augsburger Bischofs Friedrich von Zollern.

Ab 1491 war Burgkmair längere Zeit für den Augsburger Drucker Erhard Ratdolt als Reißer für den Holzschnitt tätig. 1498 wurde er als Meister in die reichsstädtische Malerzunft aufgenommen und verehelichte sich im selben Jahr mit Anna Allerlay aus einer Augsburger Kürschnerfamilie.. Auf dem Augsburger Reichstag knüpfte er zwei Jahre später Kontakte zum deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I., der ihn bald zu schätzen wusste und ihm 1516 ein Wappen verlieh. Zwischen 1501 und 1504 malte der Künstler drei der sechs Basilikenbilder für den Kapitelsaal des Augsburger Dominikanerinnenklosters St. Katharina.

1503 begab sich Burgkmair auf eine Reise an den Niederrhein. 1505 gestaltete er für den sächsischen Kurfürsten Friedrich den Weisen vermutlich für die Schlosskirche von Wittenberg ein Triptychon, das auf der Mitteltafel die Heiligen Sigismund und Sebastian darstellt. Dazu erscheinen der Pestheilige Rochus, sowie Christophorus und andere Heilige. Im Jahr 1508 stellte er erste Farbholzschnitte her. Seit dieser Zeit widmete er sein Schaffen vorwiegend graphischen Arbeiten für Kaiser Maximilian I., vermittelt von Konrad Peutinger. 1512–1518 beteiligte er sich so mit zahlreichen Entwürfen an den Holzschnittserien in kaiserlichem Auftrag (Theurdanck, Weiskunig, Triumphzug Maximilians).

Zur Altersvorsorge kaufte der Maler 1526 für sich und seine Frau ein Leibgeding. Seinem Sohn Hans Burgkmair dem Jüngeren (1500–1562), der zusammen mit Heinrich Vogtherr dem Jüngeren die Radierungen für das „Augsburger Geschlechterbuch“ (1545) schuf, gelang es nicht, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgkmair gilt als Wegbereiter der Renaissance in Augsburg, gleichbedeutend als Maler wie als Zeichner für den Holzschnitt. Kaiser und Kirche waren zu seinen Lebzeiten die wichtigsten Auftraggeber für sein vielseitiges Schaffen. Burgkmair verarbeitete, angeregt von der italienischen Kunst, besonders in seinen Holzschnitten Formen der Renaissance und verband sie meisterlich mit der Tradition der Spätgotik. Seine späteren Gemälde enthalten die warme Farbpalette der venezianischen Malerei, weswegen über Reisen nach Oberitalien spekuliert wird (ein Aufenthalt 1507 in Venedig gilt immerhin als ziemlich sicher). Mit dem Johannesaltar von 1518 und dem Kreuzigungsaltar von 1519, beide heute in München, entstanden seine Hauptwerke der Altarmalerei. In seinem Spätwerk, z. B. dem schon manieristisch anmutenden Gemälde Esther vor Ahasver (1528) oder der Schlacht bei Cannae (1529), die er für Herzog Wilhelm IV. malte, erreichte Burgkmair nochmals die Qualität seiner früheren Schaffensperiode. Von den circa 100 Holzschnitten mit Porträts berühmter Herrscher (von Julius Cäsar bis Maximilian I.), die er für ein von Konrad Peutinger geplantes Kaiserbuch fertigte, sind nur 23 Holzschnitte erhalten. Der namentlich bisher unbekannt gebliebene Meister der Augsburger Malerbildnisse war unter seinem Einfluss tätig, aber kaum sein Schüler.

Burgkmair schuf einige hervorragende Altarbilder. Sein vielleicht schönstes und bedeutendstes Werk dürfte der Johannes-Altar von 1518 sein.[1]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1490 – Johann Geiler von Kaysersberg, Lindenholz, 37,3 cm x 26,5 cm, links und rechts je 0,5 cm angestückt, Malrand unten von der Mitte nach rechts leicht beschnitten (Augsburg, Staatsgalerie Altdeutsche Meister, Inv.-Nr. 3568)[2]
  • 1490 – Friedrich II. von Zollern, Papier, auf Leinwand geklebt, 37,2 cm x 25,8 cm (Papier), 38,7 cm x 26,9 cm (Leinwand) (Augsburg, Staatsgalerie Altdeutsche Meister, Inv.-Nr. 1055, Leihgabe der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg, Inv.Nr. 10277)[3]
  • 1498 – Hochzeitsbild Jakob Fuggers und der Sibylla Artzt, Privatbesitz[4]
  • um 1500 − Kaiser Friedrich III., nach einem verlorenen Original von 1468 (Wien, Kunsthistorisches Museum)
  • 1501 − Basilikenbilder: Basilica di S. Pietro (Augsburg, Staatsgalerie Altdeutsche Meister)
  • 1502 − Basilikenbilder: Basilica di S. Giovanni (Augsburg, Staatsgalerie Altdeutsche Meister)
  • um 1502 – Das Zeugbuch Kaiser Maximilians I., Innsbruck[5]
  • 1504 − Basilikenbilder: Basilica di S. Croce (Augsburg, Staatsgalerie Altdeutsche Meister)
  • 1507 − Krönung Mariä (Augsburg, Staatsgalerie Altdeutsche Meister)
  • 1509 − Maria im Rosenhag (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum)
  • 1515 − Randzeichnungen für das Gebetbuch Kaiser Maximilians I. (Besançon, Bibliothek)
  • 1518 − Johannesaltar (Mittelteil) „Evangelist Johannes auf Patmos“ (München, Alte Pinakothek)[1]
  • 1519 − Kreuzigungsaltar (München, Alte Pinakothek)
  • 1528 − Geschichte der Esther, Nadelholz, 103 cm x 156,3 cm (München, Alte Pinakothek; Teil eines Historienzyklus für den bayerischen Herzog Wilhelm IV. und seine Gemahlin Maria Jakobäa von Baden)[6]
  • 1529 – Niederlage der Römer bei Cannae, Nadelholz, 162 cm x 121,5 cm (München, Alte Pinakothek; Teil desselben Historienzyklus wie die Geschichte der Esther)[7]
  • Holzschnittwerke für Kaiser Maximilian I. ab 1509, unter anderem Genealogie, Weißkunig, Theuerdank, Triumphzug. Es sind im Weißkunig 137 Blätter des Meisters nachgewiesen.
  • Einzelblätter, sehr bekannt ist der Clairobscur-Holzschnitt Der Tod als Würger (1510).

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büste in der Ruhmeshalle

Eine Büste von Hans Burgkmair d. Ä. fand Aufstellung in der Ruhmeshalle in München.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Woltmann: Burgkmair, Hans der Ältere. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 576–578.
  • Peter Strieder: Burgkmair, Hans der Ältere. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 47–49 (Digitalisat).
  • Tilman Falk, Hans Burgkmair. Studien zu Leben und Werk des Augsburger Malers. München 1968 (Bruckmann).
  • Hans Burgkmair 1473–1531. Das Graphische Werk. Ausstellungskatalog. Stuttgart/Augsburg 1973
  • Das große Lexikon der Malerei. Georg Westermann Verlag, Braunschweig 1982
  • Eberhard Stiebner (Hrsg.), Heinz Jürgen Sauermost (Autor): Meisterwerke europäischer Kunst in bayerischen Museen. München 1983
  • Charles McCorquodale: Renaissance. Meisterwerke der Malerei. Studio Editions, London 1995 (Deutsche Lizenzausgabe bei Sirius, Künzelsau 1995)
  • 118 Holzschnitte von Hans Burgkmair. Hrsg. von Stephan Füssel. Taschen, Köln 2003, ISBN 3-8228-2189-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hans Burgkmair der Ältere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vgl. Johannesaltar: Johanns auf Patmos. In: pinakothek.de. Abgerufen am 6. September 2013.
  2. Vgl. Gisela Goldberg, Bayerische Staatsgemäldesammlungen (Hrsg.): Altdeutsche Gemälde. Katalog. 3. Auflage. München 1988, S. 34.
  3. Vgl. Gisela Goldberg, Bayerische Staatsgemäldesammlungen (Hrsg.): Altdeutsche Gemälde. Katalog. 3. Auflage. München 1988, S. 32. Nach Frank Jakupski: Der Maler Hans Burgkmair d. Ä. 1984 (Dissertation Bochum)., S. 5f. (Seitenzählung oben) ist anzunehmen, dass das Porträt nach dem von Geiler entstanden ist, da es einen überzeugenderen Bildaufbau hat als dieses. Als weiteren Hinweis darauf führt er die Hand des Dargestellten an, da Burgkmair den Ausdruck der Hände für die meisten folgenden Bilder verwendet habe.
  4. Vgl. Kurt Löcher: Studien zur oberdeutschen Bildnismalerei des 16. Jahrhunderts. In: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg. Band 4. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 1967, S. 31–84., S. 38–41. Löcher schreibt das Doppelbildnis Hans Burgkmair zu. Dem schließt sich Frank Jakupski: Der Maler Hans Burgkmair d. Ä. 1984 (Dissertation Bochum)., S. 7 (Seitenzählung oben) an. Ernst Buchner hatte es 1928 dessen Vater Thoman Burgkmair zugeschrieben.
  5. Vgl. urn:nbn:de:bvb:12-bsb00020956-6.
  6. Vgl. Volkmar Greiselmayer: Kunst und Geschichte. Die Historienbilder Herzog Wilhelms IV. von Bayern und seiner Gemahlin Jacobäa. Versuch einer Interpretation. Gebr. Mann, Berlin 1996, ISBN 3-7861-1834-5, S. 8.: Datierung durch Inschrift: „MDXXVIII / IOANN BURGHMAIR / ICTOR AVGVSTAN / FACIWBAT“.
  7. Vgl. Volkmar Greiselmayer: Kunst und Geschichte. Die Historienbilder Herzog Wilhelms IV. von Bayern und seiner Gemahlin Jacobäa. Versuch einer Interpretation. Gebr. Mann, Berlin 1996, ISBN 3-7861-1834-5, S. 8.: Datierung durch Inschrift: „MDXXIX. IOANN. BURGKMAIR / AVGVSTANUS / FACIEBAT“.